Eternal Bonds

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Summary

Als Alec mit seinem Vater nach Ferndale zieht, erwartet er nicht mehr als eine verschlafene Kleinstadt mit alten Legenden. Doch als er in den dunklen Wäldern auf ein Wesen mit leuchtend grünen Augen trifft, ändert sich alles. Dane ist ein Vampir - und nicht irgendeiner. Seit über einem Jahrhundert bewacht er Ferndale aus den Schatten. Doch Alec stellt seine Kontrolle auf eine harte Probe. Seine Gefühle für den Jungen sind verboten, ein Verstoß gegen die eisernen Regeln des Zirkels alter Vampire. Und Alec ahnt nicht, dass ihn seine Nachforschungen in tödliche Gefahr bringen. Während sich zwischen ihnen eine Liebe entfaltet, die gegen alle Regeln verstößt, wächst die Bedrohung. Der Zirkel hat Danes Schwäche erkannt - und sie tragen Alecs Namen. Eine Geschichte über Schicksal, verbotene Liebe und den Mut, für das zu kämpfen, was unmöglich scheint.

Genre
Fantasy
Author
Jamal
Status
1yr ago
Chapters
2
Rating
n/a
Age Rating
16+

Augen im Nebel

Mein Vater schenkte mir zu unserem Einzug von Chicago nach Ferndale, einer verschlafenen Kleinstadt in Kalifornien, einen Jeep Grand Cherokee SRT, in Blutrot. Er hatte es mir versprochen, als eine Art Willkommensgeschenk. Nachdem meine Mutter auf unerklärliche Weise verschwand, hatte es sich mein Dad zur Aufgabe gemacht, dass ich mich schnell heimisch fühlte und mich ohne Probleme fortbewegen konnte. »Danke, Dad.«, ich lächelte, als er erwiderte. »Nicht dafür, Alec.«, er schüttelte den Kopf, und jedes Mal, wenn ich ihn so ansah, spürte ich die Melancholie in seinem Inneren, die meine Mutter hinterließ, als sie uns verlassen hatte. Mein Dad, James und ich hatten dieselben dunklen Augen und dasselbe dunkle Haar, einen Dreitagebart, nur die Nase hatte ich von meiner Mutter, selbst den hellen Hautteint hatte ich von ihm. Und ehrlich gesagt, war ich froh darüber, dass ich nach ihm kam und nicht nach meiner Mutter. Das ersparte uns beiden den Schmerz, der noch präsent war. »Wieso machst du keine kleine Spritztour mit deinem neuen Auto?«, fügte er hinzu. »Aber bleib nicht zu lange weg, es wird gleich dunkel.« Auch wenn mir mein neuer Jeep gefiel, kam er mir mit seiner Karosserie eher wie ein schützender Panzer vor. »Ja, Dad. Ich bin rechtzeitig wieder zurück.« Ich setzte mich ins Auto und der Geruch von neuem, reinem Leder umhüllte mich sofort mit seiner Frische und Eleganz. Die schneeweißen Sitze waren bequem und hatten etwas Steriles, das man aufpassen musste, dass man keine Spuren hinterließ. Ich steckte den Schlüssel ins Zündschloss und startete den Motor, das angenehme Schnurren ließ mich sofort wohlfühlen. Als ich losfuhr, sah ich, wie die Sonne langsam hinter den Bäumen sank und der Himmel in ein tiefes Rot getaucht wurde. Ich erkundigte die Stadt und betrat ein Café. Eine nette Dame begrüßte mich: »Hallo, was kann ich dir bringen?« Sie war groß und am linken Arm zierte sich ein Tattoo mit geschnörkelten Dornen und Blüten, ihr junges Aussehen passte gar nicht zu diesem Café. Zu dieser schönen Frau mit blondem Kurzhaarschnitt und blauen Augen. Sie lächelte mich ehrlich an und nicht künstlich wie man es sonst von einer Bedingung kannte. Ich lächelte ebenfalls, auch wenn ich leicht rot wurde. Eigentlich waren mir Konversationen immer unangenehm. Aber heute wollte ich meinem Dad was Gutes tun und deswegen überwand ich mich. »Ich hätte gerne zwei Orangenschnitten zum Mitnehmen«, sagte ich schließlich und sie nickte. »Kommt sofort.« Während sie mir alles gut einpackte, schaute ich mich um. Die großen Fenster des Cafés ließen gedämpftes goldenes Licht der hängenden Lampen in ein fast träumerisches Leuchten tauchen. Der Duft von frischem Kaffee direkt aus der Maschine sowie Gebäck hing in der Luft, durchzogen von einem Hauch von Vanille und Zimt. Die leisen Gespräche, das Klirren von Porzellan und Besteck machten alles so lebendig und gelassen. Einen Ort zum Abschalten und einfach mal den Arbeitsstress hinter sich lassen. Niemand bemerkte mich, ein Glück, denn so wie die Leute sich hier unterhielten, kannten sie sich alle gegenseitig und jemand Neues würde sofort auffallen. Ich war froh, als die blonde Frau mir meine Bestellung reichte. »Hier bitte.«, sagte sie lächelnd.

