Prolog
**Nik**
6 Wochen zuvor irgendwo in Colorado
Nach dem gestern gewonnenen Rodeo und der anschließenden Party sind meine Prioritäten für den heutigen Tag ganz klar gesetzt … ausschlafen, chillen, überlegen wie der Name des Rodeo - Bunnys neben mir war und vielleicht noch eine heiße Nummer bevor ich sie dann höflich davon jage.
So war zumindest mein Plan, allerdings scheitert der schon daran das jemand in aller Herrgotts frühe meint die Tür zu meinem Trailer als Trommel missbrauchen zu müssen. Meine Fresse.
„Mr. Lancaster, bitte öffnen sie … es ist wichtig. Bitte Mr. Lancaster!“, leck mich doch die Welt am Arsch, will die Alte den ganzen Platz mit ihrem Geblöke wach plärren oder was?
Mehr als widerwillig steige ich über das durchaus hübsche Mädchen in meinem Bett um nachdem ich mir ausgiebig meine Partybällchen gekrault habe eine Jogginghose anzuziehen. Wer auch immer da meine Tür missbraucht muss meine Kronjuwelen nicht sehen.
Fauchend reiße ich die Tür auf, wer auch immer es wagt mich zu wecken hat hoffentlich Kaffee mitgebracht oder ist wenigstens jung, hübsch und willig.
Ein dreckiges Grinsen zuckt über meine Züge, kurz bevor mein Blick auf eine … äh … Dame? Mittleren Alters fällt die weder jung noch übermäßig hübsch und hoffentlich nicht willig ist. Gekleidet in ein braunes Kostüm macht sie eher den Eindruck einer Grundschullehrerin.
Mit dem Zeigefinger schiebt sie ihre Brille hoch und lässt mir einen strengen Blick zukommen.
„Mr. Lancaster?“, knarzt das Mütterlein und erhebt mit prüfendem Blick eine Braue.
„Manche nennen mich so, ja. Eigentlich heiße ich Niklas … Nik … und ja mein Familienname ist Lancaster was kann ich ihnen antun?“, schlagartig verfinstert sich ihre Miene. Sie räuspert sich.
„Wäre es denn möglich, das wir uns drinnen unterhalten? Wie gesagt, es ist wichtig und von äußerster Dringlichkeit.“, schulterzuckend trete ich beiseite um sie reinzulassen.
„Bitte, kommen sie rein …“, natürlich muss genau in dem Moment das namenlose Bunny splitternackt durch den Trailer hoppeln um im Bad zu verschwinden.
Pikiert rümpft die Dame deren Namen ich noch nicht kenne ihre Nase. Ich deute ihr sich im Wohnzimmer zu setzen.
„Möchten sie etwas trinken Mrs. - tut mir leid ich habe ihren Namen nicht verstanden“, kurz lässt sie ihren Blick schweifen um mir dann näselnd zu antworten.
„Dawson … Miss Abigail Dawson vom hiesigen Jugendamt und wenn es keine Umstände macht, wäre eine Tasse Kaffee sehr nett“, ach du schöner Kaktusarsch … eine Miss, womöglich jungfräulich so das man auf ihren Grabstein ohne Bedenken ‚Ungebraucht zurück‘ schreiben kann.
„Natürlich, bitte nehmen sie Platz ich bin gleich wieder da“, schnell bringe ich den Kaffee auf den Weg was dank meiner Senseo kein großes Ding ist, und husche dann in mein Schlafzimmer um mir ein Shirt überzuziehen und mich von Dawn – dem Rodeo - Bunny zu verabschieden.
Keine fünf Minuten später bin ich wieder zurück bei Miss Dawson und erkundige mich wie sie ihren Kaffee möchte.
Nachdem wir beide mit Kaffee versorgt sind, nehme ich ihr gegenüber Platz.
