What comes After ...?

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Summary

Was kommt eigentlich nach der Apokalypse, dem Weltuntergang? Wenn alles irgendwie weg ist? Geht es wirklich nur noch ums reine Überleben? Serah nimmt euch mit, auf einen Spaziergang durch die Welt danach.

Status
Complete
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
13+

Serah Walker

Die Apokalypse kam und überraschenderweise kam sie, wie in unzähligen Filmen und Spielen angekündigt. Mit blutrünstigen, beinahe unzerstörbaren Zombies. 

Der Mensch, so clever und so dumm zugleich. Was du dir erdenken kannst, kannst du auch erschaffen. Ganz nach diesem Leitspruch forschten Wissenschaftler jahrelang nach einer Methode, diesen Albtraum wahr werden zu lassen. Warum? Weil sie es konnten. Außerdem würde sich das Land, das es zuerst schaffte, sich einen riesigen Vorteil auf dem Schlachtfeld der Erde zu sichern, Wer würde es schon wagen, ein Land anzugreifen, das Tote wieder zum Leben erwecken konnte?

Erstaunlicherweise, eine ganze Menge. So spielten, Gier und Ignoranz eine wichtige Rolle. Gierige Menschen wollten das Virus, Ignorante setzten es frei. Die Reichen dachten, sie wären sicher, zu ihrem Verdruss mussten sie feststellen, dass ein Virus keinen Unterschied macht, wie viel Geld du hast.

Es gab fast acht Milliarden Tote, weniger als 1 % der Weltbevölkerung hat überlebt. Die Metropolen wurden ausradiert. Das, was noch steht, gleicht verlassenen Geisterstädten. Ich kann nicht mehr sagen, wie lange es her ist, sechs Jahre, oder sieben?

Mein Name ist Serah Walker und heute nehme ich dich mit, auf einen Spaziergang durch eine Welt nach dem Untergang.


Es ist Frühling, gerade die richtige Zeit, um ein wenig auf Erkundungstour zu gehen. Es ist nicht mehr so kalt, dass einem die Finger abfrieren, aber auch noch nicht warm genug, um in zu wenig, zu kurzer, ungeschützter Kleidung herumzulaufen.

Ich trage eine schwarze Lederhose und Schnürstiefel bis zu den Knien, die die Waden vor überraschenden Angriffen durch die Kriecher schützen. Jenen Untoten, die sich nur noch wie Gewürm über den Boden schieben, immer noch unfähig zu sterben. Unter meinem weißen Mantel mit den Fledermausärmeln trage ich noch einen Pullover und auf dem Rücken mein geliebtes Katana mit dem weißen Griff und der scharfen Klinge. Es begleitet mich von Anfang an und hat mir mehr als einmal das Leben gerettet.

Mein schwarzes Haar ist lang. Ich meine, so ganz ohne Friseur und mit einer gesunden Portion Misstrauen gegenüber Scheren, hatte es lange Zeit zu wachsen. Ich trage es meist hochgebunden, nur zwei Strähnen rahmen links und rechts mein hübsches Gesicht ein. Ich meine, man kann immer auf einen süßen Überlebenden treffen, oder nicht?

Der Letzte, den ich traf, war Jack. Ein guter Partner zum Reden, noch heute erreicht er mich manchmal über Funk und erzählt mir, was er so alles erlebt und wen er getroffen hat. Dank ihm weiß ich, dass es ein Refugium an der Ostküste gibt. Dass man sich dem Landesinneren südwärts nicht nähern sollte, da dort verschiedene Clans um die Vorherrschaft streiten, und ich stelle fest: 1 % von acht Milliarden sind immer noch zu viel.

Die Stadt, in der ich mein Lager aufgeschlagen habe, ist weitestgehend leer. Gelegentlich verirrt sich ein Zombie oder eine kleine Horde in der Nähe, doch ich allein generiere nicht genug Aufmerksamkeit. Andere Lager, die ich im Laufe der letzten Jahre besucht habe, machten zu große Feuer, oder waren zu laut. Sie stritten sich oder sangen, egal. Sie verursachte zu viel Lärm und wurde meist einfach überrannt.

Wenn sich Zombies aus verschiedenen Richtungen zusammenrotten, kann daraus schnell eine ganze Horde werden. Mittlerweile haben sie sich aber auch dezimiert. Es dauert lange, doch irgendwann zersetzt sich das faule Hirn so weit, dass das Virus keine Signale mehr senden kann. Sie zu verbrennen, ist eine verlässliche Methode, sie und das Virus vollständig auszulöschen.

