Nicola

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Summary

Ein Tag am Meer. Das Rauschen der Wellen, der heiße Sand unter den Füßen und das Rufen der Möwen am Himmel. Chris fährt oft mit ihren Eltern einen Tag ans Meer, um die Freiheit dieses Ortes zu fühlen. Doch diesmal verläuft der Tag etwas anders, als sie es erwartet hatte...

Status
Complete
Chapters
7
Rating
5.0 1 review
Age Rating
16+

1

Salzige Luft, Sandstrand und das Rauschen der Wellen untermalten den wahnsinnig schönen Blick, der sich mir bot. Das Licht brach sich an der Wasseroberfläche, wie tausende Diamanten und hatte einen Farbverlauf von Türkis bis Kobaltblau. Möwen segelten durch die Luft, setzten sich auf die Schirme, die den Strand säumten und ich mittendrin.

Ich atmete tief ein und aus, ehe ich meinen Eltern folgte, die bereits die Liegen aufbauten und ihre Handtücher darauf ausbreiteten. Während ich meinen Rucksack auf eine blaue Liege gleiten ließ, beobachtete ich meine Mutter, wie sie durch ihre Tasche kramte, um ein Buch, eine Sonnenbrille und Sonnencreme herauszufischen.

Mein Vater atmete einmal tief durch und warf mir dann ein breites Grinsen zu.

„Schön, nicht?“, fragte er verträumt und streckte dann seinen Kopf der Sonne entgegen.

„Wunderschön.“, antwortete ich leise. Der Wind ließ den Rock meines Kleides fliegen und ich fühlte mich für einen Moment unglaublich frei. Wie immer, wenn wir ans Meer fuhren.

Durch eine schwere Operation meines Vaters konnten wir das jetzt ganze zwei Jahre nicht und ich hatte es sehr vermisst. Den heißen Sand unter meinen Füßen zu spüren und die Erleichterung, wenn man in den Schatten oder das Wasser kam. Der lauwarme Wind, der mir durch die Haare streifte und wie das salzige Wasser, das auf meiner Haut prickelte,... aber am meisten faszinierte mich dieser Blick hinaus auf den Horizont. Es war, als stünde ich vor einer unendliche Weite, die mir das Gefühl gab, vollkommen frei zu sein. Als gäbe es dort draußen alles und auch Nichts...

„Heute lassen wir uns es richtig gut gehen.“, sagte meine Mutter und setzte sich die Sonnenbrille auf.

„Die Luft tut uns sicher auch gut.“, fügte mein Vater hinzu, ehe er sich die Sonnencreme nahm und anfing sie auf seiner Haut zu verteilen. Normalerweise war er immer sonnengebräunt. Seine Haut war an die starke Sonne der südlichen Länder gewöhnt, da er hier aufgewachsen war. Ganz anders als ich, denn meine Haut war immer bleich und wenn ich zu lange in der Sonne blieb, war sie auch sofort rot. Unmittelbar erinnerte ich mich an die dummen Sprüche meiner Klassenkameraden.

Nach zwei Jahren Haus und Bettruhe hatte aber auch die Haut meines Vaters einen bleicheren Ton bekommen.

Meine Mutter stimmte ihm zu, lehnte sich zurück und schlug ihr Buch auf. Bevor sie zu lesen begann warf sie mir noch einmal ein Lächeln zu.

Am liebsten wäre ich dort stehen geblieben und hätte die beiden weiter beobachtet. Solche Momente waren einfach wahnsinnig schön für mich, mit dieser Ruhe und das Gefühl, dass alles perfekt war.

In diesem Moment war es das.

„Setz dich doch hin.“, meinte meine Mutter plötzlich und riss mich aus meinen Gedanken. Es musste schon seltsam aussehen, wie ich dort, in meinem Kleid stand und meine Eltern anstarrte. Schnell ließ ich mich auf meine Liege sinken und zog mir das Stück Stoff über den Kopf. Darunter trug ich einen schwarzen Bikini.

„Ich geh schon mal zum Wasser.“, ließ ich die beiden wissen und lief los. Wir hatten die erste Reihe am Strand bekommen und daher musste ich mich nicht durch andere Gäste kämpfen, sondern konnte den breiten Strandteil überqueren, der mich von den schäumenden Wellen des Meeres trennte. Verschiedenste Muscheln wurden mit jeder neuen Welle angespült und ich hockte mich hin, um eine hoch zu heben.

Sie war wunderschön, hatte eine violett schillernde Innenseite und eine reinweiße Außenseite. Vorsichtig fuhr ich die Rillen mit meinem Finger nach. Ich sammelte, seit ich denken konnte jedes Jahr Muscheln, aber ich nahm immer nur eine mit nach Hause. Die Schönste von allen, die ich dann auf einen fast zwei Meter großen und breiten Bilderrahmen klebte. Meine Mutter hatte mir versprochen, sobald ich ausziehen würde, mir dafür ein Bild zu malen, das in meine Wohnung passen würde.

