Im Reich der Biestmenschen

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Summary

Joyelle Wildsorrow fährt mit ihren Eltern auf einen Ausflug, doch dieser endet in einer Klinik, wo sie von ihren Eltern zurückgelassen wird. Ein ganzes Jahrzehnt verbringt sie dort, bis sie den Mut und die Kraft fand aus der Klinik zu fliehen. Doch damit fing ihr Abenteuer gerade erst an...

Status
Excerpt
Chapters
5
Rating
n/a
Age Rating
18+

Unerwarteter Klinikaufenthalt

~ Vor 10 Jahren ~

Ich, Joyelle Wildsorrow, war gerade sechs Jahre alt geworden, als meine Eltern mit mir in eine spezielle Klinik fuhren. Im Gegensatz zu anderen Ausflügen blieben meine Geschwister in unserem Haus zurück und nur ich wurde ins Auto gesetzt.

Ich kann mich noch erinnert wie verwirrt ich war. Dennoch auch aufgeregt und erfreut meine Eltern ganz für mich zu haben und einen Ausflug mit ihnen zu machen.

Warum wir ausgerechnet in eine Klinik fuhren, verstand ich nicht, doch die Landschaft verzauberte mich.

Wir fuhren lange, die Sonne stand schon hoch am Himmel, als wir das große, weiße Gebäude endlich erreichten. Es lag in einer gepflegten Parkanlage auf einer Insel mitten in einem strahlend blauen See, der in der Sonne glitzerte.

Es war märchenhaft, so dass ich mein Gesicht gegen die kalte Fensterscheibe des Autos drückte, um noch mehr zu sehen. Der alte Van meiner Eltern hielt vor dem weißen, sterilen Gebäude und ich wurde aus dem Auto geführt.

Ein schlanker Mann im weißen, langen Kittel öffnete die Tür und hieß uns mit einem charmanten, warmen Lächeln willkommen, schüchtern schaute ich zu dem weißgekleideten Mann hinauf und klammerte mich an meiner Mutter fest. Er geleitete uns zu einem Untersuchungszimmer, wo ich auf die Liege gesetzt wurde.

Meine Mutter sprach beruhigend zu mir, während man mich untersuchte und Blut abnahm. Der Raum war ohne Fenster und das grelle Licht blendete mich, doch brav ließ ich die Untersuchung über mich ergehen und hielt tapfer still. Immerhin wollten meine Eltern das Beste für mich.

So habe ich damals mit kindlicher Naivität gedacht. War ich krank? Nicht das ich es wüsste, doch meine Eltern wurden aus dem Untersuchungsraum rausgeführt und der weißgekleidete Mann sprach leise mit ihnen. Ich hörte meine Mutter weinen und dann die Worte sprechen, die sich mir tief ins Mark schnitten.

„Hier kann sie versorgt werden,“ flüsterte meine Mutter unter Tränen, während mein Vater ihr zu stimmte und einen Arm um sie legte. Meine Mutter drehte sich zu mir um.

„Du wirst bestimmt wieder gesund, Joyelle,“ hauchte sie, als sie in den hellerleuchten Flur gingen und sich die Tür schloss.

Ich wollte aufstehen und schreien, doch man hielt mich fest und spritzte mir etwas… Dann wurde die Welt tiefschwarz.

Es war das letzte Mal, dass ich meine Eltern gesehen habe oder gehört, denn angeblich würde es mir durch die Medikamente deutlich besser gehen, doch ambulant würde man mich nicht behandeln können.

Jeder Widerstand wurde mit weiteren Medikamenten oder Fixierung gebrochen. Weshalb ich meinen Widerstand aufgab und mich in mein neues Schicksal fügte.

Neben mir gab es noch andere Kinder, die ebenso unter dieser mysteriösen Krankheit litten. Man gab uns verschiedene Pillen oder Infusionen, die uns heilen sollten.

Durch die Nebenwirkungen fielen nicht nur mir die Haare aus, auch unsere Pubertät wurde stark verzögert. Durch die Beruhigungsmittel waren wir zu benommen und lagen die meiste Zeit in die zugewiesenen Betten, so verstrichen die Tage. Wochen und Monate, sogar Jahre.

Manchmal verschwand eins der Kinder spurlos, dann tauchte ein neues auf. Das alles nahmen wir teilnahmslos hin.

Im Hintergrund war Vogelgezwitscher zu hören, das durchgehend von den Lautsprechern abgespielt wurde, mehr war hier nicht zu hören. Manchmal noch die Stimmen der Erwachsenen, die sich leise unterhielten.