»Danke.« erwiderte ich und nahm ihr den Karton mit dem Kuchen ab. Aber bevor ich gehen konnte, fragte sie: »Wie heißt du?« Am liebsten wäre ich fluchtartig auf und davon gestürmt worden. Stattdessen setzte ich ein künstliches Lächeln auf, auch wenn ich kein Smalltalk wollte. »Ich bin Alec.« Ich wollte so knapp antworten, wie es nur ging, Fehlanzeige sie durchlöcherte mich mit noch mehr Fragen. »Du bist hier nicht aus der Gegend, oder?« Ich schüttelte den Kopf. »Nein.« Jetzt lass mich in Ruhe, du neugierige Katze, dachte ich. Um dem Gespräch zu entgehen, machte ich eine schnelle Bemerkung: »Ich muss jetzt auch gehen. Mein Dad wartet auf mich.« Ich machte auf dem Absatz kehrt und draußen atmete ich tief durch, öffnete die Beifahrertür und legte vorsichtig den Karton ab, bevor ich mich vors Lenkrad setzte. Der jetzt schon vertraute Geruch meines Autos beruhigte mich und startete den Motor. Ich lächelte vor mich hin. Ich liebte dieses Geräusch, das Geräusch meines schützenden Panzers.

Als ich losfuhr, war die Nacht schon angebrochen, obwohl ich dachte, dass ich viel früher zu Hause sein würde. Ich fuhr die Straße entlang, der Nebel, der sich so langsam wie ein Schleier über das gesamte Gebiet legte, wurde immer dichter, dass man nicht mal mehr sehen konnte, wohin man fuhr. Alles war totenstill und so langsam hatte ich das Gefühl, mich verfahren zu haben. Schnell fischte ich mein Smartphone aus der Hosentasche, um meinen Dad anzurufen. Mist! Kein Empfang. Ich stieg aus dem Auto und sofort schauderte ich, obwohl ich kein Mensch war, der schnell fror, überkam mich eine unangenehme Kälte. Hätte ich doch nur meine Jacke nicht in meinem Zimmer gelassen, dachte ich. Ich schaute mich um und vor meinen Augen erkannte ich ein riesiges Waldgebiet. Ich war nicht mehr innerhalb der Stadt, wenn ich in der Nähe der Wälder von Ferndale war. Ich schluckte und spürte ein Ziehen in meinem Körper. Ich setzte mich wieder in meinen Jeep, um mich warm zu halten. Gerade wollte ich den Motor starten, als ich bemerkte, dass ich kaum noch Tank hatte. O, Nein! Was sollte ich jetzt bloß tun?! Ich musste anscheinend nach Hause laufen, völlig orientierungslos. Ich atmete tief durch und stolperte aus dem Wagen und rieb mir die Arme vor Kälte. Plötzlich wurde meine Aufmerksamkeit auf etwas im Wald bemerkbar. Trotz zitternder Glieder setzte ich einen Schritt nach dem anderen und steuerte auf den Wald zu. Irgendetwas hatte die Vögel aufgescheucht und je tiefer ich in den Wald ging, desto mehr übermannte der Nebel alles um mich herum. Man konnte nicht mal mehr die Baumkronen erkennen, und doch musste ich anmerken, dass es auch etwas Romantisches hatte, so im Mondschein. Ich versuchte, mich so lautlos wie möglich fortzubewegen, trotz zitternder Knie und schnellem Atem. Das Pfeifen des Windes, das durch die Äste wehte, war ohrenbetäubend, und doch konnte ich dieses animalische Knurren nicht überhören und dieses Knacken, das Knacken eines Genicks. Oder sollte ich lieber sagen, der Bruch eines Genicks? Schweren Schrittes drang ich tiefer, die Bäume drohten mich zu verschlingen, zusammen mit dem Nebel, der mir die Sicht nahm. Ich musste acht geben, wo ich hintrat, denn jetzt zu stolpern und vielleicht umzuknicken, wäre nicht gerade ideal. Mein Blut gefror in meinen Adern und mir blieb die Luft weg, als würde ein Betonklotz auf meiner Brust liegen. In der Ferne konnte ich eine Silhouette erkennen und war wie angewurzelt. Ich wollte mich losreißen und mich verstecken, irgendetwas fiel über ein Tier her, eine Art Monster, und wenn ich richtig spähte, ein Monster, das auf zwei Beinen stand. So etwas konnte es nicht geben. Ein markerschütternder Schrei entfuhr mir und das, was es auch immer war, verschwand. Das Letzte, was ich nur noch sah, war ein Bluttriefendes Maul und leuchtend grüne Augen.


