Dangerous Love - Freiheit um jeden Preis /2

All Rights Reserved ©

Summary

~Holly~ „Ich war seine Ehefrau. Sein Eigentum. Jetzt bin ich auf der Flucht. Und ich werde nicht aufgeben - nicht diesmal." Mit neuer Identität, verändertem Aussehen und Caleb an meiner Seite touren wir mit seiner Band quer durch Amerika. Immer in Bewegung. Immer an einem anderen Ort. Ein Leben im Verborgenen - ein Leben zwischen Musik, Hoffnung und Angst. Denn er ist noch da. Er, der mich gebrochen hat. Der schwor, mich zurückzuholen. Ich kämpfe für mich. Für unser Kind. Für die Chance, endlich frei und glücklich zu sein. Giovanni und Matteo sagen, sie haben einen Plan. Doch was, wenn die Vergangenheit schneller ist als die Hoffnung? Wenn die tödliche Bedrohung allem zuvor kommt - und nur noch eines bleibt: Leben oder Sterben.

Status
Complete
Chapters
30
Rating
5.0 1 review
Age Rating
18+

Eine Fremde im Spiegel

~Holly~

Das Neonlicht im Badezimmer flackert leicht, als ich in den Spiegel starre. Ich erkenne mich nicht wieder. Die blonde Perücke sitzt perfekt, die blauen Kontaktlinsen lassen meine Augen fremd wirken, das knallige Make-up und die bunte Kleidung schreien nach Aufmerksamkeit,- nach einer Person, die nicht ich bin.

Aria Miller.

Ich versuche, den Namen lautlos zu formen, doch er fühlt sich falsch an. Ich bin Holly. Ich werde immer Holly sein. Nur in nächster Zeit nicht.

Vier Wochen.

Vier Wochen habe ich in dieser Wohnung verbracht. Vier Wochen, in denen ich nicht raus konnte. In denen ich mir nichts sehnlicher gewünscht habe, als einfach wieder die Sonne auf meiner Haut zu spüren, den Wind in meinen Haaren.

Ich schließe kurz die Augen, atme tief durch.

Vier lange Wochen, die Caleb erträglich gemacht hat.

Seine Nähe, seine Stimme, sein Lächeln, seine Berührungen. Er hat gekocht, hat mich zum Lachen gebracht, wenn die Dunkelheit mich zu verschlingen drohte. Und in den Nächten, in denen die Angst mich nicht losließ, hat er mich einfach gehalten, bis ich mich sicher genug fühlte, um zu schlafen.

Mein Herz zieht sich zusammen. Ich hasse es, mich verstecken zu müssen.

Aber es gibt etwas, das ich mehr hasse.

Andrew.

Allein der Gedanke an ihn lässt mir das Blut in den Adern gefrieren.

Er weiß es. Er weiß, dass ich ihn verlassen habe. Und er wird mich suchen.

Ich spüre es in jeder Faser meines Körpers. Er wird nicht aufgeben, nicht ruhen, bis er mich gefunden hat.

Andrew gibt nicht auf. Niemals.

Ich zwinge mich, tief durchzuatmen. Ich bin sicher. Noch. Aber wie lange?

Egal, was Giovanni und Matteo vorhaben, ich hoffe, sie sind schneller als er.

Ich öffne die Augen, sehe der Fremden im Spiegel entgegen. Sie ist meine Tarnung. Mein Schutz. Meine einzige Chance.

Für mich und unser Baby.

Meine Hand gleitet auf meinen Bauch.

Noch sieht man es nicht.

Noch ein kurzer Blick in den Spiegel, ein letzten tiefen Atemzug, dann verlasse ich das Badezimmer.

~

Im Wohnzimmer wartet man bereits auf mich.

Nick sitzt auf der Armlehne des Sofas, spielt mit einem Feuerzeug, das er immer wieder auf- und zuschnappen lässt. Alex lehnt an der Wand, verschränkt die Arme vor der Brust und mustert mich mit einem zufriedenen Grinsen.

Caleb sitzt auf der Couch, ein Bein locker über das andere geschlagen. Sein günen Augen finden mich sofort, warm, aber prüfend.

„Wow“, sagt Alex und stößt sich von der Wand ab.

„Ich muss zugeben, ich bin ein verdammtes Genie. Du siehst perfekt aus.“

„Perfekt?“ Ich ziehe eine Augenbraue hoch.

„Ich sehe aus wie jemand, der sich in den Neunzigern ein Mode-Magazin geschnappt hat.“

„Hey, keine Beleidigungen! Ich habe mir viel Mühe gegeben, Darling.“

„Ich weiß“, murmele ich und streiche mir über die Perücke. „Danke, Alex.“

Caleb steht auf und kommt langsam zu mir.

Seine Hände legen sich auf meine Schultern, sein Griff ist warm, vertraut. Und dann zieht er mich in eine Umarmung.

Ich schließe die Augen, lehne meine Stirn für einen Moment an seine Brust. Sein Herz schlägt ruhig, gleichmäßig, und ich wünschte, ich könnte diesen Moment länger festhalten.

„Geht’s dir gut?“, fragt er leise.