Auch wenn mein Bett am Fenster stand, bekam ich von den wechselnden Jahreszeiten kaum etwas mit. Gleichgültig schaute ich mit leerem Blick nach draußen, nahm die Medikamente, die man mir gab und lag ruhig an der Infusion.

Bis ein kleiner Vogel an meinem Fenster landete und mit hüpfenden Schritten auf der Fensterbank pickte. Sein schwarzes Gefieder strahlte in der Sonne bläulich und die rote Brust war wie ein Herz geformt, die tiefbraunen Augen schauten mich kurz an, bevor er seine kleinen, zarten Flügelchen ausbreitete und davonflog.

‘Nimm mich mit,’ rief ich im Geiste, meine Kehle war zu trocken zum Sprechen, wann habe ich das letzte Mal mit jemanden gesprochen? Wann haben meine Füße das letzte Mal den Boden berührt.

Es war der Moment, wo ich aus meinem Delirium ausbrach und der Wille genauso davon fliegen zu können, wie der kleine Vogel an ihrem Fenster.

Doch war es nicht leicht, sie wurden streng überwacht. Die Medikamente zu verweigern, war unmöglich, doch bei jeder Gelegenheit spukte ich sie wieder raus. Mein ausgemergelter Körper wollte sich nicht bewegen, doch ich zwang ihn dazu…

So oft es nur möglich war. Ich musste weglaufen, körperlich war ich nicht in der Lage mich von dem Bett zu erheben. Deshalb trainierte ich es in jedem Moment, wo wir nicht beobachtet wurden.

Der Blick zu den teilnahmslos liegenden Kindern, die still in ihren Betten lagen, erschreckte mich, obwohl es mir bewusst war, dass ich nicht allein war. Dieser Anblick war zu viel…Mein Herz überschlug sich fast, so schnell trommelte es und ein tiefes Rauschen erklang in meinen Ohren.

Plötzlich schrillten die Geräte, die an mir befestigt waren, Alarm, alles leuchtete rot, stürmten die Pfleger hinein und hielten mich fest.

Aus den vergangenen Jahren wusste ich genau, dass ich nicht gegen sie ankommen kann, dennoch stiegen mir Tränen in die Augen, als ich ohne Gegenwehr ins Bett zurückgedrückt wurde. „Du hattest wohl einen Albtraum…“ murmelte eine Stimme herablassend.

Mein Blick wanderte durch die monotonwirkenden Gesichter, ich konnte keine Unterschiede zwischen dem Personal erkennen. Dann wurde es wieder dunkel, man hatte mir wiederholt Beruhigungsmittel gespritzt. Eine Methode, die sie gerne nutzten… Schnell und effektiv wurde hier klar bevorzugt…

Es fiel mir schwer meine Augenlider zu heben, als mein Verstand wieder zurückkehrte, dennoch zwang ich sie auf. Enttäuscht stellte ich fest, dass ich immer noch in der Klinik war. An die Fenster prasselten die Regentropfen, der graue Himmel erwiderte meine Stimmung. Sollte ich die Hoffnung auf die Freiheit loslassen?

Nein, egal, wie ich muss entkommen und die Freiheit spüren, die ich verloren hatte. Sie konnten mich nur festhalten, weil ich mich ihnen ergab, und das musste ich dringend ändern.

Jedoch wenn ihnen meine Gegenwehr auffiel, würden sie mich medikamentös ruhigstellen, also musste ich achtsamer vorgehen, ohne erneut erwischt zu werden. Solange sie mich nicht fesselten, konnte ich fliehen. Das meine Eltern mich hier herausholen würden, hatte ich aufgegeben… dafür war schon zu viel Zeit vergangen.

Gerade am Anfang hatte ich gehofft, dass meine Eltern mich wieder abholen würden. Es vergingen Tage, Monate und dann Jahre. Diese Option gab es nicht mehr, da war ich mir sicher.

Auch wusste ich nicht, ob ich überhaupt bei meinen Eltern noch willkommen war, dass schob ich beiseite. Selbst wenn sie mich verstoßen haben sollten, es war überall besser als weiter in dieser Klinik zu gefangen und mit Medikamenten vollgedröhnt zu werden.

So unauffällig wie möglich bewegte ich meinen Körper, um die verkümmerten Muskeln zu aktivieren und zu stärken. Auch spukte ich so oft wie möglich die Tabletten wieder aus, die sie mir geben wollten.

Neben meinem schwachen Zustand gab es noch ein weiteres Problem, die Maschinen, die meine Körperfunktionen überwachten, schrillten los, sobald sich die Kabel lösten oder sich mein Herzschlag beschleunigte.

