Szenen einer Freundschaft plus

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Summary

Wenn Trauer zwei Menschen zusammenbringt, macht das eine Beziehung nicht unbedingt einfacher. Zumal, wenn ER etwas Ernstes will, und SIE an der Unverbindlichkeit festhält. Freundschaft plus ist ihre Devise, aber funktioniert das zwischen Herr und Sklavin?

Status
Complete
Chapters
67
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5.0 3 reviews
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18+

Selbsthass

Stille.

Laute, alles übertünchende Stille, die mich innerlich zerreißt. Sie schreit so laut, dass für nichts anderes mehr Platz ist. Die Art von Stille, die dich von innen her zerbricht, der Verzweiflung geschuldet, dem Wissen – du hast versagt …

Du bist ein Nichts. Wertlos. Nutzlos. Überflüssig. Eine Abscheulichkeit, die keinerlei Daseinsberechtigung mehr hat.

Der Wind braust mir in dröhnenden Intervallen um die Ohren, zerrt an meinen Haaren und doch, den wabernden Nebel in meinen Gedanken kann er einfach nicht vertreiben.

Es hat mich in die Dünen verschlagen, den Ort habe ich hinter mir gelassen – vorhin, als ich so unvermittelt die Flucht angetreten habe. Die Promenade entlang, den Hundestrand links liegen gelassen, bin ich einfach immer weiter am Wasser entlanggelaufen, bis meine Beine mich irgendwann nicht mehr tragen wollten.

Jetzt sitze ich hier, die Spitzen der Sneakers im weichen Sand vergraben, kaum geschützt von den Dünen, zwischen denen ich mich verkrochen habe. Ein Sturm zieht auf, doch im Vergleich zu dem Aufruhr in meinem Inneren ist er nur ein laues Lüftchen.

Als wolle sie mich in dieser Meinung bestärken, türmt sich die Ostsee zu schaumigen Wellenbergen auf, geht brandend gegen das Ufer an. Leckt am Sand, als wolle sie Stück für Stück vom Festland für sich erobern.

Die Vorboten des Sturms dringen durch meine Kleidung, jagen eine Gänsehaut nach der anderen über meinen Körper. Ich habe meine Kleider gedankenlos übergeworfen, vorhin, als ich einfach nicht mehr konnte. Das ausgewaschene Shirt, dessen fransiger Saum um meinen Torso flattert. Es ist mir viel zu groß, es gehört ihm. Die Jeans, ohne Unterwäsche. Nackt unter dem Denim – wie auch die Füße in den Turnschuhen. Ich vergrabe sie noch tiefer im Sand, ringe nach Atem.

Ich schmecke Salz auf meinen Lippen, nicht alles ist der Gischt geschuldet. Die Tränen, sie fließen immer noch. Ich kann einfach nicht mehr aufhören zu weinen, es ist, als hätte man einen unsichtbaren Schalter in meinem Inneren umgelegt.

Fester umarme ich meinen Oberkörper, ich muss mich an mir selbst festhalten. Ich fühle mich so verloren. So zerstört. Irgendwie losgelöst von allem, was bisher meine Person ausgemacht hat.

Ein Schluchzen bricht sich aus meiner engen Brust. Für den Moment verlässt mich alle Kraft, eine erneute Böe drückt mir den Kopf in den Nacken, und weil es der Weg des geringsten Widerstandes ist, ich einfach keine Energie mehr habe, um gegen irgendetwas anzugehen, lasse ich ihn so, den Blick hoch in die über mich dahinstürmenden, grauen Sturmwolken gerichtet.

Ich schreie, ich kann es nicht verhindern. Der Sturm reißt mir jeden Laut von den Lippen, nur ich kann diese Verzweiflung hören. Die Verbitterung. All die Fassungslosigkeit. Ich schreie, bis meine Kehle schmerzt, meine Stimme bricht.

Kommt der Moment der Erkenntnis zu einem jeden von uns? Der gefürchtete Zeitpunkt, wo du erkennen musst, alles hat sich verändert? Nichts ist mehr, wie es dein ganzes Leben war?

Ich denke zurück, es geschieht nicht willentlich, es passiert einfach.

