The Virgin and the Succubus

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Summary

Eine Succubus verdient sich ihre Hörner und Flügel, indem sie einem Mann die Unschuld raubt. Leicht, oder? Zumindest für alle anderen. Belladonna „Bella“ Ivory ist ein Spätzünder – und das im Reich von Asmodeus, dem Dämon der Lust persönlich. Mit 21 hat sie immer noch weder Hörner noch Flügel. Für ihren Ziehvater ist das eine unerhörte Blamage. Also setzt er ihr ein Ultimatum: Sieben Tage. Ein Ziel. Eine Verführung. Besteh, oder werde menschlich. Klingt machbar… bis Bella erfährt, wer ihr Prüfungsopfer ist. Dexter Landon. 36 Jahre alt. Nerd. Buchhalter. Und die vermutlich schüchternste männliche Jungfräulichkeit, die jemals existiert hat. Dexter flieht bei jedem Flirtversuch, errötet schon beim Wort „Hi“ und hält Kaffee wie einen emotionalen Schutzschild. Für Bella beginnt die schwerste Mission ihres Lebens – und trotzdem fühlt sich dieser unbeabsichtigt süße, viel zu große Mensch seltsam… faszinierend an. Je näher die Deadline rückt, desto chaotischer werden ihre Versuche. Und je öfter Dexter sie verwirrt anlächelt, desto mehr fragt Bella sich, ob die eigentliche Gefahr nicht die Prüfung ist – sondern das, was sie bei ihm fühlt. Eine romantisch-chaotische Fantasy-Komödie über Verführung, Herzklopfen und die unerwartete Magie eines Nerds.

Status
Complete
Chapters
37
Rating
4.8 4 reviews
Age Rating
18+

Daddy Issues mit Asmodeus

Bella


Genervt stapfe ich durch die Hallen von Asmodeus’ Festung und jeder meiner Schritte klingt, als würde ich über das Rückgrat der Verdammten laufen. Das Licht der gusseisernen Lüstern tropft in warmen, goldenen Flecken von der Decke, reflektiert sich auf den schwarz-roten Ziegeln, die jedes Mal so wirken, als wären sie aus frisch geronnenem Blut gegossen und dann einfach in Form geruckelt worden. Romantisch, oder?

Unter meinen Stiefeln glänzt der Boden aus blankpoliertem, pechschwarzem Holz. Ascheeiche. Ein Luxusmaterial aus der siebten Ebene, das mein hochverehrter Ziehvater sich regelmäßig liefern lässt, weil dort – halt dich fest – irgendein Ur-ur-ur-irgendwas-Enkel von ihm einen Laden für Holzarbeit betreibt. Ein Dämon, der Bretter verkauft. Und ich dachte immer, die Hölle wäre der Ort für Folter, Feuer und gebrochene Seelen, nicht für handgeölte Premium-Dielen.

Ganz ehrlich: Wenn normale Sterbliche an Dämonen und Teufel denken, haben die doch Bilder von Höllenrichtern, Seelenhändlern und Waffenfetischisten im Kopf. Nicht von Tischlern mit Schürze, die liebevoll Maserungen streicheln. Die wahre Düsternis sind nicht die Feuerseen – es sind Familienbetriebe.

Ich biege um eine Ecke und komme dem Schlafgemach meines Ziehvaters näher. Schon bevor ich die schwere, dunkel schimmernde Holztür mit den eingravierten Sündenreliefs erreiche, schlägt mir eine Geräuschwand entgegen: Stöhnen, Kreischen, Keuchen, das rhythmische dumpfe Wummern von Körpern auf Matratzen, irgendwo ein hysterisches Lachen, das eindeutig nicht von Freude über gute Lebensentscheidungen stammt.

“Na klasse …” murmele ich und verziehe das Gesicht. “Er hat mal wieder eine Orgie am Laufen. Und ausgerechnet dann will er mich sehen.”

Natürlich. Asmodeus’ Zeitplan: 1) Lustorgien, 2) politische Intrigen, 3) Belladonna demütigen. Prioritäten.

