Kapitel 1
Der Boden kam meinem Gesicht immer näher, erst im letztem Moment hielten meine Hände den Aufprall auf. Sofort bildete sich ein feuchtes Nass in meinen Augenwinkeln, meine Hände brannten aufgrund des Asphalts darunter.
„Valeria, alles okay?", fragte Annabeth und bot mir ihre Hand freundlich an.
Ich nickte und nahm ihre Hand an, direkt darauf wischte ich meine Tränen unauffällig weg.
Mein großer Bruder, Fuegoleon, kam zu uns und redete mir ein, ich sollte es sein lassen. Er meinte, eine Sechsjährige sollte es gar nicht erst probieren. Mereoleona guckte einfach nur zu, sie unterstützt mich, jedoch wollte ich nicht, dass sie mir hilft.
Das sagte ich ihr schon die letzten Wochen lang.
Annabeth guckte sich die kleinen Schürfwunden an meinen Händen und Knien an, bevor sie ihre Frage aussprach: „Wofür ist das Kämpfen mit mir überhaupt gut? Du solltest stattdessen Spaß haben oder so!"
Annabeth ist knapp ein Jahr älter als ich und beherrscht ihre Tier-Magie schon erstaunlich gut. Sie ist meine Beste Freundin und ältere Cousine.
Sie hat hellbraunes Haar in zwei Zöpfen zu den Seiten aufgeteilt und ihre Augen leuchten grün.
Ich finde ihre Magie wirklich einzigartig und interessant, es ist so inspirierend. Ihre Eltern haben eine Art von Blumenmagie, und sie?
Annabeth formt aus Blumen und Pflanzen lebendige Tiere, die ihr Folge leisten.
Und genau das finde ich so verdammt cool, dass ich auch eine so einzigartige Magie will. Nicht einfach Feuer, so wie meine Geschwister - etwas anderes.
Deshalb arbeite ich seit ungefähr zwei Wochen an meiner eigenen Magie. Etwas was mir Einzigartigkeit verleiht und mich weiter inspiriert auf meinem Weg, in einen Ritterorden zu kommen. Den Ritterorden will ich nur beitreten, um viele coole Magie-Arten kennenzulernen und im Endeffekt meine zukünftigen Geheimwaffen auszubauen.
„Wofür das kämpfen mit dir gut ist? Sieh dich doch mal um, Anna.", meinte ich und stieß einen sanften Seufzer aus.
Der Trainingsplatz ist modern, alles ist ausgeschmückt und aufgrund von Statuen und Skulpturen, ist mehr Platz zum Bestaunen, als zum Kämpfen. Weit und breit sind nur Vermillions zu sehen: große Schwester Mereoleona, großer Bruder Fuegolion, kleiner Bruder Leopold und kleine Cousine Mimosa.
„Alle beherrschen langweilige Feuermagie, und Mimosa sagte, sie will nicht kämpfen.", ich grinste ein wenig und zeigte mit meinem Finger auf Annabeth,: „Du bist meine einzige Möglichkeit."
Der Raum wurde stiller als davor und ich spürte eine Hand auf meiner Schulter. Fuegoleon. Er guckte mir in die Augen und kniete sich auf meine Höhe runter.
„Valeria, lass erstmal gut sein. Versuch es wenn du älter bist, dann verstehst du wie viel dir deine jetzige Magie bedeutet.", meinte er mit einem ruhigen Gesicht.
Dieses Gesicht, das eine Art von Kälte ausstrahlt, aber trotzdem keine Abneigung. Wie sehr ich diesen Blick hasste...auch wenn ich meinen älteren Bruder persönlich mochte, das Gesicht mochte ich niemals.
Es sieht aus, als würde er nicht daran glauben, dass ich es schaffen könnte.
Ich schlug seine Hand etwas gröber von meiner Schulter, rannte zurück in das weitläufige Gebäude und dann in mein Zimmer.
„Das ist doch nur ein weiterer Grund, nicht aufzugeben...", murmelte ich leise vor mich hin und nahm mir ein Buch von meinem Regal.
Wenn ich etwas in Massen hatte, dann waren es Bücher. Und jedes von ihnen ging über Magie.
