Sprung in die Zukunft - Drachenkrieger Band 2

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Summary

Stijn Gunnarsson Wird von den Göttern nach einem Vorfall mit seinem Bruder Tjark in die Zukunft geschickt. Besser gesagt nach Oslo. Warum er hier ist, versteht er nicht wirklich. Er versteht einiges nicht in der Zukunft, aber er bekommt Hilfe von Liv, die er scheinbar zufällig bei seiner Ankunft trifft. Doch er weiß, dass er in der Zukunft nicht bleiben will. Doch wird Liv und ihre Kinder ihm folgen? Würden sie sich alle in seiner Heimat in der Vergangenheit wohl fühlen. Und was passiert, wenn die Vergangenheit Stijn einholt und alle in Gefahr bringt? © Alle Rechte vorbehalten Cover by Nancy Bieler

Status
Complete
Chapters
27
Rating
5.0 9 reviews
Age Rating
18+

Prolog

Stijn Gunnarsson rannte aus dem Langhaus, als ob er so den Vorwürfen der Frau seines Bruders entgehen konnte. Doch er wusste genau, dass er das nicht konnte. Im Moment wollte er allerdings nichts davon hören.

Der Hals schmerzte fürchterlich, aber er verdiente jeden Schmerz, den er im Moment verspürte.

Du bist ein undankbares Arschloch!

Besser hätte er es auch nicht ausdrücken können.

Er hatte seinen Bruder, der sich seit Jahren schon um ihn und seinen jüngeren Bruder Lasse kümmerte, provoziert. Und er forderte ich heraus, weil er in seiner Wut verblendet gewesen war. Stijn hatte Tjark beinahe dazu gebracht, dass er ihn umbrachte.

Doch selbst danach sah Stijn nicht ein, dass der Fehler bei ihm lag. Erst die Frau seines Bruders, eine Frau, die angeblich aus der Zukunft kam, machte ihm bewusst, dass es allein seine Schuld gewesen war.

Tjark sorgte dafür, dass er beinahe zwanzig Winter ohne Krankheit und ohne Hunger überstand. Er war es auch gewesen, der ihn auf Raubzüge ließ, obwohl es auf ihrem Hof nicht gerade gut aussah. Er verlangte nicht einmal, dass er Stijn einen Teil seiner Beute abgab. Und was hatte Stijn getan? Er warf ihm vor, ein Feigling zu sein. Und er beleidigte Tjarks Frau.

Er rannte zum Stall und sattelte seinen Hengst.

Er musste einen klaren Kopf bekommen und dann sollte er schauen, wie es weiterging. Er konnte seinem Bruder nicht mehr unter die Augen treten. Dafür schämte er sich im Moment zu sehr.

Sein Hengst bestimmte die Richtung. Es war Stijn völlig egal, wohin er ritt. Er wollte nur weg von hier. Weg von den Menschen, die er so verletzte.

Es dauerte eine Weile, bis ihm klar wurde, wo er war.

Verdammt, wie lange war er denn geritten? Das konnte unmöglich mit rechten Dingen zugehen.

Stijn wusste nun genau, wo er war. Er war vor dem Wald, in dem die Seherin Una lebte.

Warum war sein Hengst hier? Und warum hatte sich der Ritt, der eigentlich mehrere Stunden dauerte, angefühlt, als wäre er nur einige Minuten unterwegs gewesen?

Er stieg ab und betrachtete den dunklen Himmel. Sollte er zu Una? Wollten die Götter das?

„Stijn Gunnarsson!“

Er erschrak fürchterlich, als er Unas Stimme vernahm.

Sie tauchte unvermittelt vor ihm auf.

„Habe ich dir nicht gesagt, dass du deine Worte zügeln musst? Was ist nur mit euch Gunnarssons los? Warum nehmt ihr die Weissagungen nie ernst, die ich euch gebe?“

Stijn wischte sich über das Gesicht.

Oh ja. Er erinnerte sich noch genau an dieses Gespräch.