Dabei könnte ich jetzt in meinem eigenen Schlafgemach liegen, auf meinem viel zu weichen Succubus-Standardbett, mir irgendeinen Menschenfilm reinziehen, in dem ein Psychopath eine Jungfrau niedermetzelt – rein berufliches Interesse, versteht sich – und dabei meinen Kakao trinken. Heiße Schokolade mit Marshmallows, mein kleines rebellisches Statement in einer Welt voller Blutwein und Dämonenbrand.

Stattdessen kann ich praktisch fühlen, wie der Kakao auf meinem Nachttisch langsam kalt wird. Perfekt. Wenn ich zurückkomme, habe ich wahrscheinlich eine Standpauke, ein Trauma mehr und lauwarme Schokolade. Höllenleben, Baby.

Zögernd hebe ich die Hand, um zu klopfen. In genau dem Moment kreischt eine der Frauen hinter der Tür: “Ja, Herr! Mehr!”

Ich schließe kurz die Augen, atme tief durch und stoße die Luft wieder aus.

“Klasse hoch drei …” murmele ich. “Ich hab jetzt schon keinen Bock mehr.”

Kaum berühren meine Knöchel das warme Holz, schwingt die Tür auch schon auf. Als hätte sie nur darauf gewartet, mir die volle, ungefilterte Höllenversion von “zu viel Information” direkt ins Gesicht zu schleudern.

Hitze schlägt mir entgegen, feucht und schwer wie ein Atemzug, der einem zu nah im Nacken sitzt. Der Geruch von Schweiß, Blutwein, Rauch und Lust hängt so dicht in der Luft, dass er sich wie ein Film auf meine Haut legt. Vor mir: ein einziges Knäuel aus Körpern. Arme, Beine, Rücken, Hörner, Schwänze – irgendwo dazwischen Stoff, der sicher mal Kleidung war, jetzt aber mehr Deko als Funktion hat.

Ineinander verschlungene Gestalten, bei denen man nicht mehr sagen kann, wo der eine aufhört und der nächste anfängt. Menschen und Dämonen, Hautfarben, Schuppen, Tatzen, alles in einem lethargisch-sündigen Rhythmus. Ganz so, wie Asmodeus es liebt: keine Grenzen, keine Hemmungen, nur ein endloses Fließen aus Lauten und Bewegungen.

Ich verziehe das Gesicht und setze vorsichtig einen Fuß nach vorn. Direkt vor mir wälzen sich zwei Gestalten auf dem Boden, in einer so innigen Umarmung, dass sie theoretisch ein eigenes Möbelsymbol im Höllenkatalog bekommen könnten. Sie bewegen sich im gleichen Tempo, atmen gleichzeitig, keuchen lustvoll, als hätten sie die Außenwelt komplett vergessen.

“Nicht drüber nachdenken, Bella”, murmele ich und hebe den Rock leicht an, um nicht an irgendetwas Unidentifizierbares zu streifen. “Einfach… nicht… drüber nachdenken.”

Ich steige über sie hinweg, balanciere mit der Anmut einer Katze auf einem schmalen Geländer und bahne mir meinen Weg durch das kontrollierte Chaos: ein Dämon, der lachend nach mir schnappt, eine Hand, die nach meinem Knöchel greifen will – ich trete sanft drauf und höre nur ein überraschtes “Au!“, dann wieder Kichern. Alles hier ist ein einziger, pulsierender Organismus aus Lust. Und ich muss mitten hindurch.

Das gewaltige Himmelbett ist nicht zu übersehen. Massiver dunkler Rahmen, schwere Vorhänge aus Blutrot und tiefem Schwarz, die Laken wie flüssige Sünde, in Falten gelegt. Auf diesen Laken sitzt mein Ziehvater – Asmodeus selbst – angelehnt an das Kopfteil, als wäre das hier nur ein lässiger Nachmittagsspaziergang und keine mehrstöckige Orgie. In seinem Schoß kniet ein Inkubus, der sich hörbar hingebungsvoll “gütlich tut”.

Ich bleibe in respektvollem Abstand stehen und zwinge mich, den Blick oben zu halten. Ich atme tief durch und sehe Asmodeus ins Gesicht. Nur nicht nach unten schauen. Nicht nach unten schauen. Wenn ich das Schmatzen und Schlürfen ignoriere, ist es nur halb so peinlich. Theoretisch.

