Rise of Light and Shadow

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Summary

Hallo zusammen, wie bereits angekündigt, habe ich eine Idee für einen Fantasy Roman. Wie das bei ADHS Kindern so ist, hat man manchmal eine Fokusphase und manchmal scheißt man einfach auf alles, die letzten Monate war eher das Zweite die Essenz meines Alltags. Ich schreibe so gerne und habe so viele Ideen, aber ich bin ehrlich, mein Job macht das echt kaputt, weshalb ich hoffe, irgendwann hiermit vielleicht Geld zu verdienen, weil mich das hier echt glücklich macht. Ich teile jetzt alle paar Tage ein oder mehrere Kapitel mit euch. Lasst gerne Likes, Eindrücke, Kommentare da, und dann schauen wir mal, was wir hier hinzaubern 🫶 Ich danke euch fürs Lesen und freue mich, von euch zu lesen ♥️

Status
Ongoing
Chapters
2
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1

Drittes Zeitalter nach den Zwergenkriegen Tagebuch Leutnant Caladion Cúron, Führer der ersten Garde des Elbenreiches zur Vernichtung der abtrünnigen Zwerge von Quenya.

Die dunklen Augen des Zwergenkönigs haben sich in meine Erinnerungen eingenistet. Dämonisch blicken sie auf mich hinab und ziehen mich in den Abgrund der Dunkelheit. Ich ahnte nicht, dass es nach der Dunkelheit noch tiefere Gefilde geben würde, die uns alles nehmen konnten. Sie verschlingen alles, und wir können nichts dagegensetzen. Die Gattung ist egal wir werden zu einem Schatten, der die Hoffnung ausmerzt und alles Licht verschlingt.


Malikai

„Wo bin ich?“ hallte es in meinem Kopf, der sich unkontrolliert hin und her bewegte.

Ich wusste, dass sich dieser Tag früher oder später ereignen würde, hatte es schon früh geahnt, wusste, dass ich einer dieser Krieger sein würde, die dazu bestimmt waren, ganze Welten vor der herannahenden Dunkelheit zu retten selbst wenn das Volk vermutlich annahm, ich sei diese Dunkelheit. Ich spielte das Spiel, und ich spielte es mehr als gut, und keiner würde jemals annehmen, ich könnte etwas Gutes im Sinn haben.

Ich spreche nicht von den Schatten, die mich umgaben und mich völlig vereinnahmten; ich spreche von einer Dunkelheit, gegen die ich vermutlich die Sonne am Horizont war. Eine Dunkelheit, die immer nur ich sehen und spüren konnte, eine Dunkelheit, die sich in den tiefsten Gefilden dieser Welt kräfteraubend verschanzte und nur darauf wartet, alles Licht zu verschlingen. Ich spüre sie brodeln, höre die Trommeln des herannahenden Krieges, und ab jetzt war ich nicht mehr allein damit.

Schon als Kind sah ich Dinge, die nicht zu meinen Erinnerungen zählten. Ich sah eine Welt in meinen Träumen, die ich nicht kannte, und hörte eine Stimme, die mir nicht antwortete eine Stimme, die nicht bereit war, auch mich wahrzunehmen. Ich kann mich noch an den Tag erinnern, als die Meister im Unterricht von den letzten Allianzen erzählten und alle so gespannt darauf waren, wie die Geschichten weitergingen. Nur ich war es nicht, denn ich wusste, es waren niemals nur Geschichten, sondern unsere kalte und blutgetränkte Vergangenheit, die schon lange in Vergessenheit geraten war eine Vergangenheit, die nach Rache dürstet und nur auf den richtigen Moment zu warten scheint.

Eine Allianz war der letzte Strohhalm der Götter, bevor die Ordnung der Welt sich zwischen dem Schatten und dem Licht entscheidet. Sie war nur so stark wie das Bündnis selbst, war nur so stark wie die Liebe, die sich im Geiste festigt, und das Vertrauen, das so grenzenlos sein muss wie das eines Blinden und sich wie selbstverständlich zu einem Ort formt, der zwei Seelen vereint und ihnen Kräfte verleiht, die man weder mit Worten sprechen, mit Voraussagen deuten noch mit einem Auge dieser Welt sehen kann.

Als Kind erzählte ich von dem, was ich in den dunklen Nächten sah, versuchte zu erklären, welche uralten Gefühle ich wahrnehmen konnte, doch ich wurde bloß belächelt niemand schenkte mir Glauben. Die Tragik meines Lebens brachte mir Verständnis für alle um mich herum, denn wie sollten sie etwas verstehen, das man nicht sehen konnte, wie sollten sie etwas verstehen, was ich kaum verstand. Der Thronfolger hatte zu viel Phantasie, hatten die Bediensteten in diesem ach so wundervollen Gefängnis getuschelt, und selbst die anderen Königreiche spotteten bei königlichen Anlässen, sodass meine Familie es als ihre Pflicht ansah, mich zu formen, mich zu leeren, irgendwann in den kalten Thron hineinzupassen, dessen Platz ich niemals ersuchte.

Ich wurde nach meines Vaters Willen herangezüchtet, wurde härter bestraft als jeder andere Knappe, wurde gefoltert, als sei ich ein Zwerg, der es nicht verdiente zu leben. Ich wurde ein Krieger nach dem Abbild derer, vor denen sich andere fürchteten, weil laut meines Vaters nur so der Respekt eines Volkes, eines Herrschers und einer ganzen Welt geformt werden konnte. Mein Vater sagte immer, ich sei ein Stück Glas, so zerbrechlich es werde Zeit, dass aus mir ein Edelstein werde, der nicht nur glänzte, sondern auch Schnitte hinterließ, die wie Gift zum langsamen Tod führen.

