Prolog

Rennen.
Sie musste rennen.
Weg von hier, diesem Ort, der Schutz versprach und doch nur Grausamkeit barg.
Grausamkeiten, die sie für immer hinter sich wähnte.
Tränen liefen ihr über das Gesicht, sie wehrte sich mit aller Kraft, biss, trat, kratzte.
Aber die Fesseln schnitten tiefer, unsichtbare Bande ihrer Vergangenheit und dem realen, unnachgiebigen Griff.
Befreien? Eine Illusion? War ihr Widerstand nur ein letztes, wildes Zucken, ein verzweifeltes Aufbäumen gegen die erdrückende Macht?
Der Schlag traf sie, ein eiskalter Blitz, doch im Sturm ihrer Panik kaum mehr als ein ferner Schmerz.
Dann die Hände, brutal, besitzergreifend, die sie zurückwarfen in die weichen Kissen, die sich nun wie ein Grab anfühlten.
Ihre Angst trieb sie an den Abgrund, verzweifelt klammerte sie sich fest. Fliehen. Sie musste fliehen, weg von diesem grausamen Ort.
“Es reicht, Furie, jetzt hat deine Gegenwehr ein Ende.”
Die harten Worte drangen kaum zu ihr durch. Sollte jetzt alles vorbei sein? Sie wollte leben. Sich widersetzen. Überleben. Oder doch nachgeben? Aufgeben? Endlich Ruhe finden…
Sie merkte den Einstich kaum.
Die kalte Kanüle in ihrer Vene. Nur die bleierne Müdigkeit, die sich über ihre Angst legte.
Gefangen in einem Körper, der ihr nicht gehorchte.
Der ihr nicht gehörte.
Ihr Blick verschwamm, sie spürte, wie sie in die dunklen Tiefen eines stillen Ozeans sank. Hass? Angst? Erleichterung?
Würde sie noch leben wollen, wenn sie niemandem mehr trauen konnte?