„Nun Mister Lancaster, ich bin im Auftrag des Jugendamtes in Sedona/Arizona. Mir wurde zugetragen, das sie eine Miss Kate Morgan kennen, entspricht das den Tatsachen?“, kurz muss ich überlegen, nicke dann aber leicht.
„Ja, aber das ist schon mehrere Jahre her das ich mit ihr gesprochen habe. Geht es ihr denn gut?“, das mit dem Jugendamt ist noch nicht wirklich bei mir angekommen.
„Nun, ich bin hier weil Miss Morgan letzte Woche überraschend verstorben ist und keine lebenden Verwandten hat bei denen ihre gemeinsame Tochter nun unterkommen kann. Somit sind sie Mister Lancaster der einzig lebende Verwandte den die kleine Brylee noch hat“, sie haut das dermaßen trocken und emotionslos raus das ihr gar nicht aufzufallen scheint das mir ganz pauschal alles aus dem Gesicht fällt.
„Meine WAS?“, krächze ich fast tonlos.
„Ihre Tochter …“, erst jetzt scheint ihr aufzufallen das ich keine Ahnung habe wovon sie redet, zumindest mein Gesichtsausdruck dürfte ein deutlicher Hinweis sein.
„O, sie wussten gar nicht das sie und Miss Morgan eine gemeinsame Tochter haben?“, sehr langsam schüttele ich den Kopf. Was zum Geier läuft hier für eine Show? Kate und ich hatten eine heiße aber recht kurze Zeit zu Beginn meiner Rodeokarriere.
„Vaterschaftstest!“, ist alles was ich im Moment noch zusammen kriege.
„Natürlich Mister Lancaster, ich habe alles was wir dafür brauchen dabei. Wären sie den bereit und in der Lage die kleine Brylee aufzunehmen? Derzeit ist sie bei einer Kurzzeit Pflegefamilie untergebracht, aber das ist keine Dauerlösung“, kann die olle mir mal bitte ein paar Minuten zum überlegen geben?
Ich muss mehrmals durchatmen bevor ich ihr antworten kann.
„Sollte der Test einwandfrei ergeben das die kleine meine Tochter ist, werde ich sicher eine Lösung finden mit der wir alle zufrieden sein werden“, keine Ahnung woher ich die im Grunde nicht vorhandene Sicherheit nehme Miss Dawson so etwas zu sagen. Ihr scheint im Moment vor allem wichtig mir dieses Wattestäbchen für den Vaterschaftstest in meinem Mund herum zu ziehen. Bah!
„Gut Mister Lancaster, ich werde in zwei Tagen wiederkommen um weitere Schritte mit ihnen zu besprechen“, damit verabschiedet sie sich auch schon und rauscht aus meinem Trailer. Zurück bleibe ich, sehr verwirrt, kaum in der Lage das eben geschehene zu begreifen. Ich soll Vater sein? Fuck!
Ich bin gerade mal dreiundzwanzig Jahre alt, fast vierundzwanzig. Als ich eine kurze aber heiße Affäre mit Kate Morgan hatte war ich gerade mal achtzehn Jahre alt und wir hatten verhütet!
Die letzten zwei Tage sind dermaßen verschwommen das ich nicht sagen könnte ob ich geschlafen, gegessen oder mich überhaupt bewegt habe.
Heute kommt Miss Dawson wieder vorbei um mit mir zu reden. Ich muss sie dringend fragen woran Kate gestorben ist. Zumindest damals war sie kerngesund und aufgeweckt.
Ein Klopfen an der Tür reißt mich aus meinen Gedanken. Ah, Miss Dawson … pünktlich wie die Maurer.
Lächelnd öffne ich ihr die Tür und werde zu meiner großen Überraschung mit einem Lächeln begrüßt. Hätte ich der sonst recht ernsten Dame gar nicht zugetraut.
„Guten Morgen Miss Dawson, bitte treten sie ein“, recht schnell sitzen wir bei Kaffee und Kuchen – Ja, ich habe extra Kuchen gekauft – beisammen und unterhalten uns über das weitere Vorgehen.
