One Shots boyxboy

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Summary

One Shots über die Liebe zwischen zwei Männern

Genre
Romance/Drama
Author
Nicole
Status
Ongoing
Chapters
2
Rating
n/a
Age Rating
16+

Rhabarberduft und junge Liebe

Christian


Auf der Station ist heute mal wieder die Hölle los. Wir haben morgens zehn neue Patienten bekommen und alle Hände voll zu tun, ihnen allen ein Zimmer zuzuweisen und sie für die Operationen fertig zu machen. Unter ihnen ist ein junger Mann, vielleicht Mitte 20, der mir sofort aufgefallen ist.


Er ist knapp 1,90m groß, hat lockige, braune, etwa kinnlange Haare, haselnussbraune Augen, eine Stupsnase mit ein paar Sommersprossen und volle Lippen, die zu einem Lächeln verzogen sind. Meine Kollegin Lilli stupst mich an, während er ein paar Formulare ausfüllt.


"Ist der nicht niedlich?", wispert sie.


"Ja, aber er steht bestimmt nicht auf Männer", gebe ich ebenso leise zurück. "Und selbst wenn, kann er doch jeden haben, mit seinem Aussehen."


Lilli wirft mir einen warnenden Blick zu. Sie mag es nicht, wenn ich mich selber schlecht mache. Aber ich bin nun mal nur Durchschnitt und vermutlich nicht mal das. Blonde, glatte Haare, 1,70m klein, blaue Augen, Brille. Ja, ich bin schlank und viele Männer stehen darauf, aber ich hatte bisher trotzdem kein Glück.


"Mensch Chris, mach dich doch nicht selber fertig. Du bist ein toller Mann und ich weiß echt nicht, warum du noch solo bist."


Der Mann ist inzwischen von Vanessa auf sein Zimmer gebracht worden. Ich schenke mir noch einen Kaffee ein, nippe daran und seufze, bevor ich ihr antworte.


"Weil ich nun mal kein Traummann bin, auch wenn du das anders siehst. Lass uns an die Arbeit gehen, deswegen sind wir schließlich hier. Nicht, um Patienten hinterher zu schmachten, die sowieso unerreichbar sind."


Erneut schnaubt meine Kollegin leise, ist aber klug genug, nichts mehr zu sagen. Ich mache meine Runde, messe Blutdruck und Puls, teile Medikamente aus und gebe Thrombosespritzen. Die Patienten sind alle sehr nett und es ergeben sich hin und wieder Gespräche. Der Neue ist gerade im OP, ihn werde ich frühestens heute Nachmittag sehen.


Der Tag ist ereignisreich und als ich meine letzte Runde vor dem Feierabend drehe, ist er zurück im Zimmer. Leise klopfe ich, öffne die Tür und gehe hinein. Er liegt im Bett, die Augen geschlossen und scheint zu schlafen. Sanft berühre ich ihn am Arm und er macht die Augen auf.


"Hallo, Herr Berger. Ich bin Christian. Wie fühlen Sie sich?" Aus dem Krankenblatt weiß ich, dass er eine Bandscheiben OP hinter sich hat.


Ein kleines Lächeln erscheint auf seinen Lippen und bringt mein Herz zum Stolpern. "Ich heiße Florian. Mir geht es gut", sagt er mit samtweicher Stimme.


"Haben Sie...hast du Schmerzen?"


"Ein wenig, aber sie sind erträglich. Ich fühle mich jetzt schon besser, als vor der Operation."


"Das höre ich gerne. Du musst noch ein bisschen auf dem Rücken liegen bleiben und hast heute Bettruhe. Wenn du etwas brauchst, scheu dich nicht, zu klingeln."


"Danke."


Wieder lächelt er mich an und ich erwidere es automatisch. Auch bei ihm messe ich Blutdruck und Puls, kontrolliere die Drainage und trage alles in sein Datenblatt ein.


"In einer halben Stunde gibt es Abendessen. Lass es dir schmecken. Ich habe dann Feierabend, aber ich denke, wir sehen uns noch."


"Ich würde mich freuen", sagt er leise. "Schönen Feierabend, Christian."


"Schönen Abend, Florian."


Vor der Tür bleibe ich einen Augenblick stehen, atme tief durch und versuche mein Lächeln unter Kontrolle zu bekommen.


