Torn - Die Liebe und alles dazwischen

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Summary

Alles beginnt mit einer Party, auf der das Motto gilt, den größten Versager mitzubringen. Aiden gehört zu den beliebtesten Schülern seiner High School und beteiligt sich an dem Spiel, bis er feststellt, dass auch seine frühere Kindheitsliebe bloßgestellt werden soll. Daraufhin versucht er alles, um Ivy an dem Abend zu beschützen. Doch will sie sich überhaupt retten lassen? Und was planen die vermeintlichen Loser als Racheaktion? Schon bald kommt es an der High School zu einem erbitterten Kampf zwischen den verschiedenen Gruppen. Und Ivy und Aiden sind schon bald mittendrin.

Status
Complete
Chapters
71
Rating
5.0 1 review
Age Rating
18+

Kapitel 1 - Aiden: Ein ungewolltes Date

Aiden

Homecoming stand vor der Tür. Und all diejenigen, die das aus irgendwelchen Gründen vergessen haben könnten, wurden in der Schule in sämtlichen Fluren daran erinnert. Die Plakate in dunkelblau klebten an nahezu jeder Wand. Große Banner waren unterhalb der Decken gespannt worden. Einige Sticker klebten an den Spinden, die Fotos von irgendwelchen Mädchen zeigten, die unbedingt Homecoming Queen werden wollten. Selbst an der Tür zu meinem Spind klebte so ein Sticker. Die Anwärterin auf den Thron kannte ich allerdings nicht. Vermutlich war sie in einem anderen Jahrgang. Genervt begann ich, den Sticker abzuknibbeln.

„Pass bloß auf, dass das arme Mädchen, das du da von deinem Spind entfernst, nicht zufällig um die Ecke kommt. Das wird ihr sonst noch das Herz brechen.” Calum lehnte lässig neben mir und beobachte grinsend, wie ich versuchte, das klebrige Bild abzuziehen. Als ich es endlich geschafft hatte, zerknüllte ich es und steckte es in meine Hosentasche. Das würde ich später wegwerfen.

„Wieso spielen eigentlich alle sofort verrückt, sobald Homecoming ansteht?” Genervt zog ich meine Bücher heraus, stopfte sie in meinen Rucksack und warf die Spindtür etwas lauter zu als beabsichtigt.

„Weil sich jeder auf eine große Party freut, nicht nur wir Seniors”, antwortete Calum. Dann schlug er mir freundschaftlich auf die Schulter und fügte mit einem frechen Zwinkern hinzu: „Aber wir wissen ja beide, dass die viel bessere und coolere Party - das absolute Mega-Event zum Schulstart - ganz woanders und ein Wochenende früher stattfindet, nicht wahr?”

Ich nickte halbherzig. Dabei hätte ich wohl wesentlich enthusiastischer reagieren sollen, denn die Party, von der Calum da sprach, würde in zwei Tagen bei niemand geringerem als mir selbst stattfinden. Und ehrlicherweise hielt sich meine Vorfreude doch arg in Grenzen. Wie es überhaupt dazu gekommen war, konnte ich auch nicht mehr wirklich sagen. Irgendwann in den Ferien hatten wir zu fünft bei mir zu Hause gesessen und Überlegungen einer Anti-Vorab-Homecoming-Party waren hochgekocht. Und aus irgendeinem unerfindlichen Grund hatte ich dabei erwähnt, dass ich eine Woche vorm Homecoming tatsächlich sturmfrei hatte. Und mit dem Preisgeben dieser Info war mein Schicksal quasi besiegelt gewesen. Ich wurde noch am selben Nachmittag dazu genötigt, meinen Dad um die Erlaubnis einer „kleinen” Party zu fragen. Einige wollten, dass ich einfach ohne sein Wissen etwas organisierte, aber ich wollte wenigstens ein wenig bei der Wahrheit bleiben. Also würden offiziell etwa fünfzehn Freunde kommen, es würde keinen Alkohol geben und Onkel Jimmy würde zwischendurch vorbeischauen und kontrollieren, ob alles in Ordnung sei. Inoffiziell würde es aber ganz anders aussehen. Das betraf auch Jimmy, der längst zugestimmt hatte, dass er lediglich ganz am Anfang vorbeischauen würde, um einmal seine Pflicht zu tun. Den Rest der Zeit wollte er sich fernhalten. Dad wusste davon natürlich nichts.