Meine zerrütteten Gedanken wandern in die Vergangenheit. Hin zu dem, was ich einmal gewesen bin.

Kamikaze-Sub, so wurde ich damals genannt. Die verrückte Sisa, die sich keinerlei Gedanken um ihre Sicherheit macht. Eine Frau, die sich auf die verrücktesten Geschichten einlässt, sich nicht covern lässt – und wie durch ein Wunder ungeschoren davonkommt. Immer und immer wieder.

Die sich wie Phönix aus der Asche erhoben hat, ständig neu erfunden. Niemals ganz zerbrochen. Niemals zerstört. Über alle lachend, die geunkt haben, die ihr damals ein schlimmes Ende prophezeien wollten.

Lehrgeld hat sie auch bezahlt, gelernt hat sie daraus niemals etwas. Bis heute

Ja, so war sie. Unverbesserlich, anders kann man es nicht nennen.

Bis sie vor ihrem finalen Endgegner stand.

Krampfhaft schlucke ich, zögernd, ob ich mich wirklich weiter in diese Richtung zurück erinnern möchte. Doch kann ich es verhindern? Nein.

Krebs.

Das Leben von heute auf morgen nicht mehr so, wie es war. Drei Jahre meines Lebens, einfach geraubt. Eine unendlich erscheinende Geschichte, die alles – wirklich alles – was mich je ausgemacht hat, von Grund auf veränderte. Die Operationen, die Narben auf meinem Körper, die davon zurückblieben, mich zu einer Art Frankensteins Braut machen. So empfinde ich es, immer noch. Dem Tod zweimal von der Schippe gesprungen, höllisches Glück gehabt.

Es gibt mich immer noch.

Oberflächlich betrachtet habe ich mich zurückgekämpft, mir mein Leben wieder zurückgeholt. Stück für Stück, so wie ich ein halbes Leben lang auch meiner Neigung nachgegangen bin. Nie aufgeben. Immer lächeln. Die Optimistin mimen, die nichts kleinkriegt.

Ich habe gesiegt. Doch bin ich stolz darauf?

Eine Weile dachte ich, ich wäre es. Ich dürfte es sein.

Die Frage ist nur, was bleibt nach einer solchen Geschichte noch von dir übrig?

Jetzt weiß ich, nichts.

Wirklich. Nichts!

Mein früheres Ich gibt es nicht mehr. Auf die harte Tour habe ich gelernt, ich bin ja gar nicht unzerstörbar. Ich bin sterblich und verletzlich, wie jeder andere auch. Jetzt sogar verletzlicher, als je zuvor.

Manchmal fühle ich mich so fragil, als wäre ich aus dünnem Glas. Ein scharfer Blick, und ich zerbreche. Ein lautes Wort, klirrend zerspringe ich. Und wundere mich, weil ich immer noch hier bin.

Früher war ich immer in mir ruhend, in meiner Mitte. Habe nichts hinterfragt, schon gar nicht mich und meine Verrücktheiten. Den Mut. Den Leichtsinn. Den Hunger und die Sehnsucht, alles für mich zu entdecken, was diese schöne Welt nur für mich in petto hält.

Heute möchte ich mich nur noch verkriechen, unsichtbar machen. Verschwinden. So, wie diese Kamikaze-Sub von früher einfach verschwunden ist.

Ich habe mal zu jemanden gesagt, dieser Teil von mir hat die erste, diese stundenlang andauernde Operation nicht überlebt, der ist auf dem Tisch liegengeblieben. Ich wurde ausgelacht, und doch entspricht das in gewisser Hinsicht den Tatsachen. Vielleicht wurde mir auch jener Teil meiner Persönlichkeit herausoperiert, zusammen mit einem Teil meines organischen Innenlebens.

Ist das wirklich so unwahrscheinlich? Ich denke nicht …

Es fühlt sich auf jeden Fall so an.

Immer noch fließen die Tränen, langsam kehre ich ins Hier zurück.

Es wird kalt, der Wind kommt übers Meer. Die Ostsee ist mittlerweile ein düsteres, tobendes Ungeheuer geworden. Die Brandung reicht bis fast zu den Dünen, zwischen denen ich mich verkrochen habe, der Geräuschpegel ist inzwischen ohrenbetäubend.

