Drachenaugen - Die Entscheidung [LESEPROBE]

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Summary

Fenrir ist viel mit Tajna unterwegs und lernt die magische Welt von Tjr Na Zai kennen. Als sie eine Entscheidung über ihr weiteres Leben trifft, ahnt sie nicht, wie viel Arbeit es mit sich bringt. Die Haremsdame Sinon ist ihr eine große Hilfe. Bei einem Ausflug gerät Fenrir in eine unangenehme Situation, die Narben und Fragen hinterlässt.

Status
Complete
Chapters
3
Rating
n/a
Age Rating
16+

Kapitel 1

Einige Wochen waren seit Fenrirs Einzug in König Freyrs Schloss vergangen. In dieser Zeit hatte sie Tajna, den wunderschönen, anmutigen und starken Drachen öfters gesehen und genoss jede Sekunde, die sie mit ihm hatte.

Seit der gemeinsamen Nacht, in der sie bei Freyr geschlafen hatte, fühlte sie sich in seinem Schloss noch geborgener und wollte nicht mehr weg. Es war ihr egal, ob sie die Erinnerungen an ihr altes Leben zurückbekam oder nicht. Sie wollte hierbleiben.

Schon allein deswegen, weil Freyr sie zwar anfangs in der Nacht bei sich im Bett angebunden hatte, sie jedoch irgendwann von den Fesseln befreit hatte, sodass sie ihn umarmen konnte. Das war für Fenrir ein schönes Gefühl und ein großer Vertrauensbeweis, da er Angst gehabt hatte, sie würde ihm etwas tun. Was Fenrir durchaus nachvollziehen konnte.

Auch mit der Haremsdame Sinon kam sie gut zurecht, da sie eine Art Mentorin für Fenrir geworden war. Sie gab hilfreiche Ratschläge und versuchte, Fenrir das Leben am Hof näherzubringen. Manchmal aßen die beiden Frauen gemeinsam oder Fenrir genoss ihre Mahlzeiten mit Freyr.

Die Bitte des Königs, ein bestimmtes Kraut, was eher eine Blume war, von ihren nächtlichen Ausflügen mit Tajna zu besorgen, hatte sie nicht vergessen. Mit dem Drachen hatte sie darüber gesprochen und er hatte versichert, dass er sie zu einem Ort bringen würde, wo sie suchen gehen konnte.

Freyr hatte ihr eine Zeichnung angefertigt, die sie in den Händen hielt, während sie ungeduldig in der Nacht auf Tajna wartete. Sie hatte das Gefühl, dass er heute Nacht kommen würde.

Suno, ihr Dienstmädchen, hatte sie davor noch gewaschen und ihr ein schönes Kleid angezogen, da Fenrir für den Drachen hübsch sein wollte. Sie verspürte zu ihm und Freyr eine Art tiefe Verbundenheit. Warum, konnte sie jedoch nicht sagen.

Die Feen im Garten leuchteten und es wirkte, als würden sie Tajna den Weg weisen wollen. Das brachte Fenrir zum Lächeln, denn jede Nacht waren die Feen hier und legten ihr einzigartiges, magisches Licht über den prachtvollen Garten.

Immer wieder sah sie in den Himmel. Wo blieb Tajna nur? Fenrir konnte es kaum erwarten, auf die Suche nach der Blume zu gehen! Schon den ganzen Tag war sie aufgeregt gewesen und hatte sich mit Ausreiten ein wenig ablenken können.

Mehrere Feen kamen zu ihr und flogen um ihren Kopf, wo sie einen Kranz aus Blumen hinterließen.

„Danke“, hauchte Fenrir gerührt, als sie ihre Hand hob, um diese zu fühlen. Die Feen hatten ihr bereits mehrmals kleinere Blumen gebracht und sie freute sich immer darüber. Dass sie ihr nun einen Blumenkranz auf dem Kopf hinterließen, fand Fenrir großartig. „Ihr seid wirklich lieb“, sagte sie bewegt.

Die kleinen Frauen tanzten um sie herum und drehten sich im Kreis, bevor sie sich wieder zurückzogen. Wahrscheinlich war das Drehen eine Art Abschiedsgeste.

Traurig starrte Fenrir ihnen hinterher, doch dann lenkte sie ihre Aufmerksamkeit wieder in den Himmel. War sie etwa zu früh oder kam Tajna heute viel später?

Erneut tastete Fenrir den Blumenkranz auf ihrem Haupt ab und lächelte. Die Feen waren einfach zu niedlich. Ob sie das auf Freyrs Anweisung taten? Vielleicht hatte dieser sie darum gebeten. Freyr war immer für eine Überraschung gut.