Also wurde ich seine tödlichste Waffe. Ich kann nicht zählen, wie viele Narben meinen Körper zieren, weil einer seiner Dolche zu scharf für meine Haut war oder sich die Peitsche in meinen Rücken bohrte, als brenne sie alles auf ihrem Wege nieder; ich kann nicht zählen, wie viele Schmerzen ich tatsächlich ertrug, da ich keine mehr spürte, kaum hatte ich das hundertste Jahr erreicht. Niemand sagte etwas, als mein Vater vergiftet im Garten gefunden wurde. Meine ganze Familie behielt das «wie er gestorben war» für sich, weil sie glaubte, ich sei es gewesen, der ihnen endlich Sicherheit vor einem Tyrannen verschaffte doch ich war es nicht. Mein Schwert hatte viele auf dem Gewissen, ich hatte eine Liste, die vermutlich ein ganzes Buch füllte, aber meines eigenen Vaters Leben hätte es niemals geziert.

Nicht, weil ich nicht wollte ich hätte ihn am liebsten schon vor acht Dekaden zu Fall gebracht, sondern weil ich nicht konnte; dafür hatte er gesorgt. Einen letzten Blutschwur hatte die Bluthexe im Kerker von Mornauront vor ihrem Tode gesprochen, leider auf meine Kosten, ehe ich sie aufhalten konnte und ihr die Kehle durchschnitt, als sei sie Papier. Mein Vater hatte zu große Angst vor meiner Rache und tat alles, um sich meiner Loyalität sicher zu sein doch der war er sich niemals sicher. Er tyrannisierte mich am meisten, aber auch meine Brüder, meine Mutter; sie sagten nichts und fühlten gleichzeitig alles. Er war kalt und er war grausam, und alle duldeten es, und ich stand vermutlich zu nah an dem Abgrund, der mich genauso werden ließ.

Es war mir egal, wer ihn vergiftet hatte einer von ihnen war es, und ich war ihm dankbar dafür, weil ich dazu nicht imstande war. Ich war nicht dazu in der Lage, meine Familie zu beschützen, sie vor ihm zu beschützen. Es hieß, sein Herz habe versagt. Ich wusste, hier war ein Engel in Gestalt von Thandor am Werk gewesen.

Ich hatte mich nachts an seine Grabstätte geschlichen und ihm ins Gesicht gespuckt, ihm die vierhundert Stiche zugefügt, die ich gezählt hatte, als er sie in den letzten hundert Jahren auf meinem Körper hinterlassen hatte. Um nichts in der Welt hätte ich ihn unversehrt zu Valadriel gehen lassen; niemals hätte ich zugelassen, dass er unversehrt dem Reich Handor entkommt. Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre sein Begräbnis der Wurf in die Futtertröge der Schweine gewesen, aber zur Wahrung des Anscheins hatte er ein Ehrenbegräbnis auf dem Wasser erhalten. Auch wenn er immer glaubte, ich sei sein treuester Untertan, so herrschte in meinem Blut nur Hass auf ihn, und seit seinem Tod wusste ich, ich war damit nicht allein. Ich war der Schatten dieser Allianz, und er hatte mich dazu gemacht.

Meine Mutter erklärte mir immer, dass der Frieden nun schon ein ganzes Millennium halte, weil unser Vater ein so großer Mann gewesen sei. Doch die Götter allein wussten, er war nicht groß allenfalls sein Ego war es. Wer sich ein Kind wie mich zum Feind machte, war kein großer Mann; er war ein Feigling. Die dunklen Mächte seien schon im letzten Zeitalter in die letzten Winkel der Dunkelheit verjagt worden, erklärte sie immer und immer wieder.

Ein neues Zeitalter sei angebrochen und würde noch mindestens zehn Millennien halten, wenn ich nur weiter auf meinen Vater hörte, beteuerte sie. Doch alles in mir wehrte sich gegen den Glauben, ein Mann wie er könnte die Lösung sein. Er wäre der Erste gewesen, der für Macht und Unterwerfung aller die Hand von Thandor ergriffen hätte zu viel Spaß hatte er dabei, seinen eigenen Sohn zu formen, als sei er ein Sklave, nur um sicherzustellen, dass er den Thron für immer sein Eigen nennen konnte. Aus mir hatte er einen Mörder gemacht, vor dem vermutlich sogar meine Brüder Angst hatten, und nicht nur sie alle hatten Angst vor mir.

An manchen Tagen verlangte mein Vater von mir, einen der Diener zu wählen und vor ihm zu foltern und mich ihrer dann zu entledigen; er verlangte von mir, Diebe zu köpfen, weil er sonst einen meiner Brüder geköpft hätte. Ich vergesse nie dieses Lachen nach dem ersten Mal es dröhnte noch Wochen in meinem Kopf. Er verlangte, die Kreaturen aus unserer Vergangenheit zu jagen, zu brechen und sie dann ausbluten zu lassen. Er verlangte, dass ich Mütter zu ihm hole, und befahl mir dann, sie vor seinen Augen zu schlagen, weil er sonst meine geschlagen hätte.

Er machte ein Monster aus mir; er wollte, dass ich so werde wie er war, vermutlich weil er sich dann nicht mehr ganz so allein fühlte. Meine Taten waren nicht zu entschuldigen, und dennoch versuchten es mein Kopf und meine Gedanken immer und immer wieder, aber ich versagte wie soll man eine dunkle Seele wieder zurückholen, wenn es nichts gab, für das sie wieder hell werden wollte? Ich setzte all meine Hoffnungen, all meine Gebete an die Götter, die mir vergaben, und ersuchte sie, endlich diese Stimme in meinem Kopf hören zu können.

