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Zwischen Wellen und Worten

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Summary

Manchmal beginnt ein neues Kapitel dort, wo man es am wenigsten erwartet. Zwischen Kunst, Gesprächen und der Weite des Meeres entdeckt Lisa nicht nur eine neue Leidenschaft, sondern auch den Mut, ihren eigenen Weg zu gehen. Und vielleicht wartet zwischen Wellen und Worten sogar mehr auf sie, als sie je zu hoffen gewagt hätte. Eine gefühlvolle Geschichte über Neuanfänge, Mut und die leisen Wunder des Lebens.

Status
Ongoing
Chapters
12
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1 - The Beginning

„Bitte, bitte komm mit!“

„Na gut, weil du es bist.“

Lisa schaute müde auf ihr Handy: 17:15 Uhr.

Eigentlich hatte sie sich auf einen ruhigen Freitagabend mit Pizza und Fernsehen gefreut. Diese Woche war wieder anstrengend und zugleich langweilig gewesen. Arbeit, Arbeit, Arbeit.

Sie konnte sich nicht erinnern, wann sie zuletzt etwas nur für sich getan hatte.

Die letzten Jahre waren wie im Flug vergangen. Termine. Projekte. To-do-Listen. Immer gab es etwas zu erledigen. Immer war irgendetwas wichtiger gewesen als sie selbst.

Nicole hatte Recht.

Sie musste auch mal wieder ausgehen.

Und eine Kunstausstellung war definitiv besser als irgendeine überfüllte Disco.

Sie fuhr den Computer herunter, verabschiedete sich von den Kollegen und plante gedanklich schon die nächsten Schritte.

Jetzt schnell einkaufen.

Dann zu Nicole.

Dann irgendwie den Abend überstehen.


Nicole begrüßte sie mit ihrer gewohnt überschwänglichen guten Laune.

Sie war bereits fertig gestylt und angezogen.

„Hast du noch was anderes zum Anziehen mit?“

Lisa schaute an sich herunter.

„Das ist kein Business-Meeting, wo wir hingehen. Komm, such dir was aus meinen Sachen aus. Möchtest du vorher noch duschen?“

Lisa nahm ihre Freundin spontan in den Arm.

„Danke dir.“

Und dann fing sie an zu weinen.

Einfach so.

Nicole sagte nichts.

Sie hielt sie nur fest.

Als die Tränen langsam versiegten, wischte Lisa sich über die Augen.

„Ich weiß gar nicht, warum ich jetzt geweint habe.“

„Ich kann es mir denken“, sagte Nicole sanft.

„Wir können auch zu Hause bleiben, wenn du möchtest.“

Lisa schüttelte den Kopf.

„Ich schau mal, wie es mir nach der Dusche geht.“

„Ok.“

Nicole drückte sie noch einmal und schaute ihr besorgt hinterher.


„Von wem ist die Ausstellung eigentlich?“, fragte Lisa später, als sie erfrischt und in neuer Kleidung im Taxi saßen.

Die Dusche hatte die Erschöpfung fürs Erste abgewaschen.

Und in Nicoles Kleiderschrank kostenlos shoppen zu dürfen, hatte überraschend viel Spaß gemacht.

„Ein Hannes ... Hannes Dorn, glaube ich. Mike hat die Ausstellung heute in den Veranstaltungen entdeckt.“

„Ist er auch da?“

„Leider nicht. Er muss spontan arbeiten.“

In ihrer Stimme lag ein Hauch Traurigkeit.

„Wann habt ihr euch zuletzt gesehen?“

Nicole seufzte.

„Ich möchte heute nicht darüber reden, ok? Wir machen uns jetzt einen schönen Abend. Und vielleicht lernen wir neue Leute kennen.“

Lisa verzog innerlich das Gesicht.

Neue Leute kennenzulernen stand heute definitiv nicht auf ihrer Wunschliste.


Die Ausstellung fand in einem großen Gebäude mit hohen Fenstern statt, mitten in einem kleinen Waldstück.

Hier wurden regelmäßig Workshops, Yoga-Retreats und Kunstausstellungen veranstaltet.

Vor dem Gebäude standen Autos, Fahrräder und ein Wohnmobil.

Das Wohnmobil fiel sofort ins Auge.

Es passte irgendwie nicht ins Bild.

„Wer ist denn mit dem Wohnmobil da?“

Nicole lachte.

„Das kann ja eigentlich nur der Künstler sein.“

„Das wäre was für mich“, schwärmte Nicole. „Einfach von Ort zu Ort fahren.“

Lisa hakte sich bei ihr unter.

„Dann schnapp dir doch den Künstler.“

Kichernd gingen sie Richtung Eingang.

Drinnen war bereits einiges los.

Lisa war erleichtert, einfach in der Menge untertauchen zu können.

Nicole organisierte sofort Sekt und Häppchen, und Lisa ließ sich von ihrer guten Laune anstecken.

Die Räume waren verschiedenen Ländern gewidmet.

Dänemark.

Schweden.

Finnland.

Irland.

Kräftige Farben.

Weite Landschaften.

Meer.

Licht.

„Zum Glück keine abstrakte Kunst“, murmelte Lisa.

Nicole nickte zustimmend.

Sie ließen sich treiben.

Und irgendwann blieb Lisa vor einem Bild stehen.

Nordsee.

Dünen.

Weite.

Wind.

Etwas in ihr wurde plötzlich ganz still.

Zum ersten Mal seit Monaten dachte sie nicht an die Arbeit.

Nicht an Termine.

Nicht an Verpflichtungen.

Nur an das Meer.

„Sind Sie gerade am Strand?“

Die tiefe Stimme riss sie aus ihren Gedanken.

Lisa drehte sich um.

Braune Augen.