Jack erzählte mir mal, wie er ein Camp besuchte, das ihre Toten in der Nähe begrub. Als er nur wenige Monate später erneut an dem Camp vorbeikam, war es nicht überrannt worden. Alle Zäune, Mauern und Vorrichtungen waren intakt und dennoch waren allesamt mutiert. Er fand heraus, dass die Verwesungssäfte in das Grundwasser gelangten und das Virus mit ihnen in das Versorgungswasser des einzigen Brunnens des Camps. Seitdem predigt Jack jedem, dem er begegnet, sie zu verbrennen. Das Virus verfällt ohne Wirt in eine Art Winterschlaf und regeneriert sich beinahe sofort in Kontakt mit lebendigen Wirten.


Ich laufe über den Marktplatz, noch immer fliegt überall Müll herum, ich glaube, das wird das Letzte sein, das am Ende noch immer über die Erde rollt. Ich sehe die Werbung für eine Tanznacht an mir vorbeifliegen, es ist derselbe Flyer, den ich schon Hunderte Male gesehen habe, mit einem Blutfleck in Form eines Mittelfingers. Vorsichtig ziehe ich langsam mein Schwert aus der Scheide. Man darf nicht unvorsichtig werden. Auch wenn ich meinen letzten Zombie vor Monaten gesehen habe, ist es genau diese trügerische Sicherheit, die einem dann zum Verhängnis wird.

Ich durchstöbere Gärten. Vorgärten und Parkanlagen auf der Suche nach Obst und wild wachsendem Gemüse. Die Arten, die es bis heute geschafft haben, sind resistenter gegenüber wechselnden Temperaturen, Bodenfrost, Hitze und ausbleibendem Regen.

Ich kümmere mich um die verlassenen Beete, rupfe etwas Unkraut und versuche auch seit einiger Zeit selbst, ein wenig zu züchten. In der alten Bibliothek der Stadt konnte ich ein paar Gartenbücher ergattern. Das hätte mir fast das Leben gekostet, denn Britta, die ehemalige Bibliothekarin, hatte auch im Tod nicht loslassen können und die Ruhe ihrer Bücher sabbernd und fauchend verteidigt.

Ich habe sie im Keller eingesperrt, wo sie ihr Dasein als Kriecher fristet. Ich kann nicht die ganze Bibliothek anzünden. Das Feuer wäre nicht zu kontrollieren und könnte Zombies in der Nähe anlocken. Ich wollte Britta aber auch nicht durch die Stadt schleifen, um sie woanders zu verbrennen.

Tatsächlich ergattere ich einige Zucchini, Erbsen, Bohnen und einen ziemlich kleinen Kohlkopf. Ich schaffe es sogar noch, einige Äpfel und Kirschen zu pflücken, bevor der Mittag rum ist und ich den Weg nach Hause antreten muss.

Vollgepackt mit leckeren Sachen mache ich mich auf den Weg. Die Stadt ist klein und übersichtlich. Mit dem Fahrrad kann man sie an einem Vormittag durchqueren. Ich laufe durch die desolaten, ehemals gepflegten Einfamilienhäuser und schlüpfe durch ein Loch in einem Zaun auf meinen Schleichweg. Eine riesige Parkanlage, noch gut eingezäunt, da er wohl als Quarantäne-Treffpunkt eingerichtet wurde.

Ich klappere meine Fallen ab und kann meiner heutigen Ausbeute zwei Kaninchen und einen Fuchs hinzufügen. Ich schlendere den schmalen Spazierweg entlang. Gras und Unkraut wuchern auf dem Weg. Auf der einen Seite ein gut überschaubarer Wald, auf der anderen ein riesiger See. Die Wasseroberfläche liegt ruhig und glitzernd da. Wenn ich das Wasser vorher filtere und abkoche, kann ich es sogar trinken und zum Waschen und Kochen verwenden.

Ich erreiche eine Brücke, sie ist schmal, mit einem hölzernen Geländer. Die Brücke führt zu einer Insel auf dem See. Sie ist klein, in einer Stunde kann man sie in einem Spaziergang umrunden. Hinter mir sichere ich die Brücke mit Stolperdraht und einem „Nicht betreten“-Schild, das vor dem Ausbruch des Virus auf der Insel warnt, und einigen wahnhaften Todesbotschaften.