Ich hatte keinerlei Erinnerung, wie ich nach Hause kam oder aus dem Wald. Mein Herz raste immer noch und der Schock saß tief. Wenigstens lag ich in meinem gemütlichen Bett, auch wenn ich kein Auge zu bekam. Irgendwas lauerte in den Tiefen der Wälder von Ferndale, irgendwas Gefährliches. Es klopfte an meiner Tür und mein Dad trat ein, er brachte mir einen heißen, dampfenden Kakao und reichte mir die Tasse, als ich mich aufrichtete und er sich zu mir an die Bettkante setzte. Dad schenkte mir ein warmes Lächeln, das ich erwiderte. »Danke, Dad.« Ich nippte daran, »lecker.«

»Geht's dir besser?« Ich nickte, dabei erkannte ich die Sorge in seinen Augen, als käme er gleich den Tränen nahe. »Gut.«, sagte er nur knapp. Ich bemerkte, dass da noch mehr war, das ihn beschäftigte. »Dad, bitte sag, was mit dir los ist. Ich sehe doch, dass da was ist.« Ich stellte meine Tasse auf den Nachttisch. Mein Dad seufzte. »Ich dachte, als du solange weg warst, dass du mich jetzt auch verlassen hast, Alec.« Ich entgegnete ihm mit mitfühlenden Augen und schüttelte daraufhin den Kopf. Ich konnte gut verstehen, warum er sich solche Gedanken machte. »Dad, ich würde nicht mal im Traum daran denken, dich zu verlassen. Ich bin nicht Valeria.« Seit meine Mutter uns verlassen hatte, sagte ich nicht mehr Mum zu ihr, sondern ihren Namen. Zum Schluss, als ich meinen Kakao leer trank, schloss ich meinen Vater in eine feste Umarmung und wir wünschten uns eine gute Nacht. Auch wenn ich immer noch an das Ereignis im Wald dachte, konnte ich dank des Gesprächs mit meinem Vater einschlafen, nicht, dass ich ihm die komplette Wahrheit erzählt hatte. Ich hatte nur nicht erwähnt, dass das, was ich gesehen habe, auf zwei Beinen stand. Das Bluttriefende Maul sowie die grünen Augen brannten sich regelrecht in mein Gehirn ein und mit dem Bild dieses Leuchtens schlief ich ein.


