SYVARION

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Summary

Die Sirenen waren einst unantastbar – nun sind sie Gejagte, Verräter, Verfluchte. Ihre Stimmen sind zu mächtig, um frei zu existieren. Ihre Leben gehören den Jägern, ihren Liedern das Vergessen. Azerys Nyvaress ist eine der Letzten ihrer Art. Gefangen. Verstummt. Ausgeliefert an jene, die ihre Magie für Gold verkaufen. Doch als ein dunkler Krieger ihre Peiniger niederstreckt, beginnt für sie ein Albtraum, der gefährlicher ist als der Tod selbst. Xyrian Vaeloris ist keine Legende – er ist die Klinge des Königs, der Jäger der Jäger, ein Mann, dessen Stimme töten kann. Er hätte Azerys auslöschen sollen. Stattdessen nimmt er sie mit. Jetzt ist sie seine Gefangene – in seiner verfluchten Festung, fernab von Licht und Rettung. Doch je mehr sie über Xyrian erfährt, desto klarer wird: Er ist nicht ihr Retter – aber vielleicht auch nicht ihr Feind. Denn Azerys birgt eine Macht, die niemals hätte erwachen dürfen. Eine Stimme, die Königreiche brechen kann. Eine Magie, die selbst Xyrian fürchtet. Und wenn sie sich erhebt, wird Syvarion entweder brennen – oder versinken.

Status
Ongoing
Chapters
13
Rating
5.0 2 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1

AZERYS

Die Dunkelheit Syvarions ist nicht immer laut. Oft schleicht sie sich an den Rand des Bewusstseins, wie eine lauernde Gefahr, die gerade genug Raum zum Atmen lässt, aber nie genug, um sich sicher zu fühlen. Ich habe gelernt, dass sie erträglich ist, solange man die Augen schließt und hofft, dass sie einen übersieht. Aber in letzter Zeit hat sich etwas verändert: Ein Beben geht durch die Grundfesten dieser Welt, als wollten sich die alten Patronen aus ihrem jahrhundertelangen Schlaf erheben.

Ich erinnere mich noch gut an jenen Abend, als der Sturm plötzlich über das Meer hereinbrach und die Klippen von Syvarion in bedrohliches Mondlicht tauchte. Die Wolken trugen das Farbenspiel verwesender Albträume, während die Wellen gegen die Felsen peitschten. Damals hielt ich es für einen gewöhnlichen Sturm. Aber das war, bevor ich begriff, dass die Dunkelheit sich wie giftiges Wasser in den Herzen der Menschen sammeln kann. Ein Sturm der Habgier, der Grausamkeit, der Macht.

In einem kleinen Fischerdorf hörte ich die ersten Gerüchte. Die Menschen, die einst mit Sirenen, Drachen und anderen Kreaturen zusammenlebten, hatten ihre Herzen verhärtet. Neue Herrscher waren aufgestiegen, grausam und unersättlich, die jedes Wesen unterwerfen wollten, dessen Blut oder Kraft Gold versprach.

Ich war jung. Naiv vielleicht. Ich hoffte, man würde uns in Ruhe lassen, solange wir uns zurückhielten und niemanden bedrohten. Aber die Gier kannte keine Grenzen. Nach und nach sah ich, wie meine Schwestern gefangen genommen wurden. Einige in Käfige gesperrt wie exotische Vögel, andere an Ketten aus schwarzem Metall gefesselt, um ihre Stimmen zu brechen und sie als Werkzeuge in Palästen vorzuführen. Ein Zeichen der Macht für diejenigen, die es sich leisten konnten, eine Sirene zu besitzen - ihren Blutbeutel.

Blutsklave.

Dass ich dieses Wort einmal hören würde, hätte ich mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können. Aus dem stolzen, ungezähmten Sirenenvolk, das jahrhundertelang das Meer beherrscht hatte, war etwas geworden, das buchstäblich ausgeblutet wurde.