„Ihr helft mir aber, am Samstag alles vorzubereiten, oder? Nicht, dass ihr alle erst am Abend auftaucht.”

Ich versuchte, Calum eindringlich anzusehen, aber der nickte nur geistesabwesend und betrachtete zwei Jungs, die mit ihren Schulbüchern unter den Armen im Flur standen und sich ganz offensichtlich über irgendein physikalisches Experiment unterhielten. Viel zu angeregt, wenn man mich fragte. Die beiden waren in unserer Stufe. Zumindest mit einem von ihnen hatte ich ab und an geredet und war letztes Jahr sogar mit ihm an einer Gruppenarbeit beteiligt gewesen. Er war wirklich schlau, nur leider ließ er es im Gegensatz zu anderen, auch etwas zu sehr raushängen. Die beiden Typen waren definitiv der Kategorie Streber zuzuordnen. Und ich konnte mir nur zu gut denken, wieso Calum sie so anstarrte.

„Kommt, lass uns gehen”, sagte ich und lief einfach los, ohne darauf zu warten und zu schauen, ob Calum mir folgte.

Ich ging an den beiden Typen vorbei. Als wir ein paar Schritte entfernt waren, flüsterte Calum: „Hast du dir eigentlich jemanden ausgesucht?”

„Was meinst du?“, erwiderte ich, dabei wusste ich nur zu gut, worauf er hinauswollte.

„Na, für das Spiel am Samstag”, sagte Calum leise.

Das Spiel. Das Spiel war eine absolut dämliche Idee von Dean gewesen. Und der war bekanntermaßen ein absoluter Idiot und trotzdem in unserem Footballteam extrem beliebt. Ich konnte ihn nicht ausstehen. Tat ich dennoch so, als wäre ich mit ihm befreundet? Selbstverständlich. Und dafür verachtete ich mich manchmal selbst.

„Ich mache da nicht mit”, sagte ich nun. „Das ist mir alles zu blöd.”

„Ach, komm schon. Das ist doch nur ein kleiner Spaß. Es wird ja niemandem was Schlimmes passieren.”

„Das will ich hoffen.”

Damit verschwand ich in unserem Kursraum. Calum folgte mir. Bevor er sich auf den Platz neben mir setzte, flüsterte er mir noch „Spaßbremse” ins Ohr. Ich tat so, als hätte ich ihn überhört, was ihn nur wieder zu einem dümmlichen Grinsen veranlasste. Manchmal konnte dieser Typ echt nerven. Eigentlich war er ein echt netter Kerl, aber ab und zu hatte ich das Gefühl, dass er zu oft mit den wirklich fiesen Arschlöchern dieser Schule abhing. Zumindest färbte das Verhalten dieser Leute auf ihn ab. Und das störte mich gewaltig. Trotzdem war er mein bester Kumpel, weil ich wusste, dass er auch anders sein konnte.

Während der Englischstunde versuchte ich mir keine allzu genauen Gedanken über das erwähnte Spiel zu machen. Denn ich war mir sicher, dass es alles andere als harmlos werden könnte. Nur leider hatte ich, trotz der Tatsache, dass ich der Gastgeber war, keine Chance, meinen Freunden das Spiel auszureden. Ich würde es also einfach auf mich zukommen lassen. Es gab eh viel wichtigere Dinge. Am Freitagabend, also schon morgen, würde unser erstes Footballspiel der Saison stattfinden. Die Partyvorbereitung musste daher noch bis Samstagvormittag warten. Und natürlich hofften alle, dass wir dann unseren ersten Sieg feiern würden.

