Kapitel 1
Sunagakure um achthundert-fünfzig, die Sonne brannte erbarmungslos und wie jeden Morgen, saß ein blondes Mädchen namens Mai am Fenster und sah den Bauarbeiten, welche am Dorf durchgeführt wurden, zu. Das Dorf nahm an Formen und Säulen an, ganze Tempel wurden errichtet und in der Mitte des Marktplatzes, errichtete man einen Brunnen zu Ehren der Götter. Mai war beeindruckt, staunte, wie schnell die Arbeiten vorrangigen und wendete sich doch wieder ab. Eines der Dienstmädchen war in ihr Zimmer getreten, stand in weißen Leinen bekleidet vor ihr und verbeugte sich. „Der Kazekage wünscht euch zu sehen”, sprach sie leise, richtete sich wieder auf und begann zu lächeln. „Richtet ihm bitte aus, dass ich gleich folgen werde”, erwiderte Mai dem Mädchen, welches kaum älter als siebzehn Jahre alt war. Dieses nickte und entfernte sich rasch aus dem Zimmer. Noch einmal sah Mai aus dem Fenster, ehe sie sich ihren fein-bestickten Umhang über die Schultern legte und langsamen Schrittes sich auf den Weg zu ihrem Herrscher machte.
Was er wohl von ihr wollte? Sonst mied er es, mit einfachen Leuten zu sprechen, aber sie war anders als die anderen Dorfbewohner. Schon vor drei Jahren durfte sie ihn diesen prunkvollen Palast ziehen und noch immer fragte sie sich nach dem Grund. Seufzend betrat sie schließlich die großen Hallen, sah ehrfürchtig auf und kniete schließlich vor ihrem Herrn nieder. „Steh auf, mein Kind“, bat er sie mit fester Stimme und reichte Mai die Hand. Schüchtern nahm sie diese entgegen, richtete sich auf und sah den Kazekagen an. „Habe keine Angst, ich möchte dir nichts Böses. Ich möchte dir nur jemanden vorstellen.“ Jemanden vorstellen? Wen und warum? Mai war neugierig geworden und sah aus der Ecke einen jungen Mann hervortreten, welcher sich elegant auf sie zubewegte und ihre Hand küsste. Mai wurde ganz anders und sie lief dunkelrot im Gesicht an. „Das ist Haruki, er ist mein ältere Sohn und wird bald meinen Posten übernehmen“, erklärte der Kazekage und lächelte über Mai’s Reaktion. Mai sah den jungen Mann schüchtern an, lächelte schwach und nickte ihm schließlich zu. Er sah schon gut aus, aber warum stellte er sie einander vor? Mai verstand nicht und sah diesen Haruki weiterhin an.
Ehrfürchtig verbeugte sich der junge Mann, fixierte die junge Schönheit mit seinen schwarzen Augen. „Es ist mir eine Ehre, Sie kennenzulernen”, säuselte er leise und richtete sich langsam wieder auf.
Mai zuckte zusammen und richtete sich an den Kazekagen. „Ich verstehe nicht ganz”, sprach sie leise und erhoffte sich eine Antwort. „Damals als ich dich herbringen ließ, wusste ich, dass du die richtige Frau für Haruki bist. Daher hast du auch alles Notwendige erlernt, um an seiner Seite stehen zu können.” Mai war geschockt, sie stand mit offenem Mund da und wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie sollte die First Lady werden und dazu jemanden heiraten, den sie zum ersten Mal sah.
Eine Reaktion, mit der Haruki gerechnet hatte, verständlich. Er war ein Wildfremder für das junge Mädchen, zudem auch noch der Sohn des Kazekagen. „Keine Sorge, ich werde dich gut behandeln, so wie es sich für einen guten Mann gehört.”
Mai wirbelte zu Haruki um und sah ihn an. „Ja, aber....” Sie wusste noch immer nicht, was sie davon halten sollte. „Ihr werdet euch schon kennenlernen”, lächelte der Kazekage freundlich und würde ihnen zudem genügen Zeit geben, sich zu beschnuppern.
Sanft küsste der Mann die Hand der jungen Frau und lächelte sanft. „Keine Angst, ich werde mir Mühe geben, damit Ihr mich liebt. Aber nun entschuldigt mich, ich muss noch etwas erledigen.” Wieder verbeugte sich Haruki und verließ dann den Saal. Er musste noch einige Baustellen beaufsichtigen.
Mai zog schüchtern ihre Hand zurück und besah sich die Stelle, auf welche er sie geküsst hatte. Schon seltsam, aber nicht unangenehm, würde sie ihn nur besser kennen. „Du kannst zurück in deine Gemächer”, hörte sie den Kazekagen und nickte ihm freundlich zu, ehe sie den Saal verließ.
Längst hatte Haruki den Palast verlassen und wanderte durch die staubigen Gassen des neuen Reiches. Stark blies der Wind, wirbelte den Sand hoch und schlug ihm ins Gesicht. Leise murrend stampfte er durch die Straßen, erblickte in der Ferne schon eine andere Gestalt. Lächelnd erkannte er die Umrisse des verhüllten Mannes. „Farukon, du bist schon zurück.” Lächelnd blieb der junge Mann stehen und langsam trat die andere Gestalt auf ihn zu. „Ja, die Verhandlungen haben nicht so lange gedauert, wie vermutet, Bruder”, hauchte er leise und zupfte sich den Schal aus dem Gesicht. Haruki nickte und klopfte seinem Bruder auf die Schulter. „Geh nach Hause, Vater wartet schon auf dich.” Farukon nickte und schritt an seinen Bruder vorbei zum Palast.
