Crease - Beyond the Crease

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Summary

BEYOND THE CREASE Zwischen den Pfosten ist er sicher. Doch außerhalb des Eises beginnt das riskanteste Spiel seines Lebens. Jasper Franken ist die Nummer 33. Goalie-Nachwuchs der Icedragons. Ein unüberwindbares Hindernis aus Schienen, Fanghand und eiserner Disziplin. In der „Crease“, seinem Torraum, weiß er genau, wer er ist und was von ihm erwartet wird. Doch die Erwartungen der mächtigen Reeder-Dynastie hinter ihm sind ein Käfig, dessen Gitter aus Tradition und Schweigen bestehen. Als der schüchterne Vincent in die kalte Welt der Eishalle tritt, gerät Jaspers mühsam errichtetes System ins Wanken. Vincent ist alles, was Jasper sich nicht erlauben darf: leise, unangepasst und echt. Während Jasper auf dem Eis um jeden Puck kämpft, muss er sich privat einer viel größeren Herausforderung stellen: dem Risiko, die schützende Goalie-Maske abzunehmen. In einer Welt, in der Schwäche keinen Platz hat, ist die Liebe zu einem Mann das gefährlichste Manöver. Kannst du den geschützten Raum verlassen, ohne dich selbst zu verlieren? Ein Roman über den Kampf um Autonomie, das Zerbrechen von Rollenbildern und den Mut, die Verteidigungslinie für die wichtigste Person im Leben neu zu ziehen.

Status
Complete
Chapters
25
Rating
n/a
Age Rating
16+

Prolog

Oktober 2008

Die Halle war kleiner, als Vincent erwartet hatte.

Niedrige Decke. Kaltes Licht. Der Geruch von nassem Beton und altem Fett hing in der Luft. Irgendwo klapperte Metall, als jemand zu spät gegen die Bande stieß.

Vincent blieb am Rand stehen, die Hände tief in den Taschen seiner zu großen Jacke vergraben. Das Stoffbündel raschelte leise, als er die Schultern ein Stück einzog.

Er hatte keine Ahnung, was er hier tat.

Eishockey war nicht sein Ding. Sport generell nicht.

Aber jetzt war er hier.

Und dann sah er ihn.

Die Nummer 33.

Der Goalie war … auffällig. Nicht perfekt. Nicht ruhig.Zu schnell in manchen Bewegungen. Zu viel Kraft in anderen. Als würde sein Körper noch nicht ganz wissen, wohin mit sich.

Ein Schuss.

Der Puck knallte gegen den Schoner, prallte zur Seite.

Der Goalie riss den Kopf hoch, rief etwas — zu laut für diese kleine Halle, zu dringend. Ein Verteidiger drehte sich kurz zu ihm um, nickte knapp.

Vincent trat näher an die Bande.

Zu nah.

Der Goalie bewegte sich weiter. Korrigierte, dirigierte, klatschte mit dem Schläger aufs Eis.Immer ein bisschen mehr, als nötig gewesen wäre.

Als müsste er beweisen, dass er hier richtig war.

Vincent verstand die Regeln nicht.

Aber das verstand er sofort.

Der Goalie drehte sich kurz in Richtung Bande.

Sein Blick streifte die Zuschauer.

Blieb hängen.

Nur einen Moment.

Vincent spürte, wie sich etwas in ihm straffte — als hätte jemand eine unsichtbare Linie zwischen ihnen gezogen.

Er wich nicht zurück.

„Entschuldigung?“

Vincent drehte sich um.

Der Junge vor ihm wirkte deplatziert. Nicht fehl am Platz — eher, als würde der Raum nicht richtig zu ihm passen. Zu groß für die schmalen Gänge, die Schultern leicht eingezogen, als würde er versuchen, weniger aufzufallen.

Die Kapuze half nicht viel.

Vincent erkannte ihn trotzdem.

„Du bist-“

„Haferflocken“, kam es zu schnell. „Weißt du, wo die sind?“ Ein kurzes Stolpern im Satz. Als hätte er sich selbst unterbrochen.

Vincent nickte langsam. „Gang drei. Links.“

„Danke.“

Zu schnell wieder.

Der Junge ging los.

Vincent blieb stehen.

Dann folgte er ihm.

Vor dem Regal blieb der andere stehen und starrte auf die Packungen, als wären es mehr als nur Haferflocken. Seine Hand griff nach einer, ließ sie wieder los, griff nach einer anderen.

Zögerte.

Vincent trat neben ihn. „Die hier sind günstiger“, sagte er und nahm die Eigenmarke automatisch aus dem Regal. „Ist das gleiche drin.“

Der Junge sah ihn an.

Diesmal länger.

Sein Blick wanderte kurz zu Vincents Namensschild. Dann zu der ausgewaschenen Jacke. Einen Moment zu lange.

Vincent zog unbewusst den Ärmel zurecht.

„Du arbeitest hier?“, fragte der andere.

„Ja.“

Ein kurzes Nicken. Als hätte das etwas bestätigt.

„Dann vertrau ich dir einfach mal.“

Ein kleines Grinsen. Schief. Echt.

Vincent spürte, wie sich etwas in seinem Brustkorb verschob.

„Du spielst bei den Icedragons“, sagte er.