Alles hatte sich verändert, als mein Vater nicht mehr im Schloss verweilte, und dennoch hatte sich für mich kaum etwas verändert. Die Bediensteten fürchteten, die Nächsten zu sein, und in den Dörfern sagte man, ich sei vermutlich der schlimmste Nachkomme des Königs. Ich konnte es ihnen nicht verübeln. Sie hatten recht. Ich war der Schlimmste von allen. Betrachtete man das viele Blut an meinen Händen, so waren sie bereits so schwarz wie die Schatten in meinem Kopf.

In der Allianz gab es immer den Schatten und das Licht, und ich wusste, das wird das Einzige sein, das mich meine vergangenen Taten wiedergutmachen lässt. Früher oder später würde ich das Gefühl der Grausamkeit verlieren, und das würde allein ihr Verdienst sein.

Ich hatte sie schon oft gesehen, flüchtige Begegnungen, kaum mehr als Sekunden, die so schnell kamen, wie sie verschwanden. Und nun hörte ich endlich ihre Stimme. Vermutlich hatte ich mich mein ganzes Leben lang auf diesen Moment vorbereitet, und jetzt, wo er endlich gekommen war, schien alles viel zu schnell zu gehen.

„Hallo?“ antwortete ich so ruhig, wie ich konnte.

„Wer hat das gesagt?“

fragte ich mich selbst. Klar musste sie verwirrt sein. Uns wurden die Geschichten erzählt, aber es waren eben nur Geschichten. Ich wusste, dass sie wahr waren, aber niemand wollte mir glauben. Warum sollte sie es dann wissen?

Wieder bewegte sich mein Kopf hin und her und suchte vermutlich mein Gemach nach mir ab.

„Bitte hört auf, meinen Kopf so hektisch hin und her zu bewegen,“

sagte ich ernster, als ich wollte. Ich hatte mir immer überlegt, wie ich auf sie reagieren sollte, denn meine Erscheinung wie auch mein Wesen waren nicht gerade einladend. Ich war noch nie gut mit hastigen Bewegungen umgegangen. In der Regel starb jemand, wenn er sie tat.

„Wie bitte? Wer auch immer du bist, komm raus und hör auf, mich zu verarschen.“

Ich runzelte die Stirn. Ich mochte ihre Stimme, die sich in meinem Kopf breitmachte, aber ihre Sprache war mir fremd.

„Ich bin mir nicht sicher, was Ihr damit meint.“

Meine Hände hoben sich, wurden gemustert, doch erneut war das nicht meine Entscheidung. Sie war stark. Ich spürte ihre Präsenz in jeder Faser meines Körpers. Und anders als sonst breitete sich keine Angst, sondern eine wohlige Wärme in mir aus. Eine Wärme, die ich nicht kannte.

„Das sind nicht meine Hände.“

Sie klang aufgeregt. Ich schüttelte langsam den Kopf. Ich wollte sie nicht verjagen. Ob das überhaupt möglich war, wusste ich nicht.

„Nein, das sind sie nicht. Es sind meine,“ antwortete ich leise und behutsam.

„Was ist hier los?“

„Sie weiß es nicht. Wie ich es mir gedacht habe,“ dachte ich.

„Was weiß ich nicht? Ich schwöre, so einen freakigen Traum hatte ich noch nie. Und er fühlt sich so echt an.“

Sie hob meine Hand, griff nach meiner Decke und schrie auf.

„Whoa! Ich fühle das sogar.“

Dann bewegte sie meine Hände an mein Gesicht und tastete es vorsichtig ab.

„Du bist ein Kerl?“ fragte sie, vermutlich, weil sie die Stoppeln an meinem Kinn ertastete.

„Ein Kerl?“ … Ich runzelte erneut die Stirn.

... „Mir scheint, dieses Wort habe ich noch nie in unserem Sprachgebrauch gehört,“ dachte ich, und sie antwortete darauf:

„Wieso? Wie nennt man das bei euch? Mann? Typ? Junge? Ich kann dich nennen, wie du willst.“

„Wie war das möglich?“ …

Ich hatte alles gelesen, was es über die Allianz zu finden gab, und in jedem Manifest stand, dass es Jahre dauert, eine Verbindung aufzubauen, die einem erlaubt, den Körper des anderen zu befehligen. Wie konnte sie innerhalb weniger Minuten meinen Kopf einnehmen, meine Gliedmaßen bewegen und sogar meine Gedanken hören?

„Ich höre keine Gedanken. Du redest. Ich höre deine Stimme laut und deutlich.“

Ich atmete durch. Freundlich war ich nie. Behutsam auch nicht.

„Schön,“ … versuchte ich, von vorne zu beginnen. … Ich erkläre euch, was hier passiert. Bestimmt habt Ihr schon von den Allianzen des ersten Zeitalters gehört. Vielleicht auch gelesen.“

Sie schwieg einen Moment.

„Kommt da jetzt auch noch eine Pointe?“

Ich schüttelte mich kurz. „Eine was?“

„Na, eine Pointe. Damit das, was du laberst, auch einen Sinn ergibt.“

„Labern?“

„Reden. Sprechen.“

Ich versuchte, sie zu verstehen, wurde aber kaum schlau aus dem, was sie sagte. Sie verdrehte meine Augen. Wieso tat ich das?

„Also, ich habe noch nie von einer Allianz gehört.»

„Haben Euch Eure Lehrmeister nie die alten Geschichten erzählt?»

„Lehrer, du meinst Lehrer?“

„Ja, ich spreche von den Lehrmeistern. Zu welchem Teil der Lande gehört Ihr? Wer hat Euch gelehrt?“

Sie lachte.