Ich schlucke schwer, löse mich langsam von ihm, aber seine Hände bleiben auf meinen Armen.

„Es ist … ungewohnt. Das bin nicht ich.“

Calebs Daumen streicht sanft über meine Haut.

„Ich weiß. Aber es ist nur für eine Weile.“

„Genau, Darling“, wirft Alex ein.

„Du wirst dich dran gewöhnen.“

Ich blinzle ihn an.

„Hast du eigentlich auch etwas, das du nicht mit Sarkasmus kommentierst?“

Alex grinst.

„Nicht wirklich.“

Bevor Alex noch etwas sagen kann, räuspert Nick sich.

„Und dein Untermieter?“

Ich presse die Lippen aufeinander. „Die Übelkeit wird besser. Das ist, glaube ich, ein gutes Zeichen.“

Plötzlich klingelt es.

Ich zucke zusammen.

Caleb reagiert sofort. Er zieht mich erneut in seine Arme, beruhigend, schützend.

„Hey“, murmelt er.

„Das ist nur Matteo.“

Ich nicke, atme tief durch, während Alex zur Tür geht und Matteo einlässt.

Kurz darauf tritt Matteo mit seiner üblichen Lässigkeit ein, sein Blick bleibt an mir hängen. Dann pfeift er leise durch die Zähne.

„Wow. Du siehst … anders aus. Perfekt.“

„Freut mich, dass mein neuer Look dein Gütesiegel bekommt", grummel ich.

Er schmunzelt nur und reicht mir eine kleine Tasche. Ich weiß, was darin ist.

Neue Papiere. Neuer Ausweis. Neuer Führerschein. Eine neue Identität.

Ich ziehe den Ausweis heraus, betrachte den Namen darauf.

Aria Miller.

Ich sollte nicht fragen, wie Giovanni das so schnell organisiert hat.

Und ich will es auch gar nicht wissen.

Caleb nimmt mir den Ausweis aus der Hand, betrachtet es mit gerunzelter Stirn.

„Aria“, murmelt er, dann sieht er mich an.

„Klingt nicht wie ich, oder?“

„Nicht mal ansatzweise.“ Seine Stimme ist rau, und ich spüre, dass er es genauso wenig mag wie ich.

Matteo versucht es mit einem Verständnisvollem Lächeln.

„Es ist nur zeitweise, Prinzessin. Giovanni hat deine Sachen sicher verwahrt. Sobald alles geregelt ist, bist du wieder du.“

Ich nicke, doch die Wahrheit ist: Ich weiß nicht, wann das sein wird.

Oder ob es überhaupt je soweit kommt.

„Genieß es, Prinzessin“, fügt Matteo hinzu und holt mich aus meinen Gedanken

„Nicht jeder kann mit einer Band touren.“

Ich zwinge mich zu einem Lächeln. Ich sollte es genießen. Sollte es als Chance sehen.

Aber wie soll ich das, wenn ich weiß, dass irgendwo da draußen Andrew ist, der nicht ruhen wird, bis er mich gefunden hat?

Ich verstaue die Papiere, lasse meinen Blick nochmal durch die Wohnung schweifen.

Draußen wartet bereits der Van. Mein Herz schlägt schneller, als ich auf die Straße trete. Ich bin wieder draußen. Ich kann den Wind auf meiner Haut spüren, die Stadt riechen, den Asphalt unter meinen Füßen fühlen.

Caleb verstaut das Gepäck, Nick überprüft noch einmal die Route. Matteo lehnt mit einer Zigarette an der Motorhaube, während Alex sich mit seinem Handy beschäftigt.

„Alles klar?“, fragt Caleb, als ich zögere.

Ich atme tief durch.

„Ja.“

Caleb öffnet mir die Beifahrertür, wartet, bis ich eingestiegen bin. Dann setzt er sich neben mich auf den Fahrersitz, startet den Motor.

Nick und Alex steigen hinten ein. Matteo bleibt in New York – fürs Erste.

Ich lehne meinen Kopf an die Scheibe, beobachte, wie die Straßen an uns vorbeiziehen. Hochhäuser, überfüllte Gehwege, Menschen, die in ihrem Alltag versinken.

New York.

Ich habe diese Stadt geliebt. Und jetzt lasse ich sie hinter mir.

Ich weiß nicht, wann ich zurückkehren kann. Oder ob ich es überhaupt je tue.

,,Holly?“

Ich drehe den Kopf, sehe Caleb an. Seine Finger sind fest um das Lenkrad geschlossen, aber sein Blick ist sanft, besorgt.

„Ja?“

Er lächelt. Dann streckt er eine Hand aus, legt sie auf meinen Oberschenkel.

Eine Berührung, sanft und doch voller Bedeutung.

„Wir schaffen das. Du bist nicht allein, Engelchen“, sagt er leise, aber entschlossen.

Ich nicke ihm lächelnd zu.

Lege eine Hand auf seine.

Als wir auf die Autobahn fahren, die Skyline langsam in der Ferne verschwindet, spüre ich es zum ersten Mal.

Freiheit.

Ein Hauch davon.

Der nächste Schritt.