K a p i t e l 1
F L A S H B A C K
Gerade waren wir dabei einen Graben um unsere kleine Burg zu schaufeln, als sich plΓΆtzlich der Himmel verdunkelte und ein starker Wind aufzog. Dieser schlagartige Wetterumschwung war ganz untypisch fΓΌr Sommerset.
Schnell begannen wir zu frΓΆsteln und blickten uns um - fΓΌr gewΓΆhnlich waren unsere Eltern immer in unserer Sichtweite oder zumindest ein Elternteil. Doch seltsamerweise konnten wir sie nicht im nΓ€heren Umkreis entdecken.
"Rein?" hellgraue Augen blickten fragend in meine. Ich nickte, mit unwohlen GefΓΌhl stand ich auf und suchte unseren Garten mit meinen Augen ab. Er merkte, dass ich es etwas mit der Angst bekam und nahm meine Hand. Dankbar grinste ich den blonden Jungen an, wΓ€hrend unsere Haare im Wind wehten und gemeinsam rannten wir schnurstracks auf das Herrenhaus meiner Familie zu.
Auf den letzten Metern nahm ich einen schwarzen Schatten an der uralten Weide wahr, wurde jedoch gleich darauf mit klopfenden Herzen von meinem Vater unverzΓΌglich ins Haus gezogen, sodass es mir nicht mΓΆglich war einen genaueren Blick auf die dunkle Gestalt zu werfen.
Erschrocken und verwirrt sah ich ihn an. Ich konnte den Blick in seinen Augen nicht deuten, als ich ihn fragte, wer der Mann war und zeigte in Richtung des Baumes.
"Da war niemand, Louana."
"Doch doch doch doch", behaarte ich.
"Gut, ich werde nachsehen, ihr beide kΓΆnnt in der Zwischenzeit schon in den Salon gehen, das Abendessen ist gleich fertig." seufzte er resigniert.
Mit klopfenden Herzen wachte ich auf. Diesen Traum hatte ich schon so lange nicht mehr, warum jetzt plΓΆtzlich wieder? Traurig starrte ich die Decke an.
Das war der Tag, an dem ich meinen Vater, meinen Helden, verlor.
Der Tag, an dem meine Familie von mehreren Todessern aufgesucht wurden. Meine Eltern sich weigerten, sich Voldemort anzuschlieΓen und mein Vater mit dem Leben bezahlen musste.
Ich bekam nichts von alledem mit, der Junge und ich wurden auf mein Zimmer zum Spielen geschickt. Unsere beider Eltern blieben im Salon.
Man hΓΆrte nur den verzweifelten Schrei meiner Mutter, als ihr Mann starb.
Ein Schrei, so schrill und voller Schmerz, der sich ebenfalls in mein GedΓ€chtnis brannte.
Ich war damals mit meinen 16 Monaten noch zu klein um zu verstehen und konnte mich auch an sonst nichts aus dieser Zeit erinnern, auΓer diesen einen Tag. Es war auch der Letzte, an dem ich den blonden Jungen sah.
Sofort am nΓ€chsten Tag verlieΓen meine Mutter und ich England und zogen zu meinen GroΓeltern nach Frankreich. Zuerst waren diese natΓΌrlich enttΓ€uscht von meiner Mum, wo sie doch nun eine AnhΓ€ngerin Voldemorts war, denn das Mal war nicht zu ΓΌbersehen. Nachdem sie ihnen aber alles erzΓ€hlte, konnten sie ihre Lage nachvollziehen. GlΓΌcklicherweise hΓΆrten wir seitdem nichts mehr von Voldemort oder seinen AnhΓ€ngern und konnten unser Leben beruhigt fortfΓΌhren.
Denn seit dem nΓ€chsten Tag, als er eine weitere Familie aufsuchte, galt er als verschwunden. Manche glaubten, er wΓ€re untergetaucht, andere meinten er wΓ€re tot, aber wer wusste das schon.
