Die Hölle in mir

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Summary

Die Erkenntnis, sich selber eine Hölle erschafft zu haben, werden nicht viele Erlangen. Die Frage, was man mit der Erkenntnis macht, ließ mich diese Kurzgeschichte schreiben.

Genre
Drama
Author
Binib34r
Status
Complete
Chapters
2
Rating
5.0 1 review
Age Rating
18+

Chapter 1

Liebe Leser und Leserinnen,

diese Geschichte handelt von

häuslicher Gewalt und versuchten Selbstmord, gepaart mit Depressionen.

All die zarten Seelen unter euch sollten diese Geschichte nicht lesen.



Ich stehe wie jedenTag in der Küche. Das Mittagessen ist fertig. Der Dampf des Essens wirbelt die Luft um mich herum auf. Alles ist perfekt getimet. Ich sehe aus dem Küchenfenster und gönne mir einen Augenblick, um die Sonne und den Wind zu beobachten, die mit den Blättern der alten Eiche spielen.

Ich drehe mich um und verlasse die Küche, blicke noch ein letztes Mal über meine Schulter zum Herd, ja er ist ausgestellt.

Weiter im Flur höre ich meinen Mann, wie er im Büro mit seinen Kollegen ein Meeting abhält.

Ich gehe weiter in unser Wohnzimmer. Auch hier ist alles sauber und aufgeräumt und fast perfekt, denn es gibt immer etwas, was man perfektionieren kann.

Ich gehe auf den Balkon. Die warme Luft ist herrlich und ich blicke in den Süden, die Vögel zwitschern aufgeregt durcheinander. Ich streife meine Kochschürze ab und lege sie auf einem der Liegestühle.

Ich genieße noch einen Augenblick lang diesen wunderschönen Moment. Meine Ballerina lasse ich auf den Boden der Dachterrasse zurück als ich auf die gemauerte Brüstung steige. Ich versuche tief ein und ausatmen, dabei schließe ich die Augen. Aber der Druck auf der linken Seite meines Körpers lässt es nicht wirklich zu.

In meinem Kleid klettere ich auf allen vieren auf das Dach. Der Wind wirbelt dabei mein Kleid und meine Haare umher. Die großen Eichen rechte und links neben dem Haus versperren den Nachbarn ihre Sicht auf mich. Das Rauschen des Blätterwerks wirkt so beruhigend.

Mein Herz schlägt nicht mehr wild, sondern besonnen und ruhig. Ich spüre die Wärme, die nun in meinem Rücken ist und schaffe es mich langsam aufzurichten. Leicht gebeugt drehe ich mich nochmals zur Sonne, lasse mich von ihr verwöhnen, atme noch einmal so tief wie möglich ein, als ich höre wie mein Mann die Treppe hinunter kommt.

Gleichzeitig breite ich meine Arme aus, lächle und lasse mich nach hinten fallen. Der Fallwind ist nicht mehr warm, aber ich lächele, mein Kleid wird an meinen Körper gepresst, aber die Beine sind frei. Die blauen Flecken werden nun alle sehen können. Ein letztes Mal höre ich diese Stimme, die zuerst ein wispern war, dann ein Flüstern und zum Schrei mutierte. „Hast du deine Knochen brechen hören?“ „Nein“, war mein letzter Gedanke, als mein letzter Atem meine Lunge verließ und ich spürte noch einmal sachte den Wind über meinen Körper streichen.

Als ich meine Augen langsam öffnete, sah ich erstmal nichts. Meine Kopfschmerzen waren enorm, ich blieb erst einmal liegen. Ich gab mir selbst ein paar Minuten, bevor ich langsam aufstand. Ich stand wieder auf dem Parkplatz vor unserem Haus.

Warum bin ich hier?, fragte ich mich, aber schnell wurde es mir egal. Es wehte kein Wind, kein Vogel zwitscherte, es war still, es war weder warm noch kalt. Es war wie die Gleichgültigkeit, die sich in mir seit Jahren ausbreitete, die ich immer versucht hatte zu unterdrücken und weiter lächelte. Aber nun ließ ich sie frei, die Gleichgültigkeit mir gegenüber.

Die Umgebung hier war die gleiche wie sonst. Das einzige, was sich veränderte hatte, ist der Schimmer der Sonne. Hier schimmerte alles in einem rötlichen Licht und war gedämpft, nicht das Sonnengelb, was man kannte.

Ich überlegte, ob ich zurück in meine Wohnung gehen sollte, aber entschied mich dagegen. Ich hatte keine Lust dazu, wozu auch . Erstmal ging ich die Straße entlang und stellte fest das ich kein Kleid mehr trug, sondern eine ziemlich knappe Jeans und ein schwarzes Top, aber meine gewohnten Ballerina.