Florian


Obwohl ich von der Narkose noch etwas benommen bin, bemerke ich sehr wohl, dass Christian ein hübscher Mann ist. Deshalb habe ich ihm auch das Du angeboten. Außerdem fühle ich mich immer so alt, wenn man mich Herr Berger nennt. Nur schade, dass er jetzt Feierabend hat, ich hätte gerne mal nach ihm geklingelt.


Abends kommt eine Schwester herein, die nochmal alle meine Vitalfunktionen überprüft und mir dann eine gute Nacht wünscht. Weil ich den halben Nachmittag gedöst habe, kann ich lange nicht einschlafen. Ich schreibe meiner besten Freundin und sie ist tatsächlich noch wach. Sie ruft mich an und ich erzähle ihr von Christian.


"Du hast dich verknallt? Im Krankenhaus?", fragt Bine ungläubig.


"Sieht ganz so aus", gebe ich leise zu.


"Fragst du ihn nach einem Date?"


"Ich weiß nicht, Bine. Auch wenn er mich angelächelt hat, kann ich nicht sicher sein, dass er auf Männer steht."


"Du hast doch nichts zu verlieren, Flo."


"Was, wenn er es jemandem meldet?"


Sie lacht leise. "Du schaust zuviel Fernseh. Wegen einer normalen Frage meldet er sicher nichts. Mensch Flo, du bist schon so lange alleine und ich möchte, dass du endlich wieder glücklich wirst."


"Danke, Binchen. Wir sehen uns morgen, ich sollte jetzt schlafen."


"Bis morgen. Schlaf gut, Großer."


Der süße Pfleger verfolgt mich bis in meine Träume und ich wache lächelnd auf. Um kurz vor 7 Uhr früh klopft es und Christian kommt herein.

Sofort schlägt mein Herz schneller.


"Guten Morgen, Florian", begrüßt er mich freundlich.


"Guten Morgen, Christian."


"Wie geht es dir heute?"


"Ganz gut. Wann darf ich denn aufstehen?"


"Sofort, wenn du möchtest. Hat man dir schon gezeigt, wie es nach der Operation geht?"


"Nein, noch nicht."


"Gut, dann zeige ich dir das."


Er stellt das Bett richtig ein und erklärt mir, wie ich die Beine aufstellen soll. Die Hand legt er an meine Knie und hilft mir vorsichtig dabei, mich aufzusetzen. Auf der Bettkante bleibe ich kurz sitzen, damit mein Kreislauf nicht in den Keller sackt.


"Das sieht gut aus. Langsam aufstehen und dann ins Bad. Bitte die Tür nicht abschließen, für den Fall, dass etwas sein sollte."


Ganz langsam stehe ich auf und gehe ins Bad. Dabei muss ich die Flasche von der Drainage mitnehmen. Es tut gut, wieder auf den Beinen zu sein. Ich erleichtere mich, wasche meine Hände und kämme mir die Haare. Danach tappe ich wieder zurück zum Bett, das Christian gerade frisch bezieht.


"Alles ok?", fragt er und unsere Blicke treffen sich.


"Ja, alles gut. Christian, ich...", fange ich an und breche dann den Satz ab. Auffordernd schaut er mich an, bittet mich stumm, weiterzusprechen. "Würdest du mal mit mir ausgehen, wenn ich wieder hier raus bin?", frage ich leise und werde bestimmt flammend rot.


Überraschung spiegelt sich in den blauen Augen, er hört sogar auf, das Bett fertig zu beziehen. Stille hängt zwischen uns im Raum und ich finde mich schon damit ab, eine Abfuhr zu bekommen. Doch dann erscheint ein Lächeln auf seinen Lippen und er nickt zaghaft.


"Ich würde sehr gerne mit dir ausgehen."


Christian


Dieser umwerfend aussehende Kerl hat mich tatsächlich nach einem Date gefragt. Ich glaub ich dreh gleich durch. Nur mit allergrößter Mühe schaffe ich es, sein Bett zu beziehen. Anschließend verschwinde ich eilig aus dem Zimmer und mache mich auf die Suche nach Lilli. Im Aufenthaltsraum werde ich fündig. Ich setze mich zu ihr und sie mustert mich ganz genau.


"Du strahlst ja bis über beide Ohren", stellt sie fest und knufft mich in die Seite. "Hat das was mit dem süßen Kerl in Zimmer 10 zu tun?"