Ein Luftzug kündigte Tajna an, bevor sie ihn sah und er sanft und fast lautlos neben ihr landete.

Begeistert, dass er endlich da war, schmiegte sie sich sofort sanft an den Drachen und gab ihm zur Begrüßung einen Kuss auf seine Nüstern. Ihre dunkelgrünen Augen hielten dabei Kontakt mit seinen goldbraunen. „Ich freue mich, dass du endlich da bist“, hauchte sie an seine schuppige, dennoch weiche Haut.

Tajna leckte ihr einmal vorsichtig über die Wange. „Es hat etwas gedauert“, meinte er und klang entschuldigend.

Seine riesige, raue Zunge kitzelte so stark, dass Fenrir lachen musste. Mit seiner Reaktion hatte sie nicht gerechnet. Liebevoll strich Fenrir ihm über die Nüstern. „Entschuldigung angenommen. Soll ich das nächste Mal überhaupt baden oder wäschst du mich?“, fragte sie kichernd und fuhr sich über das nasse Gesicht.

„Ich wasch dich“, versicherte er fast schon arrogant, aber mit einem hörbaren Lachen in der Stimme.

Fenrir lachte leise an seine kühle Haut. „Suno wird darauf bestehen, mich zu waschen. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich deine raue Zunge solange aushalten würde. Sie kitzelt“, bemerkte die junge Frau grinsend und kraulte den Drachen, bevor sie nach oben zu seinen Hörnern kletterte, damit sie losfliegen konnten.

„Sie kann dich danach waschen“, meinte Tajna und klang erneut so arrogant dabei. „Oder sie verwendet das nächste Mal weniger starke Düfte“, bemerkte er und rümpfte etwas die Nase, als sie auf seinem Hals saß.

„Magst du kein Honig und Lavendel?“, fragte Fenrir mit einem leicht traurigen Klang. Sie mochte den Duft unheimlich gerne, aber wenn Tajna das nicht mochte, würde sie ihn auch nicht mehr nehmen.

„Doch, aber ich rieche viel besser als du“, bemerkte er. „Für mich ist es bei ungünstigem Wind so, als würde ich in Honig und Lavendel versinken“, versuchte er zu erklären.

Fenrir lachte und hielt sich fest, als Tajna in die Lüfte stieg. „Na gut, dann werde ich einen milderen Duft nehmen“, versprach die junge Frau feierlich und kraulte ihn, als er ruhig flog.

„Sehr gut“, murmelte der Drache und klang damit zufrieden. „Wohin willst du heute?“

Fenrir erklärte, dass König Freyr ihr die Skizze gegeben hatte. Daher wollte sie zu dem Ort, an dem sie suchen gehen konnte. Je früher sie ihm das Gewünschte brachte, desto besser.

„Gut, dann machen wir uns auf den Weg“, meinte er und drehte ab, um in eine andere Richtung zu fliegen.

„Ich habe ihm versprochen, die Blume zu bringen. Sobald ich sie habe, darfst du entscheiden, wohin du fliegen möchtest“, sagte Fenrir liebevoll und streichelte Tajna an seinen Hörnern.

Dieser gab einen Laut von sich, der leicht grummelnd wirkte. Mit der Zeit hatte Fenrir gelernt, dass er nicht böse war, sondern einfach grummelig. Was wohl an seiner Art lag.

Sie beugte sich leicht vor und drückte ihm während des Flugs einen Kuss auf den Kopf und meinte, dass er ruhig schneller fliegen konnte. Schließlich wollte sie danach noch etwas Zeit mit ihm verbringen.

„Dann halt dich gut fest“, grummelte er und wurde gemächlich schneller und schneller. Dabei war er jedoch trotzdem vorsichtig, damit sie nicht fiel.

Seltsamerweise kam Fenrir damit problemlos zurecht. Bisher hatte sie noch nie das Gefühl gehabt, dass sie fallen würde. Anfangs hielt sie sich meist noch kräftiger fest, bevor sie lockerer ließ. Oft nahm sie sogar eine Hand von seinen Hörnern weg und hielt sie in die Luft, um den Gegenwind zu spüren. Sie war nicht ängstlich, sondern neugierig und immer begeistert, wenn etwas Neues geschah.

Tajna steigerte die Geschwindigkeit nur langsam. Er wollte es ihr angenehm machen, sodass sie sich daran gewöhnen konnte.

„Du musst nicht übervorsichtig sein, Tajna“, bemerkte Fenrir, die sich auf seinem Rücken richtig wohlfühlte, obwohl er glatt war. „Ich werde nicht fallen. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt“, versicherte sie.