Am nächsten Morgen war ich wie gerädert und machte mich für meinen ersten Schultag fertig. Der Tag, wo man mich als den Neuen abstempeln würde. Schrecklich. Schnell sprang ich unter die heiße Dusche und konnte erstmal entspannen und richtig wach werden. Dann, als ich fertig mit duschen war, kramte ich aus meinem großen Kleiderschrank ein dunkelgraues T-Shirt und eine dunkle Jeans, und meine schwarze Sweatjacke hatte ich um den Arm gelegt, da ich sowieso fast nie fror, bis auf gestern. Brauchte ich sie nicht anziehen. Ganz deutlich musste ich wieder an gestern Abend denken und das, was ich erblickte, die Silhouette, die über das Tier herfiel und die leuchtend grünen Augen. Die Bilder waren so präsent, dass ich mein Zimmer nicht mehr sah. Mit dem großen Bett, das Fenster und den Fenstersims, an dem man sich ohne Mühe setzen und gemütlich machen konnte, mit seinen Kissen. Alles war weg, selbst der Nachttisch und die Lampe, die darauf platziert war. Ich schüttelte den Kopf und konnte mich wieder beruhigen und ging runter zur Küche, wo auch schon mein Dad mein Pausenbrot zubereitete und mir sein vertrautes Lächeln schenkte. »Guten Morgen, Alec.«

»Guten Morgen, Dad.« Er musterte mich kurz und fragte: »Hast du gestern noch ein wenig schlafen können?« Ich erwiderte: »Es ging so.« Mein Dad nickte verstehend und ich rieb mir übers Gesicht. »Versprich mir, Alec, dass du nie wieder in die Nähe des Waldes gehst.« Ich nickte sofort. »Versprochen, Dad.« Ich hatte sowieso nicht vor, überhaupt mehr in die Nähe des Waldes zu gehen, nach allem, was gestern passiert war. »Gut, ich werde aber deinen Fall melden müssen. Nicht, dass jemand in Gefahr gerät.« Ich seufzte, ungern wollte ich, dass wir als die Neuen in der Stadt mit 1.300 Einwohnern im Scheinwerferlicht der Aufmerksamkeit standen. Aber ich verstand auch meinen Dad. Er reichte mir mein Sandwich, nahm meinen Rucksack vom Haken, verstaute die Jacke samt Sandwich hinein und verließ das Haus. Ich stieg in mein Jeep, den mein Vater zu früher Stunde vollgetankt hatte, und zurückfuhr, legte alles auf den Beifahrersitz, startete den Motor und fuhr aus der Auffahrt, Richtung Schule.