WΓ€hrend ich in meinem Bett meinen Gedanken nachhing, stieg mir der Duft von frisch gebackenen GebΓ€ck in die Nase. Das war der Vorteil, wenn das Zimmer direkt ΓΌber der KΓΌche war, so bekam ich meistens mit, wenn das Essen fertig war.
Zeit aufzustehen.
GroΓmutters Crossaints schmeckten frisch aus dem Ofen am allerbesten, das konnte ich mir nicht entgehen lassen. Bei dem Gedanken daran, wie sich die Marmelade durch die WΓ€rme noch besser verteilen lieΓ und sich in die Porung schmiegte, lief mir das Wasser im Mund zusammen.
Ich warf mir eilig meinen flauschigen Bademantel ΓΌber, machte mir eben einen lockeren Dutt und stieg in meine dunkelgrΓΌnen, fluffigen Hauspantoffeln. WΓ€hrend ich zum FrΓΌhstΓΌckstisch schlufte, holte mich meine Mutter ein und grinste mich an "Na? Gut geschlafen, ma petite?"
"Geht so" murmelte ich und warf mich auf meinen Stuhl.
"Eindeutig die Tochter deines Vaters, das Aussehen hast du zwar von mir, aber dieses MΓΌrrische am Morgen kommt definitiv nach ihm." KopfschΓΌttelnd platzierte sie sich mir gegenΓΌber.
Ich schenkte ihr ein schwaches LΓ€cheln wΓ€hrend ich mir ein Crossaint angelte und kurz an meinem Kaffee nippte. Da hatte sie nicht Unrecht. Meine Mutter war schon elegant gekleidet - wie immer, egal wie frΓΌh es war - wΓ€hrend ich erstmal mit meinem Leben klarkommen und wach werden musste. Und dabei war es mir ziemlich egal, wie ich beispielsweise beim FrΓΌhstΓΌcken aussah. "Julien?" flΓΌsterte sie fragend. Und ich schΓΌttelte immer noch lΓ€chelnd den Kopf. Daraufhin wandte sie sich sichtlich erleichtert ihren Tee zu und nahm einen Schluck.
Julien Fournier war mein Exfreund, 2 Jahre Γ€lter und der Schwarm der Schule. Es war natΓΌrlich fΓΌr mich anfangs unverstΓ€ndlich, dass er sich fΓΌr mich interessierte und tatsΓ€chlich mit mir zusammen sein wollte, da er ja jedes MΓ€dchen haben konnte. Wie sollte es auch anders sein, mit seinen auffallenden grΓΌnen Augen, gebrΓ€unten Teint, markanten GesichtszΓΌgen und seinen dunkelbraunen Locken, die zwar kurz geschnitten waren, ihm jedoch oft in die Stirn fielen. Er wusste um seine Wirkung auf die Frauenwelt und auch wie er seinen Charme spielen lassen musste, um zu bekommen war er wollte.
Wir verbrachten ein wunderschΓΆnes halbes Jahr zusammen, bis ich erfuhr, dass er mich auf einer Schulparty mit einer Klassenkameradin betrogen hatte.
Damit hatte er mir mein Herz gebrochen. Er wollte natΓΌrlich, dass ich ihm verzeihe, behauptete er wurde nur mich lieben und es hΓ€tte gar nichts zu bedeuten und sonstiges blablabla, doch ich konnte nicht. Und wollte auch nicht. Seit diesem Tag ignorierte ich ihn weitgehend, was ihm missfiel und nicht interessierte. Er versuchte trotzdem bei jeder Gelegenheit meine Aufmerksamkeit zu erhaschen und zu erreichen, dass ich mit ihm sprach und zu ihm zurΓΌck kam.