"Ja", hauche ich.


"Erzähl, ich will alles wissen."


"Florian hat mich auf ein Date eingeladen", antworte ich.


"Das ist ja der Wahnsinn", ruft sie und umarmt mich fest. "Ich freue mich total für dich, Chris."


"Ich bin jetzt schon aufgeregt, Lilli."


"Da hast du doch gar keinen Grund dafür. Chris, du bist ein toller Mann und das hat er auch erkannt. Sonst hätte er dich nicht eingeladen."


Bevor ich nach Hause gehe, schaue ich nochmal bei Flo vorbei. Vorhin habe ich ihn auf dem Flur getroffen und er sah irgendwie verloren aus. Leise schlüpfe ich zu ihm ins Zimmer und sehe, dass er die Augen geschlossen hat. Als er meine Schritte hört, flattern seine Lider auf und sein Blick fällt auf mich.


"Hallo", sagt er leise.


"Hey. Ist alles in Ordnung?"


Er setzt sich auf, stellt das Kopfteil höher und lehnt sich dagegen. Dann atmet er tief durch und nickt. "Ja, alles gut."


Da er sich nicht gerade überzeugend anhört, setze ich mich auf den Stuhl neben dem Bett und schaue ihn mit schief gelegtem Kopf an. "Willst du darüber reden?"


"Meine Eltern kommen nicht sehr gut damit zurecht, dass ich schwul bin. Außer meiner besten Freundin Bine habe ich nur noch ein paar Leute, auf die ich mich verlassen kann."


Seine Augen sind traurig und ich würde ihn am liebsten in den Arm nehmen. Doch dann habe ich eine andere Idee.


"Gehst du mit mir auf einen Kaffee?"


Ein kleines Lächeln zupft an seinen Mundwinkeln. "Das wäre sehr schön. Darf ich denn raus gehen?" Flo deutet auf die Drainage.


"Na klar. Ein wenig frische Luft wird dir sicherlich gut tun. Na komm, lass uns gehen."


Fünf Minuten später verlassen wir das Krankenhaus und gehen durch den kleinen Park zum Biergarten. Dort finden wir einen Platz im Schatten, bestellen Kaffee und Kuchen und schauen uns dann schweigend an.


"Es tut mir leid, dass deine Eltern dich nicht so akzeptieren, wie du bist", sage ich schließlich.


"Ich habe mich damit abgefunden. Danke, dass du mir zuhörst."


"Als ich dich vorhin auf dem Flur getroffen habe, sahst du unglaublich traurig aus. Ich musste einfach zu dir kommen, nachdem mein Dienst beendet war."


"Eigentlich wollte Bine vorbeikommen, aber sie hat es dann doch nicht geschafft."


Wir sitzen etwa eine Stunde zusammen, bis ich merke, dass Flo Schmerzen hat. Ich begleite ihn nach oben, verabschiede mich von ihm und mache mich auf den Weg nach Hause.


Florian


Einen Tag später werde ich die lästige Drainage los und darf nach dem Mittagessen duschen gehen. Genüsslich reibe ich mich mit dem duftenden Duschgel ein, lasse das warme Wasser ausgiebig über meinen Körper perlen. Nachdem ich fertig bin, fühle ich mich wie ein neuer Mensch und grinse übers ganze Gesicht. Leider habe ich Chris heute noch nicht gesehen, was ein kleiner Wermutstropfen ist.


Ich klingle, weil meine Wunde frisch verbunden werden muss. Als die Tür aufgeht, macht mein Herz einen freudigen Hopser, weil Christian hereinkommt.


"Hallo Flo, was kann ich für dich tun?"


"Hallo, Chris. Ich war duschen und brauche einen neuen Verband", erteile ich die gewünschte Auskunft.


"Na, dann lass mal sehen."


Er holt frische Pflaster und Handschuhe aus dem Schrank, bevor er zu mir an Bett tritt. Vorsichtig entfernt er den alten Verband, desinfiziert die Wunde und nickt zufrieden.


"Sieht sehr gut aus." Auf einmal schnuppert er und sein Lächeln wird breiter. "Du riechst gut. Was ist das für ein Duschgel."


Meine Wangen färben sich rosa. "Mit Rhabarberduft", nuschle ich undeutlich.