„Entschuldigen sie Miss Dawson, eine Frage bewegt mich seit ihrem letzten Besuch sehr. Miss Morgan, Kate … ich wüsste gerne mehr über die … ähm … nun ja, wie es zu ihrem viel zu frühen Tod kam“, mir ist das Thema nicht ganz geheuer, aber ich muss es einfach wissen. Einen Moment lang taxiert sie mich mit einem Blick den ich nicht wirklich zuordnen kann, bevor sie sich dann räuspert.
„Miss Morgan starb an einem unentdeckten Hirnaneurysma als sie gerade mit der kleinen Brylee auf dem Spielplatz war. Es ging alles sehr schnell, sie hatte keine Schmerzen. Die Kleine Brylee hingegen …“, sie bricht ab. Fassungslos starre ich sie an. Die Kleine war dabei als ihre Mutter zu Tode kam? Holy Shit!
„Wie geht es der Kleinen?“, sie zieht eine Akte aus ihrer Tasche und öffnet sie.
„Nun, wie mir meine Kollegin aus Sedona berichtet hat, wird sie derzeit von einem Kinderpsychologen betreut um das erlebte zu verarbeiten. Brylee scheint ein recht in sich gekehrtes Mädchen zu sein, zumindest seit dem Tag als ihre Mutter starb.“, nun ja, wer in Dreiteufelsnamen könnte es ihr verdenken?
Sie schiebt mir ein Bild von einem fröhlichen schwarzhaarigen Mädchen mit eisblauen Augen zu das so herzlich lacht das man sie einfach mögen muss.
Aufmerksam studiere ich das Bild des Mädchens … meiner Tochter. Auch wenn das Ergebnis des Vaterschaftstest noch ein paar Tage dauern wird, bin ich mir sehr sicher das die kleine Brylee meine Tochter ist. Zu präsent sind die typischen ‚Lancaster Merkmale‘ bei dem zarten, hübschen Mädchen.
„Wann kann ich sie sehen Miss Dawson? Persönlich meine ich“, offensichtlich überrascht aber auch erfreut hebt sie eine Augenbraue.
„Nun, sobald das Ergebnis des Vaterschaftstests vorliegt, kann ich wenn sie das wünschen mit meiner Kollegin in Sedona ein Treffen vereinbaren“, ich nicke leicht.
„Das wünsche ich … auf jeden Fall!“, wir unterhalten uns noch eine lange Zeit bis auch dieses Treffen endet.
Ihm werden in der nächsten Zeit einige weitere folgen und mit jedem Treffen werden meine Überlegungen und vorsichtigen Pläne konkreter.
Zehn Tage nach ihrem ersten Besuch steht Miss Dawson erneut vor meiner Tür, in ihren Händen hält sie einen großen Umschlag.
Schwer schluckend trete ich beiseite um sie reinzulassen.
„Ist das der Brief auf den wir warten?“, sie nickt.
„Ja, ich bin so schnell es mir möglich war gekommen um ihn zu ihnen zu bringen“, sie lässt sich auf dem Sofa im Wohnzimmer nieder, mittlerweile ihr Stammplatz.
„Okay … äh … Kaffee?“, wieder nickt sie.
„Gerne“, gut, das lenkt mich zumindest minimal davon ab das ich mit einem mal höllisch nervös bin.
Kurze Zeit später sitze ich ihr gegenüber, mein Blick ruht auf den Umschlag der vor mir auf dem Tisch liegt. Sie drängt mich nicht, lässt mich selbst entscheiden wann ich bereit bin mir das Ergebnis des Tests anzusehen.
Und es dauert eine gefühlte Ewigkeit bis ich endlich nach dem Umschlag greife und ihn beherzt öffne.
