Hope - Der Weg in die Freiheit

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Summary

Flucht, Neuanfang und der Kampf um die Freiheit Sage hat nur eine Wahl: fliehen. Mit Hilfe ihrer Freundin Emilia lässt sie alles hinter sich - ihre Heimat, ihr altes Leben und den Mann, der ihr jeden Funken Hoffnung genommen hat. In einer kleinen Stadt in Maine beginnt sie neu. Doch Angst und Misstrauen begleiten jeden Schritt. Die Einsamkeit ihres neuen Alltags scheint unüberwindbar, bis kleine Begegnungen ihr Mut machen: Ein Spaziergang am See, die Bekanntschaft mit der Nachbarin, ein kleiner Welpe - und Dean, der sie daran erinnert, wie sich Vertrauen anfühlt. Doch je mehr sie sich öffnet, desto stärker werden die Schatten ihrer Vergangenheit. Die ständige Angst gefunden zu werden, wirft sie immer wieder zurück. Und dann wird ihr schlimmster Albtraum wahr: Er hat sie aufgespürt. Doch dieses Mal ist sie bereit, für sich und ihr neues Leben zu kämpfen.

Genre
Drama
Author
AlexaKluby
Status
Ongoing
Chapters
4
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1

Ian

Ich halt es hier, mit dir, nicht mehr aus. Ich habe Angst, dass ich das nächste Mal nicht überleben werde, daher habe ich endlich den Mut gefunden, dich zu verlassen.

Bitte such nicht nach mir.

Sage

Mit zittriger Hand lege ich die Nachricht auf den Küchentisch. Doch meine Finger weigern sich sie loszulassen. Daumen und Zeigefinger klammern sich an das Papier, während plötzlich die Angst vor meinem eigenen Mut über mich hereinbricht. Soll ich es wirklich tun? Unschlüssig stehe ich da, wie angewurzelt, unfähig, mich zu bewegen, meine Augen auf den lebensverändernden Zettel gerichtet. Mein Herz hämmert wie wild, als würde es mir einen Schritt voraus sein und bereits flüchten wollen.

„Sage, komm jetzt! Was, wenn er etwas vergessen hat und zurückkommt? Wir dürfen keine Zeit verlieren. Ich will dich so weit wie möglich von ihm weg wissen, bevor er überhaupt mitbekommt, dass du ihn verlassen hast.”

Emilia, meine letzte verbliebene Freundin, steht zwischen der Küche und dem Flur. Sie hält den Griff einer meiner Koffer in der Hand und sieht hektisch von mir zur Eingangstür.

„Soll ich es wirklich tun, Em?“ Meine Stimme bricht, während ich sie ansehe. „Was, wenn er mich doch sucht? Oder schlimmer noch, findet? Oder, wenn er herausfindet, dass du mir geholfen hast? Was wird er dann mit dir machen?” Ich schüttle heftig den Kopf, mein Blick wandert hilflos zurück zur Nachricht, die ich reflexartig an meine Brust ziehe. „Nein, das geht nicht. Ich kann nicht! Vielleicht war das nur eine einmalige Sache und er macht es nie wieder.” Emilia holt tief Luft und beginnt zu sprechen. Doch ihrer Stimme ist plötzlich lauter als erwartet, was mich zusammenzucken lässt, als wäre jedes Wort ein Stromschlag, der durch meinen Körper fährt.

„Nein, das solltest du nicht! Hör endlich auf, ihn und seine Taten zu verharmlosen!“ Emilia redet eindringlich auf mich ein, mit vollem Nachdruck in ihrer Stimme. Sie hebt den Finger, als würde sie mich aus meinem lähmenden Gedankenstrudel reißen wollen. „Es wird von Mal zu Mal schlimmer, und das weißt du genau!” Sie schließt die Augen und atmet hörbar aus, um sich zu sammeln. Als sie nun weiterspricht, ist ihre Stimme sanfter, fast beschwichtigend. „Er weiß doch gar nicht, dass wir Kontakt haben. Seit Jahren schreiben und sehen wir uns heimlich, und er hat es nie bemerkt. Mach dir keine Sorgen um mich, Sage. Ich habe auch noch Mike, der auf mich aufpasst.”

Langsam stellt sie den Koffer ab und macht einen vorsichtigen Schritt auf mich zu, als hätte sie Angst, ich könnte weglaufen, wenn sie sich zu abrupt bewegt. Ich fühle mich tatsächlich wie ein verschrecktes Reh, starr vor Angst und überwältigt von der Flut meiner Emotionen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass du das nicht überlebst, wenn du noch einen Tag länger bei ihm bleibst, ist viel zu groß.“ Ihre Stimme bebt vor unterdrückter Verzweiflung, aber sie lässt mich nicht los. „Oder willst du sterben? Ich will das nicht!”

