After Lost

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Summary

Maddison Griffon absolviert ein Praktikum in einer Highschool. Als sie für eine Woche in der Zwölften Klasse aushilft, trifft sie auf den mysteriösen Bad Boy Logan, der den Lehrern das Leben schwer macht und kein Benehmen zu kennen scheint. Nur zu ihr ist er anders. Sie ist sich sicher, dass hinter seinem Verhalten mehr steckt als alle annehmen.

Status
Ongoing
Chapters
18
Rating
5.0 1 review
Age Rating
18+

1


Ich werde zu spät sein! Meine Mitbewohnerin und Klassenkameradin Cara betrachtete mich mit hochgezogener Augenbraue. „Wie schaffst du es nur immer, dass du dich so abhetzen musst? Die Highschool ist doch direkt um die Ecke.“ Entspannt setzte sie ihre grüne Tasse an ihre Lippen und trank einen Schluck. Für sie war es, im Gegensatz zu mir, ein entspannter Morgen. Ihre angedeuteten Mundwinkel ließen mich erahnen, dass sie schadenfroh in ihre Tasse grinste.

„Du solltest dich beeilen, Maddie.“

„Was du nicht sagst!“

Ich schulterte meine braune Umhängetasche, schnappte mir meine olivgrüne Jacke und verließ das Haus. Die Haustür fiel hinter mir polternd ins Schloss.

Während ich die Treppe hinunterpolterte tastete ich meine Hosentaschen nach meinem Handy ab. Erfolglos. Auch als ich mitten auf der Treppe innehielt und meine Tasche durchkämmte, fand ich nichts.

„Verdammte scheiße! Das kann doch jetzt echt nicht wahr sein!“

Ich rannte die vierzehn Stufen wieder herauf und hämmerte gegen die Wohnungstür. Sekunden später riss Cara die Wohnungstür auf. „Was?“

„Handy...“

„Küchentheke.“ Cara trat zur Seite und machte eine einladende Geste hinein. Ich hechtete an ihr vorbei, fischte mein Handy von der Theke und stürmte hinaus. „Bye.“

„Verschwinde schon“, rief sie durchs Treppenhaus, ich hörte das Schmunzeln aus ihrer Stimme heraus. Sobald unten die Haustür krachend ins Schloss gefallen war, wurde ich von einer Menschenmenge umfangen, die mich wie eine Traube verschluckte. Bei meiner mickrigen Größe könnte ich darin gut untertauchen. Um halb acht morgens herrschte hier längst ein reger Betrieb. Zum einen waren die Straßen ziemlich überfüllt, die Fußwege ebenso. Ich drängte einige Passanten beiseite, schlüpfte in die Gasse rechts und hechtete diese hindurch. Am Ende der Gasse links und geradeaus. Das riesige Gelände der Highschool war bereits zu sehen. Ich lief schneller und war froh, dass ich nach wenigen Minuten das Schulgelände erreicht hatte. Eilig stieß ich die riesige Flügeltür auf und wappnete mich auf einige skeptische und misstrauische Blicke der Schüler und Schülerinnen. Ich wusste von meinem Bewerbungsgespräch, dass ich Schülern begegnen konnte, die in meinem Alter waren oder ein bis zwei Jahre älter waren. Aber das hatte mich nicht abgeschreckt. Schließlich würde ich sie nur sehen. Das Praktikum würde ich in einer sechsten Klasse absolvieren bei einem Mr Sheppard. Ich hatte ihn bereits einmal gesehen, er war ein Mann mittleren Alters mit grau, braunen Haaren. Auf den ersten Blick wirkte er sympathisch und athletisch.

„Mrs Griffin, Sie sind zu spät!“

Ich fuhr herum und starrte auf eine breitgebaute Brust. Langsam wanderten meine Augen höher, bis sie in die dunklen Augen von meinem Praktikumsanleiter trafen. „Es tut mir leid.“

„Bringen Sie Ihre Tasche schnell in das Lehrerzimmer“, forderte er und reichte mir seinen Schlüssel. „Ich warte.“

Kurz überlegte ich, zu fragen, ob ich einen bestimmten Platz hatte oder wo ich meine Tasche abstellen und meine Jacke aufhängen sollte. Da er bereits genervt wirkte, schluckte ich die Frage hinunter und folgte seiner ausgestreckten Hand den Flur hinunter.

An einer blauen alten Tür hielt ich inne und schob den Schüssel in das Schloss. Ich drehte ihn nach rechts und rüttelte am Knauf, auch als ich nach links drehte, regte sich nichts.

