Bright Falls High

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Summary

Als Noah Carter an die Bright Falls High kommt, ahnt er nicht, wie schnell sein Neuanfang im Chaos endet. Mit seinem neuen Stiefbruder Evan Bennet gerät er sofort aneinander, auf dem Footballfeld brodelt die Rivalität, und zwischen neuen Freunden, alten Wunden und dunklen Geheimnissen wird Noah klar: An der Bright Falls High ist niemand wirklich der, der er zu sein scheint. Eine Highschool-Story voller Drama, Freundschaft, Rivalität und verborgener Abgründe.

Genre
Drama
Author
Kaden Scott
Status
Complete
Chapters
20
Rating
5.0 2 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1 – Neue Realität

Musstet ihr schon einmal umziehen und hattet sofort das Gefühl, dass ihr überhaupt nicht willkommen seid? Dieses Gefühl, als würde man in eine fremde Welt stolpern, in der jeder bereits seinen Platz gefunden hat, nur man selbst nicht.

Genauso fühle ich mich.

Seit dem Tod meines Vaters hat sich mein Leben wie ein endloser Roadtrip angefühlt, bei dem niemand weiß, wohin die Reise eigentlich geht. Er starb vor zwei Jahren an Krebs. Ich erinnere mich noch an den Geruch im Krankenhaus. Diese sterile Mischung aus Desinfektionsmittel und Hoffnungslosigkeit. Danach war nichts mehr wie vorher.

Meine Mutter und ich zogen quer durchs Land. Vier Highschools in zwei Jahren. Vier neue Klassenzimmer, vier neue Spinde, vier neue Versuche, irgendwo dazuzugehören. Und jedes Mal endete es gleich.

Entweder hatte meine Mutter plötzlich eine neue „einmalige Chance“ für einen Job gefunden oder es gab einen neuen Mann in ihrem Leben. Einen dieser Typen, die sie auf irgendeiner dubiosen Dating-App kennengelernt hatte. Männer, die immer charmant wirkten, solange alles neu war, und die nach ein paar Wochen wieder verschwanden.

Aber dieser fünfte Umzug war anders.

Dieses Mal war meine Mutter verheiratet.

Fragt mich nicht, wie sie das geschafft hat. Ich habe keine Ahnung, wann genau das passiert ist. Irgendwann zwischen zwei Umzügen, einem Vorstellungsgespräch und einem Wochenende, an dem sie plötzlich nach Washington D.C. geflogen ist.

Der Mann heißt Ryan Bennet.

Unternehmer. Erfolgreich. Reich. Und Teil einer Familie, die einen großen Kunststoffhersteller betreibt. Der Firmensitz liegt in Washington D.C., aber ihr Zuhause, unser neues Zuhause, liegt in einer Kleinstadt namens Bright Falls.

Ehrlich gesagt hatte ich den Namen noch nie gehört.

Ryan habe ich vor der Hochzeit genau zwei Mal gesehen. Einmal bei einem Abendessen, bei dem er hauptsächlich über seine Firma gesprochen hat. Und einmal bei der Hochzeit selbst.

Seinen Sohn Evan Bennet habe ich auch nur kurz dort getroffen. Ein paar Minuten Smalltalk zwischen Glückwünschen und Hochzeitsfotos.

Und jetzt ziehen wir einfach mit ihnen zusammen.

Als wären wir schon immer eine Familie gewesen.

Als würde das alles Sinn ergeben.

Ich habe keine Ahnung, was mich in Bright Falls erwartet, aber eines weiß ich ziemlich sicher:

Es kann nur schrecklich werden.

Der Schulbus hielt mit einem zischenden Geräusch vor dem großen Backsteingebäude der Bright Falls High. Die Türen öffneten sich mit einem lauten Klacken.

Ich stieg aus.

Die Luft war kühl und roch nach feuchtem Gras. Irgendwo in der Nähe musste ein Footballfeld sein, denn der typische Geruch von Rasen und Erde lag in der Luft. Über dem Gebäude hing ein grauer Morgenhimmel, der das Licht flach und blass wirken ließ.

Ich blieb einen Moment stehen und betrachtete die Schule.

Auf den ersten Blick unterschied sie sich kaum von den anderen Highschools, die ich bereits besucht hatte. Ein großes Gebäude, breite Treppen zum Eingang, Fahnenmasten davor und eine Wiese, auf der sich Gruppen von Schülern verteilt hatten.

Doch je länger ich hinsah, desto mehr erkannte ich die kleinen Unterschiede.

Da drüben auf einer Bank saßen ein paar Nerds. Sie hatten ihre Rucksäcke neben sich gestellt und diskutierten über irgendetwas, während einer von ihnen tatsächlich Matheaufgaben machte.