Das Gesicht meines Ziehvaters ist wie immer zu einer perfekten Maske der Lust verzehrt – halb Verzückung, halb etwas, das bei Sterblichen vermutlich als “ich bin gleich tot” durchgehen würde. Seine Lider flackern, dann öffnen sich seine Augen langsam, rubinrot und voll dieser langweilig gewordenen Allmacht.

“Ah, Belladonna. Da bist du ja.”

Seine Stimme ist wie Samt, der über offene Nervenenden gestrichen wird – tief, weich, warm wie Feuer. Ein Klang, der dafür gemacht ist, Menschenfrauen und -männer gleichzeitig in die Knie zu zwingen und ihnen im gleichen Atemzug die Klamotten vom Leib zu denken. Eine Stimme, die Versprechen und Versuchung in einem ist.

Mich lässt sie kalt. Nach einundzwanzig Jahren “Gute Nacht, kleine Sünde” von diesem Lüstling ist der Zauber ungefähr so aufregend wie ein Wetterbericht.

“Du wolltest mich sehen, Vater?” frage ich und zwinge mir ein Lächeln auf, während ich innerlich langsam die Sekunden zähle. Einundzwanzig, zweiundzwanzig… Erklärungen, Vorwürfe, Demütigungsrunde, ich kenne das Programm.

“Ja, das wollte ich.” Seine Mundwinkel zucken, ein kurzer, wohliger Laut entweicht ihm, als der Inkubus an seinem Schoß noch einmal nachsetzt, dann elegant zurückweicht. Mit einer fließenden Bewegung löst der Inkubus sich von ihm, leckt sich genüsslich über die Lippen und wendet sich ohne weitere Worte einem anderen Mann zu, der schon mit ausgebreiteten Armen auf ihn wartet.

Asmodeus fährt unbeirrt fort, als wäre das alles nur leise Hintergrundmusik: “Du weißt ja, was ich davon halte, dass du dir noch immer nicht deine Flügel verdient hast.”

Sein Blick wird schärfer, die Lustmaske weicht für einen Moment etwas Kühlerem, Berechnendem. Ich spüre, wie sich meine Schultern automatisch anspannen.

“Ich habe”, sagt er und lässt das Wort bedeutsam in der Luft hängen, “beschlossen, dass du deine Prüfung ablegen wirst.”

“Meine… meine Prüfung?” wiederhole ich und starre ihn an, als hätte er mir gerade vorgeschlagen, ich solle persönlich die Hölle in Pastellrosa streichen.

Och nee, oder? Bitte nicht das. Nicht die Art von Prüfung.

In meinem Kopf laufen sofort die schlimmsten Szenarien ab: noch so ein Auftrag mit einem sabbernden Highschooljungen, der beim ersten Blick auf nackte Haut in Ohnmacht fällt. Oder einer dieser verzweifelten Influencer, die mehr Filter als Persönlichkeit haben und währenddessen noch Storys drehen wollen: “Hey Guys, ich hab gerade voll den Dämonen-Sex, lasst ein Like da!”

Ich habe schon dutzende Male Sex gehabt. Mit Dämonen, mit Menschen, mit Dingen, die theoretisch in keine Kategorie gehören, aber hey – Versuch macht klug. Aber nie mit einer menschlichen Jungfrau. Warum auch? Hier unten im zweiten Kreis der Hölle gibt es mehr als genug willige Kandidaten, um seinen Spaß zu haben. Seelen, Sünder, Süchtige. Das Angebot ist reichhaltig, verführerisch und meist schon vorgewärmt.

“Du hast mich gehört, Tochter.” Asmodeus grinst.

Mir zieht sich der Magen zusammen. Großartig. Wenn er mich Tochter nennt, ist es nie gut. Nie.

“Tochter” ist sein Codewort für: “Ich hab da was ganz Besonderes für dich, bei dem du entweder weinst, schwitzt oder dich schmutzig fühlst – und nicht im guten Sinne.”