Pfuh, der erste Schritt ist gemacht. Nun muss ich nur noch das Schreiben herausziehen und lesen. Tief einatmend ziehe ich das Schriftstück aus dem Umschlag und beginne zu lesen. Viel blabla, das wirklich wichtige kommt erst weiter unten. Kurz hebe ich meinen Blick zu Miss Dawson die mich aufmerksam beobachtet.
„ … ergab sich eine Vaterschaftswahrscheinlichkeit von 99.999 % …“, lese ich laut vor und beiße mir schnell auf die Unterlippe um nicht zu quietschen.
Zwar hatte ich nichts anderes erwartet, aber es nun wirklich schwarz auf weiß zu sehen, in Händen zu halten, macht es real. Nun steht fest … ich habe eine Tochter, fünf Jahre alt, bildhübsch und traumatisiert durch den Tod ihrer Mutter.
Ich hatte Zeit um zu überlegen was ich tun würde und mein Entschluss steht fest.
„Wann?“, frage ich Miss Dawson die sofort versteht was ich meine.
„Geben sie mir zwei Tage um alles in die Wege zu leiten Mister Lancaster. Ich melde mich dann bei ihnen", sie lächelt leicht, erhebt sich und verabschiedet sich von mir um gleich an ihre Arbeit zu gehen.
Ich überlege ob ich Jake gleich anrufen oder warten soll bis ich Brylee kennengelernt habe. Ich entscheide mich für letzteres, mir ist bewusst das ich jederzeit nachhause kommen kann. Mein Handy zückend rufe ich meinen besten Kumpel Kyle Collister an und frage ob er Lust auf ein Bier hat.
„Willst du mich verarschen Mann?!“, poltert mein bester Kumpel so laut das sie mindestens die Hälfte der Anwesenden in der Bar zu uns umdrehen. Mit den Augen rollend knurre ich ihn dunkel an.
„Geht es noch etwas lauter? Ich glaube in Alaska hat man dich noch nicht gehört Kyle!“, mit weit aufgerissenen Augen starrt er mich fassungslos an, senkt dann aber seine Stimme.
„Du verarschst mich doch, oder Nik? Komm schon, ein Kind? Ein fünf Jahre altes Kind wohlgemerkt, das kann doch nur ein Scherz sein … oder?“, langsam schüttle ich meinen Kopf.
„Kein Scherz, nein“, während er den Kopf schüttelt als würde er auf eine Karriere als Wackeldackel hinarbeiten, trinke ich einen Schluck von meinem kühlen Bier.
Was wirst du jetzt tun?“, neugierig sieht er mich an. Vermutlich kann er sich schon denken was nun kommt.
„Das richtige! Ich werde sie kennenlernen und sehen wie es läuft. Mein Plan ist es sie mit nach Montana zu nehmen. Auf der Ranch meines Bruders ist genug Platz um ein Kind großzuziehen“, seine Augen weiten sich, weil ihm klar wird was das bedeutet, fast andächtig spricht er die Worte aus vor denen ich mich noch etwas scheue.
„Du hängst die Rodeoreiterei an den Nagel?“, ich muss keine Sekunde überlegen.
„Ja!“, erwidere ich nickend und weiß das es das richtige ist.
„Wow! Du hast nicht eine Sekunde gezögert“, keucht er anerkennend.
„Du solltest uns irgendwann besuchen kommen Kyle“, breit grinsend proste ich ihm zu.
Der Rest des Abends gestaltet sich recht unterhaltsam, nur das ich heute allein nachhause gehe, das erstemal seit langer Zeit und es fühlt sich einfach nur richtig an.
Drei Tage später steige ich zur Mittagszeit in Sedona aus dem Flieger. Miss Dawson hat Wort gehalten und alle möglichen Leute kontaktiert um mich schnellstmöglich hier her zu bringen.
Auch das ich abgeholt werde und zuerst in mein Hotel gebracht werde ist organisiert. Dort wird ein Mietwagen auf mich warten und mir etwas mehr Freiraum geben.