Alles schien wie immer zu sein, nur bei manchen Häusern waren die Türen angelehnt, bei anderen verschlossen. Wozu auch immer.

Ich ging bis zu meiner Freundin Nadine. Ich wunderte mich nicht, das ihre Tür nur angelehnt war und ich einfach hinein konnte. Ich fühlte mich in die Vergangenheit versetzt. Die Möbel, die dort standen, hatte sie seit Jahren nicht mehr, nach und nach hatte sie alles erneuert. Ich merkte schon seit Jahren, das sie innerlich immer unruhig war und dass es ihr besser ging, wenn sie etwas Neues um sich hatte . Jetzt kannte ich auch den Grund.

Sie saß auf einem Holzstuhl am Esstisch im Wohnzimmer und starrte auf die orangefarbene Decke, die auf dem Sofa lag. Ihr Mann stand neben ihr, sein Gesicht knallrot vor Wut verzerrt.

Er schrie sie an: „Du fettes Schwein, zu blöd abzunehmen und Vollzeit arbeiten zu gehen. Tagesmutter ist keine Arbeit. Ich bin den ganzen Tag aus dem Haus, aber du….!“

Ich konnte es kaum glauben. Er war immer nett und liebevoll zu ihr, wenn wir uns trafen. Er stand immer zu ihr und zeigte seinen Stolz auf seine Frau. Aber nun schrie und spuckte er. Nadine liefen die Tränen von ihrem Gesicht aber sagte nichts. Man konnte den Schmerz ihrer Seele und ihres Herzens sehen, wie alles zerbrach. Aber sie blieb regungslos. Ich wollte sie umarmen, aber eine unsichtbare Grenze hielt mich davon ab. Vor lauter Wut schrie ich ihren Mann an , aber er konnte mich nicht hören. Ich sah in seinen Augen einen rötlichen Schimmer. Irgendwann schloss ich meine Augen und sackte zu Boden. Tränen liefen bei mir nicht aus den Augen.

Als ich meine Augen wieder öffnete, hatte sich der Raum verändert. Nadine saß auf einem Lederstuhl, hatte gut zwanzig Kilo abgenommen und die Decke auf den Sofa hatte nun einen cremefarbenen Ton. So wie ich es vor zwei Tagen noch gesehen hatte. Aber ihr Mann stand immer noch an der gleichen Stelle und schrie sie wieder an. „Umschulung gemacht, aber immer noch keine Vollzeitstelle! Wie kann man nur so faul sein! Sieh dir doch mal deine Freundinnen an…..“

Ich konnte es mir nicht mehr anhören. Nadine war immer eine selbstbewusste und selbstständige Frau gewesen. Sie könnte sich wehren und ihm die Stirn bieten und ich verstehe sie nicht, warum sie sich einfach aufgibt. Aber es ist ihre Sache, nicht meine. Ich konnte ihr nicht helfen. Also ging ich die Straße weiter.

Nicht einmal zehn Meter weiter ging ich einfach durch die angelehnte Tür von Thorsten. Aus dem Obergeschoss hörte ich schon seine Frau keifen. „ Dienstag habe ich Yoga, da kannst du nicht zum Fussball. Das ist auch der einzige Tag, an dem ich kein Homeoffice habe. Ich kann und will mich nicht um die Kinder kümmern“. Sie beachtete ihn nicht mehr und sah stur zum Fernseher.

Er tat mir leid, wie er im Schürze und einem Swiffer in der Hand vor dem Ehebett steht und seine Frau um etwas Freizeit anbettelt. In seinen Augen kann man die Verzweiflung sehen. Ich weiß, er macht alles für seine Familie, er vergisst sogar sich selbst. Auch ihn versuche ich zu trösten aber als die die Grenze spüre, versuche ich es auch erst garnicht weiter. Wozu auch, selber schuld. Er wusste wen er heiratet.

Mir wird bewusst das ich nur zusehen kann, bei den Höllen meiner Freunde. Ich renne los, Panik ergreift mich als ich an meine beste Freundin denke. Leider kann ich das Tempo nicht lange halten, da mir die Puste ausgeht und meine linke Seite drückt und schmerzt. Die schimmert in rot, blau und violett Tönen als ich unter dem Spagettitop nachsehe. Meine Erinnerungen, die ich verdrängt habe, kehren mit voller Wucht zurück. Aber dafür habe ich jetzt keine Zeit.

Als ich an ihrer Wohnung ankam, griff ich an die Tür. Verschlossen! Das konnte nur gut sein. Aber nun wurde mir auch bewusst, das es auch für mich Zeit wurde nach Hause zurückzukehren.