Ich lasse mich nicht vertreiben, ich will nicht zurück.

Zurück an den Schauplatz meines Versagens …

Wieder will ich schreien, hastig beiße ich die Zähne zusammen, bis die Kiefer protestierend knirschen. Balle meine Hände zu Fäusten, begrüße den leisen Schmerz, mit dem sich meine langen Fingernägel in die Handflächen graben.

Dieses Gefühl ist real. Ich bin immer noch hier.

Doch will ich das überhaupt noch?

Mein Kopf sinkt nach unten, das Kinn gegen die Brust. Ich mache mich klein, krümme mich zusammen. Mit geschlossenen Augen lausche ich in mich hinein, ob ich da drinnen noch irgendetwas von mir hören kann. Etwas, das nicht einfach nur still und tot ist.

Wie kann sich Selbstliebe so endgültig in Selbsthass wandeln?

Ich verstehe es ja selbst nicht.

Himmel, ich war doch nie ein Model. Immer der Pummel vom Dorf, doch das hat mich nie gestört. Es war nie mein Aussehen, durch das ich aufgefallen bin und das mich in den Fokus des Interesses gerückt hat. Es war immer meine Art, meine Persönlichkeit.

Das kann doch nicht auch alles weg sein, oder?

Aber – so bitter es schmeckt – doch, es ist so.

Es gibt mich nicht mehr. Nicht so, wie ich war.

Wenn ich heute in den Spiegel schaue, sehe ich ein Monster. Ein Zerrbild dessen, was ich einmal war. All diese Narben, all die Spuren, die die Krankheit auf meinem Körper hinterlassen hat. Aufgeschwemmt von den Medikamenten und der Zeit der Chemo. Das Abbild eines Kriegsschauplatzes, meines Überlebenskampfes.

Nein, ich gefalle mir nicht mehr. Wie könnte es auch so sein? Und da sind dann diese vernichtenden, zerstörerischen Gedanken. Wie könnte ich denn noch jemandem anderen gefallen? Wenn ich mich doch selbst nicht mehr ansehen mag.

Und alles überstrahlend, diese Zerbrechlichkeit. Innen wie außen. Körperlich. Gedanklich.

Nichts an mir ist mehr fest und stark. Abgesehen von der Angst vor allem, dieser Feigheit, die ich noch mehr an mir hasse, als die Narben.

Es ist drei Jahre her, seit man mich für gesund erklärt hat. Etwas in mir kann es nicht glauben, und so lebe ich immer noch in meiner selbstgewählten Isolation. Plus der drei Jahre, die der Krankheit und meiner Genesung geschuldet waren.

Sechs Jahre Einsamkeit. Isolation. Selbstgeißelung. Feigheit. Zögern.

Sechs Jahre voller Ausreden, Ausflüchte und Angst vor sich selbst.

Bis er dann kam.

Ein Teil von mir kann es immer noch nicht fassen, dass ich mich darauf eingelassen habe. Gibt es nicht schon genug Katastrophen in meinem Leben? Einem Leben, das ich mir so mühselig zurückgeholt habe! Muss ich denn wirklich noch selbst die Dynamitschnur entzünden, die mir den Rest gibt?

Es war die Sehnsucht, die Einsamkeit, sie hat mich diese Entscheidung für ihn treffen lassen.

Mein Mund verzieht sich, ich beiße mir auf die Lippe.

Wir kennen uns von früher – von damals, als ich noch dieses strahlende, unbesiegbare Kamikaze-Sub-Dingens war. Wir haben uns getroffen, beide auf der Suche nach neuen Erfahrungen. Begierig, den eigenen Horizont zu erweitern, die eigenen Grenzen auszuloten. Er wie ich, beide noch am Anfang unserer Neigung.

Relativ sicher, mich niemals auf dieser Suche zu verlieren. Verheiratet, die Neigung außerehelich auslebend. Himmel, was kann mir da schon groß passieren?

