THREE SOULS

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Summary

Ivy kehrt nach vielen Jahren wieder zurück in ihre alte Heimat Pinelake Hill. Vieles hat sich inzwischen verändert, auch sie selbst. Als sie dann ihn das erste Mal wieder sieht, spürt sie sofort, dass auch er ein anderer Mensch ist. Doch kann sie ihm vertrauen?

Status
Ongoing
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1

Ich rannte so schnell mich meine Beine durch das Dickicht trugen, doch er war einfach zu schnell. „Warte!“, rief ich ihm hinterher. Meine Worte wurden von dichten Nebelschwaden verschluckt. Je weiter ich ihm in den Wald folgte, desto mehr verlor ich die Orientierung. Jedes Mal, wenn er zum Greifen nahe schien, verschwand er wieder. Endlich sah ich eine Lichtung in der Ferne. Der Vollmond flackerte immer wieder kurz zwischen vorbeiziehenden Wolken hindurch und dort in der Mitte stand er nun. Und wartete – auf mich?

Ich näherte mich langsam. Unter seiner Kapuze konnte ich ihn nicht erkennen, sein Gesicht war in Schatten gehüllt. Und doch schien er mir irgendwie vertraut. Ich wusste nicht was passieren würde, aber ich hatte keine Angst. Als ich näher kam, sah ich, dass er etwas in seiner Hand hielt. An einem Band hing ein schimmernder Stein. Fasziniert von diesem Anblick, hob ich ihn vorsichtig auf meine Hand. So etwas hatte ich noch nie zuvor gesehen: Jedes Mal, wenn die Wolken sich für einen kurzen Augenblick verzogen und der Mondschein auf die Lichtung fiel, leuchtete der Stein in unendlich vielen Farben.

Ich spürte den messerscharfen Blick des Unbekannten auf mir ruhen. Er war groß. Ich hob meinen Blick, um endlich zu erkennen, wer Er war.

Doch ich erschrak, als ich hinter mir Äste knacken hörte. War noch jemand hier? Ich sah mich um. Irgendetwas näherte sich in rasender Geschwindigkeit. Ich bekam Angst und Adrenalin strömte durch meinen Körper; jede Faser in mir war angespannt. Als ich mich wieder zu ihm wandte, war er schon wieder fort. Ich konnte noch gerade so sehen, wie er am Ende der Lichtung im Nebel verschwand. Ich versuchte ihm zu folgen, doch der Lichtpunkt seines Steines wurde immer kleiner. Es wurde so wie alles andere vom Nebel verschluckt. „Warte doch...“, seufzte ich leise und völlig außer Atem. Ich wurde langsamer, doch da war Es wieder – und Es kam näher. Hinter mir konnte ich nun deutlich Schritte hören. Schnelle Schritte und Äste, die unter ihrem Gewicht brachen. Ich versuchte all meine Kraft zu sammeln, um wegzulaufen – vor Wem oder Was auch immer mir folgte. Während ich lief, fühlte ich wie Etwas nach mir griff. Ich rannte immer weiter, auch wenn mein Herz mir beinahe aus der Brust schlug, so sehr klopfte es. Ich drehte mich kurz um und sah, wie Schatten sich zu einer Gestalt formten. Arme reckten nach mir. Oder bildete ich mir das nur ein? War das meine Angst, die mich jetzt völlig paranoid machte? Noch bevor Es mich packen konnte, fiel ich ins Leere. Von Nebel und Dunkelheit verborgen, endete der Waldboden an einem riesigen, gähnenden Loch. In diesem Moment hatte ich das Gefühl eine Ewigkeit lang zu fallen. Doch bevor ich diesen Gedanken zu Ende denken konnte, prallte ich hart auf dem Boden auf. Ich schrie: „FUCK!“, und stöhnte vor Schmerzen. Jede Bewegung war schmerzhaft und das Atmen fiel mir schwer. Meine Hände tasteten den Boden ab, auf dem ich lag. Um mich herum war es vollkommen still. Ich hielt inne und lag einfach da. Über mir schien der Mond hinab in mein Loch. Dieser Moment, so aussichtslos meine Lage auch schien, war von einer absolut surrealen Friedlichkeit durchtränkt. Vielleicht war es auch einfach die Benommenheit vom Sturz, doch die Zeit schien still zu stehen und ich mit ihr.

Der Friede wurde unterbrochen als plötzlich eine Silhouette am Rand des Loches auftauchte. Ich erschrak, blieb jedoch still und hielt den Atem an, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. War das mein Verfolger? Er wusste also, dass ich hier unten war. Alles war genau so bedrohlich, wie es sich vorher angefühlt hatte – und es war real. Mein Verfolger war real! Ich zuckte zusammen, als etwas auf mich fiel. Wieder prasselte etwas auf mich herab. Und wieder. Ich hörte, wie es rieselte, als es auf meiner Jacke aufkam. Meine Finger tasteten auf meinem Bauch, was es war. Meine Augen weiteten sich als ich realisierte, was gerade passierte: Es war Erde. Erde! Ich wurde begraben! Ich versuchte aufzustehen, aber ich konnte nicht. Es fühlte sich an, als würde ein unsichtbares Gewicht mich am Boden halten. „HEY!“ brüllte ich nach oben, in der Hoffnung es würde stoppen. Aber was aus mir heraus kam war kaum mehr als ein heiseres Flüstern. Ich bekam panische Angst, denn es hörte einfach nicht auf. Wieder und wieder prasselte Erde auf mich nieder. Der nächste Schwall landete in meinem Gesicht; mein Atem stockte. Das war es nun…

Ich öffnete meine Augen. Es war wieder dieser Traum, der mich seit Wochen verfolgte. Nur dieses Mal endete er anders als sonst… Ich versuchte das lähmende Gefühl, das der Traum in mir hinterließ, von mir abzustreifen und streckte mich, erleichtert darüber wieder Kontrolle über meinen Körper zu haben. Ich sah aus dem Fenster. Die ersten Sonnenstrahlen der Morgendämmerung flackerten über mein Gesicht. Als ich das kleine Schiebefenster des Reisebusses öffnete, strömte kühle Luft, der Duft von feuchtem Moos und Pinien durch das Fenster hinein. Es packte mich sofort ein Gefühl von Heimat der Heimat meiner Mutter und nun würde sie auch meine werden. Wie viele Sommer habe ich in diesen Wäldern verbracht. Ich atmete tief ein und nahm alles in mich auf: Diesen Duft und das Gefühl endlich wieder da zu sein. In diesem Moment wurde mir bewusst, wie sehr ich diesen Ort vermisst hatte auch wenn er für immer mit der schwierigsten Zeit meines Lebens verbunden war. Als ich die Augen wieder öffnete, wurde meine Vorfreude noch größer als ich das unverkennbare Begrüßungsschild der Stadt sah: Pinelake Hills. Das inzwischen etwas in die Jahre gekommene Schild hatte noch immer die gleiche Wirkung auf mich wie in meiner Kindheit. Innerlich jubelte ich und freute mich auf die weiche Umarmung von Rosy, die mich gleich am Busbahnhof beherzt in ihre Arme schließen würde. Es gibt Dinge, die sind immer gleich. Und diesem Naturgesetz folgte auch Rosy, die gute Seele und Konstante meines Lebens. Sie war immer da.