Bevor ich reagieren kann, greift sie nach dem Zettel in meiner Hand, und zieht in mit einem festen Ruck weg. Ihre Finger schließen sich um meine und sie sieht mir tief in die Augen. Ihr Blick ist voller Entschlossenheit und voller Liebe. „Ich weiß, du hast Angst vor dem Unbekannten. Aber es kann nur besser werden. Dieses Mal hast du seine Wut überlebt, aber das nächste Mal...“ Sie bricht ab, schluckt und spricht leiser weiter. „Das nächste Mal wirst du es nicht schaffen. Du bist dieses Mal schon dem Tod nur knapp entkommen. Bitte Sage, lass uns jetzt endlich losfahren.“

Sie hebt den Zettel hoch, direkt vor mein Gesicht, und lässt keinen Widerspruch zu. „Und den hier werden wir nicht einfach liegen lassen. Wir geben ihm keinen weiteren Grund, wütend auf dich zu - und erst recht keinen, dich zu suchen.“ Bevor ich etwas erwidern kann, schiebt sie die Nachricht in ihrer Hosentasche, als wäre die Sache damit entschieden. „Und jetzt komm.“

Ich nicke und lasse meinen Blick ein letztes Mal durch die Wohnung gleiten. Habe ich auch wirklich alles eingepackt? Es musste heute Morgen alles so schnell gehen, dass ich immer wieder Angst habe etwas zu vergessen, was mir wirklich wichtig ist. An meinen Reisepass komme ich nicht ran – Ian hat ihn zusammen mit all meinen anderen Unterlagen, wie meiner Geburtsurkunde, in seinem Safe eingeschlossen.

Anfangs hatte ich darüber nachgedacht, wie ich ihn holen könnte, überzeugt davon, dass ich die Dokumente dringend brauchen würde. Doch Emelia hat mich schnell davon abgebracht. „Du musst deine Identität hinter dir lassen“, hatte sie gesagt. „Sonst findet er dich sofort.“ In dem Moment fühlte ich mich so dumm, weil ich soweit nicht gedacht habe. Doch so vorausschauend meine Freundin eben ist, hat sie stattdessen jemanden organisiert, der mir neue Papiere besorgt hat. Bei der Erinnerung daran lege ich unbewusst meine Hand auf die Tasche, in der mein neuer Reisepass verstaut ist.

Ja. Ja, ich habe alles, das weiß ich – ich habe es doch schon zwei Mal überprüft. Mein Blick gleitet zu Em, die nervös auf ihre Uhr schaut, während wir hier stehen und ich mich kaum losreißen kann.

„Okay“, sage ich schließlich, und meine Stimme klingt fester, als ich mich fühle. „Lass uns los, bevor ich es mir doch noch anders überlege.”

Jede von uns schnappt sich einen Koffer, und gemeinsam verlassen wir die Wohnung. Auf dem Hausflur bleibe ich einen Moment stehen und drehe ich mich noch einmal um. Sie ist wirklich schön, dass muss ich zugeben. Groß und hell, mit drei Schlafzimmern, vier Bädern und einem offenen Wohnzimmer, das nahtlos in die modern eingerichtete Küche übergeht - und eher einem Tanzsaal gleicht. So viel Platz, so viel Luxus – und doch verbinde fast ausschließlich schlechte Erinnerungen an diesen Ort.

Für mich ist es nichts weiter als eine leere Hülle. Eine wunderschöne Fassade, hinter der sich die Hölle verbirgt.

Ich bin froh, diese Tür endlich von außen schließen zu können. Für immer.

Kaum höre ich das Klicken der ins Schloss fallenden Tür, drehe ich mich zu Emelia um. Ohne ein weiteres Wort laufen wir, so schnell es die Koffer zulassen, die Treppe hinunter. Der Aufzug ist keine Option – dort würde uns eine Kamera aufzeichnen, genauso wie am Vordereingang. Stattdessen nehmen wir die Hintertür, die uns unbemerkt aus dem Gebäude geführt und unsere Flucht erheblich erleichtert.

Wäre ich nicht so angespannt, würde es mich fast zum Lachen bringen, dass Ian immer betonte, wie unmöglich es sei, unbemerkt rein oder raus zu kommen. Jetzt erst wird mir klar, wie sehr er mich allein durch meine Angst vor ihm manipulieren konnte – und wie blind ich all die Jahre für diese Lügen war.

Draußen werfen wir das Gepäck in den Kofferraum, in den von Emelia dort geparkten Wagen, steigen eib und fahren los.

Man könnte meinen, je mehr Abstand ich zwischen mich und der Wohnung bringe, desto leichter würde ich mich fühlen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Mit jeder Meile, die wir uns dem Flughafen nähern, wächst die Angst in meinem Inneren. Was, wenn er uns jeden Moment verfolgt oder uns im Flughafen abfängt?