Wie aus dem nichts spritze mir plötzlich das salzige Meerwasser direkt ins Gesicht. Ich wollte gerade aufspringen, um der schäumenden Welle auszuweichen, als ich von hinten umgestoßen wurde und fiel in eine neu anschwellende Welle. Die Muschel flog einige Meter weiter nach vorne. Ich sah einige lachenden Kinder weiter rennen, denen gar nicht aufgefallen war, dass sie mich eben umgestoßen hatte. Super.

Kopfschüttelnd kämpfte ich mich wieder hoch und entfernte mich etwas von dem Minimenschen.

Ich hatte nichts gegen sie. Eigentlich mochte ich Kinder sehr und wollte auch in Zukunft mit ihnen arbeiten, aber wenn sie mir solche Momente zerstörten, gingen sie mir doch auf die Nerven.

Durchatmend blendete ich ihr Quieken aus und begann durch das Wasser zu streifen. Es war nicht kalt, umspielte meine Knöchel und ich begann wieder zu lächeln.

Es war Ebbe und daher ging es nicht sehr tief ins Wasser, ehe die nächste Sandbank kam. Hinter dieser fiel allerdings der Boden ab und deswegen stand dort auch ein Schild, auf welchem in drei verschiedenen Sprachen gewarnt wurde, dass Nichtschwimmer dort nicht hineingehen sollten.

Einige Minuten stand ich auf dieser Sandbank, genoss den Wind, das Schreien der Möwen und das Rauschen der Wellen. Innerlich war ich jetzt schon traurig, dass wir nur einen Tag am Strand verbrachten. Ich könnte wesentlich länger bleiben. Allerdings war es unsere Tradition, da wir das Glück hatten nur drei Stunden mit dem Auto zu fahren, um hier anzukommen. Normalerweise ging es schon am Abend zurück, diesmal wollten wir aber abends Essen gehen und auch was trinken. Daher hatten wir, durch die Ersparnisse der letzten zwei Jahre, uns ein schönes Hotel genommen.

Schließlich entschied ich mich zurückzugehen und ein bisschen zu Lesen, aber ich wurde jäh unterbrochen, als mich jemand hart von hinten stieß und ich mit einem leisen Schrei im Wasser, und auch recht schnell unter Wasser, landete.

Ich hatte eben erst registriert das ich nicht mehr an der Oberfläche war, da griff eine Hand nach meinem Arm und zog mich hoch. Meine Augen brannten von dem Salzwasser und ich hustete, da ich mich vor Schreck auch daran verschluckt hatte.

„Lo siento, no te vi. Todo está bien?“, fragte eine tiefe Männerstimme und ich schnappte noch einige Male nach Luft, bis ich endlich nach oben sah. Zwei dunkle, braune Augen sah mir besorgt entgegen. Ebenfalls dunkelbraune Locken verdeckten seine Stirn und hingen ihm bis über die Augen. Seine Haut war von der Sonne gebräunt und da er mich immer noch verspannt festhielt, starrte ich einen Moment verwirrt auf seine nackte Brust.

„Was?”

Er brauchte einen Moment, bis er verstand, dass ich kein italienisch konnte.

„Sorry, I didn’t see you. Are you alright?“, wiederholte er dann in einem flüssigen Englisch. Ich nickte langsam.

„I’m fine. Just a little shocked.”

“You’re not from around here, right?”

Er lächelte und ließ dann endlich meinen Arm los.

„No... just for vacation.“, erklärte ich und er nickte verstehend.

„I’m Nicola.” Er reichte mir seine Hand und kurz musste ich schmunzeln.

„Isn’t that a female name?”

Er sah mich etwas vor den Kopf gestoßen an.

„Sorry...“, murmelte ich dann schnell. „I didn’t mean to say it like that I just... nevermind, it’s your name so...” Ich verhaspelte mich und spürte wie mir die Hitze ins Gesicht stieg. Aber er lachte nur und fuhr sich durch die feuchten Haare.

„And you?”

„M-me? Oh... I... my name is Chris.“, brachte ich dann hervor und zwang mich dazu ihm in die Augen zu sehen.

„Isn’t that a male name?“, neckte er und meine Augenbrauen zogen sich zusammen. Das hatte ich wohl verdient.

„Point made...“, grummelte ich und er lachte auf.

„Uh, well thanks for the help... I should go back...“, versuchte ich der Situation zu entkommen und nickte in Richtung Strand.

„Of course... It was my pleasure, Chris.”

Ich erwiderte sein Lächeln noch schnell und huschte dann an ihm vorbei zurück in Richtung Strand, wo meine Eltern lagen und von all dem nichts mitbekommen hatten.




Ich hoffe, dass Kapitel hat euch gefallen!