1. Kapitel: Daktylos fühlt sich endlich wieder als Mann
Die bitter-süßen Qualen, die Daktylos 1911 auf Euböa durchlebte, waren so bewegend wie niederschmetternd, und manchmal nur schwer nachzuvollziehen. Ich hatte seine nicht allzu umfangreichen Tagebücher gleich zweimal nacheinander gelesen, und die Wucht mancher Passagen haut mich immer noch um.
Daktylos lebte in einem kleinen Dorf im Süden der Insel, nicht weit vom Meer entfernt. Bis zum Tod seiner Frau war er Mittlerer Verwaltungsbeamter gewesen, doch er hatte seine Tätigkeit dann schnell beendet; auch, da seine Frau ihm überraschend ein wenig Geld vermacht hatte. Ihre Familie war sechs, sieben Jahre zuvor nach Amerika ausgewandert und hatte ihr wohl immer mal etwas zukommen lassen.
Und Daktylos würde – als ehemaliger Angestellter der Provinzverwaltung – ja bald auch eine kleine Pension erhalten. So hatte er Zeit und Muße, sich um seine Ziegen und Hühner sowie das Haus zu kümmern. Und er las ja auch gern. Seine Bibliothek war zwar klein, doch er freute sich schon darauf, seine wenigen Bücher nun endlich in Ruhe zum zweiten oder gar dritten Mal lesen zu können.
Eines Morgens, nach dem Frühstück, saß er also wieder mit einem Buch in der Hand vor seinem Haus in der milden Frühlingssonne und hörte Stimmen. Das waren die Nachbarn, Mutter und Tochter. Der Vater arbeitete in Athen und kam nur selten nach Hause. Ja, auch die drei wollten nach Amerika auswandern, doch im Moment reichte wohl das Geld noch nicht dafür.
Die Frau betrieb am anderen Ende des Dorfes einen kleinen Laden, zusammen mit ihrer Schwiegermutter, die aber mindestens schon siebzig war und sich wahrscheinlich bald zur Ruhe setzen wollte. Das Geschäft war etwas ungünstig gelegen und warf wohl auch nicht viel ab, aber immerhin hatte die Dame ein Fahrrad, da sie ja jeden Tag zum Mittagessen nach Hause kam, bevor sie am Nachmittag dann erneut den steilen Berg hochstrampeln musste.
Daktylos hatte nicht verstanden, was sich die beiden Damen drüben gerade zugerufen hatten; wahrscheinlich hatte die Mutter – wie so oft – ihrer Tochter wieder gesagt, dass die nicht zu weit weg laufen oder sich ihre nackten Füße nicht schmutzig machen sollte. Lanike sah aber unheimlich schön aus, wie sie so in der Morgensonne stand und nach dem Winter endlich wieder Licht auftankte.
Da Lanike blind war, liebte sie sicher auch den direkten Kontakt mit dem kühlen nassen Gras und der weichen Krume. Sie hatte ihre schlanken Unterarme hinter ihrem Rücken verschränkt und drehte keck – wie auf einer Bühne – ihren grazilen Oberkörper hin und her; so, als ob sie schon wusste, dass der Mann von nebenan ihr zusah und sie bewunderte.
Lanike trug ein einfaches buntes Kleid, das auch recht kurz war, sowie eine helle Strickjacke, und nun sah Daktylos, wie sie mit ihren Zehen im Gras spielte und sie dann in den Boden bohrte. Gedankenverloren lächelte sie noch ein bisschen vor sich hin, bis ihre Mutter sie wieder rein rief. Wahrscheinlich wollte sie los, in ihren Laden. Mit dem Fahrrad.
Daktylos wusste nicht, was Lanike drinnen im Haus eigentlich den ganzen Tag machte, aber er stellte schon fast mit Entsetzen fest, wie sehr sie ihn erregt hatte. Seit dem Tod seiner Frau hatte er manchmal daran gedacht, sich nochmal eine andere Gattin zu suchen, aber hier im Dorf kannte er keine Witwe oder unverheiratete Frau zwischen vierzig und fünfzig.