„Ich kann dich nicht fangen, wenn du fällst“, sagte er und klang streng. „Zumindest nicht, ohne dich zu verletzen.“

Die junge Frau auf seinem Rücken seufzte. „Da hast du Recht. Aber ich bin vorsichtig. Hätte ich genauso Flügel wie du, würde ich neben dir fliegen“, schwärmte sie bei dem Gedanken. Daran dachte sie manchmal, wenn sie sich nach dem Drachen sehnte. Es wäre schön, mit ihm einfach zu fliegen und Zeit zu verbringen.

„Vielleicht irgendwann“, meinte Tajna geheimnisvoll.

Erheitert lachte Fenrir auf und er spürte, wie sie sich amüsierte. „Vielleicht werde ich als Drache wiedergeboren. In diesem Leben wird das wohl nichts mehr“, erwiderte sie erheitert, aber auch irgendwie traurig und hoffnungsvoll zugleich. Es war eine merkwürdige Mischung.

„Du hast Drachenaugen. Vielleicht wachsen dir auch Drachenflügel“, meinte Tajna.

Er spürte, wie sich Fenrirs Griff verfestigte. „D-Das sind Drachenaugen?“, flüsterte sie entsetzt. Was hieß das konkret? Dass sie ein Drache war? Und was war König Freyr dann? Er besaß doch auch solche! Fenrirs Gedanken purzelten durcheinander, sodass sie nicht klar denken konnte.

„So nennt man sie, ja“, sagte er und wirkte überrascht, dass sie es nicht wusste.

„Warum … habe ich Drachenaugen? Ich bin doch ein Mensch“, fragte Fenrir sichtlich verwirrt. Was hatte das zu bedeuten? Zwar hatten einige gesagt, dass sie spezielle Augen hatte, aber niemand hatte je gesagt, dass es sich um Drachenaugen handelte. Vielleicht, weil sie es gar nicht wussten? Oder hatten sie es vor ihr verheimlicht? Möglicherweise erinnerte sich Fenrir auch nicht mehr daran.

„Das weiß ich nicht“, sagte Tajna und wirkte nachdenklich. „Es gibt viele Möglichkeiten.“

„Welche gibt es denn?“, fragte Fenrir mit zitternder Stimme. Ob Freyr das gewusst hatte? Sie begann, mit dem Papier, das sie fest in den Händen hielt, zu spielen. Allerdings passte sie darauf auf, es nicht zu verlieren. Sonst musste sie den König enttäuschen und mit leeren Händen zurückkehren.

„Das wird eine längere Geschichte“, sagte er und klang angespannt.

„Vielleicht kannst du sie mir nachher erzählen?“, fragte Fenrir unschlüssig und sah sich von oben um. Wo brachte Tajna sie hin? Der Platz, an dem sie suchen sollte, interessierte sie und sie konnte es nicht erwarten, die Blume zu finden. Fenrir wollte dem König eine Freude bereiten. Zusätzlich würde die Suche sie hoffentlich von der Schreckensnachricht ablenken.

„Ich bin nicht sicher, ob es dir nicht vielleicht König Freyr erzählen sollte“, meinte Tajna unsicher.

„Ich weiß es nicht. Es scheint, er möchte über diese Dinge nicht reden“, gab Fenrir zu und fragte, wie weit der Platz von Freyrs Schloss entfernt war. Hier war sie noch nie gewesen. Sonst hätte sie die Umgebung sofort erkannt.

„Recht weit“, gestand er. „Wir müssen noch ein ganzes Stückchen.“

Aufmerksam betrachtete Fenrir die Landschaft. Obwohl es dunkel war, konnte sie hier und da einige helle Flecken erkennen. Ein Hinweis, dass dort Feen lebten. „Haben wir dann überhaupt noch Zeit, uns etwas zu entspannen, bevor du mich zurückbringst?“, wollte Fenrir hoffnungsvoll wissen. Sie liebte es, sich an den Drachen zu kuscheln, ihn zu kraulen und einfach mit ihm zu entspannen. Manchmal sprachen sie, manchmal schlief Tajna sogar und Fenrir summte. Diese Momente waren magisch und mit nichts zu vergleichen.

„Ich denke schon“, meinte er. „Wenn wir uns etwas beeilen.“ Mit diesen Worten wurde er plötzlich schneller und die Luft schnitt fast in Fenrirs Haut.

Durch den plötzlichen Ruck rutschte sie nach hinten, aber sie klammerte sich fest, sodass sie nicht fiel. Sie war überrascht, aber nach der ersten Schrecksekunde lachte sie befreit und unterdrückte den Drang, ihre Arme auszubreiten. Damit hätte sie dem Drachen wohl keine Freude bereitet.