„Du ziehst diesen Mittelalterscheiß echt durch, oder? Bin ich hier in einer imaginären D&D-Runde? Fun Fact: Wollte ich schon immer mal spielen. Also gut, nehmen wir an, ich spiele mit. Dann würde ich jetzt sagen: ‘Meine Lehrmeister haben mir nichts von den Allianzen erzählt.’“

Sie verstellte ihre Stimme, und ich musste grinsen. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal gegrinst hatte. Vermutlich war ich halb so groß wie jetzt.

„Mit wem muss man die schließen, um zu gewinnen? Mit den Feen, den Elben, oder doch mit den Hexen? Oder sind es die Zwerge? Es ist doch immer ein Zwerg im Spiel! Ist es Dorin Eichenschild?“

„Hütet Eure Zunge,“ … flüsterte ich in meinem Kopf. … und sagt das nie wieder. Mein Vater lebt zwar nicht mehr, aber für eine Verbrüderung dieser Art könnten wir hängen. Wäre er noch hier, hätte er es eigenhändig vollzogen. Oder einen meiner Brüder gezwungen. Und dabei noch Spaß empfunden.“

„Okay, also doch keine Verbrüderung, verstehe. Was sind es dann für Allianzen?“

„Ihr wisst wirklich nicht, was hier passiert, oder?“

„Nein, wieso bin ich in deinem Körper? Eine Erklärung wäre willkommen.“

Ich lächelte und konnte einfach nicht damit aufhören.

„Ich erkläre euch gerne alles, aber sagt mir doch erst mal euren Namen.“

Ich klang wieder strenger, als ich klingen wollte.

„Mein Name? Wie ist denn deiner?“

Ich lachte kurz auf, dann klopfte es plötzlich an der Tür und ich erschrak. Oder sie erschrak. Ich stoppte unser Wortgefecht sofort.

„Bitte, seid nur einen Moment still. Diese Situation ist auch für mich nicht einfach, und ich muss mich erst daran gewöhnen, dass es euch nun in dieser Form gibt. Die anderen um mich herum sollten es besser nicht erfahren. Bitte gebt mir euer Wort. Sagt nichts und hört auf zu grinsen, so etwas tue ich nicht.“

„Wie meinst du, dass du so was nicht machst?“

„Später!“

Sie schnaubte aus meiner Nase.

„Ich habe keine Ahnung, was für ein Film hier läuft, aber gut. Ich werde meine Klappe halten.“

„Ihr habt eine sehr ungewöhnliche Art zu sprechen, aber ich danke euch sehr.“

Ich stand aus meinem Bett auf und räusperte mich, ehe ich streng rief:

„Kommt herein.“

Woraufhin sich die Tür meines Gemachs öffnete und mein Kammerdiener eintrat. Er verbeugte sich tief, setzte alles daran, mir nicht einmal in die Augen zu sehen.

„Guten Morgen, Sire.“

„Ahhh,… schrie ich oder auch nicht ich. … er hat spitze Ohren.“

Ich hatte keine Kontrolle darüber, was ich tat. Mir war kein einziger Wortlaut bekannt, bei dem die Gwaelgwathel oder der Gwaelgwador am ersten Tag der Allianz eine solche Kontrolle gehabt hat. Ich schaute ernst, als sei ich zu außerordentlich schlechten Scherzen aufgelegt. Mein Leibdiener musste glauben, ich würde ihn gleich töten oder sonst was mit ihm anstellen, denn er zitterte.

„Es tut mir leid, Sire,“ er langte sich an seine Ohren, dann kniete er sich vor mich.

„Bitte schneidet sie mir nicht ab.“

„Sie abschneiden? Machst du so was sonst? Bitte sag mir, dass du das nicht machst. Der ist richtig süß.“

„Schweigt still!“, dachte ich in der Hoffnung, dass diese Fremde mich hörte.

„Ihr benehmt euch wie ein Kind. So etwas sagt man erstens nicht, und zweitens hüpfe ich nicht so herum wie ihr es gerade getan habt. Und die Ohren schneide ich ab, wenn ich es möchte. Also schweigt und überlasst mir meine morgendlichen Gespräche selbst.“

„Was? Das meinst du nicht ernst. Schau mal, wie viel Angst er vor dir hat.“

„Ja, und ihr habt scheinbar keine.“

„Vor dir ganz sicher nicht. Ich spüre, was du spürst, und ich weiß,

dass du ihm nicht die Ohren abschneiden willst. Genau genommen regt es dich auf, dass er das glaubt. Aber wieso lässt du ihn dann in diesem Glauben, obwohl es dich anpisst?“

Das war es. Das war die Verbindung. Keiner von uns könnte jemals den anderen belügen.

„Das ist alles nicht so einfach. Egal, was ich sage oder tue, mache ich, um meine Familie zu schützen und nun auch euch. Und wenn es bedeutet, eine Person zu sein, vor der sich alle fürchten, dann werde ich diese Person sein.“

Sie atmete durch, dann überlegte sie.

„Ich spüre, dass dich viel belastet, und wir werden da noch drüber sprechen. Du wirst mir das genauer erklären müssen.“

Ich antwortete darauf nicht. Zu unbekannt war sie mir, und dennoch fühlte sich alles vertraut an, was hier passierte. Zum ersten Mal fühlte ich Hoffnung, jemand könnte mich aus dem Dunkel holen und heilen, was schon vor hundert Jahren verletzt in einer der Ecken vergessen wurde.