Gut, er hatte ein bisschen Geld gespart und konnte somit auch mal auf Reisen gehen; andererseits waren alle griechischen Inseln sich ziemlich ähnlich. Und auf den anderen gab es ja auch keine Lanike, nebenan.
So lange, wie die Familien schon Nachbarn waren, hatte Daktylos natürlich zusehen können, wie Lanike aufwuchs und sich von einem Mädchen über die Jahre in eine Frau verwandelt hatte. Sie war immer schlank gewesen, doch so weiblich, wie ihre Hüften vorhin im Gegenlicht unter dem Kleid gewirkt hatten, hatte Daktylos sie noch nie wahrgenommen.
Lanike hatte natürlich auch einen zarten Busen, der sicher auch schön straff ist, ertappte Daktylos sich, dass er schon wieder an seine junge Muse nebenan dachte. Hatte sich schon mal jemand um ihre Hand bemüht? Würde Lanike jemals heiraten? Selbstverständlich wünschte Daktylos der jungen Elfe alles erdenklich Gute, aber er würde auch furchtbar eifersüchtig sein. Das wusste er jetzt schon.
Natürlich kannten Lanike und Daktylos sich; so lange, wie sie schon Nachbarn waren. Da es dem blinden Mädchen gewiss lieber war, sich in dem vertrauten Umfeld ihres Hauses zu bewegen, war er aber viel öfter bei ihr drüben als sie bei ihm zu Besuch, wobei er noch nie allein mit ihr war. Als seine Frau noch lebte, war die natürlich immer mit dabei gewesen.
Soweit Daktylos wusste, saß Lanike bei sich zu Hause manchmal sogar in einem Rollstuhl, den der Tischler die Straße runter für sie angefertigt hatte; vielleicht war das sicherer oder bequemer. Komischerweise törnte Daktylos das nicht ab; abgesehen von ihrer Blindheit wirkte Lanike ja auch kerngesund. Und, ja: Ihre Figur vorhin, unter dem dünnen Kleid …
Daktylos hatte in der Zwischenzeit sein Buch wieder aufgeschlagen, doch irgendwie kamen seine Gedanken nicht zur Ruhe. Wie alt war das Mädchen eigentlich mittlerweile? Er erinnerte sich, dass er mit seiner Frau bei Lanikes vierzehntem Geburtstag dabei war. Seine Gattin hatte es albern gefunden, dass er Lanike damals ein Buch schenkte. Selbst seine Bemerkung, dass man dem Mädchen ja vorlesen könnte, hatte seine bessere Hälfte nicht überzeugt.
Ja, das musste vor knapp fünf Jahren gewesen sein, denn seine Frau hatte damals noch gearbeitet und war erst später zur Feier erschienen. Sie war Lehrerin gewesen und musste erst noch die Klassenarbeiten zu Ende korrigieren. Daktylos war somit allein vorgegangen, weil er es unhöflich gefunden hätte, die Einladung zu Kaffee und Kuchen auszuschlagen.
Er hatte sich ja extra den Nachmittag freigenommen. Weil Lanike nicht zur Schule ging, hatte sie nur wenige Freunde, aber ein paar Cousins hatten damals mit am Tisch gesessen; genau wie ihre Großeltern mütterlicherseits, die in Aetos oder Pigadakia wohnten, mittlerweile aber wohl verstorben waren. Daktylos hatte sie schon jahrelang nicht gesehen.
Da er und Lanike sich ganz gut kannten, hätte der Witwer vielleicht öfter mal rübergehen können, aber das hätte Maria, die Nachbarin auf der anderen Seite, die Lanike schon seit ewigen Zeiten jeden Tag half, eventuell seltsam gefunden. Oder auch nicht. Vielleicht würde sie sich freuen, wenn sie ein wenig Entlastung bekäme.
Andererseits, wenn Lanike mal aufs Klo musste, wollte sie sicher nicht, dass ein Mann ihr dabei zusah. Oder vielleicht doch? Ach, seufzte Daktylos leise, als er sein Buch nun wohl endgültig weglegte: Hör auf, Dir den nackten Schoß des Mädchens vorzustellen!