Auf der breiten Treppe zum Eingang saßen die Sportler. Footballspieler, vermutlich. Sie hatten ihre Schuljacken an, einige hielten Helme unter dem Arm.

Und auf der Wiese daneben standen die Cheerleader. Sie lachten laut, flüsterten miteinander und warfen immer wieder neugierige Blicke in meine Richtung.

Ich hatte das Gefühl, als würde ein Scheinwerfer auf mich gerichtet sein.

Offenbar kommen hier nicht oft neue Schüler an.

Langsam ging ich auf den Eingang zu. Meine Schritte knirschten auf dem Kiesweg, und mit jedem Meter wurde mir klarer, dass diese Schule ihre eigene kleine Welt war. Jeder kannte jeden.

Und ich gehörte noch nicht dazu.

Als ich näher kam, konnte ich auch die Gesichter der Sportler erkennen. In der Mitte saß Evan. Mein neuer Stiefbruder.

Er lehnte lässig zurück, die Arme auf den Knien abgestützt, während er mit den anderen redete. Seine Haltung wirkte selbstbewusst, fast schon arrogant – so, als würde ihm dieser Platz gehören.

Als sein Blick kurz zu mir wanderte, erkannte er mich sofort.

Für einen Moment trafen sich unsere Augen. Er nickte leicht.

Doch kaum hatte er mich begrüßt, wandte er sich wieder seinen Freunden zu, als wollte er unbedingt vermeiden, dass jemand merkt, dass wir uns kennen.

Ich ging einfach an ihnen vorbei. Ohne ein Wort. Doch einer seiner Freunde stoppte mich. Der Typ hatte ein blondes Mädchen auf dem Schoß sitzen und musterte mich mit einem schiefen Grinsen. Seine Augen funkelten vor Neugier oder eher vor Spott. Er streckte ein Bein aus und stieß mir leicht dagegen. „Warte mal.“

Ich blieb stehen und schaute ihn genervt an.

„Dich kenn ich nicht.“

Ich zwang mich zu einem höflichen Lächeln. „Ich bin Noah.“ Eigentlich dachte ich, er würde sich jetzt auch vorstellen. So wie normale Menschen das tun.

Stattdessen lachte er. „Die Middleschool ist auf der anderen Seite der Stadt.“

Die anderen fingen ebenfalls an zu lachen. Auch Evan.

Mein Lächeln verschwand sofort. „Lustig“, sagte ich trocken und warf ihm einen genervten Blick zu. „Schönen Tag noch.“ Ich ging weiter, ohne mich noch einmal umzudrehen. Was für ein Arschloch.

Und dass Evan offensichtlich mit solchen Typen befreundet war, ließ schon ziemlich deutlich erahnen, was für ein Mensch er selbst sein musste.

Drinnen herrschte Chaos.

Der Flur war voller Schüler. Stimmen hallten von den Wänden wider, Spindtüren knallten, irgendwo fiel ein Stapel Bücher zu Boden. Manche Schüler lehnten an ihren Spinden und unterhielten sich. Andere saßen einfach auf dem Boden und blätterten durch ihre Hefte. Zwei Jungs standen am Wasserspender und spritzten sich gegenseitig nass, während eine Gruppe Mädchen laut kicherte.

Ich griff in meine Hosentasche und zog den zerknitterten Zettel hervor, den mir die Schule geschickt hatte. Darauf standen mein Stundenplan und meine Spindnummer. Nur gab es ein kleines Problem. Auf den Spinden standen gar keine Nummern.

Ich sah mich ratlos um.

Meine Orientierungslosigkeit musste ziemlich offensichtlich sein, denn plötzlich tauchte ein Mädchen vor mir auf.

Sie hatte schwarze Locken, die ihr locker über die Schultern fielen, und trug ein bauchfreies orangefarbenes Top unter einer offenen Sweatshirtjacke.

Sie legte den Kopf schief und musterte mich. „Ein Neuer“, sagte sie schließlich. „Welch seltenes Ereignis.“

Ich wartete innerlich auf den nächsten blöden Spruch. Doch der kam nicht.

Stattdessen streckte sie mir die Hand hin. „Ich bin Bell.“

Ich blinzelte überrascht. Dann lächelte ich. Vielleicht gibt es hier doch nicht nur Arschlöcher.

Ich schüttelte ihre Hand. „Noah.“

Bevor ich etwas sagen konnte, riss sie mir den Zettel aus der Hand. „Ist das so offensichtlich, dass ich neu bin?“, fragte ich.