Die letzten Male, als er mich so genannt hat, durfte ich zum Beispiel neue Seelen empfangen und sie persönlich an den Strafbock schnallen, während sie noch glaubten, es wäre nur ein schlechter Traum ehe sie kurz darauf von einem der Dämonen gefickt wurden. Oder sein absolutes Lieblingsprogramm vorbereiten: das Andreaskreuz plus Neunschwänzige Katze. Klassiker.

Ja, mein Ziehvater hat so seine Vorlieben. Ein paar davon teile ich mit ihm – Folter kann sehr ästhetisch sein. Aber nicht, wenn er dabei “Tochter” sagt. Dann geht es nie um Machtspiele, sondern um Pflichterfüllung. Und Pflicht ist der wahre Stimmungskiller.

“Ich möchte, dass du hoch zur Erde gehst und dort eine Jungfrau verführst.” Seine Stimme tropft vor Befriedigung, als hätte er schon die Pointe eines Witzes im Kopf, den nur er kennt. “Paimon weiß bereits Bescheid und wartet an der Pforte auf dich, um dir die Details zu erläutern.”

Natürlich weiß Paimon Bescheid. Paimon weiß immer alles als Erste.

Noch bevor er den Satz ganz zu Ende gesprochen hat, schlängelt sich ein weiterer Inkubus zu ihm, elegant wie eine Katze, und beginnt, an seinem Hals zu knabbern. Asmodeus’ Hand wandert automatisch in dessen Haare, seine Aufmerksamkeit löst sich von mir, als wäre ich nie da gewesen.

Ich seufze leise. Gespräch: offiziell beendet.

Mein ach so besorgter Ziehvater hat – wie immer – keine Zeit, mir selbst in Ruhe zu erklären, worum es geht. Dafür gibt es ja seine engste Vertraute. Und größte Hure. Paimon, die wandelnde Betriebsanleitung für Lust in all ihren Versionen. Sie kennt jede Stellung, jede Schwäche, jeden Vertragstext. Eine lebende Mischung aus Rechtsabteilung und Bordell.

“Natürlich”, sage ich tonlos, mehr zu mir selbst als zu ihm. “Warum auch direkt reden, wenn man Delegation hat.”

Ich drehe mich um, navigiere mich zurück durch die wogende Masse aus Körpern und Gelächter, greife nach dem schweren Türgriff und ziehe die massive Tür hinter mir zu. Ein dumpfer Schlag, dann fällt sie ins Schloss.

Sofort ersterben die Orgiengeräusche wie abgeschnitten. Die Stille im Flur wirkt fast unnatürlich, als hätte jemand den Ton aus der Welt gedreht. Nur das entfernte Glühen der Lüstern und das leise Knacken der Ascheeichen-Dielen bleiben.

Ich lehne für einen Moment die Stirn gegen das kühle Holz und schließe die Augen. Zum hundertsten Mal in diesem Jahr wünsche ich mir, dass ich einfach in meinem Zimmer liegen könnte. Unter meiner Decke, mit einem überteuerten Menschenfilm aus der Oberwelt, in dem irgendein maskierter Psychopath eine Jungfrau durch die Gegend jagt.

Keine Prüfungen. Keine Ultimaten. Nur Blut, Schreie, Popcorn – und meine heiße Schokolade mit Marshmallows.

Ich seufze. Heiße Schokolade, die längst kalt sein wird, wenn ich zurückkomme.


Paimon ist eine bildhübsche Frau – und das ist noch untertrieben.

Sie sitzt auf ihrem Thron aus schwarzem Metall, als würde die ganze Pforte zur Erde nur existieren, um ihr eine passende Bühne zu liefern. Hinter ihr ziehen sich senkrechte Lichtbahnen die Wand hoch, kaltes Höllenblau und gleißendes Weiß, die ihre Silhouette wie ein sündiges Kunstwerk in Szene setzen.

Ihr Haar fällt in schweren, silberblonden Wellen über die Schultern, glänzt wie Mondlicht auf Öl. Aus diesem Meer aus Haaren ragen zwei mächtige, geschwungene Hörner, dunkel wie verbranntes Holz, die sich elegant nach hinten krümmen. Ihre Augen sind ein tiefes, leuchtendes Blau, umrandet von schwarzem Kajal, der sie genau so aussehen lässt, wie sie ist: gefährlich, verführerisch, absolut unberechenbar.