Mai wurde von Namiko, eines der Dienstmädchen, zurück in ihr Zimmer gebracht. Langsam schritten die beiden Frauen durch den Palast, als Namiko stehen blieb und sich tief verbeugte. „Wie schön, Ihr seid wieder da, Farukon”, lächelte die Bedienstete.
Stumm nickte der junge Mann nur und sah verwirrt und gleichzeitig neugierig die fremde Frau an. Sie hatte lange blonde Haare und Augen die aussahen wie Saphire. Sie war schön, keine Frage, selbst in seinen Augen. „Ist Vater noch da?”
Namiko lächelte und nickte dem jungen Mann zu. „Ihr Vater ist im Saal und erwartet euch bereits. Er hat Neuigkeiten, welche Ihren Bruder betreffend sind”, antwortete sie freundlich und nahm Mai bei der Hand. „Und wir beide sollten dich hübsch machen und zudem baden.”
Stumm nickte der junge Mann und sah den beiden Frauen nach. Neuigkeiten über seinen Bruder? Was das wohl war? Langsam schritt er wieder weiter, marschierte geradewegs zu seinem Vater. Mit einem lauten Knarren öffnete er die Tür zum großen Saal, trat ein und kniete sich nieder. „Vater, ich bin zurück”, sprach er leise und richtete langsam seinen Blick wieder auf.
Lächelnd erhob sich der Kazekage, als er seinen jüngeren Sohn sah. „Komm her zu mir und umarme deinen alten Herrn”, lachte er leise, machte gerne Witze über sich und sein Alter und breitete schon die Arme aus.
Lächelnd richtete sich der junge Mann auf und trat näher auf seine Vater zu. Dieser drückte ihn sofort an seine Brust und Farukon merkte, das sein Vater gute Nachrichten über seinen Bruder hatte, sonst hätte er wohl nicht so gute Laune. „Ich habe gehört, das du mir etwas über meine Bruder erzählen wolltest?”
Augenblicklich ließ er seinen Sohn los und nickte. „In der Tat. Dein Bruder wird schon sehr bald heiraten und mein Amt übernehmen. Ich bin nicht mehr der Jüngste und ich brauche jemanden, der das Amt weiterführt und zudem für ein paar Enkelkinder sorgt.”
Sein Bruder sollte heiraten? Verwirrt sah er seinen Vater an und verstand nicht recht. „Du überlässt Haruki jetzt schon das Amt. Und wer ist seine Frau, kenne ich sie?” Neugierig sah Farukon den alten Mann an, schließlich waren das schon ziemlich große Neuigkeiten.
Der Kazekage seufzte leise und sah seinen Sohn an. „Seine Zukünftige heißt Mai und wärst du etwas früher gekommen, dann hättest du sie vermutlich sogar gesehen.”
Etwas früher? War es vielleicht die Fremde von vorhin? „Sag Vater, hat die Frau langes blondes Haar und blaue Augen?” Neugierig sah der junge Mann auf seinen Vater, denn es wäre auch eine typische Wahl von diesem gewesen. Er würde auch irgendwann einfach eine Frau bekommen, die er vorher noch nie gesehen hatte. Ein Gedanke, der ihn noch zum Teil grauste. Schließlich musste er mit ihr sein ganzes Leben verbringen und wenn er sie hasste, war dies ziemlich schlecht. Man erwartete schließlich auch, das er Nachkommen zeugte. Etwas das ihm wohl schwerfallen würde, bei jemandem den er nicht liebte.
„Dann hast du sie also doch schon gesehen. Nun ja, wir wissen alle, dass Namiko nicht die Schnellste ist”, seufzte der Kazekage und nickte seinem Sohn zu. „Ja, das war Mai. Sie ist nur wenige Monate jünger als du und lebt bereits seit drei Jahren bei uns. Ich habe sie nur immer im Bereich der Frauen gelassen, damit sie sich mit allem vertraut machen konnte.”
Seit drei Jahren lebte sie schon bei ihnen und ihr Vater hatte nie etwas über sie erwähnt? Was sollte das denn, wieso hatte ihr Vater nie etwas über sie erwähnt?
„Wenn es dir nichts ausmacht, dann würde ich mich gerne noch etwas zurückziehen, bevor wir nachher alle zusammen speisen”, richtete der Kazekage das Wort an seinen Sohn und lächelte. Er war nicht nur alt, er war auch müde und angespannt. Daher wollte er sich noch etwas hinlegen und sich ausruhen.
Verstehend nickte der junge Mann und verbeugte sich vor seinem Vater. Dennoch war ihm die Sache nicht richtig geheuer und wie war dieses Mädchen überhaupt? War sie dumm und machte einfach alles, was man ihr sagte, oder hatte sie ihren eigenen Kopf? Leise seufzte er und schritt aus dem großen Saal. Ruhigen Schrittes ging Farukon raus in den großen Hof. Kein Grün war hier zu sehen, nur ein großer Brunnen mit vielen Drachen, aus deren Mäulern Wasser floss. Seufzend setzte sich der junge Mann an den Brunnen, kramte in einer Tasche herum, die ihn seitlich am Bein herunterhing und holte eine kleine Flöte heraus. Einmal atmete er tief durch und begann auf ihr zu spielen.