Es soll eine Sirene geben, die stark genug ist, Syvarion zu retten. Eine, die das Gleichgewicht wiederherstellen könnte. Aber ich fürchte, das ist nur ein altes Volksmärchen. Wer könnte das sein, wo wir doch alle in Ketten liegen oder uns in Höhlen verstecken?

Ich weiß, dass ich mich immer noch an diese dürftige Hoffnung klammere. An dem Gedanken, dass es mehr geben muss als dieses stumme Dahinvegetieren in den Schatten. Eine Stimme, die sich über die Wellen erhebt und unser Volk befreit. Doch solange ich meine Kräfte nicht bändigen kann, bleibt mir nur das Versteckspiel, der Kampf ums nackte Überleben.

Und so trieb mich das Schicksal in diese verfallene Höhle, fernab jeder Zivilisation. Wie ein trauriges Wiegenlied begleitet mich das Plätschern des Wassers, das durch die dunklen Höhlen fließt. Vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis ich gefunden werde. Bis ich in Ketten liege, bis mein Gesang verstummt, bis mein Blut an den Meistbietenden verkauft wird.

Doch ich weigere mich, die letzte Sirene zu sein, die kampflos aufgibt. Auch wenn meine Kraft nicht ausreicht, sie zu töten, so kann sie sie doch in Angst und Schrecken versetzen. Vielleicht reicht das, um noch ein wenig länger frei zu bleiben. Ein winziger Funke der Rebellion brennt tief in meiner Brust. Auch wenn ich allein bin, auch wenn ich keinen Ausweg sehe - ich werde nicht zulassen, dass Syvarion ganz in Dunkelheit versinkt.

Mit jedem Tag, den ich hier verbringe, spüre ich die Macht der Tiefe wie ein fernes Flüstern. Vielleicht kann ich sie eines Tages herbeirufen, ohne dass sie mich selbst ins Verderben stürzt. Vielleicht finde ich den Mut, mein Lied so zu singen, dass es nicht nur tötet, sondern auch heilt. Doch bis dahin bleibt mir nur das Rauschen des Wassers, das Geräusch meiner eigenen Atemzüge und das stete Pochen meines Herzens.

Ich ahne nicht, wie bald mich die Ereignisse einholen werden. Wie bald die Klingen und Ketten in diese dunkle Höhle eindringen, meine Hoffnung zerschmettern und mich an den Rand des Abgrunds treiben werden. Und doch weiß ich, dass genau das geschehen wird. Die Ruhe vor dem Sturm kann nicht ewig dauern. Die Frage ist nur, wer nach dieser Nacht noch atmen wird - ich oder die, die uns jagen.

Denn Syvarion wird erbeben, wenn der Gesang der Sirenen wieder ertönt - oder in ewiger Finsternis versinken.

Bei diesen Gedanken muss ich schluchzen, eine kleine Träne rinnt mir über die Wange. Ich spüre ihren Weg über meine Lippen und schmecke den Schmerz darin. So schmeckt die Bitterkeit, die sich in mir manifestiert hat, und ich weiß, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis sie hier sind und mich finden. Sie werden mich mitnehmen.

Mich töten.

Und ich kann nicht einmal meine eigene Haut retten.

Ich habe mich in der hintersten Ecke der Höhle versteckt. Seit Monaten bin ich hier und bisher unentdeckt geblieben. Doch jetzt höre ich die Stimmen von Männern. Mehrere Männer, die suchen. Nach uns suchen.

„Verdammt, es kann doch nicht so schwer sein, eine Sirene zu fangen!“, höre ich einen der Männer sagen. Meine Ohren sind voller Adrenalin, mein Herz will mir aus der Brust springen, als ich spüre, wie ihre Stimmwellen immer näher kommen. Ich fühle alles. Verbunden mit der Erde und dem Wasser. Wie sehr wünschte ich mir jetzt, die Patronen der Tiefe erwecken zu können. Aber das würde nur zu meinem Untergang führen.

