Magie

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Summary

Lysenia und Liverio sind in eine Welt geboren worden, die von Magie beherrscht sind. Beide wurde schon bei der Geburt einander versprochen und sollten als mächtiges Magierpaar den König unterstützen. Doch sie werden entführt und in die Welt der Menschen ausgesetzt. Besonders Lysenia hat keine Erinnerungen mehr an ihr Können und ihrer eigentliche Herkunft. Es gibt nur einige Dinge, die ihr seltsam erscheinen. Doch Hector, ein berühmter Sänger, verzaubert sie immer wieder mit seiner Stimme. Sie fühlt sich zu ihm hingezogen, obwohl sie ihn nicht einmal kennt. Nachdem ihr Ehemann sie verprügelte, ruft sie nach ihm. Und er erscheint... Cover by Nancy Bieler ©Alle Rechte vorbehalten

Status
Complete
Chapters
52
Rating
4.9 10 reviews
Age Rating
18+

Prolog

„Das kannst du nicht machen. Es wird Unmut geben, wenn beide auf einmal verschwinden.“

Rovan schnaubte und stieß seinem Bruder hart die Faust in die Magengegend.

„Sie sind schon jetzt sehr mächtig. Du weißt, dass es keiner mit ihnen aufnehmen kann, wenn sie erst einmal miteinander verbunden sind.“

Helo wimmerte leise vor sich hin.

Rovan hasste die elende Schwäche seines Bruders. Seine ganze Familie wandte sich vor der Aura des Königs und seiner Familie, wie eklige kleine Würmer. Dabei wären es die Königlichen, die unter Rovans Vater dienen sollten.

Das Eisreich war schon immer das mächtigste Reich in diesen Gefilden und Rovan wollte diese Macht. Nicht nur ein Teil davon, nein, er wollte alles. Deswegen beschloss er, alles zu ändern, was notwendig war. Er musste nur diese beiden Magier verschwinden lassen, die ihm an seinen Plan noch hindern konnten. Wenn die beiden verschwanden, konnte ihn niemand mehr aufhalten.

Er würde den König von seinem Thron verstoßen.

Er würde den jetzigen Kronprinzen töten und alle, die seinem Anspruch gefährlich werden könnten.

Doch dafür musste er erst im Dunkeln handeln. Er schlich in das Kinderzimmer, das nicht bewacht war. Leise kicherte er und war sich seines Sieges schon sicher. Die Wachen wegzulocken, war einfach gewesen, dennoch musste er schnell sein, denn sie konnten jederzeit wiederkommen. Er nahm das Bündel auf, das in dem Bettchen lag und lief mit ihm hinaus. Helo nahm sich das andere Bündel, das ebenfalls ruhig im Bett lag. Es war größer und schwerer und wenn der Knabe wach werden sollte, würden sie beide Probleme bekommen. Probleme war wahrscheinlich das falsche Wort. Sie würden verbannt werden. Im besten Fall. Viel eher würde man sie töten. Man würde sie zu den Feuerbergen treiben und sie in den Mynx-Krater werfen. Doch er dachte an alles, damit dies nicht geschah.

Das Kindermädchen, das auf die beiden achten sollte, war leicht davon zu überzeugen gewesen, dass sie die nächste Königin werden könnte, wenn er den Thron bestieg. Einfältige Mädchen waren so leicht zu beeindrucken und zu belügen. Er würde König werden, doch das Kindermädchen würde bestimmt nicht an seiner Seite stehen. Vor allem nicht als Königin. Dennoch schaffte sie es, die beiden Kinder einen Schlaftrunk zu verabreichen und das war Rovans Vorteil.

Sie stürmten nun aus dem Schloss und rannten, bis ihre Lungen brannten und sie zum Anhalten zwang.

„Was machen wir jetzt?“

Rovan hob eine Hand und Helo verstummte sofort.

„Wir warten.“

Er starrte zum Wald und wartete auf Guzir.

Die Hexe war dem Königspaar nicht wohl gesonnen und wollte ihm helfen, den Thron zu besteigen.

„Komm schon. Sie müssen weg.“, murmelte er leise vor sich hin.

Sie ließ sich Zeit und ihn damit im Ungewissen. Er hasste so etwas, aber er war im Moment noch in ihrer Hand. Es dauerte noch eine Weile, dann hörte er Glöckchen klingeln und er atmete erleichtert auf.

Guzir kam auf einem Steinbock angeritten und grinste ihm entgegen.

„Wo warst du?“, herrschte er sie an.

Sie hüpfte von ihrem Reittier und kam ihm entgegen.

„So ungeduldig darauf, den Thron zu besteigen?“

Er gab ein schnaubendes Geräusch von sich.

„Zuerst will ich die Last loswerden.“

Sie lachte und nahm ihm das erste Bündel ab. Sie entfernte die Decke etwas und sah auf das süße Mädchen herunter.

„Lippen wie eine aufblühende Rose. Das Haar jetzt schon so dunkel, wie es bei einer Feuermagierin sein sollte. Und dennoch ist ihre Haut so blass, wie bei einem Mädchen aus dem Eisreich.“

Sie sah ihn prüfend an.

„Sie soll sich wirklich an nichts mehr erinnern? Sie ist ein kleines Kind. Nach ein paar Jahren wird sie sich sowieso nicht mehr daran erinnern, dass sie eigentlich kein Mensch ist.“

Rovan knurrte leise.