Ich kämpfte mich durch den Nebel, der morgens immer die Stadt eroberte und am späten Vormittag auflöste, und erreichte die Schule. Um dorthin zu gelangen, musste ich auch an dem Café vorbeifahren, an dem ich den anbahnenden Smalltalk ausweichen konnte. Ich parkte mein Auto, als ich das Schulgelände erreichte, schnappte mir meinen Rucksack, stieg aus und legte ihn mir über die Schultern. Das Hauptgebäude bestand aus einem riesigen Rechteck und großen Fenstern, die viel Licht in das Gebäude hinein scheinen ließen. Ich staunte nicht schlecht über das Sportgelände und das viel Grün drumherum. Die Natur war atemberaubend. Man konnte selbst die vielen Bäume aus der Ferne sehen, die das Gesamtbild perfektionierten. Ich ging den Treppenaufgang des Gebäudes hoch und betrat es. Mit gesenktem Kopf versuchte ich, mich unauffällig zu verhalten, um nicht bemerkt zu werden, was nicht so ganz funktionierte. Denn in einer Schule mit gerade mal 200 Schülern konnte man nicht einfach so in der Menge verschwinden, wurde von allen Seiten angestarrt und über mich getuschelt. Ich wurde Augenblicklich rot und machte mich deswegen so schnellstmöglich auf dem Weg ins Sekretariat, mit Blicken im Nacken. Dort angekommen, klopfte ich an die Tür und wurde hereingelassen. Es war sehr klein, gestrichen mit satten Grün. Es erschien mir lächerlich, da die ganze Stadt Grünflächen hatte, oder sollte dieser Raum das erneut symbolisieren? Innerlich rollte ich mit den Augen. Hinter dem Tresen arbeitete eine alte Dame am Computer und neben ihr ein Mann, ebenfalls am Computer, der jünger war, so Mitte 40 mit lichten dunklen Haaren. Er trug ein schlichtes Hemd, während die alte Dame helles weißes, leicht gewelltes Haar hatte und ein weißes Hemd mit Rüschen und Blumenmuster trug. Typische Kleidung einer alten Dame und der Herr stilvoll gekleidet war, dachte ich. Sie schaute von ihren ordentlich sortierten Unterlagen auf und kam zum Tresen. »Kann ich Ihnen helfen?«, fragte sie mit einer überschwänglich netten Stimme, fast zu überschwänglich, wie ich es mir dachte. Der Herr hinter ihr machte keinerlei Anstalten, überhaupt mal zu schauen, wer ich war, er war zu vertieft in seiner Arbeit. Nicht, dass das den Eindruck machte, dass es mich störte, denn wäre ich er, würde ich aus reiner Neugier schauen. »Ja, ich bin Alec Dawson.« Die alte Dame nickte wissend und schob ihre Brille mit breitem Gestell höher auf ihre Nase. Dann kam der Herr auf mich zu, hatte wohl die ganze Zeit zugehört und überreichte mir meinen Stundenplan, den ich dankend annahm. »Ms Rose wird gleich zu Ihnen stoßen und Sie zum Unterricht leiten, sowie Ihnen heute die Schule zeigen.«, sagte der Herr mit einem munteren Lächeln. Die Dame bestätigte das mit einem lächelnden Nicken. Ich nickte auch, ohne etwas zu sagen. Solange ich wartete, schaute ich auf meinen Stundenplan, um ihn mir einzuprägen, was mir gut gelang. Erste Stunde Englisch bei Mr. Bronson. Gut, schon ein Fach am ersten Schultag, das ich mochte und gut war. Ein Klopfen ertönte und ein Mädchen meines Alters trat ein und kam auf uns zu. »Hallo Ms. Rose.«, sagte die alte Dame mit einem strahlenden Lächeln. »Wir haben Sie schon erwartet.« Sie war bildhübsch, mit ihren langen, welligen dunkelblonden Haaren, die ihren kompletten Rücken bedeckten und ihren zarten Rosalippen, sowie dem zierlichen Körper und den strahlenden blauen Augen, doch hatte ich keinerlei Interesse. »Hallo Ms. Davidson, hallo Mr. Erin.« Ms. Davidson, dessen Namen ich jetzt wusste, runzelte die Stirn. »Liebes, nenn mich doch Esther.« Mit ihrer Bemerkung brachte sie das Mädchen in Verlegenheit und erwiderte: »Okay, Esther.« Dann lenkte sie die Aufmerksamkeit auf mich. »Hey, ich bin Talia.«, begrüßte sie mich, »du bist Alexander Dawson.« Sie reichte mir ihre Hand, die ich schüttelte. »Alec.« korrigierte ich sie, doch nickte ich. Plötzlich wirkte sie irgendwie eingeschnappt, nachdem ich sie korrigierte und die Stirn runzelte, war es so schlimm für sie, dass ich ihr gesagt hatte, wie ich genannt werden wollte? Vielleicht bildete ich mir das auch nur ein und schüttelte den Gedanken ab, da ich endlich zum Unterricht wollte und Talia führte mich raus auf den Flur. Ms. Davidson rief mir noch hinterher, dass mir Ferndale gefallen würde, ihre Bemerkung tat ich nur mit einem Lächeln ab. Talia rollte mit den Augen und sagte: »Ms. Davidson ist ganz nett, doch hat sie eine Schrullige Art.« Ich nickte und sie musterte mich, als wollte sie herausfinden, was ich dachte. »Du bist nicht gerade Gesprächig, oder?« Ich schüttelte den Kopf. »Nein.«, sagte ich und wurde leicht rot. Talia zuckte mit den Achseln. »Das macht nichts, ich wäre auch schüchtern.« Erwiderte sie. Dann schenkte sie mir ein Lächeln.

