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Tales of Fate

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Summary

Elara glaubt, sie versteht die Welt. Dann findet sie das Buch. Im alten Antiquariat Nocturnum wartet das Cantus Sirenarum. Man liest es nicht, es zieht einen hinein. Durch Jahrhunderte, Kulturen und Farben. Durch Leben, die nicht ihre sind. Und doch begegnet Elara in jeder Geschichte einer Erinnerung, die sich anfühlt, als könnte sie ihre eigene sein. Und sie begegnet Leon. Giftgrüne Augen. Eine Münze, die zwischen seinen Fingern kreist. Kalt und zärtlich zugleich, ein Mann, der Wandel und Vergänglichkeit trägt wie eine zweite Haut. Er erscheint in jeder Geschichte. In jeder Zeit. In jedem Leben. Als wäre er immer dort gewesen. Als hätte er immer auf sie gewartet. Je tiefer Elara liest, desto mehr verschwimmt die Grenze zwischen Buch und Wirklichkeit. Zwischen Fiktion und Erinnerung. Zwischen dem, was sie ist, und dem, was sie vielleicht schon immer war. Tales of Fate ist eine Geschichte über Schicksal, Dunkelheit und eine Liebe, die keine Zeit kennt.

Status
Complete
Chapters
38
Rating
n/a
Age Rating
16+

1 Die Resonanz der Tiefe - Neu

„Manche Bücher findet man nicht. Man erinnert sich an sie.”

Der Regen war kein einfacher Niederschlag.

Er war ein nadelspitzer Vorhang, der die Stadt auflöste.

Elara kämpfte sich durch die engen Gassen. Mit jedem Schritt von der Universität weg wurde etwas leiser in ihr. Klassifizierungen. DNA-Sequenzen. Harte Fakten. Als würden sie im Brackwasser dieses Viertels einfach untergehen.

Die Regentropfen fielen langsam.

Oder bildete sie sich das ein?

Sie wusste es nicht. Sie dachte noch. Ging alles nochmal durch. Die Worte von Aris, seine Stimme, dieser Blick.

In ihrem Kopf hallte das Echo von Professor Aris nach.

Aris war ein wandelndes Paradoxon an der Fakultät. Ein Mann mit einem wachen, fast elektrisierenden Geist, der wirkte, als wäre er gerade erst aus einem sehr langen Schlaf erwacht. Seine Zerstreutheit war legendär. Ständig suchte er nach seiner Hornbrille, die entweder auf seiner Nase saß oder irgendwo zwischen vergilbten Manuskripten und kalten Kaffeetassen begraben lag.

„Sie müssen dort suchen, Elara.”

Seine Stimme war rau gewesen. Trocken.

Er hatte eine Tasse beiseitegeschoben, um Platz für eine zerknitterte Adresse zu schaffen.

„Die Wissenschaft misst nur die Oberfläche. Das Glitzern der Wellen.”

Eine kurze Pause.

„Aber das Nocturum bewahrt den Kern.”

In diesem Moment war seine Zerstreutheit wie eine Maske abgefallen. Sein Blick wurde für einen Wimpernschlag glasklar. Scharf. Seltsam lauernd. Ein Blick, der so gar nicht zu dem Mann passte, der fünf Minuten später verlegen seinen Stift suchte und sich beinahe für seine eigene Existenz entschuldigte.

Aber er hatte ihr die Adresse gegeben.

Und er hatte nicht gelächelt.

Nun stand Elara vor der schweren Holztür.

Das Holz war dunkel, fast schwarz. Im fahlen Licht der grünlich glimmenden Laterne wirkte es feucht, als würde es atmen.

Sie zögerte.

Dann drückte sie die Klinke.

Das Metall war kalt. Zu kalt.

Beim Öffnen erklang kein helles Klingeln. Der Ton war tief, langgezogen, fremd. Ein Ächzen wie von altem Schiffsholz. Das ferne Läuten einer Boje im Nebel.

Kein Metall. Etwas Organisches. Hohl und schwer.

Es vibrierte in ihr nach.

„Guten Tag.”

Ihre Stimme klang gedämpft. Als würde der Raum sie verschlucken.

Die Luft war anders hier. Schwerer. Sie roch nach altem Pergament, nach Harz, und nach etwas, das sie kannte.

Meer. Nicht die Oberfläche. Tiefe.

„Einen Augenblick. Nur einen Augenblick.”

Die Stimme kam aus dem hinteren Teil des Ladens. Ein dumpfes Poltern. Ein leiser Fluch.

„Wo habe ich sie nur wieder hingelegt. Verflixte Kurzsichtigkeit.”

Ein Mann trat aus dem Schatten. Nicht Aris. Und doch ähnlich. Er trug eine Weste mit Tintenflecken, seine Hände grau vom Staub alter Folio-Bände. Er blieb stehen. Blinzelte. Seine Finger tasteten über seine Stirn, bis sie die Brille fanden, die sich dort im Haar verfangen hatte.

„Ah. Da ist sie ja.”

Er setzte die Brille auf.

„Aris hat mir gesagt, dass Sie kommen würden. Elara, nicht wahr.”

Er rückte die Brille zurecht.

Für einen Moment sah sie es.

Das Lächeln blieb. Aber nicht in den Augen. Dort war etwas anderes. Ruhig. Wach. Unnachgiebig. Wie ein Blick aus großer Tiefe.

Er sah sie nicht an wie eine Studentin.

Sondern wie etwas, das man verstehen musste.

„Willkommen im Nocturum.”

Das Glockenspiel an der Tür gab ein letztes dunkles Nachschwingen von sich. Fast wie ein Flüstern.

„Hier werden Geschichten wahr.”

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