So stand er auf. Um sich abzulenken, sah er nochmal nach seinen Hühnern und Ziegen, von denen eine trächtig war. Danach lief er durch seinen kleinen Olivenhain und entfernte mit der Schere, die er vorsorglich in seiner Jackentasche trug, ein paar abgestorbene Zweige, bevor er oben am Hang sich eine Zigarette ansteckte und runter ins Tal blickte. Aus dem Schornstein von Lanikes Haus kam ein wenig Rauch; wahrscheinlich bereitete die ältere, nicht unsympathische Nachbarin das Mittagessen vor.
Daktylos hatte sich nie viel Gedanken um Maria gemacht. Er wusste allerdings, dass die Nachbarin, die vielleicht knapp zehn Jahre älter als er war, Lanike gezeigt hatte, wie man Kraniche und andere Dinge faltet; ja, das machte das blinde Mädchen sicher gern. Und ihre Mutter hatte in ihrem Laden ja auch eine kleine Ecke mit Schreibwaren und Schulbedarf, so dass sie ihrer Tochter buntes Papier mitbringen konnte. Oder der Vater, aus der Hauptstadt, wo er arbeitete.
Die gefalteten Papierkraniche sah man jedenfalls überall im Haus verteilt. Wahrscheinlich half Lanike manchmal auch bei der Vorbereitung des Mittagessens; sie konnte ja sicher Möhren oder Kartoffeln schälen und sich dabei Zeit lassen. Sollte ich aber nicht mal – nun, da ich in Rente bin, Lanikes Vater aber in Athen ist – meine Hilfe offerieren? fragte sich Daktylos, als er langsam den Hang wieder hinunter lief; abwechselnd auf sein und Lanikes Haus blickend.
Andererseits wusste er nur zu gut, dass sein Hilfsangebot ja nur ein Vorwand wäre, um näher bei dem schönen blinden Mädchen zu sein und sie anhimmeln zu können – was er wiederum ihrer Mutter nicht gestehen konnte, da sich das nicht schickte. Wäre er halb so alt gewesen, hätte er ohne zu zögern um Lanikes Hand angehalten, aber das ging mit 51 natürlich nicht.
Und so gingen die Tage etwas träge, aber nicht unangenehm dahin, bis es Sommer wurde. Natürlich war es jetzt über die Mittagszeit zu heiß, um draußen zu sein, und so erledigten alle die Dinge ums Haus herum früh am Morgen. Immerhin hatte Daktylos es sich mittlerweile zur Gewohnheit gemacht, mit Lanike ein Schwätzchen abzuhalten, wenn sie vor die Tür trat und er in der Nähe war.
Das konnte ja nicht schaden und war ihr sicher auch willkommen. Was aber nun ebenfalls wie von selbst zu einer Gewohnheit wurde, war, dass er wieder angefangen hatte zu masturbieren. Meistens vor dem Mittagsschläfchen und dann erneut, wenn es nochmal ging, abends vorm Einschlafen.
Zunächst hatte er dabei auf ein altes Foto seiner Frau geblickt, auf dem sie vielleicht 23 war, doch dann waren die Alben in seinem Kopf aufgesprungen und sein inneres Auge hatte sich mit den Bildern Lanikes in verschiedenen hübschen, kurzen Sommerkleidern gefüllt.
Die Holde hatte nicht nur schönes langes, dunkelblondes Haar, sondern auch relativ dunkle, honiggelbe Haut. So hatte Daktylos das Foto seiner Frau mit zitternden Händen auf den Nachttisch zurückgelegt, bevor er es am Morgen wieder hinter den Spiegel neben der Eingangstür klemmte.
Natürlich hatte Daktylos es sich ebenfalls zur Gewohnheit gemacht, sehr früh aufzustehen, damit er draußen ja nichts verpasste. Normalerweise stürzte er sich aber nicht gleich auf das Grundstück der Nachbarn, sondern las auf der Bank vor seinem Haus sitzend erst noch ein wenig weiter, nachdem Lanike aus ihrem getreten war, bevor er aufstand und ihr ein paar nette Worte zurief.