Mittlerweile lag das schon 4 Monate zurΓΌck, ich hatte viel geweint, Trost bei meiner Mutter und meinen Freunden gesucht, meinen Liebeskummer ausgelebt und jetzt, jetzt hatte ich endlich wieder das GefΓΌhl wieder zu mir selbst zu finden. Bald wΓΌrde ich ihn wieder in der Schule sehen und zum ersten Mal seit langer Zeit konnte ich mir vorstellen, wieder ein Wort mit ihm zu wechseln, ohne in TrΓ€nen ausbrechen zu mΓΌssen.
Und vorallem, hatte ich mein Selbstbewusstsein wieder. Das war die Hauptsache. In meinen Augen war er ein armseliges WΓΌrstchen, das gar nicht wusste, was es verpasste.
"Nur bei den Augen konnte er sich noch etwas durchsetzen", brachte sich mein GroΓvater beim Betreten des Salons in das GesprΓ€ch ein. Und er hatte Recht, auch wenn ich das Ebenbild meiner Mutter war, die Augen waren die meines Dads. Und ich freute mich darΓΌber, mein Vater hatte mir die typischen dunkelblauen Augen seiner Familie vererbt und meine Mutter das feengleiche Aussehen ihrer Vorfahren.
Obwohl wir keine Veelas waren, wie meine UrurgroΓmutter, hatten wir eben doch die gleichen zarten GesichtszΓΌge und Haut wie Porzellan, was einen malerischen Kontrast zu unseren dunkelbraunen, glatten Haaren bildet, die jedoch im Licht oft kastanienbraun schimmerten. Und wie schon mein GroΓvater meinte, die blauen Augen meines Vaters sind der einzige Unterschied zwischen uns beiden. Eine Dubois mit den Augen und Charakter eines Wilsons.
"Guten Morgen papie!", ich grinste ihn schief an. Ich wusste wie sehr er es liebte, wenn ich ihn so nannte.
"Bonjour ma soleil!" Er drΓΌckte mir einen Kuss auf mein Vogelnest, setzte sich zu mir und meiner Mam gegenΓΌber und begann zu essen. GroΓmutter lieΓ nun auch nicht lΓ€nger auf sich warten, sie hatte zwar einen Hauselfen, jedoch war diese nicht fΓΌr das Kochen zustΓ€ndig.
DafΓΌr liebte sie es zu sehr um es jemand anderen erledigen zu lassen. Und darum war ich auch froh, denn niemand konnte es besser als sie. GlΓΌcklich blickte ich kauend in die Runde, war dankbar, dass ich noch meine Mutter und meine GroΓeltern hatte. WΓ€hrend meine Oma den Salon betrat, strich sie sich eine ihrer grauen Locken hinter das Ohr, gesellte sich zu uns und tΓ€tschelte meinen Arm "Freust du dich schon auf die Schule, chΓ¨re? Morgen beginnt schon das 3. Jahr".
"Sehr, Lilian holt mich spΓ€ter ab und wir fahren gemeinsam mit der Kutsche nach Beauxbatons. Vermutlich wird Alex sich noch miteinklinken."
"Achja Alex, seit Neuestem wird sie in seiner Gegenwart stΓ€ndig rot habe ich das GefΓΌhl? Jetzt guck mich nicht so an, es ist mir an deinem Geburtstag aufgefallen. Und nervΓΆser ist sie auch!" lachte meine Mutter.
"Ja, allerdings sind sie immernoch nur Freunde. Aber mal sehen, was sich dieses Schuljahr fΓΌr sie ergibt" grinste ich in mich hinein.
Lilian Gagnon war meine beste Freundin, schon von klein auf seit wir in Frankreich waren. Unsere MΓΌtter hatten sich durch die Arbeit beim FranzΓΆsischen Tagespropheten kennengelernt und wΓ€hrend die beiden ihren Kaffeeklatsch hielten, spielten wir zusammen.
In unserem ersten Jahr in Beauxbatons hatten wir uns mit Alexandre Le Roy angefreundet, seitdem waren wir ein unzertrennliches Dreiergespann. Ich wusste, dass sich bei Lili nun etwas mehr fΓΌr ihn als nur freundschaftliche GefΓΌhle entwickelt hatten. Das hatte sich im Laufe des letzten Jahres so ergeben.