Ein paar wenige Wochen vergingen und mein Projekt wurde viel geheimer. Ich erzählte ihnen nicht davon, dass ich weiterhin daran arbeitete.
Als wir eines Tages in die Stadt fuhren, war es mir erlaubt, mit Leopold alleine herrumzugehen.
„Leo, ich will unbedingt nach da, die Omi hat voll die coole Magie!", meinte ich und lief rücksichtslos vor.
Da war eine Frau älteren Alters und hatte anscheinend Flammenmagie. Aber anstatt sie normal zu benutzen, färbte sie die Flammen eigenständig.
Meine Augen waren geradezu gefesselt von ihrer bunten Magie.
„Man, renn doch nicht immer weg. So spektakulär ist das doch gar nicht.", log Leopold, jedoch erkannte ich an seinem Tonfall die Wahrheit.
Ein kleines Lächeln krönte meine Lippen: „Du willst doch einfach nicht zugeben, dass eine solche Magie dich interessiert.", konterte ich und gab ihm einen kleinen Schlag in den Nacken.
Gerade als ihr Feuer eine Lila Farbe annahm, hörte ich eine maskuline Stimme neben mir.
„Wie krass ist das denn!", staunte er und kurz darauf löcherte er die alte Dame mit Fragen.
Ich ignorierte die restliche Menschenmasse. Dieser Jugendliche war viel interessierter an ihrer Magie als der Rest - einschließlich mir.
„Ma'm, andere Frage. Wie färben sie die Flammen? Haben sie dafür Pulver oder machen sie das eigenständig?"
Er ließ mir keine andere Wahl, als ebenfalls an ihren Antworten interessiert zu sein. Er war so neugierig, dass ich mich fast wie ein normaler Bürger fühlte. Da sah ich die Robe - er ist ein Ordensritter.
Aus meinem Mund kam eine Frage, noch bevor ich die Worte in meinem Kopf verarbeitet hatte: „Herr Ritter, denkst du, ich kann meine eigene Magie erschaffen?"
Sofort hielt ich meine Hand vor meinen voreiligen Mund. Ich bereute es sofort.
Er würde mich auslachen.
Sagen, ich solle es lieber lassen.
Leopold stellte sich neben mich: „Valeria! Du hast ihn geduzt, er ist ein Ritter, hast du das nicht gesehen?"
Die Angst in mir stieg in meinen Hals und spürte, wie dieser sich zusammenzog. Mir wurde am ganzen Körper warm, und ein rosa Schleier hing über meinen Wangen.
„Das ist doch kein Problem", meinte der fremde Ritter und beugte sich langsam zu mir runter,: „Valeria Vermillion, richtig?"
Ich nahm langsam meine Hand vom Mund weg und nickte einmal kurz.
„Das ist eine super Idee. Bitte sag mir bescheid wenn du fertig bist. Ich bin mir sicher, dass du das meisterst!", fing er grinsend an zu reden und hörte kaum mehr auf.
Anstatt bösen Worten oder Kritik kam Unterstützung. In meinen Ohren hörten sich seine Worte so magisch an, als hätte er direkt einen Zauber auf mich gewirkt. Während die anderen der Dame zuguckten, war mein Kopf ganz woanders.
Langsam kam mein Lächeln wieder und mit jedem Wort, das aus seinem Mund kam, wurde es breiter.
Seine Augen funkelten während er erklärte und dabei stark gestikulierte.
Zu meinem Bedauern kamen ein paar andere Ordensritter und er musste weiter gehen. Er würde dieses Gespräch vergessen, da war ich mir sicher. Ich aber nicht! Und deshalb brauche ich wenigstens seinen Namen.
„Ritter!", rief ich und zog sachte an seinem Shirt: „Wie ist dein Name?"
Durch seine Worte, gab ich an diesem Tag nicht auf, und stattdessen weiterhin mein Bestes. In jeder freien Minute stand ich auf dem Trainingsplatz und dachte mir was Neues aus.
Und so vergingen die Jahre schneller, als ich es mir hätte vorstellen können.
Julius, das war sein Name.
Er heißt Julius.