Sag niemals nie, das ist auch so eine Geschichte. Gefühle entstehen immer dann, wenn man am wenigsten damit rechnet – das ist ein klassisches Beispiel für eines dieser epischen Dramen. Gefühle, die ich nicht erwidern konnte und wollte - weil Liebe niemals ein Thema für mich sein sollte, mich deswegen krampfhaft auf den Altersunterschied von über 15 Jahren berufend, habe ich gekniffen.

Er hat mich nie wirklich aufgegeben, in all dieser Zeit nicht, er hat an seinen Gefühlen für mich festgehalten. Den Kontakt nie abgebrochen, immer aus der Ferne ein Auge auf mich gehabt.

Und weil das Leben schon manchmal seltsam spielt, bin ich doch wieder bei ihm gelandet. Ein Vierteljahrhundert später, kaum, dass ich das, was von mir übriggeblieben ist, wieder eingesammelt habe, führt mich mein Weg zurück zu ihm.

Welcher Teufel hat mich da nur geritten?

Ich weiß keine Antwort auf diese Frage – und, gütiger Gott, ich suche diese Antwort schon seit einer Ewigkeit.

Er will alles von mir. Sagt er. Die Frau. Die Partnerin. Natürlich, auch die Sklavin.

In dieser Hinsicht versucht er mich immer zu beruhigen, er ist keiner dieser extremen Sorte, keiner dieser knallharten Typen, die ich mir früher mit Vorliebe ausgesucht habe. Er ist eher einer der die stillen, leisen Töne liebt – für den SM nicht der Lebensinhalt ist, sondern nur Bereicherung.

Dieses Wissen sollte mich erleichtern, mir Sicherheit geben – ja, und vielleicht war das auch der Fall.

Hätte ich mich sonst darauf eingelassen?

Hart schlucke ich an dem Kloß in meinem Hals, denke an vorhin zurück.

Ich sitze hier am Strand, hänge meinen Gedanken nach - und der Szene aus der ich geflüchtet bin, indem ich weglief. An den Moment, wo ich vor dem Kamin kniete, das erste Mal seit einem halben Leben. Nackt, schutzlos, seinen Blicken ausgesetzt.

Sehe zu ihm auf, diesem wunderschönen Mann. So viel jünger, als ich es bin – und es ist so deutlich zu sehen, dass die Jahre ihm nichts anhaben konnten. Sein Anblick verschlägt mir den Atem, sein Lächeln sowieso. Groß, muskulös, geschmeidig wie ein Panther. Der Blick seiner blauen Augen liegt auf mir, den Ausdruck kann ich nicht erkennen, er steht mit dem Rücken zum Kamin, den er wegen des nahenden Sturms entzündet hat. Sein Gesicht liegt im Schatten, aber ich habe es so gut in Erinnerung, kann jede Kontur davon in Gedanken nachzeichnen. Es ist eine einprägsame Physiognomie, die eines Schauspielers. Perfekt in allen Proportionen, sodass die Bezeichnung „schön“ eigentlich viel zu flach dafür ist. Doch das wundert mich nicht, schließlich hat er mit diesem Gesicht jahrelang in der Modelbranche sein Geld verdient, und auch wenn mein Eindruck von Perfektion ein subjektiver ist, so ist er rein optisch doch alles, was ich nicht bin. Das ist leider eine Tatsache, die ich nicht aus meinen Gedanken verdrängen kann.

Jetzt und hier, kann ich mich nicht mehr vor ihm verstecken. Fast krampfhaft halte ich mich an dem Gedanken fest, wir sind ja nur Freunde. Vor Freunden muss man sich nicht schämen, oder? Freunde kümmert es nicht, wenn der andere direkt aus einem Frankenstein-Film zu stammen scheint …

Ich weiß, ich belüge mich gerade selbst. Für mich macht es keinen Unterschied. Er ist ein Mann. Punkt.

Und was für einer! Ein Traum. Mein Traum.

Umso unfassbarer ist es, dass er nun ausgerechnet mich hier knieen sehen will. Mich, dieses Wrack. Diesen Witz von Frau. Der Schatten einer Sklavin, die es längst nicht mehr gibt.

Er glaubt es mir nicht, wenn ich versuche, ihm das zu erklären. Er ist sich so sicher, dass dies alles noch in mir drinnen steckt und denkt, ich habe es nur tief in mir vergraben, bis ich selbst nicht mehr drankommen konnte.