Dann plauderten die beiden heiter und ein wenig belanglos, bevor ihre Mutter sie bat, doch wieder reinzukommen. Mal war es zu heiß, mal zu sonnig, oft beides, und manchmal sah es zu sehr nach Regen aus – ihren Worten nach – so dass Daktylos irgendwann sanft begann zu versuchen, auch die Laune von Lanikes Mutter zu verbessern.
Er verwickelte nun auch sie in kurze Gespräche, wann immer das möglich schien, was sich aber bald auszahlen sollte: Das Vertrauen war irgendwann groß genug geworden, dass Lanikes Mutter wirklich vorschlug, dass Daktylos vielleicht am Nachmittag ihrer Tochter vorlesen könnte, damit sie nicht allein ist. Und Sie sind ja auch allein, seit Ihre Frau …
Maria, die Nachbarin auf der anderen Seite, würde entweder im Haus sein oder auf Abruf in ihrem bereitstehen, falls etwas wäre, aber Lanike kann eigentlich auch alles allein machen, gurrte die Mutter dann noch und winkte lässig ab; so, als ob Daktylos sich darüber keine Sorgen weiter machen sollte.
So, das wäre geschafft, dachte Daktylos zu sich selbst, als er wieder in sein Haus trat und sich fast die Hände rieb. Morgen würde er also beginnen, direkt neben Lanike sitzend ihr Äsops Fabeln vorzutragen – aus demselben Buch, das er ihr damals geschenkt hatte. Das Alles-allein-machen hallte allerdings noch nach: Als Daktylos sich am Abend wieder gepflegt Einen runterholte, stellte er sich dabei vor, wie Lanike es sich drüben selbst besorgte.
Ooaarr, ja das war schon geiler, als sie draußen in der Morgensonne im Gegenlicht stehen zu sehen, dachte Daktylos zu sich selbst. Sein Schwanz schien das Gleiche zu denken, denn er war länger und praller, als er es jemals während der letzten zwanzig Jahre gewesen war. Ach, was sag‘ ich: dreißig, hatte Daktylos danach in seinem Tagebuch geschrieben und noch angemerkt, dass er seit langem wieder einmal einen richtigen Orgasmus hatte.
Daktylos hätte sich nun auch gleich noch gerne am nächsten Morgen in aller Ruhe schön Einen runtergeholt, doch er hatte Angst, draußen etwas zu verpassen. Andererseits hatte er heute ein Date mit seiner Liebsten, so dass ein Schwätzchen am Morgen wohl gar nicht zwingend gewesen wäre.
Doch dann hätte Lanikes Mutter sich vielleicht gewundert, wäre rübergekommen und ins Haus getreten, um nach dem Rechten zu sehen – und hätte ihn beim Wichsen erwischt. Gut, dass sie die Bilder in seinem Kopf nicht würde sehen können. So stand er doch auf – stolz auf seine Latte.
Entgegen seiner Gewohnheit zog er sich diesmal zuerst sein Hemd an, um den prächtigen Kolben nicht zu früh einengen zu müssen; er hätte das Ding gern einmal Lanike vorgeführt, die sicher auch instinktiv gewusst hätte, was sie damit machen sollte. Ja, zum ersten Mal seit Ewigkeiten fühlte sich Daktylos wieder viril.
Der Mann in ihm war wiedererwacht, obwohl das Ziel seiner Begierde so nah und doch in weiter Ferne sich befand – und mehr oder weniger Tabu war. Andererseits war es wunderschön, immerhin jemanden zu kennen, für den er starke Gefühle entwickeln konnte; auch das hatte er, ohne es zu wissen, lange vermisst.
Der Schwatz mit Lanike und ihrer Mutter war heute Morgen relativ kurz, was aber nichts machte, da er die jüngere der beiden Damen ja am Nachmittag wiedersehen würde. Obwohl Lanike blind war, ging Daktylos dennoch zum Friseur, runter ins Dorf; Georgios war äußerst unterhaltsam und witzig.