„Gegen drücken und nach rechts drehen. Machen Sie schon Mrs Griffin, die Klasse wartet.“ Seine dunkle Stimme klang ziemlich genervt. Ich drückte fest gegen die Tür und drehte den Schlüssel nach rechts. Sie öffnete sich mit einem Klick und ich schmiss meine Jacke und Tasche direkt neben die Tür. Danach verriegelte ich die Tür und joggte zu ihm zurück.

„Die Ruhe, die Sie haben, hätte ich auch gerne.“

Ich erwiderte nichts darauf, sondern folgte ihm eilig. Offenbar schien er doch nicht so sympathisch zu sein, wie ich anfangs dachte.

Wir gingen zwanzig Treppenstufen hinauf, durch eine große Glastür und betraten das Klassenzimmer am Ende des Flures. Die lauten Unterhaltungen aus diesem Raum hörte man an der Treppe.

„Julien, du brauchst nicht die ganze Schule zu unterhalten. Sianna setz dich gefälligst hin!“

Ich blinzelte irritiert. So schnell wie Mr. Sheppard das Klassengeschehen überblickt hatte, war ich nicht mal annähernd. Mir fielen als erstes drei Mädchen in der letzten Reihe auf, die beinahe einen verängstigenden Eindruck machten.

„Ihnen auch einen Guten Morgen“, rief ein braunhaariger Junge aus der mittleren Reihe. Er wirkte auf den ersten Blick ziemlich vorlaut, fast ein wenig rebellisch.

„Ruhe“, donnerte Mr. Sheppard plötzlich so laut durch den Raum, dass selbst ich zusammenfuhr. Seine Reaktion war meiner Meinung nach vollkommen überzogen, da alle ruhig waren bis auf dem einen Kerl und einige flüsternde Unterhaltungen.

Nachdem sich Stille über das Klassenzimmer gelegt hatte, wandte sich der Lehrer mir zu. „Das ist Maddison Griffin, sie ist ab heute Praktikantin und wird euch bei den Schulaufgaben unterstützen und in den Nachmittagsangeboten tätig sein“, erklärte er und nickte mir zu. „Am besten erzählen Sie ein wenig über sich.“

„Hey“, sagte ich an die Klasse gewandt. „Ich bin Maddison und da ich hier als Praktikantin bin, euch unterstütze und nicht den Unterricht leite, könnt ihr mich gerne dutzen. Ich kann drei Fremdsprachen und bin vor allem gut in Mathematik. Also falls ihr Fragen habt oder Hilfe benötigt, scheut euch nicht zu fragen.“

Die Klasse nickte und dann richteten sich alle Blicke auf Mr Sheppard.

Während er mit dem Unterricht begann und die Basics zu der Bruchrechnung einleitete schaute ich mich im Klassenzimmer um. Die Kinder saßen in der Hufeisenform, wie mein ursprünglicher Klassenlehrer diese Sitzordnung immer genannt hatte. Jetzt wo ich vorne am Lehrerpult stand, wirkte es eher wie zwei aneinandergeschobene E’s. Hinter der letzten Reihe gab es eine riesige Pinnwand mit einem Fluchtplan, dem Stundenplan, wichtigen Infos, Nachmittagsangeboten und einen Geburtstagskalender.

Ich ließ meinen Blick über die Kinder gleiten. Sie wirkten so klein und wild. jeder war noch auf der Suche nach seinem Inneren Ich.

„Maddison?“ Ich schaute auf und blickte zu einem blonden Mädchen, welches mich mit großen braunen Augen anblinzelte. „Ich versteh das nicht.“

„Also wirklich, Kit! Du verstehst sonst immer alles, hör auf dich blöd zu stellen.“

Ich starrte das Mädchen an und wandte mich an Mr. Sheppard.

„Bei allem Respekt, aber vieles davon ist wirklich nicht verständlich, einfach weil es sehr umfassend ist und zu viel auf einmal. Schließlich ist meine Schulzeit auch noch nicht solange her.“

Für einen Moment, rechnete ich mit einer schlagfertigen Antwort, aber er nickte, und ließ das Thema auf sich beruhen. Dennoch glaubte ich nicht, dass es damit getan sein würde. Er wirkte nachtragend und absolut nicht konfliktscheu. Vermutlich wollte er das Thema nur nicht vor seiner Klasse breittreten.



Die Zeit verstrich im Mathe- und Biologie Unterricht langsam, da Mr. Sheppard mir nur wenig Freiraum ließ. Mrs Jones, die hier Englisch und Erdkunde unterrichtete, beachtete mich wenig. So konnte ich die Zeit nutzen und mir selbst Aufgaben suchen. Zwischenzeitlich gab sie mir einige Tipps, aber keine direkten Aufforderungen oder Aufgaben. Mit ihrer Arbeitsweise konnte ich wesentlich besser umgehen, als mit der von Mr. Sheppard.