„Okay, anyways. Jetzt mal ehrlich er ist ’ne Elfe. Elfen gibt es nicht. Oder hat er sich die Ohren durch einen Chirurgen anbringen lassen? Aufgeklebt sind die jedenfalls nicht. Und was ist bitte die Gwaelgwathel oder der Gwaelgwador?“

Ich antwortete ihr wieder nicht, sondern schaute noch ernster zu meinem Kammerdiener. Ich musste es tun. Durfte keine Schwäche zeigen. Musste diesen Thron mit meinem Leben beschützen, weil ihn sonst mein Onkel nimmt und vermutlich jeden einzelnen Elben unterjocht oder umbringt, der ihm in die Quere kam. Sollte er an mir nur ein Korn Schwäche wittern und mit ihr würde er anfangen.

„Steht auf und redet, oder ich schneide euch statt eurer Ohren die Zunge ab!“ befahl ich meinem Diener, der sich kurz sammelte, dann aber nickte.

„Hey, hör auf so zu sein.“

„Ich kann nicht, ich darf nicht, also seid jetzt still.“

„Entschuldigt, Sire.“

Er stand auf. Ich knurrte, wollte, dass er wieder zu sich kam, bevor ich gezwungen war, eine der Drohungen wahrzumachen.

„Sire, was wünscht Ihr heute Morgen zu speisen?“

„Pfannkuchen, ich nehme Pfannkuchen.“ rief sie aus mir. Ich runzelte die Stirn, weil ich nicht wusste, was ich sagte.

„Entschuldigt, Sire, … Er zitterte wieder. … aber ich weiß nicht, was das heißt? Bitte verschont meine Familie.“

Er kniete sich erneut vor mich nieder und legte seinen Nacken vor mir ab, weil er glaubte, so zumindest seine Familie retten zu können. Ich tobte innerlich und sie konnte es gewiss spüren, nach außen ließ ich es aber nicht. Niemand, nicht einmal meine Brüder, durften wissen, wer ich war und wie ich wirklich war. Sie durften nicht wissen, dass ich eines Tages der Gute sein konnte. Ich atmete schwer, griff nach einem meiner Schwerter, was mein Diener definitiv hörte, denn er zitterte noch mehr als eh schon.

„Oh Gott, das machst du nicht!“ schrie es in meinem Kopf, und ich musste innerlich lächeln, weil sie Güte hatte, die ich bei diesem Hof zumeist vermisste, die ich selbst bei mir vermisste. Ich nutzte die Spitze des Schwertes und hob den Kopf meines Dieners damit. Ich schaute ihm tief in die Augen, was ihn ebenfalls ängstigte.

„Ihr geht mein Essen zubereiten. Ich möchte alles wie jeden Tag. Wenn ihr irgendwem davon erzählt, dass ich euch verschont habe, werde ich euch erst im Kerker von Mornaurond foltern, euch dann die Eingeweide entnehmen und lasse euch anschließend dabei zusehen, wie ich das Gleiche bei euren zwei Töchtern, eurem Sohn und eurer Frau mache. Habt ihr mich verstanden?“

„Du ziehst den Killerquatsch echt durch, oder? Würde ich nicht fühlen, was in dir vorgeht, hätte ich eine Scheißangst vor dir, das ist dir hoffentlich klar. Eines noch: Ich bin froh, dass du das nicht wirklich machen willst und ich habe verstanden, dass dies eine Maske ist, die du scheinbar aufsetzen musst. Aber du solltest beim nächsten Mal vielleicht nicht so genau die Familienverhältnisse deines Dieners eruieren, sonst könnte man noch meinen, ihr scherrt euch darum, wie sie stehen, und dass es euch kümmern könnte. Oh, und ich wüsste gerne, was Mornaurond ist.“

„Erstmal danke ich euch, ihr scheint schneller zu verstehen, als ich dachte. Mornaurond war der Lieblingsort meines Vaters. Ich kann nicht zählen, wie viele Tage und Nächte ich bereits dort verbringen musste, aber lasst mich sagen, dieser Ort ist jenseits eurer Vorstellung von Qualen.“

„Fuck, dein Vater war ein Arschloch, ich verstehe.“

„Ich weiß nicht, was das heißt, aber wir können gleich weiter sprechen, erst muss ich die Angelegenheit hier draußen klären.“

„Habt ihr mich verstanden?“ fragte ich noch einmal, und mein Diener nickte knapp.

„Dann geht!“ schrie ich, und er hörte sofort. Ich war zunehmend erleichtert, als sich die Tür meines Gemachs endlich geschlossen hatte. Sie lachte plötzlich, und ich verstand nicht, warum.

„Wieso lacht ihr?“

„Naja, ich liebe Fantasy-Romane, und ich wollte immer mal bei einem mitspielen, aber das hier ist fast eine Nummer zu wild. Ich meine, du hattest eben eine Fee in deinem Zimmer mit spitzen Ohren und allem Drum und Dran.“

Ich lachte. Ich wusste nicht genau, warum, und eigentlich verstand ich sie kaum, aber ich spürte sie einfach nur und wusste, was sie meinte. Es war kaum zu beschreiben, und dennoch versuchte ich, meine Gefühle, die sie gerade auslöste, zu verbergen.

„Das schon wieder. Er ist ein Elb, genau wie wir alle, und keine Fee oder eine Elfe. Diese Kreaturen wurden schon vor Jahrhunderten ausgerottet, ein bitteres Dankeschön meines Vaters an sein Volk.“

Sie runzelte meine Stirn.

„Ich bin keine Elfe.“

„Eine Elbin? Und wie meint ihr das? ‚Ihr seid keine Elbin?’“

Ein schweres Gefühl stieg in mir auf, das ich nicht kannte oder an das ich mich nicht erinnerte. Ich schluckte schwer, ehe ich es wagte zu fragen.

„Wenn Ihr keine Elbin seid, was seid Ihr dann?“

„Wie, was ich bin? Ich bin ein Mensch.“

Ich dachte einen Moment darüber nach.