Für den Nachmittag ist ein Treffen mit der zuständigen Dame vom Jugendamt geplant. Miss Dawson hat mir versichert, das Mrs. Archer eine sehr nette Dame sei. Ich bin gewillt ihr zu glauben … vorerst.
Das erste Treffen mit Brylee soll Morgen früh um zehn Uhr stattfinden. Grund genug um langsam nervös zu werden.
Im meinem Hotel angekommen, bedanke ich mich bei dem Fahrer und sehe zu das ich schnellstmöglich in mein Zimmer und unter die Dusche komme und danach eine Kleinigkeit Essen gehe.
Das Treffen mit Mrs. Archer ist überraschenderweise recht locker und ungezwungen. Sie erkundigt sich nach meinen Plänen die Zukunft betreffend und ich erzähle ihr offen und ehrlich davon. Das ich plane Brylee erstmal kennenzulernen und sie dann mit nach Montana zu meiner Familie nehmen möchte.
Sie macht sich aufmerksam Notizen und hört mir zu ohne mich zu unterbrechen.
„Und es ist für ihre Familie in Ordnung wenn sie mit Brylee auf die Ranch ziehen?“, fragt sie nachdem ich fertig bin meine Pläne für die nähere Zukunft zu schildern. Ein kurzes Grinsen zuckt um meine Lippen.
„Mein Bruder nervt mich schon seit längerem das ich nachhause kommen und mit dem Rodeo aufhören soll. Das wird also überhaupt kein Problem sein. Er selbst hat erst vor kurzem eine kleine Tochter bekommen und mein ältester Bruder Tom hat einen Sohn der nur wenig älter als Brylee ist.“, wieder macht sie Notizen und nickt zufrieden.
„Gut, das klingt alles recht vernünftig und durchdacht. Sicher werden sie verstehen, das wir in regelmäßigen abständen jemand vorbei schicken werden der nach Brylee sieht. Zumindest in der ersten Zeit. Was noch wichtig wäre, wie sie wissen war Brylee dabei als ihre Mutter … nun, als es passiert ist. Deswegen wird sie derzeit psychologisch betreut und es wäre wichtig, das dies fortgeführt wird“, ihr bisher freundlicher Blick ist nun ernst und geradezu forschend. Mein Nicken kommt ohne zögern, ebenso die Worte die meinen Mund verlassen.
„Natürlich, ich werde mich darum kümmern. Hat Brylee irgendwelche Hobbys die sie gerne macht?“, Mrs. Archer überlegt kurz.
„Sie malt sehr gern, also Malbücher meine ich nun. Aber auch selbst gemalte Bilder macht sie gern, wobei diese etwas … düster ausfallen können“, nun ist es mein Blick der sich verfinstert, aber ich nicke und weiß nun was ich Brylee morgen mitbringen werde.
Aufgeregt stehe ich an dem vereinbarten Treffpunkt, in meinen Händen halte ich ein in buntes Geschenkpapier verpacktes Malbuch mit Bauernhoftieren und eine Packung Buntstifte.
Da ich etwas zu früh da bin, muss ich noch ein paar Minuten warten bis eine junge Frau mit einem schwarzhaarigen Mädchen an der Hand auf mich zukommt.
Die kleine trägt eine verwaschene Jeans, ein hellblaues T-Shirt mit einem Einhorn darauf und blaue Turnschuhe. Ihre langen Haare trägt sie in einer hübschen Flechtfrisur.
Ein leichtes Lächeln zuckt um meine Lippen, sie ist ein wirklich hübsches Mädchen. Fast möchte ich mir selbst auf die Schulter klopfen für meine Leistung.
Ich begrüße die junge Frau die mich freundlich anlächelt mit einem Handschlag und wende mich dann dem Mädchen zu das sich schüchtern halb hinter seiner Pflegemutter versteckt.