Der Vormittag zog sich wie Kaugummi in die Länge und ich war froh, als endlich die Mittagspause einläutete, da diese auch für mich galt. Ich schnappte mir meine Tasche und verließ die Schule. Diesmal hatte ich auch die Chance, den Schulhof genauer zu betrachten. Er war groß, aber eintönig. Es gab einige Bänke, Bäume und rechts von mir einen Fahrradschuppen, welche parallel als Raucherecke fingierte. Die Schüler standen in Cliquen beieinander und schienen in Gespräche vertieft zu sein.

Ich schenkte ihnen keine weitere Beachtung, als ich nach rechts abbog und mein Lieblingscafé ansteuerte. Die Straße war voller Autos, weswegen ich nicht direkt über die Straße konnte. Erst bei der Kreuzung einige Meter weiter, ergab sich mir die Möglichkeit, die Straße zu überqueren. Es dauerte, zwar ließ ich die Autos nicht aus den Augen und hoffte auf eine Lücke. Im Sekundentakt kamen die Autos und zwangen mich, die Ampel zu nutzen. Knapp hundert Meter zurück. Hin und Rückweg zusammengerechnet ergab das knapp 400 Meter Umweg und hieß, dass ich mich beeilen musste.

Ich verschnellerte mein Tempo. Kurz darauf drückte ich den gelben Schalter und starrte auf das rote Männchen gegenüber. Eine Menschentraube sammelte sich auf der anderen Straßenseite an. Pärchen, ältere Leute, Schüler. Das Ampelmännchen sprang auf Grün und ich eilte los. Ehe ich mich versah, lag ich auf der Straße und der Inhalt meiner Tasche war dort verstreut.

„Pass gefälligst auf“, zischte er. Aufgebracht richtete ich mich auf und starrte seinen Rücken an, der sich immer weiter entfernte. „Danke für die Hilfe, Arschloch“, rief ich ihm nach, während ich eilig meine Sachen in meine Tasche warf. Die fragenden Blicke der Passanten ignorierte ich. Es nahm einige Minuten in Anspruch, was sich vor allem durch die lauten Autohupen und wütenden Rufe der Fahrer bemerkbar machten.

„Mädchen, beeil dich gefälligst!“

„Ich will dich mal dein Eigentum von der Straße aufsammeln sehen“, grummelte ich und joggte von der Straße. Auf der anderen Straßenseite atmete ich tief durch bevor meinen Weg fortsetzte.

Ich hatte noch zwanzig Minuten, um mir meinen Kaffee zu besorgen und dann wieder zurück zur Schule zu gehen. Ich richtete meine Tasche auf der Schulter und wich einigen Passanten aus, die mir entgegenkamen. Allesamt wirkten sie müde oder gestresst. Offenbar war das üblich zu dieser Tageszeit.

Das Café lag nur zwei Häuser von der Ampel entfernt und zu meinem Glück stand die Warteschlange heute nicht bis nach draußen. Ich stellte mich hinten an und nahm mein Handy in die Hand, welches augenblicklich zu vibrieren anfing.

Seufzend nahm ich ab. Er rief täglich an und jeden Tag ähnelte es mehr einem Kontrollanruf. Zwei Fragen, zwei Antworten, dann war das Gespräch vorbei.

„Tristan...“

„Hey Baby, was machst du gerade?“ Das war seine Standardfrage. Von seiner Seite aus gab es keine Unterhaltung.

„Wie oft hab ich dir schon gesagt, dass du mich nicht so nennen sollst? Du weißt genau, warum ich diesen Namen hasse“, entgegnete ich. „Ich hab Pause.“

„Cool. Ich muss wieder, wir hören uns heut Abend, Baby.“ Dann legte er auf. Kein „Ich liebe dich“ oder etwas in die Richtung. Er wollte bloß sichergehen, dass ich nichts mit anderen Männern tat, und er gab einen Scheiß darauf, was ich wollte. Er nannte mich einfach Baby. Meine Geschichte oder Wünsche waren ihm scheiß egal.

Genervt schmiss ich mein Handy in die Tasche.

Bis ich meinen Kaffee hatte und wieder zurück war, war die Mittagspause um und ich platzte gerade noch pünktlich in das Lehrerzimmer herein.