„Das habe ich noch nie gehört.“

„Wie meinst du das?“

„Wie meine ich was?“

„Naja, dass du noch nie von Menschen gehört hast.“

Diesmal schüttelte ich bewusst meinen Kopf.

„Nein, ist das eine Gattung Zwerg oder Riesen? Bitte sagt mir nicht, dass Ihr zu diesen Ungeheuern gehört.“

Sie lachte.

„Oh Gott, wie soll ich das nur erklären?“

„Schon, dass Ihr mir sagt, Ihr seid keine Elbin, ist nicht richtig. In keinem der Pergamente oder Bücher mit nachträglichen Aufzeichnungen war geschrieben, dass jemals eine Allianz zwischen verschiedenen Rassen erfolgte. Ihr müsst eine Elbin sein.“

„Ich bin ein Mensch, und kein Riese. Ein Mensch sieht aus wie Elben, nur ohne diese spitzen Ohren und so. Vielleicht sitzen auch unsere Organe woanders, das weiß ich nicht. Und anders als der Herr der Ringe-Film, ist das Buch ziemlich lange her. Die einzige Anatomie, die ich von Spitzohren kenne, ist die von Vulkaniern und Romulanern bei denen sitzt das Herz da, wo wir die Leber haben.“

„Aber Ihr habt schon einmal von Elben gehört. Das bedeutet, sie sind Euch nicht gänzlich unbekannt, und Ihr wart schon einmal mit ihnen in Kontakt.“

Ich schüttelte den Kopf.

„Nein, natürlich kenne ich Elfen. Es gibt genügend Bücher und Filme darüber, aber getroffen habe ich nie eine.“

„Elben, nicht Elfen, was Ihr wissen müsstet. Ein Vergleich zwischen uns ist höchst anmaßend. Wie gesagt: Mein Vater hat sie bereits vor Jahrhunderten ausgerottet.“

„Okay, Elben eben.“

„Was sind Filme?“ fragte ich und kam mir äußerst ungebildet vor.

„Ihr verwirrt mich zutiefst, und zugleich scheint alles so klar zu sein. Obwohl Ihr eine wirklich ungewöhnliche Art habt, Euch auszudrücken. Unsere Verbindung übersetzt es mir zwar, aber so solltet Ihr in Gegenwart anderer wirklich nicht sprechen.“

„Die Art, wie du sprichst, ist bei uns auch sehr ungewöhnlich. Sie wurde weit in der Vergangenheit gesprochen, aber heute nicht mehr. Und jetzt erklär mir, was die Gwaelgwathel oder der Gwaelgwador ist.“

„Verratet mir doch bitte erst einmal, wie Ihr heißt. Ich weiß, ich liebe Euch, aber kenne nicht einmal Euren Namen.“

Ich musste mich selbst erst einmal sammeln. Ich wusste nicht, ob es sich hier um eine Witzelei handelte oder ob das Schicksal es wirklich ernst meinte und mich mit einer Lebensform verschmolzen hatte, die ich nicht kannte. Und gleichzeitig war es mir egal, denn sie war bereits meine ganze Welt. Ich hatte einfach ausgesprochen, dass ich sie liebe. Ich liebte nicht, und dennoch war dieses Gefühl da. Es war echt, und es war unumstritten.

„Ava, ich heiße Ava.“

„Ava!“ wiederholte ich. Einen solchen Namen hatte ich noch nie gehört, aber er gefiel mir. Er ging mir so einfach von den Lippen. Ava, wiederholten meine Gedanken langsam.

„Also, hier gibt es ihn wie Sand am Meer.“

„Wo ist hier?“

„Na ja, in Detroit.“

„Detroit? Von einer Stadt mit diesem Namen ist mir ebenfalls nichts bekannt, und ich dachte, ich kenne alle Königreiche.“

„Ach nein?“

Sie lachte wieder.

„Aus welchem Dorf kommst du denn? Oder Land? Bist du nicht aus den USA? Kommst du aus Europa oder sogar Asien?“

„Wir befinden uns gerade im Palast von Caras Celebren im Reich der Dur Dúath und von einem Land namens USA, Europa oder Asien habe ich ebenfalls noch nie gehört.“

„Ich habe noch nie von Dur Dúath gehört. Außer vielleicht in einem Buch oder so. Das hört sich schon sehr nach Herr der Ringe oder einem anderen Fantasy-Schmöker an.“

Sie stoppte kurz, ehe sie laut aufschrie und mich zusammenzucken ließ.

„Aber natürlich“

Es schien Ava eine Erleuchtung zu ereilen, denn sie schlug mir mit meiner Hand gegen meine Stirn.

„Autsch!“ rief ich, doch Ava reagierte nicht.

„Ich habe mir erst vor ein paar Tagen Der Herr der Ringe, die Filme, angesehen. Bestimmt landete meine Vorstellungskraft in Mittelerde.“

„Mittelerde, ist das das Reich, aus dem Ihr stammt? Davon habe ich ebenfalls noch nie gehört.“

„Nein“, antwortete Ava verwundert.

„Okay, fine. Weißt du was? Ich spiele das Spiel einfach mal richtig mit. Er hat dich ‚Sire‘ genannt, du bist jetzt nicht irgendwie adelig oder so?“

Diesmal lachte ich.