Sie trägt ein schwarzes Spitzenkleid, das eher eine Andeutung von Stoff als echte Bedeckung ist – tiefer Ausschnitt, eng geschnürtes Mieder, lange, bis über den Ellenbogen reichende Handschuhe aus glänzendem Leder. Ketten schimmern an ihrem Hals, kleine Schmuckstücke in Form von Herzen, Dornen, Sünden. Wenn sie sich bewegt, klirrt es leise. Jeder Zentimeter an ihr schreit Hölle, aber make it Fashion.

Sie sieht aus wie eine Frau in ihren frühen Dreißigern, vielleicht Anfang Dreißig – perfekt proportioniert, makellose Haut, lässiges Lächeln. Nur dass ich genau weiß, dass sie erst letzten Monat ihren siebenhundertdreiundvierzigsten Geburtstag gefeiert hat. Mit einem Dreißig-Kilo-Kuchen in Herzform und einer Afterparty, von der die Wände heute noch flüstern. Aber hey, wer zählt hier unten in der Hölle schon die Jahre.

“Bella, mein kleines Bonbon!”

Bevor ich auch nur ein Wort sagen kann, zieht sie mich mit einer überraschend kräftigen Bewegung zu sich und drückt mich an ihren riesigen Busen. Ich verschwinde regelrecht zwischen Spitzenstoff und warmem Duft nach Vanille, Rauch und sündhaft teurem Parfum. Ein Stich Eifersucht fährt mir durch den Bauch.

Ich bin definitiv kein Flachland – aber neben Paimon kann man gar nicht anders, als sich flach zu fühlen. Ihre Oberweite hat eine eigene Gravitation.

“Dein Daddy hat mir schon gesagt, dass du heute rauf gehst”, schnurrt sie an meinem Ohr. Ihre Stimme klingt weich und dunkel, wie flüssige Schokolade, in die jemand ein bisschen Gift gemischt hat.

Auch wenn Paimon auf den ersten Blick wie die Königin aller Bitches wirkt, ist sie doch eine wahre Frohnatur. Eine sehr fröhliche, sehr versaute, sehr tödliche Frohnatur, aber trotzdem.

“Ja…” murmele ich und winde mich aus ihrer Umklammerung, richte meinen zerdrückten Pullover und räuspere mich. „Er meint, ich soll mir nun mal meine Flügel verdienen.“

Paimons Augen beginnen zu leuchten, als hätte ich ihr gerade die beste Nachricht seit der Erfindung von Sex geliefert. “Oh, das ist ja wunderbar!” Sie klatscht in die Hände, wie ein Kind, das gleich ein Geschenk auspacken darf. Ihre Ringe blitzen im Licht. “Aber ich will dir die Überraschung nicht verderben.”

Sie lehnt sich lässig in ihrem Thron zurück, stützt das Kinn auf die behandschuhte Hand und mustert mich mit einem Blick, der mich gleichzeitig auszieht und in Geschenkpapier einwickelt.

“Also werde ich dir nicht viel zu deinem Ziel sagen”, fährt sie fort, ihre Lippen ziehen sich zu einem spitzen Lächeln. “Nur, dass er ein wahrer Leckerbissen ist. Und du sicher deinen Spaß haben wirst.”

In anderen Worten: Ich bin am Arsch, weil es garantiert nicht leicht wird. Wenn Paimon sagt “Leckerbissen”, meint sie in der Regel “komplettes Chaos mit Bonuslevel”.

“Aber ich muss dich warnen, mein kleines rosa Bonbon.” Sie beugt sich vor, ihre Hörner werfen lange Schatten über den Boden. Ihr Blick wird einen Hauch ernster, auch wenn ihre Lippen noch immer ein Lächeln tragen. “Du hast nur sieben Tage Zeit. Dein Daddy ist ziemlich sauer, weil du jetzt immerhin einundzwanzig bist und noch immer ohne Hörner und Flügel rumläufst.” Sie zieht die Nase gespielt rümpfend hoch. “Also musst du es in diesen sieben Tagen schaffen. Ansonsten gibt es keinen Weg für dich zurück und du wirst zu einem dieser köstlichen Sterblichen.”