„Tut mir Leid“, sagte ich und stellte meine Sachen hinten neben die von Mr. Sheppard. Er beäugte mich mit hochgezogener Augenbraue, dann kräuselten sich seine Lippen leicht. „Du bist ja noch nicht zu spät“, erwiderte er. „Ich hab mir überlegt, dass du meine sechste Klasse heute zur Kreativstunde begleitest und dort ein wenig mit ihnen was machst. Mr. Cherry ist damit einverstanden und freut sich auf Unterstützung.“

„Klar“, brachte ich über meine Lippen und nahm einen Schluck von meinem Kaffee. Mr Sheppard jetzt in der Mittagspause zu erleben, ließ ihn um einiges sympathischer wirken. Kaum hatte ich das Gesöff heruntergeschluckt, verzog ich mein Gesicht. „Kacke, jetzt hab ich auch noch Milch und Zucker vergessen.“

Einige der Lehrer glucksten auf, andere verkniffen sich ein Grinsen. „Im Kühlschrank und der Zucker ist daneben“, erklärte eine grauhaarige Frau und rette mir damit das Leben.

Der Nachmittagsunterricht verlief ziemlich entspannt. Mr Cherry war ein Lehrer, der auf den ersten Blick wie ein Hippie wirkte. Er hatte lange, braune Haare und einen blauen Mantel, der bis zum Boden reichte. Dazu trug er ein lilanes Shirt und schwarze Boots. Sein Style war absolut schräg, aber seine Art zu unterrichten gefiel mir. Er gab den Kindern Freiräume und stellte Fragen, ließ aber vieles auch offen. Ich beschäftigte mich mit den Kindern, gab ihnen Tipps beim Zeichnen oder Rätsellösen. Zum Schluss hatten sechs Schüler angefangen, einen riesigen Turm aus Stiften zu bauen. Mr Cherry war der erste Lehrer, den ich erlebte, der dieses lobte und nicht tadelte.



Der Weg nach Hause kam mir viel länger vor, als er vermutlich war. Wahrscheinlich lag es daran, dass ich versuchte, das Telefonat mit Tristen zu verdrängen. Dabei musste ich es endlich hinter mich bringen. Ich musste mit ihm ein vier Augengespräch führen, um noch einiges zu retten. Wir hatten drei Jahre Beziehung hinter uns, die wollte ich nicht aufgeben.

Ich schloss meine Wohnungstür auf und trat ein.

„Maddie!“ Siara lächelte mich müde an. Aber ihre Augen wirkten eher traurig. Ihre feuchten Haarspitzen vor dem linken Auge verrieten, dass sie geweint hatte. „Was ist passiert?“ Nachdem ich meine Schuhe ausgezogen hatte, setzte ich mich neben sie auf den Boden und lehnte mich gegen die Couch.

„Chris hat sich getrennt...“

„Du weißt genau, dass ihr seit fünf Jahren zusammen seid-“

„waren.“

„Waren. Aber ihr habt euch ständig getrennt und wieder zusammengefunden“, erklärte ich und zog sie an mich. „Ihr werdet auch diesmal wieder zusammen finden.“

„Diesmal war es anders.“

„Anders heißt nicht unmöglich. Lass erstmal ein paar Tage vergehen, Chris wird sich wieder fangen. Wie immer. Und wenn ich mit ihm reden soll, oder verprügeln, dann sag einfach Bescheid.“

Auf ihren Lippen breitete sich ein Grinsen aus, welches auch ihre Augen erreichte.

„Tristan hat wieder seinen Kontrollanruf gemacht...“, murmelte ich an ihrem Ohr, um das Thema von Chris zu lenken.

„Du musst ihm endlich sagen, dass du so nicht weiter machen kannst. Je länger du wartest, desto schwieriger wird es später für euch beide.“

Ich wusste, dass sie recht hatte, aber ich konnte nicht. „Ich will es noch irgendwie retten.“

„Da gibts nichts mehr zu retten. Du musst nur loslassen, Klartext reden und dich nach was neuem umschauen.“ Theoretisch traf sie es auf den Punkt, das wusste ich. Aber ich brachte es nicht über mich es praktisch umzusetzen. Ich hatte Angst ihn zu verlieren, wieder alleine dazustehen. Auf der anderen Seite hatte ich es nie über mich gebracht Tristan meiner Familie vorzustellen.

„Vielleicht... Ich muss noch einigen Kram erledigen“, sagte ich und rappelte mich auf. Langsam ging ich auf meine Zimmertür zu.

„Ehm... Maddie...“

„Wir sehen uns morgen“, sagte ich und öffnete die Zimmertür.

„Hey, Baby.“

Einerseits war ich froh, dann machte sich eine unheimliche Wut in mir breit.