Der Ruf würde scheitern, und die Männer da draußen? Sie wüssten, wo ich bin, und ich habe noch ein paar Minuten, um mir zu überlegen, wie ich hier rauskomme.

Ich spüre, wie sich meine Krallen ausfahren und meine Sicht sich verändert. Eine Eigenschaft, die ich habe, wenn mein Körper sich darauf vorbereitet, alles oder nichts einzusetzen.

Der einzige Weg aus dieser Höhle ist der Eingang. Den kann ich nicht mehr benutzen. Das Einzige, was ich tun kann, ist das Risiko einzugehen, entdeckt zu werden, indem ich meinen Gesang einsetze, sie kurz beneble und weglaufe.

Ich schlucke hart.

Ich muss es versuchen.

„Wie ein Flüstern in der Nacht,

sanft getragen von schwarzer Rose,

schließe die Augen, tauche ein in die Finsternis,

verliere den Willen, verliere die Zeit.“

„Verloren in der Dunkelheit, oh Rose, so schwarz,

schließ die Augen, vergiss den Schmerz,

eins mit den Schatten, die Welt steht still,

verlier den Willen, bis das Herz nicht mehr schlägt.“

Mit zitternder Stimme beende ich den letzten Vers meines Liedes. Die Männer, die sich eben noch ihrer Umgebung bewusst waren, taumeln nun benommen mit glasigen, weit aufgerissenen Augen durch die plötzliche Dunkelheit. Das ist der Moment, auf den ich gewartet habe, mein kurzer Augenblick der Flucht.

Doch noch bevor ich die ersten Schritte tun kann, höre ich einen wütenden Fluch.

„Verdammtes Sirenengift!“, brüllt einer der Männer und durchbricht mit seiner Stimme die Benommenheit seiner Kameraden.

„Reißt euch zusammen!“, schreit ein anderer und schüttelt heftig den Kopf, als hätte er Wasser in den Ohren. Ihre Entschlossenheit ist beeindruckend, fast verzweifelt. Zwei stützen sich gegenseitig, um nicht ganz unterzugehen.

Meine Beine tragen mich so schnell, wie es die Enge der Höhle zulässt. Der flüchtige Hauch der Freiheit ist fast greifbar, als ich unvermittelt mit der imposanten Präsenz einer Gestalt kollidiere, die plötzlich den Ausgang versperrt. Er ist groß, eine dunkle Silhouette, die im spärlichen Licht der Fackeln nur schemenhaft zu erkennen ist.

Ich höre ihn leise, fast bedrohlich knurren, aber er spricht nicht: „Du entkommst mir nicht, Sirene. Betrachte es als einen kleinen Vorsprung.“ Seine Stimme trieft vor Verachtung, und meine Nackenhaare sträuben sich angesichts der Bedrohung, die von ihm ausgeht. Sie hallt in meinem Kopf wider und ich frage mich, womit ich es hier zu tun habe.

Ich taumle zurück und spüre meinen Herzschlag gegen meine Brustwand hämmern.

Warum zum Teufel ist er nicht in Trance?

Ehe ich mich versehe, schwingt er sein Schwert in meine Richtung, als ich mich reflexartig gerade noch rechtzeitig ducke und der Klinge ausweiche.

Und es trifft.

Die Klinge durchschlägt den Kopf eines der Männer hinter mir. Mit einem erstickten Schrei sinkt er zu Boden, während der verbliebene Widerstand der anderen Männer schwankt und wieder in die Betäubung des Sirenengesangs fällt.

Ich weiß, dass mir keine Zeit bleibt, Mitleid zu empfinden oder einen weiteren taktischen Fehler zu begehen. Die Bedrohung ist deutlich und gegenwärtig. Jetzt oder nie.

Ich zwinge mich, weiterzulaufen, während die Männer mit dem Unbekannten kämpfen - oder besser gesagt, er sie wortlos niedermetzelt -, als ich den Rand des Weges erreiche, der mit einem Sprung ins Wasser endet.

