Slice of Life - Urlaubsgefühle

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Summary

Sheila und Jonathan leben gemeinsam mit ihrer Tochter Mona ein ruhiges, zufriedenes Leben. Doch schon seit Jahren scheint Jonathan eifersüchtig auf seinen eigenen Cousin Leonard zu sein, der ein Auge auf Sheila geworfen hat. Zu allem Überfluss scheinen Sheila, Mona und auch Leonard die Idee eines gemeinsamen Urlaubs nicht mehr aus ihren Köpfen zu bekommen. Nur missmutig willigt Jonathan ein, diese Reise zu machen, auch wenn er genau weiß, dass Leonard Sheila umgarnen wird. Kann er seine Eifersucht, die nicht selten in Wutausbrüchen endet, unter Kontrolle halten? In dem verzweifelten Versuch, seine Tochter Mona glücklich zu machen und seine Ehe zu retten, würde er alles geben, allerdings scheint Sheila zumindest aus seiner Sicht nicht ganz das gleiche Ziel zu haben. Unter der idyllischen Kulisse von Strand und Meer scheint die ganze Situation zu eskalieren.

Status
Complete
Chapters
123
Rating
n/a
Age Rating
16+

Kapitel 1 - Sheila

Teil 1

Sheila lachte so sehr, dass sie sich den Bauch hielt und sich ihre Wangen bereits verkrampften. Ihre Finger umklammerten das inzwischen ziemlich häufig geleerte Glas.

Sie spürte, wie ihr jemand bestimmt eine Hand auf die Schulter legte und sie drückte. Auch wenn sie betrunken war, wusste sie, was ihr Mann ihr mit dieser Geste sagen wollte. Reiß dich zusammen. Auch wenn er es nicht aussprach, wusste sie, dass er ihr das sagen wollte.

Allmählich beruhigte sie sich, massierte ihre Kiefer, die noch immer vom Lachen schmerzten und wandte sich nach links, um Jonathan anzusehen. Auch er hatte getrunken, aber weitaus weniger als sie selbst. Sein Blick war klar und sofort fand ihr Blick den seinen. Er drückte ihre Schulter noch ein wenig fester und lächelte.

„Geht es dir gut?“, fragte er und sie nickte schnell.

„Ja, ich bin glücklich”, sagte sie und spürte, wie der Alkohol ihre Sinne umnebelte. Mit einem Seufzen ließ sie sich gegen ihn fallen und schmiegte sich an ihn. Er fühlte sich so vertraut an und am liebsten hätte sie alles um sich herum vergessen. Nur sie beide, hier und jetzt.

Sheila kicherte leise, denn es war der Alkohol, der aus ihr sprach und nicht die Vernunft. Nur noch wenige Stunden, dann würde Mona, ihre gemeinsame Tochter von ihrem Oma- und Opa-Wochenende bei Jonathans Eltern zurückkommen und der Alltag würde wieder einkehren.

„Hey Sheila, was hältst du von der Idee?“, riss eine allzu bekannte Stimme sie aus ihren Gedanken. Sie wandte den Blick in die Richtung, aus der sie kam und sah in das Gesicht von Leonard, Jonathans Cousin. Er strahlte bis über beide Ohren, wobei sich eindeutig einige Falten um seine Augen legten. Sein dunkles Haar war inzwischen von grauen Strähnen durchzogen, doch es stand noch genau so wuschelig vom Kopf ab wie früher. Seine braunen Augen glänzten und sahen sie erwartungsvoll an, doch sie hatte keine Ahnung, was er meinte.

„Auf keinen Fall”, mischte Jonathan sich ein, lachte aber. Offensichtlich war sie in eine Unterhaltung zwischen den beiden geraten, was ihr ein wenig unangenehm war.

„Ich...“, stammelte sie, senkte dann aber den Blick und löste sich aus Jonathans Umarmung und erhob sich. Ungeschickt stieg sie über die Bank der Bierzeltgarnitur, auf der sie gesessen hatte und ging mit gesenktem Blick in Richtung Veranda.

Jonathan hatte beschlossen, ein paar Freunde einzuladen und das kinderfreie Wochenende zu genießen. Sheila lief eilig die wenigen Stufen hinauf auf die Veranda, die an ihren Garten grenzte und betrat durch das Fliegengitter die Küche ihres Hauses.

Sofort spürte sie die drückende Wärme, die noch immer im Haus lag, auch wenn sie alle Fenster geöffnet hatten. In ihrem Kopf drehte sich alles und sie bereute, so viel getrunken zu haben.

Sie marschierte in Richtung Bad, rempelte dabei unsanft gegen die Kommode im Flur und wusste, dass es für sie Zeit fürs Bett war. Mit einem Knall schloss sie die Badezimmertür hinter sich und ging auf die Toilette. Es hatte Spaß gemacht, mit ihren Freunden zu reden und auch ein wenig herumzualbern, aber sie vermisste ihre Tochter. Das kleine Fenster im Bad war gekippt und sie hörte eindeutig Jonathans Lachen hereindringen.

Sie war glücklich und unwillkürlich legte sich ein Lächeln auf ihre Lippen. Nachdem sie abgezogen und sich die Hände gewaschen hatte, betrachtete sie sich einen Moment lang im Spiegel. Ihr Haar war ein wenig zerzaust und eilig entwirrte sie es mit den Fingern, doch auch das half nicht wirklich. Ihre Wangen waren vom Alkohol gerötet und ihre Wimperntusche ein wenig verlaufen. Irgendwie schaffte sie es immer, vollkommen fertig auszusehen, wenn sie trank. Vielleicht, weil sie es in den letzten Jahren so selten getan hatte.