„Ich denke schon, dass ich das bin.“

„Okay, fragen wir anders: Wie ist dein Name? Den hast du mir noch nicht verraten.“

„Oh, natürlich. Wo habe ich meine Manieren gelassen? Mein Name ist Malikai.“

„Es tut mir so leid. Mir ist klar, ich träume nur, und wir beide führen dieses Gespräch nicht wirklich aber alles wirkt so verdammt real.“

„Vielleicht liegt es daran, dass Ihr nicht träumt. Zumindest nicht richtig.“

„Wie meinst du das?“

„Dort, wo Ihr Euch gerade mit Eurem Körper befindet, schlaft Ihr, das ist wahr. Aber hier, hier bei mir, seid Ihr vollständig Ihr selbst und wach. Eben in meinem Körper, weil ich wach bin. Ihr aber nicht. Dies würde auch andersherum passieren, wenn ich schlafe und Ihr wach seid.“

Sie lachte. Und ohne dass ich Einfluss darauf hatte, empfand ich dieses Lachen als das schönste, das jemals in meiner Nähe erklang.

„Wieso fühlte ich mich plötzlich so, Malikai?“

„Wie?“

„Ich weiß nicht, wie ich das in Worte fassen könnte. Ich fühle mich … sicher.“

Ich nickte.

„Das macht die Verbindung zwischen Euch und mir. Das nennt man die Allianz.“

„Ich verstehe nicht, was das heißt.“

„Ava, ich wusste, dass dies irgendwann passiert. Die Götter haben Euch und mich erwählt.“

„Aber welchen Zweck soll das erfüllen?“

„Die letzte Allianz erfolgte Ende des ersten Zeitalters, während der ersten Zwergenkriege. Sie wurde von den Göttern erwählt, um den Schatten zu verjagen, der sich begann, über das ganze Land zu verbreiten. Eine Allianz ist das Einzige, was Heere zusammenführt und sie befehligt. Wir sind die Front, die die Heere der Dunkelheit zu Fall bringen muss. Schatten können nur mit Schatten gleichhalten und mit Licht verjagt werden.“

Sie lachte wieder.

„Ich will keine Heere befehligen. Ich will, dass es den Menschen gut geht und nicht schlecht, weil wir unnötige Kriege führen.“

Sie bestätigte es wieder, sie hatte wirklich ein Herz. Das war schon mal gut.

„Warum sollte ich auch keins haben? Was hast du erwartet? Dass ich es witzig finden würde, wenn mir jemand erzählt, ich wäre dazu bestimmt, Kriege anzuführen?“

„Vielleicht seid Ihr ja auch bei mir gelandet, weil Ihr mich zurück ins Licht führen könnt.“

Wieder lachte sie.

„Ich bin schon froh, wenn ich das College heil überstehe.“

„Was ist das?“

„Habt Ihr das nicht?“

Ich zuckte die Schultern.

„Weiß ich nicht. Dafür müsstet Ihr mir erklären, was dieses Wort bedeutet.“

„Ein College ist so etwas wie eine Schule, die dich auf deinen Beruf vorbereitet.“

„Ihr geht zu einem Lehrmeister und werdet zu einem Knappen? Meint Ihr das?“

„Ja, so kann man das auch sagen. Können Frauen bei euch etwa nicht lesen und schreiben?“

Ich nickte.

„Doch, aber natürlich. Wir haben sehr viele Frauen, die sogar unterrichten in den Reihen der Elben.“

„Gut. Ich bin eigentlich keine Feministin, aber ich finde Gleichberechtigung trotzdem ziemlich wichtig.“

„Ich kann Euch wieder nicht folgen.“

Sie lachte erneut.

„Sollte ich jetzt öfter meine Träume mit dir teilen, erkläre ich es dir gerne nach und nach.“

Ich musste unweigerlich lächeln und war froh, dass sie es in Betracht zog, mehr als nur einen Tag mit mir zu verbringen.

„Also, wir hören gegenseitig unsere Gedanken.“

Ich nickte wieder.

„Ja, aber nicht nur das. Ihr merkt es ja bereits: Wenn Ihr oder ich etwas fühlen, merkt es der andere. Ich habe Euch ja bereits erzählt, dass eine Verbindung wie diese nur sehr selten geschieht. Die letzte liegt mehr als fünftausend Jahre in der Vergangenheit.

Nur noch die wenigsten können über ein Bündnis wie unseres berichten, da die Vergangenheit zunehmend mehr in Vergessenheit gerät.

Eine Allianz ist aber nicht nur das Teilen der Gedanken oder der Gefühle irgendwann verschmelzen unsere Erlebnisse, Euer und mein Blut verbinden sich, Eure Seele wird ein Teil meiner Seele, und meine Seele wird zu Eurer. Fähigkeiten, Wissen, alles wird eins.

Laut der Aufzeichnungen im Archiv des Klosters Amon Saelindor waren es Königin Alanael und König Gadriel, die die letzte Allianz gegen die Schatten bildeten.

Der Krieg war fast gewonnen, als Alanael fiel. Gadriel überlebte diesen Verlust kaum und schloss einen Pakt mit Thandor, dem Gott von Hadhor, um Alanael von den Toten zurückzuholen. Das denke ich zumindest. Und jetzt gerade verstehe ich es sogar ein bisschen.Er verschacherte sein ganzes Königreich an die Dunkelheit und erhielt vermutlich nichts als Tücke und Tod. Nur durch ein Bündnis mit Druiden und anderen längst ausgestorbenen Gattungen wurde ein tatsächlicher Sieg möglich und die Schatten konnten in die Tiefen der Vergessenen Lande verjagt werden. Aber besiegt wurden sie nie.“

„Das klingt alles nach ’nem guten Blockbuster.“

„Ich verstehe einfach nicht, was Ihr sagt.“

„Das wird vermutlich auch nie passieren, da unsere Sprache in komplett unterschiedlichen Zeitzonen wandelt. Okay, kommen wir zu meiner Frage zurück: Was ist die Gwaelgwathel oder der Gwaelgwador? Das hast du immer noch nicht beantwortet.“

„Es gibt zwei Arten von ehelichen Verbindungen. Die eine wird beschlossen meist vom Vater oder durch ein Bündnis. Wenn es nach meinem Vater ginge, wäre ich am Tag meiner Tul en Innath-Feierlichkeit ebenfalls vermählt worden. Und dann gibt es noch solche, die durch die Götter beschlossen werden so wie unsere. Unsere Seelen wurden verknüpft.“

„Also so etwas wie Seelenverwandte?“

Ich nickte.