Und ich springe.

Ich spüre, wie mich das Wasser umarmt und alles in mir sich danach sehnt, mich zu verwandeln, meine Flosse zurückzubekommen - wieder ich zu sein. Eine gewaltige Kraft durchströmt meine Adern, als ich meine schwarze Flosse spüre und merke, wie ich fast federleicht durch die Meeresströmung gleite.

Ich spüre die Freiheit. Die Flucht, die sich mir eröffnet hat - ich muss es noch einmal schaffen, diesem Wahnsinn zu entkommen. Frei zu sein. Nicht versklavt zu sein. Ein kleines Lächeln huscht über meine Lippen, doch dieses Glücksgefühl hält nicht lange an. Nein. Ich spüre, wie die Harpune meine Flosse durchbohrt und der Schmerz durchfährt mich. Das Meerwasser färbt sich mit meinem Blut, als ich mich winde und versuche, mich loszureißen.

„Nein! Lass mich los!“, schreie ich unter Wasser und stemme mich dagegen, doch die Kraft ist gewaltig und die Magie, die mir durch das schwarze Metall der Haken entzogen wird, fühlt sich an, als würde mein Körper mit Blei gefüllt.

Er zieht mich immer näher zu sich, als ich plötzlich aus dem Wasser gezogen werde. Mein Blick trifft seinen und für einen kurzen Moment scheint alles still zu stehen.

Er, der all diese Jäger in kürzester Zeit getötet hat. Er - dessen Blick die pure Drohung ausdrückt, ohne dass er sie aussprechen muss. Ich spüre eine lähmende Kraft, doch ich kann meinen Blick nicht von seinen Augen lösen. Als würde er mich auf eine mir unerklärliche Weise in Trance versetzen. Dabei müsste ich diejenige sein, die ihn mit ihrem Gesang lockt, ihn in Versuchung führt, um von hier zu fliehen.

Diesmal nicht.

Mein Körper prallt auf den harten Holzboden, als er mich darauf wirft.

„Lass mich los“, keuche ich. Die Angst, was jetzt mit mir passieren wird, kocht in mir hoch. Längst habe ich mich wieder verwandelt und die Wunde an meinem Unterschenkel klafft. Die Haken sind zu sehen, als er mir eine Metallkette um den Hals legt und mit einem Ruck den Haken herausreißt. Ein lauter Schrei entfährt mir und ich bin nicht mehr in der Lage, richtig zu atmen. Er hat den verdammten Haken einfach so herausgezogen, sodass noch Hautfetzen daran hängen.

Er kneift die Augen leicht zusammen, während sein Blick mich durchbohrt und er die Ketten fester zieht, so dass ein weiterer stechender Schmerz durch meinen Körper fährt.

„Verdammt, das tut weh“, schreie ich und versuche mich gegen die Fesseln zu stemmen.

Er lächelt - ein kaltes, berechnendes Lächeln, das seine Mundwinkel zucken lässt, aber keine Wärme ausstrahlt.

„Ich dachte, du wärst härter im Nehmen, Blutschlampe.“ Seine Stimme ist tief und vibrierend, mit einem Hauch von Spott, der seine Worte nur noch schärfer macht. „Du bist zu wertvoll, Sirene. Zu ... nützlich, um dich gehen zu lassen. Aber sei versichert, dass Schmerz dein geringstes Problem sein wird, wenn ich mit dir fertig bin. Du wirst dir den Tod wünschen.“

Meine Haut kribbelt unter seinem kalten, berechnenden Blick. Er macht keine Anstalten, die Fesseln zu lockern - im Gegenteil, sie schneiden sich noch tiefer in meine Haut, als wolle er mir schmerzhaft klarmachen, dass ich keine Wahl habe.

Mein eben noch aufflammender Mut wird durch seine Drohung erstickt. Ein innerer Kampf beginnt in mir, ein verzweifelter Kampf, in dem mein Überlebensinstinkt gegen die ohnmächtige Wut kämpft.