Seufzend zog sie ihr T-Shirt glatt und machte sich wieder auf den Weg zurück zu den anderen in den Garten.

„Ah, da bist du ja. Wir werden uns mal auf den Weg machen”, sagte Laura, eine Schulfreundin von Jonathan, während sie auf sie zu kam. Lauras langes, schwarzes Haar war beinahe ebenso dicht wie ihr eigenes und in ihren Augen lag auch der Schimmer von zu viel Alkohol.

„Okay, fahrt vorsichtig. Schön, dass ihr da wart”, sagte Sheila und breitete die Arme aus. Sie kannte Laura nun schon zehn Jahre und sie schien um kein bisschen gealtert zu sein, ganz im Gegenteil zu ihr selbst. Sie spürte, wie ihr Körper träge wurde und sie bekam die ersten Fältchen.

„Danke für die Einladung”, sagte Laura und umarmte sie fest. Kaum dass sie sich voneinander gelöst hatten, winkte Karl, Lauras Freund, beinahe zögerlich. Sheila erwiderte die Verabschiedung, dann verschwanden die beiden. Sie sah ihnen nach, bis sie das Gartentor hinter sich geschlossen hatten, dann ging sie zurück zu Jonathan.

Er unterhielt sich angeregt mit Leonard und eigentlich wollte sie die beiden nicht stören. Sie fuhr im Vorbeigehen kurz mit dem Finger über seinen Rücken und schlenderte dann zu dem im Boden eingelassenen Pool. Leonards Freundin, ein blondes, schüchternes Mädchen saß allein am Rand des Pools und hielt die Füße in das kalte Wasser. Sheila kickte ihre Flip Flops weg und tat es ihr gleich.

„Alles in Ordnung?“, fragte sie das Mädchen. Sie sah sie heute zum ersten Mal, auch wenn Leonard schon einige Monate mit ihr zusammen war. Sie lächelte schüchtern und nickte, sah Sheila dann aber eindringlich an. Auch wenn Sheila es nicht mochte, so beobachtet zu werden, sagte sie nichts. Sie war nicht wirklich gut darin, neue Kontakte zu knüpfen und bemühte sich meist auch nicht darum. Sie wackelte mit den Füßen im Wasser herum, denn die Kühle fühlte sich auf der Haut angenehm an.

„Wie lange kennst du Leonard schon?“, fragte das Mädchen, Kathi, auf einmal. Sheila sah sie nun doch an und erschrak beinahe, denn ihre Augen waren unheimlich eisblau. Ihr eher dünnes, hellblondes Haar wehte leicht im schwachen Wind. Sheila überlegte.

„Ich weiß nicht genau, vielleicht neuneinhalb Jahre, etwas mehr vielleicht”, sagte sie und zwang sich, angestrengter nachzudenken. Sie und Jonathan waren im Herbst seit zehn Jahren verheiratet und sie wusste, dass sie Leonard an Weihnachten davor kennengelernt hatte.

„Ich frage nur, weil ihr so vertraut wirkt”, sagte Kathi und klang dabei ein wenig... eifersüchtig? Sheila grinste in sich hinein, denn auch wenn sie und Leonard sich gut verstanden, war da niemals mehr gewesen als Freundschaft. Zumindest für sie. Gleichzeitig wurde sie an einen ihrer schwächsten Momente erinnert, den sie mehr als zutiefst bereute.

Es war ebenfalls im Sommer und auch hier im Garten gewesen, als Leonards Hand ein wenig auf Wanderschaft gegangen war. Eilig riss sie sich jedoch aus der Erinnerung und lächelte Kathi an.

„Ich kenne ihn einfach schon sehr lange, das ist alles”, sagte sie, denn sie wollte seiner Freundin nicht eröffnen, dass Leonard sie ziemlich lange angeschmachtet hatte. Vergeblich, offensichtlich. Kathi nickte, schielte jedoch argwöhnisch zu Leonard, der ihren Blick nicht zu bemerken schien.

Sheila ließ sich mit einem Seufzen auf den Rücken in das weiche Gras fallen und beobachtete den schon allmählich aufgehenden Mond. Es war spät, zumindest für Elternverhältnisse und sie war müde.

Aus dem Augenwinkel sah sie, dass auch Kathi sich neben ihr niederließ und in den Himmel sah.

„Meinst du, Leonard meint es ernst mit mir?“, fragte sie dann und Sheila fühlte sich ein wenig unbehaglich. Sie kannte das Mädchen nicht und sie wollte ihr keine Tipps oder so etwas geben.

„Er redet auf jeden Fall ziemlich viel von dir und er wirkt glücklich”, sagte sie möglichst unverbindlich, auch wenn das nicht ganz der Wahrheit entsprach. Tatsächlich hatte Leonard eher ausweichend reagiert, als man ihn auf seine neue Freundin angesprochen hatte. Als Sheila sie das erste Mal gesehen hatte, wusste sie auch, warum. Sie war deutlich jünger als er, maximal fünfundzwanzig. Leonard würde bald vierundvierzig werden. Sheila war der Meinung, dass das ein unangemessen großer Altersunterschied war, zumindest für sie selbst. Aber das würde sie weder ihr noch Leonard sagen.

„Wirklich? Ich... habe eher den Eindruck, dass ich ihn irgendwie nerve. Ich weiß auch nicht”, fuhr sie fort. Sheila drehte den Kopf und sah ihr Profil an. Sie war hübsch, wenn auch eher unauffällig, bis auf ihre blauen Augen.

„Mach dir keine Sorgen”, versuchte sie sie zu beruhigen, allerdings quittierte Kathi es nur mit einem Seufzen.