Paimon leckt sich langsam über die dunklen Lippen, als hätte sie gerade an einen besonders saftigen Menschenhals gedacht.

Ich starre sie fassungslos an. “Du willst mich doch verarschen!”

Sie schüttelt bedauernd den Kopf, ihre Locken springen dabei weich über ihre Schultern. Dann hebt sie die Hand und wuschelt mir durch mein rosa Haar, als wäre ich ein Welpe, der gleich zum ersten Mal vor die Tür gesetzt wird. “Leider nein, mein Schatz.” Ihr Lächeln wird weicher, fast liebevoll. “Aber ich glaube an dich. Du bist Asmodeus’ Ziehkind. Da steckt mehr in dir, als du glaubst. Also: immer positiv bleiben, okay?”

Klar. Positiv bleiben.

Sieben Tage Zeit. Ein wildfremder Sterblicher. Jungfrau.

Und wenn ich es vermassle, war’s das mit Feuer, Unsterblichkeit und Kakao in der Hölle.

Klingt absolut beruhigend.

Ich atme tief durch, bis die Luft in meinen Lungen brennt wie glühende Kohle, und wende mich der Lichtpforte hinter Paimons Thron zu. Der Rahmen besteht aus schwarzem Metall, in das Runen geritzt sind, die in einem leisen, unheilvollen Rhythmus pulsieren. Dahinter: reines, gleißendes Weiß, das wie flüssige Sonne wirkt – nur dass es sich kalt anfühlt, wenn man ihm zu nah kommt. Die Grenze zur Erde. Mein persönlicher Start in den möglichen Untergang.

“Wo werde ich hingeschickt?” frage ich und drehe mich ein letztes Mal zu Paimon um.

Sie tippt mit ihren behandschuhten Fingern auf ein kleines Tablet, das lässig auf der Armlehne ihres Throns liegt. Ja, wir haben hier unten in der Hölle auch Technik. Mittlerweile sogar kompatibel mit Menschen-Updates. Und unser WLAN? Besser als in manchen himmlischen Bezirken. Hab ich gehört.

“Oh, nach Amerika”, schnurrt sie und wischt mit einer eleganten Geste über den Bildschirm. “Du bekommst eine kleine Wohnung.” Ihre Augen flackern kurz amüsiert. “Nach… Charlotte. Oh, wie schön, mitten im Herbst.”

Sie lehnt sich zurück, als würde sie die Vorstellung genießen. “Buntes Laub, Kürbisse, Regen, Nebel, das perfekte Wetter, um sich an einen Sterblichen zu kuscheln, bevor man ihn mit sich ins Bett zieht…”

Ich kann nicht anders, ich muss lachen. Ein kurzer, ehrlicher Laut, der zwischen all dem Ernst plötzlich leicht wirkt. “Selbst für einen Obersuccubus bist du eine komplette Romantikerin, Paimon.”

Sie grinst, ihre blauen Augen funkeln. “Ich denke nur praktisch, Bonbon. Wenn die Welt draußen grau ist, sehnen sich Sterbliche nach Wärme. Vielleicht hilft dir das Herbstwetter ja bei deiner Aufgabe.”

Vielleicht. Oder ich rutsche auf nassen Blättern aus, breche mir irgendwas und werde als unfähigste Succubus-Anwärterin aller Zeiten in die Geschichte eingehen.

Ich nicke trotzdem und wende mich wieder dem Licht zu. “Wir werden sehen”, murmele ich, mehr zu mir selbst als zu ihr.

Ich setze den Fuß über die Schwelle, und sofort kribbelt es in meinem ganzen Körper, als würde jemand tausend kleine Funken unter meine Haut setzen. Die Luft verändert sich – riecht weniger nach Schwefel, mehr nach… Möglichkeit. Und Risiko.

“Viel Spaß, Bonbon!” ruft Paimon mir hinterher, ihre Stimme klingt amüsiert und ein bisschen zu fröhlich für meinen Geschmack.

Ich schließe die Augen und lasse mich nach vorne fallen, hinein in das gleißende Weiß.

Auf zur Erde. In den Herbst. In eine fremde Stadt namens Charlotte.

Und hoffentlich in eine Prüfung, die selbst ich nicht komplett gegen die Wand fahre.