„Was willst du von mir?“, presse ich mit zusammengebissenen Zähnen hervor. Der Blutverlust macht mir innerhalb von Minuten zu schaffen - meine Magie reicht nicht aus, um mich zu heilen.

Seine Augen funkeln, als hätte ich ihm die Frage gestellt, die er schon die ganze Zeit hören wollte.

„Von dir?“, sagt er, und in seiner Stimme schwingt eine unheilvolle Melodie mit.

„Du bist mein Köder, der am Haken hängt ... oder besser gesagt, wieder hängen wird.“ Er wirft einen Blick auf meine blutenden Füße.

Er hat die Jäger getötet. Bei dem Gedanken wird mir übel. Ich mag eine Sirene sein, aber mein Verstand ist klar genug, um zu begreifen, dass er mich im wahrsten Sinne des Wortes benutzen will.

„Ich frage mich, warum eine Sirene wie du nicht töten kann“, knurrt er, greift nach dem Ruder und lenkt das Boot in die andere Richtung. „Das ist eine Tatsache, die mir sogar in die Hände spielt.“

„Und ich frage mich, welcher Wahnsinn dich befallen hat? Vielleicht kann ich dich jetzt nicht töten, aber ich werde die erste Gelegenheit nutzen, dir das Kissen ins Gesicht zu drücken“, schieße ich zurück, während er sich auf die Unterlippe beißt und ein kleines, aber teuflisches Lächeln über seine Lippen huscht.

„Du bist sehr neugierig, Sirene“, erwidert er, lässt das Ruder fallen, kommt auf mich zu und legt seine Hand um meinen Hals. Sein Griff raubt mir den Atem und ich spüre die rohe Kraft, die durch ihn pulsiert, als hätte man mir eine elektrisch geladene Schlinge um den Hals gelegt. Der Schmerz in mir kocht hoch, und jetzt weiß ich auch, mit wem ich es zu tun habe.

Xyrian Vaeloris.

Das Monster. Die Bestie, die mich vielleicht töten will. Das Untier, das den Respekt des Königs genießt. Zumindest glauben wir das. Gerüchten zufolge ist er die verdammte Sirene. Der Verräter unserer eigenen Rasse, dazu verdammt, seine Kräfte nicht voll auszuschöpfen, aber mächtig genug, uns alle zu vernichten.

Wieder kocht die Angst in mir hoch und ich spüre, wie meine Augen wieder schwarz werden, während sich alles in mir gegen seine dunkle Aura, die mich durchströmt, sträubt.

Es ist, als würde er die Oberhand gewinnen und in meinen Kopf eindringen.

„Ich habe keine Angst, dich zu töten, Blutschlampe“, höre ich ihn plötzlich sagen, als er sich zu mir hinkniet und mir ins Ohr flüstert: „Vorher aber will ich dich singen hören...“.

Er greift in seine Tasche und holt ein kleines Fläschchen hervor, gefüllt mit einer nachtblauen Flüssigkeit, in der seltsame Schlieren tanzen. „Doch bevor du zum Werkzeug wirst, musst du lernen, wie du wirklich klingst.“ Er hält mir die Phiole vors Gesicht, ein stechender Geruch brennt in meiner Nase.

„Trink das“, befiehlt er, seine Stimme eisig und genießerisch zugleich. „Du kannst wählen, ob du die harte oder die sanfte Tour willst.“

Ich presse die Lippen zusammen, will mich wehren, aber die Fesseln werden fester. Er packt mein Kinn und zwingt mich, die Phiole an meine Lippen zu führen. Das kalte, bittere Gift brennt in meiner Kehle und ein Krampf zerrt an meinen Eingeweiden. Ein Grinsen huscht über sein Gesicht, als er das leere Fläschchen achtlos zur Seite wirft.

Ich kann nur hoffen, dass ich diesen Wahnsinn überlebe - oder ihn wenigstens mit in den Abgrund reiße, wenn meine Stimme sich erhebt.