Dad würde das erste Spiel verpassen. Er hatte sich tausendmal dafür entschuldigt, aber er würde schon morgen Nachmittag zu einer wichtigen Konferenz aufbrechen, von der er vor Sonntag nicht zurück sein würde. Das war der Grund, wieso ich an diesem Wochenende sturmfrei hatte. Ich sollte mich also nicht beschweren. Das würde ich auch nie. Denn, auch wenn Dad immer so tat, als würde es ihm schrecklich leidtun, uns alleine zu lassen, wusste ich doch, dass er diese Konferenzen tatsächlich mochte. Er liebte seinen Job als Arzt und auch die Fortbildungen, zu denen er gehen konnte. Ich war mir sicher, seit Mom tot war, hatte er auf viele verzichtet, die er sonst auch noch gerne besucht hätte. Von daher konnte ich ihm gar nicht böse sein, dass er jetzt mal wieder ein Spiel von mir nicht sehen würde. Außerdem war es kein Heimspiel, sondern wir würden morgen nach der Schule in die Nachbarstadt fahren. Trotzdem kamen einige Freunde und Verwandte unseres Teams mit. Von daher kam doch zumindest eine leichte Trauer darüber auf, dass von meiner Seite niemand kommen würde.

„Hey, Fremder”, wurde ich begrüßt, als ich zur zweiten Stunde in den Raum unseres Mathelehrers trat. Die Stimme gehörte Gina, die ihren Tisch direkt bei der Tür hatte und lässig daneben an der Wand lehnte. Ich lächelte sie freundlich an, grüßte kurz und ging dann einfach an ihr vorbei in die vorletzte Reihe. Doch ich hatte mich kaum auf meinem Stuhl niedergelassen, als sie auch schon neben mir auftauchte. Ein Ignorieren war kaum möglich.

„Du schienst mit deinen Gedanken ganz woanders zu sein, als du hier hereinkamst”, sagte Gina und lehnte sich nun seitlich an meinen Tisch. Eigentlich saß sie schon halb drauf. Ihr Bein streifte meines kurz, was mir absolut nicht entging.

„Du sahst nachdenklich aus, auch ein wenig traurig”, fuhr sie fort. „Daher war es umso schöner zu sehen, dass meine bloße Anwesenheit dir wenigstens ein kleines Lächeln aufs Gesicht gezaubert hatte.”

Mein Blick wanderte nach oben. Ich wollte aus ihrem Gesicht ablesen, ob sie das Gesagte wirklich ernst meinte, oder sich bloß einen Spaß erlaubte. Aber ihrer Mimik konnte ich absolut nichts entnehmen. Was ich allerdings wahrnahm, war die Tatsache, dass sie ihr Gesicht nun etwas näher zu meinem herunterbeugte. Am liebsten wäre ich aufgestanden, um mit ihr auf Augenhöhe zu sein. Es gefiel mir nicht, dass sie so von oben auf mich herabsah und ich meinen Nacken so verrenken musste. Allerdings versuchte ich mir natürlich nicht anmerken zu lassen, dass sie mich mit ihrer Haltung und Nähe etwas nervös machte.

„Wir haben uns in den Ferien kaum gesehen, dabei haben wir uns doch davor ganz gut verstanden, oder?” Sie klang nicht so, als würde sie da wirklich eine Antwort drauf erwarten, also schwieg ich und wartete, bis sie weiterredete. „Weißt du, mir hat jemand gesteckt, dass du noch kein Homecoming-Date hast. Ist das richtig? Und da dachte ich, ich übernehme einfach mal die Initiative und frag dich. Ich weiß, dass viele des Footballteams zusammen hingehen, als Gruppe. Aber das kannst du doch nicht wirklich wollen, oder?”

Doch eigentlich wollte ich genau das. Ich ließ meinen Blick kurz von ihr ab und versuchte, mich unauffällig umzusehen, um zu schauen, wer dieses Gespräch hier mitbekam. Das Mädchen rechts vor mir, hatte uns ein wenig zu auffällig ihr linkes Ohr hingewandt. Ich war mir sicher, dass sie ebenfalls gespannt auf meine Antwort wartete.