Im Flur auf dem Weg zur Englischstunde wurde ich von allen Seiten angestarrt und versuchte es zu ignorieren, was mir ein wenig gelang, da ich mich gezwungen sah, mit Talia zu sprechen. »Wie ist Mr. Bronson, so als Lehrer und für eine Person?«, fragte ich, Talia sichtlich überrascht, dass ich überhaupt etwas sagte, und schaute mich an. »Mr. Bronson ist ganz nett, jeder hier mag ihn. Er bietet sogar nach der Schule für Kinder und Jugendliche Freizeitaktivitäten an. Da es hier in Ferndale nicht so viele Möglichkeiten dafür gibt.« Ich nickte verstehend und war froh darüber, dass ich mir keine Gedanken machen musste, gleich einen Lehrer zu sehen, den ich in Sekunde eins schon nicht leiden konnte. Talia lächelte und plötzlich überkam mich ein schlechtes Gefühl, denn dieses Lächeln war nicht ein freundliches, eher eines, das man falsch verstehen konnte, so als wollte sie anfangen, mit mir zu flirten. Es ließ mich rot werden, nicht weil es mir gefiel, weil ich es unangenehm fand. Ich wusste nicht, was ich getan hatte, um diese Reaktion bei ihr ausgelöst zu haben. Ich wollte ganz sicher nichts von ihr und lenkte schnell ab. »Ich würde mich gerne beeilen, um nicht zu spät zum Unterricht zu kommen.« Sie nickte nur und war verwirrt, sie hatte wohl nicht erwartet, dass ich so reagiere. »Ist gut.« erwiderte sie schließlich. Ich musste mir ein Lachen verkneifen.

Im Klassenzimmer angekommen, war ich froh, mich nicht vorstellen zu müssen, gut so, und setzte mich sogleich auf einen freien Platz und fischte alles, was ich für die Stunde brauchte, aus meinem Rucksack, da Englisch für mich kein schweres Fach war, konnte ich gut folgen und schrieb alles mit und machte mir auch neben Notizen. Talia hatte heute in einer anderen Stunde Englisch und ehrlich gesagt war ich froh darüber. Ich wollte nicht gemein sein, aber sie ging mir ziemlich auf die Nerven, vor allem, als sie dachte, dass sie mit mir flirten könnte. Hoffentlich tauschte sie nicht ihre Stunde mit der, die sie jetzt hatte, um mit mir im Englischunterricht zu sitzen.

Als es klingelte, gesellte sich Talia wieder zu mir im Flur und fragte: »Wie war deine erste Stunde?«

»Ganz gut«, antwortete ich knapp, trotzdem ließ sie es nicht dabei. »Was hast du als Nächstes?« Sie beharrte darauf, mit mir zu sprechen. »Jetzt habe ich Mathe.« Plötzlich strahlten ihre Augen. »Ich auch.«, rief sie vor Freude. Bitte nicht. »Schön, freut mich.«, log ich und musterte mich mit ihren blauen Augen. Dabei musste sie ihren Kopf ein wenig nach oben neigen, da ich um einiges größer war als sie. Sie hielt ihr Mathebuch an der Brust umklammert, bestimmt war sie eine Musterschülerin, hatte in jedem Fach nur Einsen, fehlte nie und war des Lehrers Liebling. Und sie war zu jedem nett. Das war gemein von mir, dass ich so dachte, Talia wollte bestimmt einfach nur, dass ich mich hier nicht so verloren fühlte. Ich sollte damit aufhören. Ich setzte ein höfliches Lächeln auf, hoffentlich verstand sie es nicht falsch und fing wieder an, mit mir zu flirten. Zusammen gingen wir zur nächsten Stunde.

