Out of Office: nur mit Dir

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Summary

Ella Davis ist es gewohnt, übersehen zu werden. Als schüchternes Pflegekind aus schwierigen Verhältnissen hat sie gelernt, sich leise durchzukämpfen und niemandem zu viel von sich zu zeigen. Der Job als Assistentin des jungen New-Yorker CEOs Leo Young ist ihre Chance auf Stabilität — auch wenn sein Ruf ihr Respekt einflößt: brillant, charmant, berüchtigt für seine wechselnden Beziehungen. Leo ist ehrlich zu den Frauen in seinem Leben, aufmerksam und respektvoll — aber Bindung kommt für ihn nicht infrage. Etwa alle vier Wochen steht eine neue Begleitung an seiner Seite, und niemand erwartet etwas anderes. Doch Ella begegnet ihm ohne Bewunderung oder Hintergedanken. Sie sieht den Mann hinter der perfekten Fassade — den Druck, die Einsamkeit und die Müdigkeit, immer funktionieren zu müssen. Zwischen vollen Kalendern, vertraulichen Gesprächen und kleinen Momenten fernab der Öffentlichkeit wächst eine tiefe Freundschaft. Leo entdeckt in Ella eine Ruhe, die er sonst nirgends findet, während sie bei ihm zum ersten Mal spürt, dass jemand sie wirklich wahrnimmt.

Status
Complete
Chapters
53
Rating
4.9 8 reviews
Age Rating
18+

Chapter 1

Mein Name ist Ella Davis. Ich bin fünfundzwanzig Jahre alt, 1,70 groß, habe hellbraune Haare, die selten so liegen, wie ich es mir wünsche, und blaue Augen, die mir immer wieder sagen lassen, ich würde traurig wirken — auch wenn ich mich eigentlich ganz normal fühle. Meine Figur ist etwas kurvig, nichts Außergewöhnliches. Eigentlich bin ich überhaupt nichts Besonderes. Zumindest rede ich mir das seit Jahren ein.

Ich habe früh gelernt, nicht aufzufallen. Nicht zu laut zu lachen. Nicht zu viel zu wollen. Nicht zu hoffen, dass jemand bleibt.

Ich bin in Kinderheimen aufgewachsen. Mehrzahl. Denn ich war nie lange irgendwo. Familien kamen und gingen, Häuser wechselten, Zimmer wurden zu fremden Orten, bevor sie sich jemals wie Zuhause anfühlen konnten. Meine Mutter hat mich als Baby vor einem Pflegeheim abgelegt. Kein Brief, keine Erklärung. Nur ich — eingewickelt in eine zu dünne Decke und mit einem Namen, der wahrscheinlich genauso zufällig gewählt wurde wie mein ganzes Leben danach.

„Niemand wollte dich“ ist kein Satz, den dir jemand direkt ins Gesicht sagt. Es ist eher ein Gefühl, das sich langsam in dir festsetzt. In den Blicken von Erwachsenen, die sich für ein anderes Kind entscheiden. In gepackten Koffern. In Abschieden ohne Versprechen.

Also habe ich irgendwann beschlossen, dass ich mich selbst wollen muss. Dass ich die Einzige bin, auf die ich mich verlassen kann.

Schule wurde mein Rückzugsort. Zahlen waren ehrlich. Bücher blieben, wo man sie hinlegte. Lernen gab mir etwas, das mir sonst fehlte: Kontrolle. Ich habe mich durchgekämpft, Stipendien gesucht, Nebenjobs gemacht, nachts gelernt und tagsüber so getan, als wäre ich stärker, als ich mich fühlte. Und irgendwie habe ich es geschafft. Studium. Abschluss. Sehr gut. Worte, die ich mir früher nie zugetraut hätte.

Und jetzt stehe ich hier.

Vor einem gläsernen Hochhaus mitten in New York, so groß, dass ich meinen Kopf in den Nacken legen muss, um die Spitze zu sehen. Young- Enterprises steht in silbernen Buchstaben über dem Eingang. Eine Firma, die jeder kennt. Mächtig. Erfolgreich. Unerreichbar — zumindest für jemanden wie mich.

Bis vor drei Wochen.

Bis zu der E-Mail, die mein Leben verändert hat.

„Wir freuen uns, Ihnen die Position als persönliche Assistentin des CEO anzubieten.“

Ich habe sie bestimmt zwanzig Mal gelesen, bevor ich geglaubt habe, dass sie echt ist.

Leo Young. CEO. Junger Geschäftsmann. Genial, sagt man. Anspruchsvoll. Charismatisch. Und jemand, bei dem Fehler nicht verziehen werden. So jedenfalls die Gerüchte. Ich habe Artikel gelesen, Interviews gesehen und versucht, mir nicht vorzustellen, wie fehl am Platz ich mich neben jemandem wie ihm fühlen werde.

Aber das hier ist meine Chance. Vielleicht die einzige.

Also richte ich meine Bluse, ziehe die Schultern gerade und gehe durch die Drehtür.

Die Lobby riecht nach Kaffee und teurem Parfüm. Menschen in perfekt sitzenden Anzügen laufen an mir vorbei, sprechen schnell, wirken, als hätten sie alle einen Plan. Ich halte meine Bewerbungsmappe fest, obwohl ich sie eigentlich nicht mehr brauche. Ein alter Reflex. Etwas in der Hand zu haben gibt mir Halt.

Der Aufzug spiegelt mein Gesicht. Nervös. Zu ernst. „Du schaffst das“, flüstere ich mir zu, leise genug, dass es niemand hört. Ich habe mir dieses Leben erarbeitet. Niemand hat es mir geschenkt.

Im dreißigsten Stock öffnet sich die Tür zu einer Welt aus Glas, Licht und ruhiger Professionalität. Eine Frau am Empfang lächelt höflich. „Sie müssen Ella Davis sein.“

Ich nicke. „Ja. Mein erster Tag.“

Die Worte fühlen sich unwirklich an.

Während ich warte, wandern meine Gedanken zurück zu den Nächten im Pflegeheim, in denen ich wach lag und mir vorstellte, wie mein Leben aussehen könnte, wenn ich nur hart genug arbeite. Ich habe mir versprochen, nie wieder abhängig zu sein. Nie wieder das Gefühl zu haben, nicht genug zu sein.

Und genau deshalb werde ich hier alles geben. Ich werde pünktlich sein. Perfekt vorbereitet. Unsichtbar, wenn nötig — und unverzichtbar, wenn möglich.

Eine Tür öffnet sich am Ende des Flurs. Stimmen. Schritte. Lachen — tief und selbstsicher. Ich sehe ihn nicht richtig, nur eine Bewegung, einen Mann im dunklen Anzug, umgeben von Menschen, die aufmerksam zuhören. Jemand flüstert: „Der CEO ist zurück vom Meeting.“

Mein Magen zieht sich zusammen.

Das ist also Leo Young.

Mein neuer Chef.

Mein neuer Alltag.

Und vielleicht der Beginn von etwas, das mein Leben komplett verändern wird.

Ich atme tief ein, streiche mir eine Haarsträhne hinters Ohr und erinnere mich an das Versprechen, das ich mir selbst gegeben habe: professionell bleiben. Keine Fehler. Keine Schwäche zeigen.

Ich bin nicht mehr das Mädchen, das weitergereicht wurde.

Ich bin Ella Davis. Fünfundzwanzig Jahre alt. Absolventin mit Bestnoten. Und heute beginnt mein neues Kapitel.

Egal, wie viel ich dafür geben muss.