Natürlich erzählte Daktylos ihm aber nicht, dass es für den Haarschnitt und die Rasur heute sogar einen ganz besonderen Anlass gab; als Georgios fragte, wieso Daktylos schon wieder hier wäre, brummte letzterer nur unbestimmt und sagte, dass es irgendwie so ein Gefühl war. So plauderten die beiden banal über das Wetter und die bevorstehende Ernte.
Da er einmal unten im Dorf war, gönnte Daktylos sich auch gleich noch ein einfaches Mittagsmahl bei Frau Ismene, die er ebenfalls mochte. Die war auch alles andere als unansehnlich und hatte das richtige Alter, war aber leider verheiratet. Immerhin setzte sie sich zu ihm, während er aß, was Daktylos letztlich aber gar nicht so richtig recht war, denn er wollte ja in Ruhe an die biegsame Lanike denken.
Und wie sie masturbierte. Machte sie doch, oder? Nun, vielleicht würde er es irgendwann herausfinden. Wenn sie dabei abspritzte, käme ihre Mutter ihr vielleicht auf die Schliche; andererseits würde die Mutter der Tochter den Unterhaltungswert sowie die Entspannung doch hoffentlich gönnen, oder?
Auf dem Weg zurück, den Berg hinan, schwitzte Daktylos ordentlich, so dass er sich gleich noch einmal wusch, bevor er sich zu seinem Mittagsschläfchen hinlegte und sich vorstellte, wie Lanike, wenn sie allein auf ihrem Bett lag, in ihren Schlüpfer langte. Ihre Finger waren ja sicher unheimlich sensibel und geschickt.
Und so würde sie ihre langen perfekten jungen Beine entspannt spreizen, dann langsam mit ihren Fingerspitzen ihre inneren Schamlippen und ihren Kitzler abfahren, um zu sehen, was passiert, und sich dann mit dem öligen Nektar das ganze Scheidenvestibül kreisend polieren. Bis mehr und mehr Nektar kam – und sie eben abspritzen würde.
War ihr Busch eigentlich schwarz oder eher braun? Dunkel war er sicherlich. Groß? War sie ordentlich behaart, oder war ihr Dreieck eher klein und elegant? Er musste sich nachher mal ihre Augenbrauen näher besehen, wegen der Farbe. Spielte sie mit ihren gefetteten Fingerspitzen dann auch mit ihren Nippeln? Zog sie zum Schlafen eigentlich ihr Kleid aus?
Daktylos hatte während dieser Gedanken seine neue Prachtlatte weiter bearbeitet, bis er überraschend großzügig auf das Taschentuch spritzte, das er bereitgelegt hatte. Er besah sich das perlmutt-schimmernde Etwas; ja, selbst die Ladung kam ihm größer als sonst vor. Stolz wie Bolle, schlief er eine Stunde, bevor er sich gleich noch einmal wusch. Blinde können ja auch besser riechen, wusste er.
Wobei der subtile Duft eines Mannes das Mädchen ja auch erregen könnte, dachte er zu sich selbst, verwarf aber den Gedanken erstmal, weil es ja heute das allererste Mal war, dass er mit Lanike allein sein würde. Nachdem er sich noch einmal im Spiegel besehen hatte, fand er, dass er schon auch ein wenig jünger aussah, als er war.
Schade, dass Lanike das nicht sehen konnte. Als er seine beste Hose und ein ordentliches Hemd angezogen hatte, trat er nach draußen, wo es noch ordentlich heiß war. Gott sei Dank war es aber zu ihrem Haus nicht weit, doch als er klopfte, öffnete die Nachbarin. Natürlich. Maria bat ihn, einzutreten und sich zu Lanike an den Tisch zu setzen.
Daktylos grüßte die junge Frau noch einmal, obwohl sie sich ja bereits am Morgen gesehen hatten und legte seine Hand auf ihren Unterarm, als eine warme Geste. Ihre großen hellen Augen waren weit aufgerissen, während sie in die ungefähre Richtung zu ihm hochblickte und lächelte. Der Moment dauerte länger, als man vermuten würde, doch er endete abrupt, als die Nachbarin aus der Küche kommend das Wohnzimmer betrat:
„Ich mag Äsops Fabeln ebenfalls,“ erklärte sie lächelnd.