Chris klebt das neue Pflaster auf. "Fertig. Sag mal, würdest du mir zeigen, wie die Flasche aussieht. Das möchte ich gerne mal ausprobieren."


Er kommt mir ganz nah und riecht erneut an meinem Arm. Dabei berührt seine Nase meine Haut und hinterlässt ein wohliges Prickeln. Völlig gefangen in diesem Gefühl bleibe ich sitzen und grinse glücklich vor mich hin.


"Flo?" Sanft stupst er mich an. "Wovon träumst du?"


"Ähhh, nichts. Du wolltest doch das Duschgel sehen", lenke ich ab und will hastig aufstehen.


"Langsam, du musst auf deinen Rücken aufpassen."


Im Bad nehme ich die Flasche und halte sie ihm hin. "Da muss ich auf dem Heimweg gleich mal einkaufen gehen."


"Kommst du noch vorbei, bevor du gehst?"


"Na klar."


Seine Hand liegt schon auf der Türklinke, dann dreht er sich nochmal um und küsst mich auf die Wange. Ehe ich reagieren kann, ist er verschwunden und ich stehe perplex in dem kleinen Flur. Lächelnd tappe ich zum Bett, lege mich hinein und schließe die Augen. So gut wie jetzt habe ich mich lange nicht mehr gefühlt. Das ich mich im Krankenhaus verlieben würde, habe ich nie zu träumen gewagt.


Drei Stunden später klopft es und ich öffne träge die Augen. Sofort fange ich an zu lächeln, als ich Christian erblicke. Er setzt sich zu mir ans Bett und lächelt mich an.


"Lust auf einen Kaffee im Park?", fragt er schüchtern.


"Mit dir jederzeit."


Wieder bringt uns der Aufzug hinunter und wir schlendern den Weg entlang. Ich bin mir Christians Nähe sehr bewusst und würde am liebsten nach seiner Hand greifen. Noch bevor ich mich entscheiden kann, was ich tun soll, streifen seine Finger meine und umschließen sie sacht. Ich verstärke den Druck, zeige ihm damit, dass ich damit einverstanden bin, seine Hand zu halten.


"Du bekommst doch hoffentlich keinen Ärger, wenn wir das tun?", frage ich leise.


"Nein, ich habe schließlich schon Feierabend und es wäre auch sonst kein Problem. Mach dir darüber keine Gedanken, alles gut."


Erleichtert atme ich auf und mein Blick versinkt erneut in seinen wunderschönen blauen Augen.


Christian


Wir schauen uns tief in die Augen und ich spüre, dass aus uns ein Paar werden könnte. Florian ist der liebste, freundlichste und wundervollste Mann, den ich seit langem getroffen habe. Als wir uns nach dem Kaffee trinken voneinander verabschieden, frage ich ihn nach seiner Telefonnummer, die er mir bereitwillig gibt. Da er morgen früh entlassen wird, ich aber Spätdienst habe, werden wir uns in der Klinik nicht mehr sehen.


"Ich schreibe dir nachher", verspreche ich und er lächelt mich sanft an.


Auf dem Heimweg kaufe ich noch ein paar Sachen ein, mache mir was zu essen und setze mich aufs Sofa. Dann hole ich mein Handy heraus und schreibe eine Nachricht an meinen Schwarm.


'Hallo, Flo. Alles klar bei dir? Gruß Chris.'


'Schön, dass du dich meldest. Ja, alles in Ordnung. Schade, dass wir uns morgen nicht mehr sehen.'


Ich nehme meinen ganzen Mut zusammen, bevor ich die nächste Nachricht tippe und abschicke. 'Komm doch am Wochenende zum Essen zu mir. Ich habe frei.'


Eine Weile kommt nichts zurück und ich denke schon, ich bin übers Ziel hinausgeschossen. Doch dann klingelt mein Handy und ich gehe aufgeregt dran.


"Hey."


"Hi. M-Meinst du das ernst?", stammelt er unsicher.


"Natürlich meine ich das ernst. Ich weiß, dass du dich noch schonen musst. Wir könnten nach dem Essen noch einen Film schauen."


"Ich nehme deine Einladung gerne an", sagt er leise.