„Sie soll alles vergessen. Dorthin, wo du sie schickst, braucht sie keine Kräfte. Und es wäre sehr auffällig, wenn die Menschheit auf einmal mit ihren Kräften konfrontiert werden würde. Der König hat seine Spione überall. Man würde dich auf jeden Fall verdächtigen.“

Sie nickte und seufzte dann leise. Ihre Finger berührten die Stirn des Mädchens und ein gleißendes Licht erschien, dass sich in die Haut einbrennen wollte.

„Liebliche kleine Lysenia. Hiermit nehme ich dir jede Erinnerung an das Reich der Magier. Du wirst die Existenz des Reiches vergessen. Du wirst Liverio vergessen. Du wirst deine Eltern vergessen. Du bist ab jetzt ein Mensch. Ein einfacher Mensch ohne jegliche Kräfte. Sie werden in dir schlummern und nur dein Bräutigam kann sie erwecken. Doch er wird dich nie finden, bevor du nicht darum bittest.“

Das Mädchen öffnete die Augen und begann zu weinen.

„Scht, kleines Mädchen. Kleine Anna. Deine neuen Eltern warten schon auf dich.“

Guzir tippte noch einmal gegen die Stirn und die Augen der Kleinen wechselten die Farbe. Aus dem satten Violett wurde ein dunkles Braun und ihr Haar wurde blond. In der Welt der Menschen war es normal. Auf der Stirn bildete sich ein dunkler Fleck, der nach und nach kleiner werden würde. Die Menschen würden diesen Fleck wohl als Muttermal ansehen.

Sie hielt das Mädchen in die Höhe und das Licht wurde so sehr leuchtend, bis Rovan und Helon die Augen schlossen. Das Weinen des Mädchens wurde immer lauter, so dass auch der Knabe erwachte und seine Hand nach ihr ausstreckte, als ob er ahnen würde, dass er sie bald verlor.

Beide weinten, doch es ging in einem Rauschen unter. Ein Wind, den es vorher noch nicht gab, zerrte nun an der Kleidung und wirbelte das Bündel, in dem das Mädchen steckte, zum Himmel, bis sie auf einmal verschwand.

Guzir sah ihr bedauernd hinterher, doch Rovan packte sie am Arm.

„Was sollte das? Sie sollte für immer vergessen. Dieses Schlupfloch gefällt mir nicht.“

Sie lächelte ihn wissend an.

„Anders geht es nicht. Ich kann keinen Fluch sprechen, ohne die Möglichkeit, ihn zu brechen. Das müsstest du eigentlich wissen, zukünftiger König.“

Er schloss einen Moment die Augen. Nun, da konnte man nichts machen.

„Nun, dann ist der Junge an der Reihe. Verfahre mit ihm genauso. Wenn sie beide nichts voneinander wissen, dürfte es auch nichts zu brechen geben.“

Sie grinste ihn an.

„Sehr gerissen und auch mein Gedanke.“

Sie wollte gerade nach dem Jungen greifen, der sich nun mit aller Kraft gegen Helo wehrte, als die Erde unter ihnen bebte. Schnell hielt Guzir ihm den Mund zu, denn wenn er ihn öffnete, waren sie alle verloren.

„Sie haben uns gefunden.“, bibberte Helo ängstlich.

Rovan sah zu der Zauberin.

„Erledige es schneller. Er muss verschwunden sein, bevor sie hier ankommen.“

Guzir nahm den Jungen und legte ihre Finger gegen seine Stirn, doch der Knabe besaß schon jetzt die Kraft eines Mannes und er schnappte sich ihren Finger und drückte so fest zu, dass sie vor Schmerzen aufschrie.

„Beeil dich!“, bellte Rovan und sah sich gehetzt um.

Die Reiter waren sehr nah.

„Vergiss deine Bestimmung, Knabe.“

Das Licht erreicht die Stirn, aber er packte ihren Finger wieder so hart und sie hörte den Knochen knacken. Nur noch ein wenig und er würde ihr den Finger brechen und danach ihre Hand.Sie hob ihn in die Höhe und konzentrierte sich trotz der Schmerzen auf ihre Kraft. Das Licht erschien und der Wind toste wieder, dieses Mal stärker als bei dem Mädchen.

Sie hauchte den zukünftigen Namen des Knaben und entließ ihn in die Welt der Menschen.

Sofort wurde es still um sie herum.

„Was hast du getan? Du solltest ihn alles vergessen lassen.“

Kaum waren Rovan die Worte über die Lippen gekommen, wurden sie schon von den Männern des Königs umzingelt.

„Was treibt ihr hier draußen?“

Rovan tat unschuldig.

„Wir suchen die Blumen, die Prinzessin Lysenia so gerne mag. Wir wollten ihr eine Freude bereiten.“

Der Soldat schnaubte.

„Sie sind verschwunden. Unglück kommt über unser Land. Du solltest beim König sein, Berater Rovan, und nicht irgendwelche Blumen pflücken.“

Der Hauptmann schnalzte mit der Zunge und trieb sein Reittier an. Die Soldaten folgten ihm.Rovan drehte sich zu der Zauberin um, damit er ihr den Befehl geben konnte, den Fehler bei dem Knaben wieder gut zu machen, doch sie war verschwunden.