Nun, so viel zum Mit-Lanike-allein-sein. Andererseits konnte es sich auch irgendwann als hilfreich herausstellen, sich das Vertrauen der Nachbarin zu erobern. Und Lanike sieht, wie sie leicht verschwitzt erwartungsfroh hier sitzt, so sinnlich und erregend aus, dass ich mich vielleicht gar nicht würde beherrschen können, versuchte Daktylos, sich mit den Umständen zu versöhnen und sie sich schönzureden.
Immerhin würde der Wichsfilm heute Abend um gleich mehrere Facetten bereichert: Lanikes moderater junger Busen unter dem älteren Unterhemd und Kleid sowie der Schweißfilm auf ihrem jungen Dekolleté. Meine Herren! Lanikes Haut sah wirklich wie das frische Harz der Aleppokiefer aus, mit dem Georgios – der nicht nur Friseur, sondern auch Winzer war – seine Retsina-Flaschen verschloss.
Lanike saß auf einem normalen Stuhl mit Armlehnen und wirkte erwartungsfroh. Die ältere Nachbarin schenkte Daktylos ein Glas kaltes Wasser ein, bevor sie eine Flasche Weißwein holte, aus der sie dann noch einen Schwapp in sein Glas goss. Daktylos hatte den Moment gleich nochmal genutzt, um seine rechte Hand erneut auf Lanikes linken Unterarm zu legen, damit die Energie zwischen ihr und ihm hin- und herfließen konnte.
Als die Nachbarin sich endlich gesetzt hatte, zog er seine Pranke zurück, wobei Lanike ein enttäuschtes Gesicht zu machen schien. Andererseits wollte er es auch nicht übertreiben, in der Gegenwart Marias, und so öffnete er erstmal das Buch, um eine Fabel auszusuchen. Letztlich fragte er sogar die Damen, welche sie hören wollten, doch die überließen ihm die Wahl.
So wurde es letztlich Der Rabe und der Fuchs. Während Daktylos nun las, versuchte er, seine Blicke gerecht zwischen dem Buch, Lanike und Maria zu verteilen, was ihm wohl auch gelang, obwohl es schwer war, seine Augen von dem schönen Geschöpf und ihrem perfekten, sich leise hebenden und senkenden Dekolleté sowie ihrer Schlüsselbeine wegzulenken.
Irgendwann lehnte sich das Mädchen zurück – vielleicht, damit Daktylos ihren jungen Busen besser betrachten konnte? – und er dachte schon wieder an die Wichs-Session heute Abend, die mit dem neuen Stoff wohl wirklich großartig werden würde. Ahnte Maria, wie sehr Daktylos die junge Lanike begehrte? Ahnte letztere es?
Nun, es war ja kein Geheimnis, dass Männer auf junge Frauen standen; wahrscheinlich war die Gouvernante ja genau deshalb hier. In gewisser Weise war das aber wirklich besser, denn Daktylos war ja schon jetzt nahe dran, seine gute Kinderstube zu vergessen und halbwegs den Verstand zu verlieren.
Als er die Fabel zu Ende vorgetragen hatte, klatschte Lanike begeistert, was Daktylos und die Nachbarin charmant und schön fanden. Letztere applaudierte dann ebenfalls noch kurz, bevor sie aber auch gleich bestimmt sagte, dass wir die nächste morgen anhören werden. Mit anderen Worten: das war’s erstmal.
Daktylos wollte nicht unhöflich sein, und so trank er schnell sein Glas aus – und freute sich auf das Wichsen drüben in seinem Haus, das ganz sicher nicht bis zum Abend warten konnte.
Schade aber, dass ich Lanikes Beine nicht richtig gesehen habe, dachte er, als er hastig die paar Meter zurück zu seinem Haus lief, wo er sich sofort auszog und sich dann aufs Bett warf, um den Umstand zu zelebrieren, dass er seine junge Liebe von nun an wohl fast jeden Tag würde sehen können.