Mit Alex hatte ich da am Ende des letzten Schuljahres auch ein kleines GesprΓ€ch, als wir Lili beim Quidditch zusahen und anfeuerten. Ich merkte genau, wie er die Augen nicht von ihr lassen konnte und welch faszinierter Blick auf ihr lag. Verwerfen konnte ich es ihm nicht, mit ihren blonden Locken und grΓΌnen Augen war sie sowieso der MΓ€nnerschwarm unseres Jahrgangs und sah aus wie ein Engel. Ein Engel, der es faustdick hinter den Ohren hatte, weswegen wir uns auch so gut verstanden. Wir teilten denselben Humor, den nicht viele verstanden.
Sie hatte auch Julien ordentlich die Meinung gegeigt, als er wieder einmal nicht von mir ablassen wollte.
Sie hielt mir den RΓΌcken frei und wusste, ohne zu zΓΆgern wΓΌrde ich das Gleiche auch fΓΌr sie tun. So wie wir es schon immer taten.
"WeiΓt du, ich mag sie wirklich sehr.." flΓΌsterte Alex leise, nur fΓΌr mich hΓΆrbar, damit keiner unserer MitschΓΌler unser GesprΓ€ch verfolgen konnte.
"Dachte ichs mir doch, weiΓt du, ihr beide seid meine besten Freunde und ich wΓΌnsche euch nur das Beste. Was hindert dich?"
"Ich will unsere Freundschaft nicht zerstΓΆren. Das, was wir drei haben, das ist so besonders. Was ist, wenn es nicht funktioniert? Und sie dann gar nicht mehr mit mir spricht. ScheiΓe Lou.
Ich kenn kein MΓ€dchen, bei dem ich so weiche Knie bekomme. Durch sie bemΓΌh' ich mich auch in der Schule.
Ich will ihr gefallen. Ein besserer Zauberer sein. Ich will jemand sein, der sie verdient. Ich meine, guck sie dir an? Was kann sie nicht? Sie ist die beste HΓΌterin der Schule, Jahrgangsbeste, humorvoll, frech, wunderschΓΆn ...", Letzteres hauchte er nur mehr. VertrΓ€umt seufzte mein bester Freund und lehnte sich auf das GelΓ€nder, den Kopf in den HandflΓ€chen aufgelegt. Ich wuschelte ihm liebevoll durch seinen dunklen Haarschopf.
"Mann mann mann. Bist du verschossen! Vielleicht solltest du einfach mal den ersten Schritt machen! Und ja" ich lehnte mich nun ebenfalls vor, zwang ihn mich anzusehen und blickte ihm tief in seine dunkelbraunen Augen "Unsere Freundschaft ist besonders und ich weiΓ, selbst wenn ihr euch trennen wΓΌrdet, wΓΌrde sie es ΓΌberstehen! Meine GΓΌte Alexandre, gib dir nen Ruck."
Er wollte noch etwas erwidern, grinste bis ΓΌber beide Ohren, wurde jedoch von dem Schlusston unterbrochen. NatΓΌrlich hatte der Sucher aus Lilians Mannschaft den Schnatz gefangen und sie gewannen somit das Spiel.
"Bewirbst du dich dieses Jahr bei der Quidditch-Mannschaft? Du fliegst so gut, als wir euch drei beim Spielen beobachtet hatten, konnten wir es gar nicht verstehen, warum du es immer noch nicht versucht hast. Du kΓΆnntest in meine FuΓstapfen treten, du wΓ€rst sicher eine gute JΓ€gerin!" riss mich meine Mutter aus meinen Gedanken.