Auf einmal griff Gina nach meiner Hand, die zuvor locker auf dem Tisch geruht hatte. Sie drückte sie leicht, beugte sich noch weiter zu mir herunter und sagte leise, aber trotzdem gut hörbar: „Muss ich mich erst hinknien oder es laut in die Welt hinausschreien? Du weißt, ich würde das sofort tun. Ich schäme mich nicht dafür, dass ich dich frage. Also: Willst du mit mir zum Homecoming gehen?”

„Ja, es würde mich sehr freuen”, hörte ich mich selbst sagen und sofort begann um uns herum das Getuschel. Dieses wurde noch lauter, als Gina sich wieder aufrichtete und fröhlich rief: „Super, dann ist das ein Date.”

Ihre Freundin, die vorne im Raum stand, klatschte begeistert in die Hände, als Gina wieder auf sie zukam. Sie kicherten wie zwei junge Schulmädchen. Gina warf ihre Haare zurück und zwinkerte mir noch einmal zu, ehe sie sich hinsetzte. Ich ertappte mich dabei, wie ich leicht mit dem Kopf schüttelte. Schnell hörte ich damit auf. Ich wollte nicht den Eindruck erwecken, als hätte ich gerade zu etwas zugestimmt, dass ich eigentlich gar nicht wollte. Dabei war genau das der Fall. Es war nicht so, dass ich Gina nicht leiden konnte. Aber sie war mir ein wenig zu aufdringlich. Auch wenn das wohl auch meine eigene Schuld war. Ich hatte ihr anscheinend Hoffnungen gemacht, dass da zwischen uns vielleicht mal mehr sein könnte. Das musste ich zugeben. Aber die Absicht, wirklich etwas mit ihr anzufangen, hatte ich dann doch nie gehabt. Dass sie mich jetzt fragte, ob ich mit ihr zum Homecoming gehen wollte, kam alles andere als überraschend. Calum und ein paar unserer Clique hatten schon gemunkelt, dass sie eigentlich wollte, dass ich auf sie zugehen und sie fragen würde. Aber das hatte ich nicht getan. Hauptsächlich deshalb, um ihr keine weiteren Hoffnungen zu machen, dass wir doch noch ein Paar werden würden. Und trotzdem hatte ich gerade zugesagt, mit ihr auf ein Homecoming-Date zu gehen. So wie ich mich selbst einschätzte, hatte ich das eigentlich nur getan, damit sie nicht vor allen anderen einen Korb kassieren würde. Ich wollte sie nicht vor anderen blamieren, also hatte ich sie nicht zurückweisen können.

„So simpel geht das also?“, hörte ich eine Stimme von rechts. Ich schloss kurz die Augen, in der Hoffnung, dass sie nicht mich damit meinte. Dann drehte ich kurz meinen Kopf und schaute zu meiner Sitznachbarin herüber. Ihr Kopf war nach unten gebeugt, konzentriert starrte sie in das Heft, scheinbar in ihre Matheaufgaben vertieft. In der rechten Hand hielt sie einen Bleistift. Mit der linken schob sie sich die roten Haare hinters Ohr. Als sie meine Bewegung bemerkte, schaute sie auf.

„Ich hatte kurz gedacht, du würdest nein sagen.” Sie funkelte mich mit ihren grünen Augen an. „Aber du warst ja doch ziemlich einfach zu überzeugen.”

„Neidisch?”

„Nein, nur erstaunt.”

Damit wandte sich Ivy wieder ihren Büchern zu. Dabei runzelte sie leicht die Stirn, so konzentriert war sie. Sie schien dieses kurze Gespräch sofort wieder vergessen zu haben. Es war wie immer zwischen uns. Wir wechselten meist nicht mehr als nur ein paar Worte. Dabei sehnte ich mich manchmal in die Zeit zurück, als wir noch Kinder waren. Damals waren wir quasi unzertrennlich gewesen. Aber solche Freundschaften hielten halt nicht ewig.