Sie überflog den Zettel und nickte. „Ja. Wir bekommen hier selten neue Schüler. Da fällt es besonders auf, wenn jemand Neues auftaucht.“

Sie drückte mir den Zettel wieder gegen die Brust. „Deine Spindnummer ist 394. Ganz hinten.“

Ich sah mich erneut um. „Kannst du mir zeigen, wo? Die Spinde haben nämlich keine Nummern.“

Bell grinste. „Gerne.“ Sie drehte sich um und ging los, als würde sie genau wissen, dass ich ihr folgen würde.

Während wir durch den Flur liefen, erklärte sie mir alles Mögliche. Wo die wichtigsten Räume sind. Wo die Toiletten sind. Welche Lehrer man besser nicht verärgern sollte. Und welche Treppen am schnellsten zu den Klassenräumen führen.

„Und bevor ich es vergesse“, sagte sie plötzlich, „iss niemals den Pudding in der Cafeteria.“

Ich runzelte die Stirn. „Was ist mit dem Pudding?“

Bell blieb abrupt stehen. Ihr Gesicht verzog sich angewidert. „Das ist alles“, sagte sie, „aber kein Pudding.“ Sie schlug plötzlich gegen den Spind neben ihr. Die Tür sprang auf. „Das ist deiner.“

Ich starrte den offenen Spind an. „Soll der einfach so aufgehen?“

Bell ging einen Spind weiter und schlug auch dort dagegen. Die Tür sprang ebenfalls auf. Ein muffiger Gestank strömte heraus. Eine Mischung aus Schweiß, alten Sportsachen und irgendetwas, das ich nicht genauer identifizieren wollte. Bell wedelte sich Luft zu. „Mit dem richtigen Winkel kriegt man hier jeden Spind auf.“ Sie schloss die Tür wieder. „Dein Spindnachbar ist Fredy.“ Sie machte eine kurze Pause. „Wenn du mit ihm redest… halt besser Abstand.“

Ich verschränkte die Arme und seufzte. „Also gut. Ich esse nicht den Pudding, ich lasse nichts Wertvolles im Spind und ich gehe lieber weg, wenn Fredy hier ist.“

Bell nickte zufrieden. „Genau.“

Ich sah sie an. „Muss ich sonst noch was wissen?“

In diesem Moment öffnete sich die Tür am Ende des Flurs. Evan kam mit seiner Freundesgruppe herein. Und plötzlich passierte etwas Merkwürdiges. Die Leute machten Platz. Als wären sie die Könige der Schule.

Bells Blick folgte ihnen. Dann sah sie wieder mich an. „Halte dich von den Sportlern fern.“

Ich lächelte unsicher. „Das wird schwierig…“ Ich fuhr mir nervös durch die Haare. „Ich bin selbst einer.“

Ihre Augen wurden größer. Ihre Mimik verkrampfte sich leicht. „Dann lass dich nicht von den anderen fressen.“

Ich wusste nicht, ob Bell mir gerade geholfen hatte oder mir einfach nur noch mehr Angst gemacht hatte. Bisher klang diese Schule eher wie ein Albtraum. Und der hatte noch nicht einmal richtig begonnen.

Die Schulglocke klingelte.

Ein schrilles Geräusch, das durch den ganzen Flur hallte.

„Ich muss los“, sagte Bell. Sie gab mir eine Faust auf die Schulter. „Du schaffst das. Wenn was ist, sprich mich einfach an.“

„Danke.“

Sie verschwand im Gedränge der Schüler.

Und plötzlich stand ich wieder allein da. Meine erste Stunde war Biologie. Bell hatte mir gezeigt, wo der Raum war. Also machte ich mich auf den Weg.

Während ich ging, vibrierte mein Handy. Eine Nachricht von meiner Mutter.

Bist du gut angekommen?

Ich seufzte leise und schrieb zurück:

Ja. Alles gut.

Gerade als ich die Nachricht abschickte, lief ich plötzlich gegen jemanden. Mein Handy rutschte mir aus der Hand und fiel auf den Boden. Ich sah auf. Es war Evan den ich angerempelt habe. Scheiße.

„Pass auf, wo du hinläufst“, maulte er. Dann trat er mein Handy zur Seite.

Ich hob beschwichtigend die Hände. „Sorry. Ich hab dich nicht gesehen.“

Er beugte sich leicht zu mir. Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Fick dich, Noah.“

Ich starrte ihn einen Moment an. Dann hob ich mein Handy auf. Ein paar Kratzer. Sonst nichts. Als ich wieder aufsah, bemerkte ich etwas. Evan ging in denselben Klassenraum wie ich. Verdammt. Wir haben Biologieunterricht zusammen.

Und plötzlich war ich mir sicher: Dieser Tag würde definitiv nicht besser werden.