"KΓΆnnte ich eigentlich schon... Jedenfalls wollte ich es dieses Jahr wirklich versuchen aber ob ich so gut sein werde wie du..." gab ich meine Bedenken zu. Ich fΓΌrchtete, dass jeder dachte ich wΓ€re ein Naturtalent und ebenso begabt beim Quidditch wie meine Mutter. Sie ging ebenfalls auf die Beauxbatons und war sogar namentlich im TrophΓ€enschrank vertreten. NatΓΌrlich hat sie damit nicht geprahlt, Lili und ich haben ihn in einer Freistunde entdeckt und sie rief begeisert: "ChloΓ© Dubois! Das ist doch deine Mam, guck doch nur! Und ich hab dir doch schon so oft gesagt, bewirb dich doch einfach mal. Komm schon, ich hΓ€tte dich gerne dabei. Dir liegt es im Blut. Dein Vater hat doch in Hogwarts auch gespielt!" Und genau das war es was mich so nervΓΆs machte. Die Erwartung, dass ich nur gut sein konnte. Weil meine Eltern es waren.
"Mach dir nicht so einen Druck, spiel einfach, hab SpaΓ. Wie hier zu Hause. Ich hab dich doch gesehen, du kannst es! Glaub mir, hab etwas mehr Selbstvertrauen!"
"Deine Mutter hat Recht Louana. Versuch es, du schaffst das sicherlich. Und mach dir keine Gedanken darΓΌber, dass sich jemand etwas anderes denken kΓΆnnte! Vor allem so wie du mit dem Besen umgehen kannst." schaltete sich meine GroΓmutter ein.
Okay gut, ich wurde ΓΌberstimmt. Wir unterhielten uns noch eine Weile ΓΌber Quidditch, ich bekam noch einige Tipps meiner Mutter, worauf ich achten sollte - neben SpaΓ haben und die Klatscher im Blick behalten - erklΓ€rte sie mir nochmals einige ManΓΆver und so verging die Zeit wie im Flug.
Ich sah zur Uhr und bemerkte, dass ich mich fertig machen musste. Daher entschuldigte ich mich und ging in mein Badezimmer.
Ja, ich hatte ein Eigenes, worauf Lilian sehr neidisch war, sie musste es sich mit ihren BrΓΌdern teilen. Da meine Familie schon immer wohlhabend war - mΓΌtter- und vΓ€terlicherseits - war es nichts Neues fΓΌr ich, aber es war mir auch nicht sonderlich wichtig. Es gab so viel Wichtigeres, Familie, Freunde, Menschen auf die man zΓ€hlen konnte. Und vielleicht auch mal Liebe.
BestΓ€ndige Liebe. Ein Seelenverwandter. Ich glaubte daran, dass es fΓΌr jeden den Einen oder die Eine gab, die perfekt zu einem passte. Jemand dessen Seele, der eigenen glich. Jemand, der dir die Melodie deines Herzens vorspielt, wenn du sie gerade vergessen hast. Komischerweise stahlen sich hellgraue Augen in meine Gedanken. Schnell schob ich sie zur Seite. Das war nur ein Hirngespinnst.
NatΓΌrlich war ich neugierig, mit wem ich in England in unserem Anwesen immer spielte und meine ersten Lebensmonate verbrachte, aber meine Mutter redete nicht oft ΓΌber diese Zeit und ich wollte auch nicht nachfragen, ich wollte den Schmerz nicht zurΓΌckholen...
Es war so ohne meinen Dad schon schwer genug. Sie hatte sich seitdem nie wieder einem anderen Mann geΓΆffnet, mit meinem Vater war die Liebe ihres Lebens gestorben.
Auch, wenn ich gerade nicht nach einer neuen Beziehung strebte, hatte ich die Hoffnung irgendwann den Einen zu finden nicht aufgegeben. Das hatte ich von meinem Dad, er war hoffnungslos romantisch, wie mir meine Mam einmal erzΓ€hlte. Auch wΓ€re er fΓΌr meine Mutter nach Frankreich gezogen, aber da war sie schneller als er.