Wir verabreden die Zeit und ich gebe ihm meine Adresse, dann verabschieden wir uns voneinander. Glücklich lächelnd tanze ich durchs Wohnzimmer. Da ich diese Freude mit jemandem teilen muss, rufe ich Lilli an und erzähle ihr davon. Meine Kollegin freut sich sehr für mich und drückt mir die Daumen, dass ich diesmal Glück mit einem Mann habe.


Am Samstagabend warte ich ungeduldig auf Flo. Dauernd kontrolliere ich, ob meine Kleider richtig sitzen und das Essen wirklich perfekt ist. Nervös tigere ich in der Küche auf und ab und knabbere an meinem Daumennagel. Als es endlich klingelt, springe ich fast an die Decke. Ich drücke den Öffner im Flur und mache dann die Tür auf. Nach einer haben Minute taucht Florians Haarschopf auf und ich fange unwillkürlich an zu Lächeln.


"Hallo Flo, schön dass du da bist."


"Hi Chris. Danke, für die Einladung."


Er zögert einen Moment, aber dann umarmt er mich doch. Wieder rieche ich den tollen Duft nach Rhabarber. Grinsend streiche ich mit der Nase über die weiche Haut an seinem Hals, bevor wir uns voneinander lösen. Ich bitte Flo herein und er sieht sich neugierig um.


"Tolle Wohnung", sagt er.


"Klein, aber mein."


"Meine Wohnung ist auch nicht viel größer. Hauptsache es ist gemütlich und das ist es bei dir auf jeden Fall."


Ich gehe vor in die Küche und biete ihm etwas zu trinken an. Danach setzen wir uns und lassen uns die Pizza schmecken, die ich gemacht habe. Immer wieder huscht mein Blick zu Flo, ich kann kaum glauben, dass er wirklich da ist.


Florian


Es ist schön, bei Christian zu sein. Seine Wohnung ist gemütlich, die Pizza sehr lecker und wir unterhalten uns angeregt. Unsere Blicke suchen und finden sich immer wieder. Meist ist es Chris, der den Augenkontakt scheu lächelnd abbricht. Mir gefällt, dass er kein Draufgänger ist. Die warmherzige Art, die er an sich hat, tut mir einfach gut.


"Sag mal, wie geht es dir eigentlich? Hast du Schmerzen?"


"Es geht mir ganz gut. Ein bisschen tut die Operationswunde noch weh und du weißt ja, dass ich nicht zu lange sitzen soll."


"Na klar. Deshalb habe ich auch schon das Sofa hergerichtet."


Nach dem Essen gehen wir hinüber ins Wohnzimmer und ich bin gerührt, wie viel Mühe er sich gegeben hat. Zusammen machen wir es uns bequem, Chris schaltet den Fernseher ein und startet einen Film. Doch von dem bekomme ich nicht sehr viel mit, weil ich damit beschäftigt bin, Christian anzuschauen. Auf einmal dreht er den Kopf und die Luft zwischen uns knistert wie verrückt.


Mir schlägt das Herz bis zum Hals, während wir uns immer näher kommen. Kurz vor seinen Lippen verharre ich, gebe ihm die Möglichkeit sich zurückziehen. Doch Chris denkt nicht mal daran, sondern überbrückt den Abstand und haucht mir einen sanften Kuss auf den Mund. Diese erste, zarte Berührung ist wunderschön und berührt mich tief. Ich habe so lange keinen Mann geküsst und jetzt darf ich Christian küssen, in den ich mich verliebt habe.


Ganz langsam vertiefen wir den Kuss, seine Arme schlingen sich um meinen Hals, ziehen mich noch näher. Atemlos beenden wir den Kuss und Christian lächelt mich scheu an.


"Das war wunderschön", flüstert er.


"Ja, war es. Ich bin froh, dass ich dich getroffen habe."


Wir kuscheln lange auf dem Sofa, bis ich anfange, dauernd zu gähnen und meine Augen zufallen. Chris bringt mich zur Tür, umarmt mich und ich küsse ihn erneut liebevoll. Auf dem Weg nach Hause habe ich ein dickes Grinsen im Gesicht. Ich bin über beide Ohren in den schüchternen Mann verliebt.


Am nächsten Tag treffen wir uns zu einem Spaziergang. Hand in Hand gehen wir durch den Park, machen in einem Café Pause und gönnen uns ein Eis. Heute Abend muss ich unbedingt Bine anrufen und ihr erzählen, wie glücklich Christian mich macht.