Angesichts meiner Körpergröße von einszweiundneunzig gehe ich in die Hocke und lächle die Kleine freundlich an.
„Hallo Brylee, ich bin Nik und freue mich dich kennenzulernen“, vorsichtig linst hinter den Beinen ihrer Pflegemutter hervor und piepst ganz leise.
„Hallo Nik“, zuckersüß die Maus. Neugierig linst sie auf das bunte Päckchen in meiner Hand.
„Schau mal, ich hab dir was mitgebracht“, lächelnd halte ich ihr das bunte Päckchen entgegen. Man sieht ihr an wie gern sie es sich schnappen würde, aber ihr Blick wandert erst nach oben zu ihrer Pflegemutter die ihr lächelnd die Erlaubnis gibt das Geschenk von mir anzunehmen.
Kurze Zeit später fliegt das Papier und kurz strahlen ihre durchdringenden eisblauen Augen, die den meinen so ähnlich sind.
„Wie sagt man wenn man etwas bekommt Brylee?“, ermahnt sie ihre Übergangsmom sanft.
„Danke Nik“, kommt es aufrichtig von der Kleinen die sich damit aber auch mit ihrem Malbuch zurückzieht.
In den letzten Wochen habe ich Brylee jeden Tag gesehen, mit ihr gespielt, geredet und Zeit verbracht. So langsam taut sie auf und wird zugänglicher.
Sie erzählt das sie Kaninchen gerne mag, oder Meerschweinchen. Größere Tiere sind ihr aber nicht geheuer.
Uff, das könnte eine Aufgabe werden. Sie wird auf der Ranch zwangsläufig mit größeren Tieren konfrontiert werden.
Ich habe ihr in Anwesenheit ihrer Pflegeeltern und Mrs. Archer erzählt das ich ihr Vater bin und sie gerne mit nach Montana nehmen würde.
Ihre Reaktion hat uns alle sehr überrascht, da sie meinte das sie das wisse … ihre Mom habe ihr Bilder von mir gezeigt und auch meine Karriere haben die beiden wohl verfolgt. Einmal mehr frage ich mich, ob ich jemals erfahren hätte das ich eine Tochter habe, wäre dieser Mist nicht passiert. Eine Frage auf die ich wahrscheinlich nie eine Antwort bekommen werde.
Nachdem wir uns für heute verabschiedet haben, führt mich mein Weg noch zu einem Ort den ich mich nun lange geweigert habe zu betreten.
Mit einen Strauß Sommerblumen in der Hand betrete ich den Friedhof von Sedona. Mrs. Archer konnte mir zum Glück sagen wo ich Kate`s Grab finde.
Vorsichtig lege ich den Strauß auf dem Urnengrab ab und gehe in die Hocke um mit meinen Fingern über die schlichte Grabplatte zu streichen.
„Hey Kittykat … ich hoffe es geht dir gut wo du bist, auch wenn es schade ist das wir keine Chance hatten uns nochmal zu treffen. Ich wünschte du hättest mir gesagt das wir ein kleines Mädchen in die Welt gesetzt haben. Ich hätte es gern gewusst, dann hätte ich früher an ihrem Leben teilhaben können. Sehen wie sie ihre ersten Schritte macht, das erste Lachen … solche Dinge eben. Nun gut, es ist wie es ist. Ich möchte das du weißt, ich werde Brylee mit nach Montana nehmen. Auf gar keinen Fall werde ich zulassen das sie in einem Heim aufwächst. Sie ist ein tolles Mädchen, du hast deinen Job gut gemacht und jetzt bin ich dran.“, langsam stehe ich auf, ein paar Tränchen glitzern nun doch in meinen Augen.
„Machs gut Kittykat … denk dran, Montana falls du mal vorbei schauen willst“, zügig verlasse ich den Friedhof um zurück in mein Hotel zu gehen, es gibt noch einiges zu organisieren bevor wir in zwei Tagen in den Flieger steigen.