Auf der anderen Seite, nach nur wenigen Metern, steht eine einzelne Laterne zur Wache. Auf der anderen Seite, gut versteckt zwischen dem über die Jahre immer dichter gewordenen Gestrüpp und Bäumen, steht mein Refugium. Ein alter Bulli, und damit meine ich alt. Er galt schon als Oldie bei meiner Geburt. Ich glaube, mein Onkel war es gewesen, der ihn so geliebt und für sich umgebaut hatte.

Die Fahrerkabine hatte ich sicher schon seit zwei Jahren nicht mehr geöffnet. Die Seitentür ließ sich aufschieben und war im Gegenzug dazu, ebenso lange nicht mehr verschlossen gewesen. Diese Insel erreichte man nur über die schmale Brücke oder über eine kleine Fähre, und die lag auf meiner Seite vor Anker.

Der Bulli begrüßte mich in seinen hellblauen und weißen Farben. Auf dem Dach war ein Solarfeld und ein Generator angebracht, der mit Sonnenenergie oder Benzin betrieben werden konnte, und das ließ sich noch immer überall finden. Auf dem überwucherten Dach hatte ich ebenfalls Töpfe gestellt, auf denen Tomaten, Paprika und sogar Chilis wachsen sollten. Ich warte noch immer.

Eine schmale, metallene Leiter mit zwei Stufen half mir in den Bulli. Er war drei Schritte breit und vier Schritte lang. Darin standen ein schmales Bett und eine Küche, bestehend aus zwei Schränken und einer Spüle. Einer Kommode und einem Haufen an den Wänden befestigter Regale. Gegenüber vom Bett über den Hinterreifen war noch immer ein Sitz mit Gurt montiert. Es gab sogar eine Toilette und darüber hing ein Duschschlauch. Als ich meine Beute auf den Boden warf, begann, es draußen leicht zu regnen.

Der Himmel war grau und die Abenddämmerung brach herein. Ich schalte die Beleuchtung an und mache mir einen Instantkaffee. Dann setze ich mich im Schneidersitz auf das Bett und beobachte, wie die Regentropfen die Wasseroberfläche des Sees in Bewegung brachte. Es roch würzig und nach Verwesung zugleich. Ich höre einige Vögel sich beschweren und muss daran denken, wie Jack damals mit den Krähen diskutierte. Er hatte mir geholfen, den Generator zum Laufen zu bringen und einige Verkabelungen neu zu organisieren.

Jack hatte irgendwie von allem eine Ahnung gehabt. Vor sieben Jahren oder sechs, ich weiß es wirklich nicht mehr, war er einer der Menschen gewesen, um die man einen Bogen gemacht hatte. Er war introvertiert gewesen, hatte nicht mit Menschen reden können. Oft die Arbeit gewechselt, war unkonzentriert und zu hibbelig gewesen. ADHS und Autismus-Spektrum-Störungen hatten seine Ärzte es damals genannt und ihn als nutzlos abgestempelt, weil er nicht in die Gesellschaft passen wollte. Und nun, ist er einer der wenigen Menschen, die umherziehen und wirklich hilfreich waren. Ohne ihn, seine Neugier und Entdeckerfreude.

Wüsste ich nicht, dass es hier sicher war. Mein Bulli hätte schon lange den Geist aufgegeben oder ich hätte verseuchtes Wasser getrunken.

Ich stelle meine Tasse ab und ziehe den Moskito-Vorhang zu. Das Leben nach der Apokalypse ist nicht schlecht. Ich vermisse den ständigen Druck und Depressionen nicht. Ich stehe jeden Tag auf, überlebe und lege mich wieder schlafen. Ich habe sogar viel weniger Albträume als damals. Ich hatte ständig davon geträumt, zu kündigen oder gekündigt zu werden. Habe meine Chefs angeschrien und bin schweißgebadet aufgewacht. Halb erleichtert, halb enttäuscht.

Zu viel Arbeit, zu wenig Geld. Zu viele Sorgen, zu wenig Freude. Ich lege mich rücklings auf das Bett und starre auf die Fotos. Eine Weile hatte ich eine batteriebetriebene Polaroidkamera. Auf den Fotos bin ich, mal mit einigen Menschen aus Camps, mal nur mit meinem Bulli. Die meisten sind von Jack. Ich überlege, wenn er sich das nächste Mal per Funk meldet, vielleicht schließe ich mich ihm an? Reise durch das Land, versuche zu helfen und lerne jeden Tag Neues? Ich lausche dem Regen, den Vögeln und dem Rauschen des Wassers und drifte langsam in einen tiefen Schlaf.


Was nach dem Untergang der Welt kommt, ist lange nicht so schrecklich, wie das Leben davor.