Zwei Jahre zuvor: 00.00
June
Die Dunkelheit ist mehr als nur die Abwesenheit von Licht. Sie ist lebendig, eine Gestalt, die sich um mein Leben geschlungen hat wie Dornenranken. Damien einst mein Halt, mein Schutz .hat sich als mein Käfig entpuppt. Sein Schatten liegt über allem, was ich bin.
Mein Atem stockt, während ich im Schlafzimmer stehe. Das große, makellose Bett wirkt wie eine Bühne für eine Aufführung, die ich nicht gewählt habe. Der Mond schimmert durch die bodenlangen Fenster, taucht die schweren Vorhänge in silbernes Licht. Alles ist still. Zu still.
Mein Blick wandert zu dem Koffer, den ich mühsam gepackt habe. Er steht bereit. Wochen des Planens, des Schweigens, der unsichtbaren Kämpfe und jetzt bin ich hier. Aber mein Herz schlägt so laut, dass es meine Gedanken übertönt. Etwas stimmt nicht. Ich spüre es. Wie immer.
Ein leises Knarzen durchbricht die Stille, und ich zucke zusammen. Meine Finger verkrampfen sich um die Griffe des Koffers. Der Raum scheint plötzlich kleiner, dichter, schwerer. Mein Blick huscht zur Tür. Nichts. Aber das heißt nichts. Ich zähle die Dielen auf dem Fußboden.
Damien ist ein Geist, ein Schatten. Er taucht immer dann auf, wenn ich glaube, ihm entkommen zu sein
Dann höre ich es.
Kein Schritt. Kein Atemzug.
Nur dieses eine Geräusch.
Leise. Mechanisch. Rhythmisch.
Ein Ticken.
Nicht irgendeines, die Uhr. Diese viel zu teure Armani mit dem Goldrand, die ich ihm einmal geschenkt hatte, aus Liebe. Heute klingt sie wie eine Warnung. Für Kontrolle. Für seine Macht. Mein Atem gefriert. Die Zeit scheint trotz des tickens still zu stehen.
„june" Seine Stimme ist leise. Sanft. Aber ich kenne die Wahrheit, die in seiner Sanftheit lauert.Ich frage mich, ob die Erde für einen Moment still stehen kann, denn ich möchte schreiben "STOPP". Ich steig aus.
Sie ist schneidend, kalt wie Eis. Ich friere.
„Glaubst du wirklich, ich hätte nicht bemerkt, was du planst?“
Ich versuche weiter zu atmen.
Er ist hier. Hinter mir.
Ich fühle ihn, seine Anwesenheit füllt den Raum wie ein Sturm. Ich wage es nicht, mich umzudrehen.
„DDamien … ich". Meine Stimme bricht, ich hasse mich dafür.
„Du wolltest mich verlassen.“ Es ist keine Frage. Es ist ein Urteil. Er bewegt sich auf mich zu, geschmeidig, wie eine Raubkatze und die Luft wird schwerer, dichter mit jeder Bewegung. „Weißt du, was Engel tun, wenn sie fliegen? Sie fallen. Immer.“ raunt er mir zu.
Ich vergesse wie man atmet.
Seine Finger streichen durch mein Haar, sanft. Fast liebevoll. Aber ich kenne diese Berührung. Viel zu gut.
Mein Herz rast.
Diese Berührung ist eine Warnung. Eine Drohung. Mein Körper erstarrt, doch meine Gedanken schreien.
„Ich wollte nur … Luft holen“, flüstere ich. Mein Herz rast, meine Brust hebt und senkt sich unter dem Druck, den ich kaum kontrollieren kann.
Er lacht. Ein tiefes, leises Lachen, das die Wände zu füllen scheint. „Luft? Nein, mein Engel. Du brauchst mich. Und wenn ich dich festhalten muss, bis du es begreifst – dann sei es so.“
Seine Schritte knirschen auf dem Holzfußboden, als er zurücktritt, doch seine Worte bleiben wie Rauch in der Luft hängen.
„Mach dir keine Sorgen“, sagt er, fast tröstend. „Ich lasse dich nicht gehen. Niemals.“
Die Tür schließt sich hinter ihm mit einem dumpfen Klicken. Ich fühle die stille im Raum und die Kälte bleibt, ich friere. Ich sinke auf die Knie, lassen den Koffer los. Tränen brennen in meinen Augen, doch ich weigere mich, sie fließen zu lassen.
Ich atme tief ein, zwinge mich, den Kloß in meiner Kehle herunterzuschlucken. Nein. Das ist nicht das Ende. Ich werde diesen Käfig verlassen. Ich weiß nicht wie, aber ich werde es schaffen.
Der Mond scheint weiter, still und unbewegt. Für mich ist er ein Zeuge, meiner Angst, meines Kampfes, und meines Versprechens.
Dies ist nicht das Ende.
Es ist der Anfang.