🎸 Rückkehr 🎸
Liliana
Müde reibe ich mir meine Augen.
Ich hoffe sehr, dass ich den Platz bis Ende der Woche fertig habe, denn mein Vater hat mir ein Chaos hinterlassen.
Erschöpft und unmotiviert gleite ich ein Stück tiefer in den Plastik Stuhl.
Sein Tod stimmt mich nicht wirklich traurig, er war kein guter Mensch, aber meine Mutter hat diesen Platz sehr geliebt.
Mein Pflichtgefühl drängt mich also, hier alles her zu richten und diesen besonderen Ort zu ehren.
Seit ich denken kann, fühle ich mich hier Zuhause, immerhin sind wir jedes lange Wochenende, Ferien oder über ein kurzes Wochenende hierher gekommen.
Nach dem Tod meiner Mutter war ich jahrelang nicht hierher gekommen, ich konnte es nicht, die Erinnerungen, die in jeder Ecke dieses Campingplatzes lauern, haben mir Angst gemacht.
Jetzt Jahre später ist es nicht wirklich anders, nur dass ich jetzt weiß das die Welt nicht untergegangen ist, dass ich stärker bin als meine Trauer.
Dennoch muss ich seit Tagen immer wieder Pausen einlegen, weil mich die Traurigkeit packt.
Als ich im Briefkasten den großen braunen Umschlag gefunden hatte, überkam mich schon ein mulmiges Gefühl.
Als ich dann den Nachlass meines Vaters gelesen habe, wurde mir schlecht, nicht nur dass mich keiner informiert hat über den plötzlichen Tod, nein der Nachlass, der hat mich schwer schlucken lassen.
Der Campingplatz gehört nun mir, genauso wie das Elternhaus und die Autos, dazu gehört aber auch ein Haufen Müll.
Im wahrsten Sinne müll, es scheint, als wäre mein Vater ein Messi geworden.
Seit sieben Jahren habe ich ihn nicht mehr gesehen, besucht oder telefoniert. Wir haben zwar ein paar Jahre, einmal zum Geburtstag eine SMS geschrieben, aber das war's auch.
Er war ein furchtbarer Mensch und noch schlechterer Vater, ich weiß auch nach drei Monaten nicht, ob ich ihm geholfen hätte, wenn ich gewusst hätte, dass er sich zu einem Messi entwickelt hat.
Wahrscheinlich nicht.
Als ich ausgezogen bin, habe ich alles hinter mir gelassen.
Meine Freunde, meine Ausbildung, meine restliche Familie, sogar meinen Hund.
Nicht weil mein jugendlicher Leichtsinn meine Hormone beherrscht hat, viel eher weil ich mich von meinem narzisstischen, gewalttätigen Vater lösen musste.
Das war nicht leicht, oh nein, ich war nervlich und körperlich so zerstört, dass ich blind meine Tasche gepackt habe. Ich bin still ohne Ankündigung ohne Verabschiedung gegangen.
Ich weiß noch, wie ich mit meinem gebrochenen Arm ein Zugticket gekauft habe, wie der Angestellte am Schalter mich mehrmals gefragt hat, ob mit mir alles in Ordnung wäre….
Ich hatte nichts, nur 60€ und eine kleine Tasche mit Kleidung. Kein Handy, keine versteckten finanziellen Rücklagen oder Hoffnung.
Absolut nichts, nein, es war nicht leicht.
Nicht als ich gegangen war und auch nicht als ich im Krankenhaus gekämpft habe.
Ich schüttle die Erinnerung ab, streng ermahne ich mich selbst, dass diese Zeit hinter mir liegt. Ich habe es geschafft, und nun schaffe ich auch das hier.
Wieder gleitet mein Blick über das kaputte Vorzelt, der Wohnwagen ist entkernt aber das Vorzelt macht mir zu schaffen, ich bin bereits schon elf mal zur Müllkippe gefahren, lediglich ein kleiner Schuhkarton mit Erinnerungen steht auf dem Holz Gartentisch neben mir.
Dass dieser Tisch noch heile ist wundert mich, es freut mich auch, weil meine Mutter ihn damals ausgesucht hat, aber es wundert mich.
Fast alles ist zerstört, die Betten im Wohnwagen waren total zerlegt, die kleine Einbauküche hatte außer einem hängenden Wasserhahn nichts mehr. Und das kleine Bad war mit Mülltüten vollgestopft.
Hier draußen war es auch nicht besser, tote pflanzen wohin man gesehen hat, der kleine Schuppen am Kopf des Wohnwagens, war ebenfalls mit Sperrmüll voll gestopft ebenso die Büsche die diesen Platz abschirmen, wild hoch gewachsen in den Ästen müll und Essensreste…
Frustriert fallen meine Schultern runter, seit ich das Haus entkernt habe bin ich angespannt, die ganzen Monate habe ich ständig über meine Schulter blicken müssen, voller Angst das dieser Mensch nicht Tot ist und aus irgendeiner Ecke springt um mich weiter zu misshandeln, mich nieder zu machen.
Aber was soll ich anderes machen?
Keiner würde dieses Haus in solch einem Zustand kaufen, das Geld habe ich auch nicht, um alles professionell herrichten zu lassen, oder für einen Umbau, oder, oder, oder.
Also rief ich all meine Freunde an, die ich über die Jahre kennengelernt habe.
Die wiederum Verwandte und weitere Freunde anriefen, dennoch blieb ein Haufen Arbeit an mir hängen.
Termine, Notar besuche, Bank, Arbeit, mein Zuhause und nun hier, wobei ich nun endlich Urlaub habe und praktisch auf diesem Campingplatz lebe, um schnell fertig zu werden.
Dummerweise habe ich meine engsten Freunde hierher eingeladen in den Glauben, dass der Campingplatz nicht verwahrlost ist, heißt es doch immer, dass Messis nur ihr Zuhause so zerstören, mir hätte klar sein müssen, dass auch der Wohnwagen als Zuhause angesehen wird.
Nun kommen die nächste Woche mit Sack und Pack und wollen mit mir zusammen hier Urlaub machen, das Ende des Umbaus feiern und den Stress endlich vergessen.
Ergeben stemme ich meine Hände auf den Stuhl, um weiterzumachen. Morgen kommt das neue Vorzelt und die neuen Möbel für den Wohnwagen, dann ist der Garten dran.
Ein weiterer Besuch im Baumarkt wartet auf mich, Lichterketten, neue Stühle und…
“Mein armes Erspartes”, zische ich dem grauen, kaputten Plastik entgegen.
Ich hoffe es wird sich lohnen, das Haus beziehe ich nicht, das wird verkauft, hoffentlich mit Gewinn, nur der Platz der bleibt in meinem Besitz.









Fängt gut an und ich bin gespannt, wie es weitergeht. 👍⚘️
ja, es fängt gut an und es gefällt mir. Gelikt habe ich Dich auch schon❤️❤️❤️
Bin gespannt wie es weitergeht bis jetzt gefällt es mirsut