Diese Sicherheit erdrückt mich regelrecht.

Er bewegt sich endlich, umkreist mich mit langsamen, bedächtigen Schritten. Ich senke den Kopf, starre auf meine Schenkel, dann kneife ich die Augen zu. Ich will meine eigene Nacktheit nicht sehen, ich verabscheue sie.

Etwas berührt mich zart, meine Nasenflügel beben. Sein Geruch. Instinktiv inhaliere ich ihn tief, sauge ihn regelrecht in mich ein. Berauschend männlich, kitzelt er meine Sinne. Diese Mischung aus Rasierwasser, Meer und noch etwas, das ich noch nie benennen konnte.

Manchmal bin ich von diesem Geruch durchdrungen – dann, wenn wir uns lieben. Wenn ich in seinem Bett bin, und er mich immer wieder nimmt und mir Ekstase schenkt, bis ich meine, gleich sterben zu müssen - dann ist er in und an mir.

Jetzt und hier aber, da sterbe ich nur aus Scham.

Ich fühle seine Augen jetzt auf mir, als wären es Finger. Nichts entgeht ihnen. Absolut nichts. Jeder Makel, jedes Speckröllchen, jede Stelle, wo die Krankheit mich aufgeschwemmt, verweichlicht und – in meinen Augen – deformiert hat. Keine Narbe übersieht er, keine Falte.

Das macht mir seine Makellosigkeit umso deutlicher. Sie wertet mich ab, sie peinigt mich.

Aber selbst jetzt verlange ich nach ihm. Es ist, als würde man sich nach etwas sehnen, von dem man genau weiß, es ist unerreichbar.

Perfektion …

Zum ersten Mal in meinem fast 60jährigen Leben wünsche ich mir, perfekt zu sein. Für ihn.

Ist das nicht verrückt?

Ja, ich muss den Verstand verloren haben.

Mein Herz beginnt wie rasend zu schlagen, drückt hoch in die Kehle, bis ich nicht mehr atmen kann. Ich schwitze, ich schwanke auf meinen Knien, und auf einmal wird mir übel. Und schwindelig.

Ich halte es nicht mehr aus. Diese Musterung übersteigt meine Kräfte. Wie lange soll ich noch warten, bis das vernichtende Urteil fällt? Dass die Frau nicht (mehr) seinen Vorstellungen entspricht, und die Sklavin doch weg ist.

Meine Instinkte übernehmen die Kontrolle in mir. Ich bin machtlos gegen diesen Fluchtreflex, und schon sitzt das Würgen gallebitter in meiner Kehle.

„Ich bin nicht … ich kann nicht … Nein!“

Mit einem Aufschrei hechte ich auf die Beine – selbst überrascht, wie ich das schaffe. Meine müden, alten Knochen streiken sonst, ich brauche immer Hilfestellung, um das zu bewerkstelligen - etwas, an dem ich mich hochziehen kann, weil ich sonst alleine aus dem Knien nicht mehr aufstehen kann.

Doch die Scham verleiht mir in diesem Moment Flügel, und noch bevor er irgendwie reagieren kann, bin ich im Badezimmer verschwunden und knalle die Tür hinter mir zu. Drücke mich keuchend mit dem Rücken dagegen, voller Angst, er könnte mir folgen.

Aber das tut er nicht, dafür ist er viel zu klug. In unendlichen Gesprächen hat er alle meine Ängste aus mir herausgeholt, meine Gedanken, meine Befürchtungen, meinen Selbsthass. Er weiß um all diese Dinge, und gnädig lässt er mir jetzt Raum, den ich brauche, um mit der Panik in mir fertigzuwerden.

Ich sollte dafür dankbar sein.

Das kann ich aber nicht.

Gefühlt ist er mir immer noch zu nah. Nur eine weißlackierte Tür trennt mich von ihm. Diesem prächtigen Manntier, das es sich in den Kopf gesetzt hat, mich für sich zu erobern, mich in Besitz zu nehmen. Mich zu seiner Frau, zu seiner Sklavin zu machen.

Gott helfe mir, ich kann das einfach nicht.

Das, was er will, existiert nicht mehr!