Er begleitet mich nach Hause und verabschiedet sich an der Haustür von mir, obwohl ich ihn bitte, mit nach oben zu kommen. Sanft küsst er mich und umarmt mich fest.


"Bitte, lass es uns langsam angehen. Ich hatte lange keine Beziehung und will nichts überstürzen."


"Ist in Ordnung. Musst du morgen arbeiten?"


"Ja, ich habe die nächsten vier Tage Frühschicht."


Nach einem erneuten Kuss wendet er sich ab und geht die Straße entlang. An der Ecke, an der er abbiegen muss, dreht er sich nochmal um und winkt mir zu. Mein Herz rast vor Freude los und ich presse meine Hand darauf, weil ich denke, es springt mir aus der Brust. In meiner Wohnung hole ich mein Handy heraus, rufe Bine an und schwärme über eine Stunde von Chris und den zwei tollen Treffen.


Christian


Seit zwei Monaten treffen Flo und ich uns jetzt. Wir halten Händchen, kuscheln und küssen uns, mehr ist noch nicht zwischen uns passiert. Zum einen muss Flo sich noch schonen, zum anderen wollen wir beide nichts überstürzen.


Gerade stehe ich unter der Dusche und seife mich mit dem duftenden Duschgel ein, dass mich stets an ihn erinnert. Rhabarberduft. Ich habe mir ein paar Flaschen auf Vorrat gekauft, es ist mein liebster Duft geworden. Lächelnd denke ich an Flo. Heute werde ich ihm endlich sagen, was ich für ihn empfinde. Bisher habe ich mich davor gescheut, weil ich Angst hatte, ihn zu vergraulen. Doch ich spüre jeden Tag mehr, dass er das gleiche für mich fühlt, wie ich für ihn.


Eine Stunde später holt er mich ab und ich umarme ihn zur Begrüßung. Flo küsst mich zärtlich, er schert sich nicht darum, dass uns jemand sehen könnte.


"Du riechst gut", murmelt er und ich werde rot.


Mittlerweile habe ich seine Mutter kennengelernt, die einmal bei ihm war, als ich zu Besuch kam. Zuerst war sie zurückhaltend und wusste nicht recht, wie sie mit mir umgehen sollte, doch dann taute sie auf und wir verstanden uns wirklich sehr gut. Vielleicht können sie es ja doch eines Tages akzeptieren, dass Flo und ich zusammen sind.


Nach einem tollen Abend bringt Flo mich nach Hause und ich bitte ihn, noch mit rein zu kommen. Er nickt und folgt mir hinein. Im Wohnzimmer machen wir es uns bequem. Ich lehne den Kopf an seine Schulter und seufze leise. Florian nimmt meine Hand und haucht einen Kuss auf meine Schläfe.


"Ist alles in Ordnung mit dir?"


"Ja, alles gut. Ich...ich muss dir was sagen."


"Immer raus damit."


"Flo, schon als ich dich das erste Mal im Krankenhaus gesehen habe, hast du mir gefallen. Ich habe nie zu träumen gewagt, dass du dich für mich interessieren könntest und war wirklich überrascht, als du mich gefragt hast, ob ich mit dir ausgehen würde. Je näher ich dich kennenlernte, desto mehr habe ich mein Herz an dich verloren. Ich habe mich Hals über Kopf in dich verliebt."


Florians braune Augen strahlen bei meinen Worten vor Freude. Er umarmt mich stürmisch und küsst mich innig. Glück perlt durch meine Adern, als hätte ich Brausepulver im Blut. Schwer atmend löst er sich von mir und sieht mich intensiv an.


"Chris, ich kann dir gar nicht sagen, wie glücklich mich deine Worte machen. Ich habe mich auch in dich verliebt und wäre gerne mit dir zusammen."


So habe ich mein großes Glück gefunden und habe vor, es mit beiden Händen festzuhalten. Ich liebe Flo und er liebt mich. Nie hätte ich gedacht, dass ich im Krankenhaus die große Liebe finden würde. Florian trägt mich auf Händen und ich bin unglaublich glücklich mit ihm. Unsere besten Freundinnen freuen sich sehr für uns und haben sich auch angefreundet. Und die Vorliebe für Duschgel mit Rhabarberduft leben wir jetzt ganz oft zusammen unter der Dusche aus.