Es war eine Art Mutprobe gewesen. Tjark warnte ihn damals vor Una, doch er war mit anderen Jungs hierher geritten, um etwas über die Zukunft zu erfahren.

Una schien sie damals schon erwartet zu haben. Jeder musste alleine in ihre Hütte. Stijn war der Letzte gewesen. Er hörte seinen Freunden zu, wie sie mit ihren Weissagungen angaben.

Großer Krieger.

Ein eigenes Schiff.

Viele Söhne.

Ruhm und Ehre.

Bei jedem lachte er mit und fragte sich aber insgeheim, ob er auch so etwas Ähnliches vorausgesagt bekam. Dann wurde er hereingerufen.

Una sah ihn nur kurz an und warf dann die Knochen auf das Leder vor ihr.

„Ein Gunnarsson. Von den Göttern begünstigt und geliebt. Was willst du wissen, dem doch schon alles bereitet wurde?“

Er hatte sich ihr gegenübergesetzt.

„Du musst dich täuschen, alte Frau. Wir werden nicht von den Göttern geliebt. Wir sind arm und niemand hält uns für große Krieger.“

Sie kicherte.

„Selbstverständlich machen es einem die Götter nicht leicht. Aber alle drei Brüder werden ihren Weg machen. Leider bist du derjenige, der mir im Moment am meisten Sorgen macht. Du wirst ein Heißsporn sein und ein Tunichtgut. Doch du musst deine Worte immer gut wählen. Denn man kann sie nicht zurücknehmen, wenn sie einmal ausgesprochen sind.“

Damals war Stijn enttäuscht gewesen. Er hatte was anderes erwartet und sie gab ihm nur mit auf dem Weg, dass er seine Worte gut wählen sollte.

Doch nun verstand er es.

Zu gerne hätte er die Worte zurückgenommen, die er in seiner Wut Tjark entgegenschleuderte. Doch das war unmöglich.

„Du sagtest, die Götter lieben uns. Doch das ist nicht wahr. Sie hätten verhindert, dass ich meinen Bruder so schwer beleidige. Was soll ich nun tun? Ich kann ihm nie wieder unter die Augen treten.“

Una lächelte ihn an.

„Trotz deines Fehlers wirst du eine Chance bekommen, alles wieder gut zu machen. Aber vorher...hast du der Frau deines Bruders gut zugehört? Wenn sie von der Zukunft erzählte?“

Stijn schüttelte verwirrt den Kopf.

„Nein. Wieso sollte ich? Am Anfang dachten wir alle, sie ist wirr im Kopf.“

Una seufzte.

„Na ja, du wirst dich schon zu Recht finden.“

Stijn verstand nicht ganz, was sie damit meinte. Doch dann hörte er, wie der Wind stärker wurde. Er hörte leise Stimmen um sich herum.

Stijn!

Stijn!

Stijn!

Von den Göttern geliebt!

Er schnappte nach Luft, als es um ihn herum toste. Der starke Wind zerrte an seiner Kleidung. Una stand ihm immer noch gegenüber, die Zügel seines Pferdes in der Hand, doch bei ihr schien es windstill zu sein. Sie sah lächelnd zu ihm.

„Gute Reise, Stijn Gunnarsson. Und denke daran. Wähle deine Worte immer gut. Du kannst sie nicht zurücknehmen, wenn sie einmal ausgesprochen sind.“

Stijn wich einem Ast aus, der ihn beinahe traf.

„Was geschieht hier?“

Doch Una drehte sich um und ging mit seinem Hengst in den Wald.

„Una!“, brüllte er ihr hinterher.

Stijn!

Von den Göttern geliebt!

Beschützer!

Mann!

Vater!

Stijn!

Sein Körper wurde in die Luft geschleudert und er versuchte verzweifelt, sich an einem Ast festzuhalten. Doch alles, was er berührte, schien sich in Luft auf zu lösen.

Er hörte ein glockenhelles Lachen.

Dann stürzte er zu Boden. Er japste nach Luft.

Dann hörte er eine Stimme, die er nicht kannte, die ihm aber auch nicht gefiel.

„Verdammte Scheiße! Was ist das denn?“