Ein warmes Lächeln.

„Oh, ich wollte Sie nicht erschrecken.“

„Alles gut.“

Sie schaute wieder auf das Bild.

„Es hat mich nur gerade an etwas erinnert.“

Der Mann betrachtete das Bild ebenfalls.

Eine Weile sagte er nichts.

„Ich kenne diesen Strand ziemlich gut.“

„Ach ja?“

„Ja.“

Er lächelte.

„Ich habe ihn gemalt.“

Lisa blinzelte.

„Oh.“

Dann musste sie lachen.

„Sie sind der Künstler.“

„Schuldig.“

„Ich liebe Dänemark und die Strände“, sagte er. „Wenn ich dort bin, könnte ich vierundzwanzig Stunden am Stück malen.“

„Das klingt schön.“

„Vielleicht erinnert dich das Bild an andere Zeiten?“

Lisa schaute ihn überrascht an.

„Vielleicht.“

„Kreative Zeiten?“

Woher wusste er das?

Sie nickte.

Plötzlich wurde sie traurig.

„Ja.“

Er musterte sie einen Moment.

Nicht unangenehm.

Eher aufmerksam.

Als würde er wirklich zuhören.

„Ich bin übrigens Hannes Dorn.“

Er streckte ihr die Hand entgegen.

„Lisa Wagner.“

Seine Hand war warm.

„Freut mich sehr, Lisa.“

„Mich auch.“

„Darf ich Lisa sagen?“

„Natürlich.“

„Gut. Ich finde Siezen anstrengend.“

„Geht mir genauso.“

Zum ersten Mal an diesem Abend lächelte Lisa ganz ehrlich.

„Also Lisa, ich hoffe, dir gefällt die Ausstellung.“

Er deutete in Richtung einer Gruppe.

„Ich muss zurück zu meinen Kursteilnehmern. Wir treffen uns hier jedes Jahr. Wenn du möchtest, komm gerne dazu.“

In diesem Moment wurde sein Name gerufen.

„Hannes!“

„Ich muss los.“

„Kein Problem.“

Er lächelte noch einmal und verschwand.

„Wer war das?“

Nicole stand plötzlich wieder neben ihr.

Natürlich mit einer neuen Runde Sekt und Häppchen.

„Hannes Dorn höchstpersönlich.“

„Uiuiui.“

Nicole grinste.

„Du hast ihn also zuerst kennengelernt.“

„Er hat mich eingeladen, zu seiner Gruppe zu kommen.“

„Und?“

„Nein.“

„Warum?“

„Weil ich heute keine Gespräche über Kunst und Reisen führen möchte.“

Nicole lachte.

„Na gut. Dann gehe ich vielleicht kurz hin.“

„Mach das.“

Lisa war ehrlich erleichtert.

Manchmal wäre sie gern etwas mehr wie Nicole.

Heute allerdings nicht.


Sie wollte eigentlich alle Räume ansehen.

Aber irgendwann wurde sie müde.

Richtig müde.

Die Art von Müdigkeit, die nicht durch Schlaf verschwindet.

Sie schrieb Nicole eine Nachricht und beschloss, nach Hause zu fahren.

Während sie auf ihr Taxi wartete, blieb sie am Eingang stehen.

Dort lagen Flyer, Postkarten und Bücher.

Eines davon zog sofort ihre Aufmerksamkeit auf sich.

„Vom Malen zum Reisen zum Malen.“

Geschrieben von Hannes Dorn.

Neugierig las sie den Klappentext.

„Lisa, möchtest du schon gehen?“

Sie blickte auf.

Hannes stand wieder vor ihr.

„Ja. Die Woche war ziemlich voll.“

„Verständlich.“

Sein Blick fiel auf das Buch.

„Oh. Du bist, glaube ich, die Erste, die das seit Erscheinen überhaupt in die Hand genommen hat.“

Er lachte.

„Das kann ich kaum glauben.“

„Doch.“

Wieder wurde sein Name gerufen.

„Hannes!“

„Ich muss leider.“

Er machte eine kleine Pause.

„Aber die Ausstellung läuft noch zwei Wochen.“

Lisa nickte.

„Dann komme ich vielleicht nochmal vorbei.“

„Das würde mich freuen.“

Dieses Mal klang es fast ein wenig persönlicher.

Dann verschwand er erneut in der Menge.

Draußen hupte ein Taxi.

Lisa legte das Buch zurück.

Stattdessen nahm sie einen Flyer mit.

„Malen um die Welt.“


Zu Hause setzte sie sich mit einer Tasse Tee an den Küchentisch.

Der Abend war überraschend schön gewesen.

Sie klappte ihr Notebook auf und studierte den Flyer.

Dänemark.

Frankreich.

Schweiz.

Österreich.

Ein ganzes Jahr voller Reisen und Malkurse.

Österreich im Winter.

Schnee.

Berge.

Freiheit.

Lisa schloss kurz die Augen.

Was für ein Leben.

Dann öffnete sie eine Suchmaschine.

„Also Herr Hannes Dorn“, murmelte sie.

„Was erzählt das Internet über Sie?“

Viel war es nicht.

Ein paar Künstlerverzeichnisse.

Einige Ausstellungshinweise.

Kein Social Media.

Keine Homepage.

Nichts.

Merkwürdig.

Sie griff erneut nach dem Flyer.

Die Malkurse im Atelier liefen noch vier Wochen.

Das klang tatsächlich interessant.

Aber was sollte sie dort?

Sie hatte seit Jahren nicht mehr gemalt.

Und Zeit hatte sie erst recht nicht.

Abends nach der Arbeit war sie meistens zu müde für alles.

Trotzdem legte sie den Flyer nicht weg.

Irgendetwas daran ließ sie nicht los.

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