Jetzt war es der andere, der innehielt.

Ein kaum sichtbares Zucken in den Schultern. Dann ein Schulterzucken, das zu lässig wirkte, um echt zu sein.

„Ja.“ Pause. „Warst du beim Spiel?“

Vincent nickte. „Stand direkt an der Bande.“

Ein kurzes Aufblitzen in den Augen des anderen.

„Hab ich gesehen.“ Die Worte kamen leiser. Fast vorsichtig. „Viel zu nah“, fügte er hinzu, diesmal mit einem Hauch Grinsen.

Vincent zuckte mit den Schultern. „Ich hatte keine Ahnung, was ich tue.“

Ein Atemzug.

Dann, schneller als gedacht:

„Ich auch nicht.“

Stille.

Der Junge sah auf die Packung in seiner Hand, drehte sie einmal um — ohne wirklich hinzusehen. „Ich hoffe nur immer, dass es reicht“, murmelte er, fast mehr zu sich selbst.

Vincent runzelte die Stirn. „Was?“

Der andere blinzelte, als hätte er nicht bemerkt, dass er laut gesprochen hatte.

„Nichts.“

Zu schnell.

Zu glatt.

Vincent sagte nichts.

Er sah ihn einfach nur an.

Und dachte zum ersten Mal:

Du bist gar nicht so sicher, wie du tust.

Dieses Mal stand Vincent wieder an der Bande.

Wieder zu nah.

Diesmal absichtlich.

Die Halle war die gleiche, das Licht war genauso kalt — aber irgendetwas hatte sich verschoben.

Die Nummer 33 kam aufs Eis.

Und Vincent sah es sofort.

Nicht viel. Aber genug.

Die Bewegungen waren klarer. Die Rufe gezielter. Aber da war immer noch dieses… Mehr.

Ein bisschen zu viel Einsatz. Ein bisschen zu viel Präsenz.

Als würde er versuchen, jeden Zweifel niederzuringen, bevor er überhaupt entstehen konnte.

Das Spiel wurde schneller.

Ein Angriff.

Ein Schuss.

Der Puck sprang unkontrolliert vor das Tor.

Chaos.

Der Goalie warf sich nach vorne, fing die Scheibe mit dem Handschuh und hielt sie fest.

Zu fest.

Der Pfiff kam.

Die Spieler lösten sich.

Der Goalie blieb einen Moment länger unten, als nötig gewesen wäre.

Als müsste er kurz überprüfen, ob alles noch da war.

Dann stand er auf.

Klatschte mit dem Schläger aufs Eis.

Und suchte die Bande.

Vincent war noch da.

Diesmal wich keiner von beiden aus.

„Du bist schon wieder hier.“

Vincent drehte sich um.

Jasper stand ein paar Schritte hinter ihm, den Helm unter den Arm geklemmt, die Haare noch feucht. Ohne Ausrüstung wirkte er plötzlich jünger. Fast normal.

Und gleichzeitig kein bisschen weniger präsent.

„Du auch“, sagte Vincent.

Ein kurzes Grinsen huschte über Jaspers Gesicht.

Verschwand wieder.

Er kam näher, langsam, als würde er sich nicht ganz sicher sein, ob er das durfte.

„Du stehst immer noch zu nah an der Bande.“

„Vielleicht steh ich einfach gern da.“

„Vielleicht…“, begann Jasper, brach ab.

Ein kurzes Zögern.

Dann: „Was siehst du?“

Die Frage war leise. Ganz anders als auf dem Eis.

Vincent legte den Kopf leicht schief. „Dich.“

Jasper schnaubte. „Sehr hilfreich.“

Vincent machte einen Schritt auf ihn zu. „Nicht den Goalie.“

Noch ein Schritt.

Jetzt waren sie nah genug, dass alles andere leiser wurde.

„Nicht das, was alle anderen sehen.“

Jasper wurde still. Sein Blick blieb an Vincents Gesicht hängen, als würde er nach etwas suchen. Oder hoffen.

Vincent hob die Hand.

Zögerte.

Dann legte er sie an Jaspers Nacken.

Warm.

Echt.

Jasper spannte sich kurz an.

Nicht, weil er weg wollte.

Sondern, als müsste er entscheiden, ob er bleiben durfte.

„Ich sehe jemanden“, sagte Vincent leise, „der immer ein bisschen mehr macht als nötig.“

Ein Atemzug.

„Weil er denkt, dass es sonst nicht reicht.“

Stille.

Jaspers Blick flackerte.

Ganz kurz.

Dann blieb er.

„Und?“, fragte er.

Nicht herausfordernd. Nicht laut. Eher… vorsichtig.

Vincent trat noch ein kleines Stück näher.

„Ich glaube, dass es reicht.“

Ein Moment.

In dem nichts passierte.

Und gleichzeitig alles.

Dann bewegte sich Jasper.

Nur ein Stück.

Als würde er testen, ob die Welt ihn trägt.

Vincent schloss die Lücke.

Der Kuss war unsauber. Zu schnell. Zu neu.

Ein leichtes Aneinanderstoßen der Lippen, ein kurzes Zögern, ein leises Einatmen. Bisschen viel Spucke.

Dann blieb er.

Und das reichte.