„Genau. Wir haben ab dem heutigen Tag keine Wahl mehr, uns in jemanden außer uns zu verlieben. Wir werden uns immer auf die Suche nacheinander begeben, da wir ohneeinander nicht mehr leben können.

Wir werden uns im Schlaf und immer in unseren Gedanken begegnen. Ich hatte mich immer gefragt, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn wir uns einmal treffen und ich endlich eine Antwort erhalte. Aber alles, was ich mir ausgemalt hatte, war mitnichten das, was es nun ist.

Ich kann Euch das nicht beschreiben aber das muss ich, denke ich, auch nicht. Alles in mir will zu Euch. In den Aufzeichnungen klang es immer so, als sei es das Weib, das sich in dieser Allianz dem Gatten unterwerfen müsse und nur so könne eine starke Verbindung entstehen. Mir wird aber gerade klar, dass diese Beschreibung höchst fehlerbehaftet ist. Denn nun, da ich Euch fühle, sind wir absolut gleich.“

„Gott, wenn man bei uns eine Frau Weib nennen würde, hättest du vermutlich schon eine geklebt bekommen.“

„Was bedeutet das?“

„Ich hätte dir eine ins Gesicht geschlagen.“

„Wieso solltet Ihr so etwas tun?“

„Weil du beleidigend bist.“

Ich lachte ich konnte nicht anders.

„Bitte fühlt Euch bei meinen kommenden Worten nicht beleidigt, aber Eure Art ist höchst ungewohnt für mich. Und wenn Ihr nicht gerade in meinem Kopf und in gewisser Weise bereits in meinem Herzen wäret, wüsste ich nicht, ob ich Euch bei Hofe eines Blickes oder eines Gespräches gewürdigt hätte obwohl ich Eure Art höchst erfrischend finde.“

„Wow … das war irgendwie süß und gleichzeitig auf viele Arten sehr mies.“

Ich schüttelte den Kopf.

„Bitte tut das nicht.“

„Was?“

„Euch beleidigt fühlen.“

Sie lachte in meinem Kopf.

„Da braucht’s schon mehr als so einen plumpen Quatsch, um mich aus der Fassung zu bringen.“

„Wir sollten unbedingt an unserem Verständnis arbeiten. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob wir wirklich die gleiche Sprache sprechen.“

„Mh“, machte sie und überlegte. Dann schüttelte sie den Kopf.

„Ich kann versuchen, wie im Mittelalter zu sprechen wie ich es vorhin schon gemacht habe. Das wird mir vermutlich nicht leichtfallen.“

„Wo ist das Reich Mittelalter?“ Wieder lachte sie.

„Das wird eine schwere Geburt. Die Frage ist nicht wo oder was, sondern wann.“

„Wo ist eine Geburt?“

„Okay, ich versuche es zu erklären. Bei uns sagt man: ‚Das wird eine schwere Geburt‘, wenn man eigentlich sagen möchte, dass es schwer werden wird, dir etwas zu lehren.“

„Okay, aber dieser Vergleich ergibt keinen Sinn.“

„Er ergibt sogar sehr viel Sinn, da eine Geburt mit sehr starken Schmerzen verbunden und nicht leicht ist.“

„Ihr meint wie ein Vergleich?“

„Genau.“

„Und die anderen Wörter? Was bedeutet mies?“

„Das bedeutet, etwas ist schlecht oder gemein.“

„Oh, ich verstehe. Und was bedeutet plump?“

Sie lachte wieder.

„Wenn Ihr so weiterfragt, werden wir niemals ein Ende dieses Gespräches finden, denn dort, wo ich herkomme, gibt es zu viele Wörter für dieselbe Bedeutung.“

„Könnt Ihr es mich lehren?“

„Das kann ich schon. Aber das wird wie das Erlernen einer fremden Sprache für Euch.“

„Das ist nicht schlimm. Ich verstehe und spreche bereits alle dreiundzwanzig Dialekte und habe durch die Lehren in den alten Pergamenten sogar Kuzduhl gelernt.“

„Warte … Ihr könnt die Sprache der Zwerge?“

„Ja. Und Ihr wisst sogar, wie sie heißt, das wissen nur noch wenige. Ich weiß, eigentlich ist es uns nicht erlaubt, über sie zu lesen. Aber ich musste sie lernen. Sie gehört schließlich genauso zu unseren Geschichten wie alles andere.“

„Über die Sprache der Zwerge ist uns hier kaum etwas bekannt.“

„Ich kann sie Euch ebenfalls lehren.“

„Okay, das wäre super.“

„Ich gebe mein Bestes, die nächsten Unterhaltungen an Euch anzupassen, damit Ihr mich besser verstehen könnt. Ich habe Fragen.“

„Stellt sie mir. Ich kann Euch vielleicht nicht alles beantworten aber ich werde immer mein Bestes geben, für Euch eine Antwort zu finden.“

„Wenn niemand von einer Verbindung wie der unseren weiß … sollten wir sie dann geheim halten?“

„Sollten wir. Ich bin mir sicher, dass mein Onkel, wenn er es wüsste, bereits Intrigen schmieden würde, um Euch zu töten.“