Also machte ich mich langsam auf den Rückweg, zurück zu meinem Mann. Der Weg erschien mir sehr kurz zu sein, aber kräftezehrend. Vor der Haustür griff ich in meine Hosentasche und zog den Wohnungsschlüssel heraus. Schief grinsend starrte ich ihn an, war ja klar. Langsam ging ich zur Tür, schloss sie auf und trat ein. Aus dem Flur konnte ich meinen Man in der Küche sitzend sehen, er wartete auf mich. Ich versuchte vergebens tief einzuatmen und ruhig zu bleiben. Mein Mann blickte mir mit seinen rötlichen schimmernden Augen tief in meine. Er stand auf, sein erscheinen war nach zwanzig Jahren immer noch imposant und einschüchternd. Er blieb einen knappen halben Meter vor mir stehen und starrte mich an. Ich sehe auf dem Küchentisch mein Handy liegen und gleichzeitig ertönt ein „Bing“. Das Display leuchtet auf und ich spürte einen Schmerz, mein Kopf wurde zur Seite geschleudert und ich heulte auf. „Hure!“, schrie er mich an und während er an mir vorging, schubste er mich mit voller Wucht gegen den Kühlschrank. Meine Wange brennt, Luft bekomme ich nicht und meine Tränen fließen wie kleine Bäche über meine Wangen. Ich sollte jeden Kontakt wieder abbrechen, einfach aus dem Fenster sehen.

Als ich es schaffte wieder aufzublicken, ist der rötliche Schimmer in der Umgebung verschwunden. Ich sah wider die helle Sonne durch die Eichenblätter scheinen, hörte die Vögel zwitschern. Nur meine Seele ist schwerer als vorher, sie erdrückt mich fast.Nun hörte ich wieder das wispern, das ich wieder einmal ignorierte. Mein Mann kam die Treppe hinunter und sah mir wieder mit den rötlichen Augen in meine.

„Ist das Essen fertig?“, fragte er und setzte sich an den Tisch. Da ich noch nicht verstand was passiert war, drehte ich mich zum Herd, wo die Töpfe standen. Ich befüllte die Teller und aß mit ihm. Schweigend, verwundert, ängstlich, ich konnte es nicht beschreiben.

Die leeren Teller stellte ich in die Spüle, mein Mann nahm meine Hand, führte mich zum Kühlschrank, legte meine Hände auf die obere Kante und flüsterte mir ins Ohr „Halt dich gut fest!“ Schon öffnet er mein Jeans, schob sie hinunter samt Unterwäsche und begutachtet meine Rückansicht. Dann spüre ich seine Hände an meine Hüfte, er krallte sich fest und ich biß die Zähne zusammen. Dann spürte ich seine Erregung, die er nicht vorsichtig in mich stieß. Zum Glück kannte ich das schon, stellte meine Beine soweit es mir mit der Hose um die Knöchel möglich ist auseinander. Rücksicht brauchte ich nun nicht erwarten. Er fickte mich gegen den Kühlschrank. Das ich gegen die Griffe stieß bei jedem seiner Stöße, war ihm egal. Das würden neue blaue Flecken auf der Brustwerfen. Als er seinen Takt gefunden hatte , zog er meinen Kopf an den Haare zurück und stöhnt mir dabei ins Ohr:„Selber schuld wenn du so geile Klamotten an hast. Hast es doch provoziert!“

Als er endlich abspritzte, sah ich im Kühlschrank die Spiegelung seines zufriedenen Gesichtes und da fielen mir auch meine rötlichen Augen auf. Ich sah mich genau an, wie ich mit aller Macht versuchte meine Tränen zurück zu halten, setze ein gezwungenes Lächeln auf, so wie ich es immer tat, zog mir die Hose hoch und schaute meinem Mann nach wie er die Treppe wieder hoch ging.

Nun wurde mir schweren Herzens bewusst dass ich in meiner Hölle feststecke. Ich schaute aus dem Küchenfenster, sah wie der Wind und die Sonne mit den Blättern der alten Eiche spielten. Das Wispern wurde zu einem Flüstern, die Gleichgültigkeit bei den Gedanken an meine Freunde lässt sich nicht mehr zurück halten, die Last meiner Seele erdrückt mich. Sie wird mit jedem Atemzug schwerer.

Ich ging aus der Küche, meine Haustür war angelehnt, aber wen interessierte das? Ich ging weiter in unser Wohnzimmer, hinaus auf den Balkon, wo ich meine Ballerina stehen lies. Ich kletterte vorsichtig auf die gemauerte Brüstung, genoss die Sonne und den warmen Wind auf meinem Gesicht. Dann drehte ich mich vorsichtig um, klettere auf allen vieren auf das Dach und gab dem Schrei, der sich aus dem Flüstern in meinem Kopf gebildet hatte, nach. Ich breitete meine Arme aus und ließ mich nach hinten fallen, spürte noch einmal den Wind in meinen Rücken. Mit meinem letzten Atemzug konnte ich der Frage des Schrei‘s in meinem Kopf noch Antworten: NEIN…….