Nach weiteren Stunden war endlich Mittagspause, ich saß mit Talia und zwei weiteren in der Cafeteria am Tisch. Einmal Gideon Wynter, dessen Größe sich auf 1,60 cm beschränkte, er war recht klein für einen Jungen, war aber sehr männlich, vor allem wurden seine hellbraunen Haare im Licht blond und im Gesicht hatte er über der Oberlippe ein kleines Muttermal. Als zweites Irene Grace, die Freundin von Talia, die eher ihre Zwillingsschwester sein könnte, als glichen sie ein Ei dem anderen, blaue Augen, blondes Haar, dieses Mal aber glatt und genauso bildhübsch. Ich war froh darüber, dass ich nicht irgendwo alleine sitzen musste, mein Essen bestand aus einem verhedderten Spaghettihaufen, der nach einem klebrigen zusammengedrückten Klumpen ausschaute, und einer Flasche Cola, wenigstens etwas Genießbares. Ich würgte regelrecht das Essen herunter, als ich es mit einem Schluck Cola herunterspülen wollte, verschluckte ich mich und hustete heftig. Mir lief ein Schauer über den Rücken, wie ein frostiger Wind, der mich erfasste. Ein Blick wie ein Pfeil. Schnell drehte ich mich um und schaute nach hinten. »Was ist los?«, fragte Gideon plötzlich, ein sehr aufmerksamer Junge, »es sieht aus, als hättest du einen Geist gesehen. Zumindest hast du dich ziemlich erschreckt.« Ich schaute ihn an, sein Blick war ernst. »Ich hatte für einen kurzen Moment das Gefühl, als werde ich beobachtet.«, antwortete ich ehrlich und ein mulmiges Gefühl überkam mich. »Komisch,« sagte er, »vielleicht hast du dir das auch nur eingebildet.« Du bist neu, da schauen viele.« Ich nickte: »Kann schon sein.« Vielleicht hatte Gideon recht. Trotzdem schaute ich nochmal nach hinten und beobachtete alles, bei gerade mal 200 Schülern war die Cafeteria nicht übersichtlich, was ich nicht gedacht hätte. Hier und Da waren Blicke auf mir, aber nicht dieser Blick, den ich verspürte, und da war auch keiner, dem ich diesen Blick zuordnen könnte. Als wäre die Person verschwunden, nachdem ich sie bemerkt hatte. »

Endlich klingelte es, erhob mich gleich vom Tisch und räumte mein Tablett weg. Das Essen hatte ich kaum angerührt, nur die Cola trank ich leer. Sofort begab ich mich zur nächsten Stunde, IT, ein Fach, das ich wirklich mochte, da ich ein Computer Aß war. Ich setzte mich auf einen freien Platz in der mittleren Reihe und atmete erstmal durch. Das mulmige Gefühl ließ ein wenig nach. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich der Erste in der Klasse war, denn ein Strom aus Schülern trat ein und auch Gideon, der sich sogleich neben mich setzte. Ein Hauch von Erleichterung breitete sich in mir aus. Er schaute mich von der Seite an und fragte: »Ist alles in Ordnung mit dir? Du warst plötzlich weg.« Ich wollte ehrlich zu ihm sein. »Ich wollte der unangenehmen Situation entkommen.« Gideon nickte, wollte etwas erwidern, doch der Lehrer, der sich mir mit Mr. Hale vorstellte, betrat das Klassenzimmer und sorgte für Ruhe. Innerlich atmete ich tief durch, nicht mehr lange, dann war der erste Schultag vorbei. Der Unterricht war recht langweilig, konnte mich aber gut konzentrieren, obwohl ich schon vieles wusste, was programmieren angeht und andere Dinge, die wichtig waren. Mr. Hale bemerkte das und gab mir ein leises Lob. Gott, wie peinlich, dachte ich und wurde rot. Das Klingeln war nicht zu überhören und sofort fuhr ich den Computer herunter, stand von meinem Platz auf, nahm meinen Rucksack, schulterte ihn und verließ das Klassenzimmer. Auf dem Weg zum Parkplatz passte mich Gideon noch schnell ab und fragte mich, ob ich heute mit ihm, Talia und Irene ins Café mitkomme, in dem sie sich immer trafen. Ich wollte gerade zusagen, bis mir wieder ein frostiger Schauer über den Rücken lief und ich wieder fühlte, wie er sich wie ein Wind über mich erfasste. Jetzt war ich mir sicher, dass ich mir das nicht eingebildet hatte wie beim ersten Mal in der Cafeteria: Jemand beobachtete mich, warum? Ich schüttelte den Kopf und sagte Gideon höflich, dass ich nach Hause gehen wollte. Er verstand es und ich konnte mich zu meinem Jeep begeben, neben dem ein schwarzes sportliches Auto geparkt war, nicht zu luxuriös, und doch hatte ich ein komisches Gefühl bei dem Auto, das ich nicht definieren konnte. Dann wandte ich mich wieder an meinen Jeep, setzte mich hinters Lenkrad, stellte meinen Rucksack auf den Beifahrersitz und steckte den Schlüssel ins Zündschloss und startete den Motor. Nochmal atmete ich tief durch und fuhr nach Hause.