Ich täuschte meine tatsächliche Verfassung hinweg und beobachtete genau die Bedienung der Gerätschaften, auch das Legen des Katheters oder der Wechsel… Mir musste es gelingen diesen schnell zu entfernen, ohne den Alarm losgehen zu lassen oder mich selbst zu verletzen.

Mein Körper war zu schwach, jede weitere Verletzung würde die Flucht verhindern. Das war mir vollkommen bewusst und auch wenn wenig Hoffnung bestand zu Fuß über die Brücke zu laufen, musste ich mich daran festhalten, dass ich es wie durch ein Wunder schaffte.

Meine roten Haare wuchsen langsam nach, da ich die Medikamente, die den Haarausfall verursachten, nicht mehr regelmäßig nahm und auch meine Muskeln wurden stärker. Es war wohl auch dem Pflegepersonal aufgefallen, aber sie schienen verwundert darüber und nicht misstrauisch.

Immerhin fanden sie in meinem Urin immer noch Spuren der Medikamente… Weil ich die Tabletten verrieb und als Pulver in den Urinbeutel gab. Bei einer Blutprobe würde es aber wohl auffallen.

Aber je mehr Zeit mir blieb, bis sie erkannten, dass meine Dosierung zu gering war, half mir bei der Flucht aus der Klinik. So verging die Zeit, schneller als je zuvor und meine Verfassung wurde, täglich besser. Ich beobachtete den Schichtwechsel und prägte mir ein, wann am wenigsten los war.

Vieles hatte ich auch schon im Dämmerzustand mitbekommen, aber im falschen Moment den Raum zu verlassen, wurde mein letzter Versuch sein. Sie würden sicherlich die Überwachung verstärken und somit würde ich hierbleiben müssen. Ohne einen Ausweg zu haben.

Über Selbstmord wollte ich nicht nachdenken, dafür war mein Leben zu kostbar. Ich wollte endlich wieder die Luft spüren, echtes Vogelgezwitscher vernehmen, das Gras unter meinen Füßen spüren und meine Liebsten wiedersehen. Statt in einem Bett gefangen gehalten zu werden.

Und so begann mein Ausbruch kurz vor meinem 16. Geburtstag. Ich wusste das es ein Feiertag war, denn es waren deutlich weniger Personen vor Ort. Die Pflege wurde auch auf das nötigste reduziert. Langsam drehte ich meinen Kopf und beobachtete die anderen, die stumm in ihren Betten lagen.

Ich entfernte den Katheter und den Tropf, während ich langsam aufstand. Meine Beine waren wackelig, aber ich hatte es schon oft geübt, so dass sie mich sicher genug trugen. Dank meiner Beobachtung konnte ich das Überwachungsgerät einfach ausschalten und so auch die letzten Kabel abnehmen.

Da sich hier niemand bewegte, hatte man keine Überwachung oder besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Auch wenn ich meinen Leidensgenossen gerne helfen wollte, wusste ich nicht wie… Sie mitnehmen konnte ich nicht.

Niemand hatte es verdient so behandelt zu werden, egal welche mysteriöse Krankheit dahinterstecken möge. Wenn sie überhaupt krank waren und nicht einfache Versuchskaninchen für die Klinik dienten.

„Es tut mir leid,“ flüsterte ich leise und Tränen stiegen mir in die Augen, doch ich wischte sie schnell weg und ging zur Tür, die ich einen spaltweit öffnete und in den dunklen Flur schaute. Niemand war hier, perfekt. Langsam ging ich den Flur entlang.

Für Untersuchungen hatte man mich immer in die andere Richtung gefahren, also musste auf der anderen Seite der Ausgang warten. Auch wenn die Erinnerung verblast war, war ich sicher, dass es so war. So ging ich weiter den Korridor hinab.

Auch wenn es dunkel war, waren meine Augen schon daran gewöhnt und hier waren eh keine Gegenstände im Weg. Es war ein großartiges Gefühl endlich etwas anderes zu spüren als die groben Bettlaken und die kalten Fliesen im Behandlungsraum.

Kurz genoss ich das Gefühl des Stoffes und vergrub meine Zehen in den Teppich. Doch dann eilte ich weiter, denn endlich war meine Zeit gekommen. Leise, ganz leise führte mein Weg über den Teppich, der Stoff kitzelte unter meinen nackten Füßen.

Die große Holztüre tauchte nach einigen nervenzerreibenen Minuten als dunkler Schatten auf. Obwohl ich sie annährend 10 Jahre nicht gesehen hatte, erkannte ich sie sofort wieder und meine Schritte wurden schneller.