Sie hatte sich in ihn und das Land bei einem Urlaub verliebt und blieb einfach gleich dort.
Ich begutachtete meine Haare. Es war so anstrengend, auΓerhalb der Schule nicht zaubern zu dΓΌrfen. Wir durften das leider erst, wenn wir volljΓ€hrig waren. In Beauxbatons war ich immer sehr schnell fertig, ein einfacher Haar-Stylings-Zauber, Make-Up. Das beanspruchte ohne Zauberei einfach so viel Zeit. Ich guckte schnell auf mein Handy - ich hatte eins von Lilian geschenkt bekommen, dadurch, dass ihr Vater ein Muggel war, bekam ich sehr viel auΓerhalb der Zauberwelt mit. Und das war wirklich eine tolle Erfindung, viel schneller als Eulen. Ich konnte mit ihr reden wann ich wollte, ich musste sie nur anrufen - Shit! Sie waren schon losgefahren. Das bedeutete ich hatte noch ca. 20 Minuten um mich fertig zu machen.
Ich hΓΌpfte schnell unter die Dusche, fΓΆhnte mir die Haare anschlieΓend so, dass sie mir in lockeren Wellen ΓΌber den RΓΌcken flossen, putzte meine ZΓ€hne und trug leichtes Make-Up auf. Ich war froh, dass meine Mutter so locker in diesen Dingen war, auf solche Streitereien wie andere in meiner Jahrgangsstufe hatte ich nun wirklich keine Lust.
Kaum war ich in meine Kleidung geschlΓΌpft und trat aus meinem Ankleidezimmer, stand auch schon Lili vor mir.
"Na, hast du mich vermisst?!" ΓΆffnete sie die Arme mit einem kecken LΓ€cheln.
"Ich hab schon den Tag gefΓΌrchtet, an dem ich dein Gesicht wieder sehen muss!" maulte ich gespielt und sprang ihr lachend in die Arme, sodass wir umfielen. Kichernd meinte meine beste Freundin "Pouffiasse... Zum GlΓΌck hast du so nen weichen Teppich, sonst hΓ€tt ich dir eine geklatscht, n'Federgewicht bist du nun wirklich nicht, hast du zugelegt?" Ohh, diese liebevollen GesprΓ€che hatte ich vermisst. Wir drΓΌckten uns gerne SprΓΌche, die wir nicht ernst meinten, bei denen andere lΓ€ngst wochenlang beleidigt waren.
"Bist du schon fertig? Wir wollten doch noch in die Bar und vielleicht noch in ne Disco" zwinkerte sie mir verschwΓΆrerisch zu.
"Ja klar, gepackt hab ich schon gestern, hab mich heute nur bisschen beim FrΓΌhstΓΌck verquatscht, also stell dir vor, du hast gewonnen. Ich bewerbe mich dieses Jahr beim Quidditch.
AuΓerdem, kann ich so gehen, also in die Bar mein ich?" plapperte ich darauf los und drehte mich einmal um meine eigene Achse.
Ich trug einen schwarz-weiΓ karierten kurzen Rock und ein schwarzes Top mit tiefen RΓΌckenausschnitt.
"Gottseidank endlich! Ich freu mich schon darauf mit dir zu spielen, das wird so geil!
Ja klar, du siehst heiΓ aus, da gehen wir locker als 18 durch! NatΓΌrlich hab ich auch meine BrΓΌder gebeten, bisschen nachzuhelfen mit unseren Ausweisen" zwinkerte sie mir zu " was ziehst du fΓΌr Schuhe an?"
"Sie kommen auch mit oder!? Alex meinte, er kΓΆnnte sich etwas verspΓ€ten aber ich dachte mir schon, dass wir auf ihn warten mΓΌssen. Hmm, ich weiΓ nicht, bei hohen Schuhen bekomme ich auf Dauer ich die Krise, da bin ich ja leider das Gegenteil von dir. Dachte, weiΓe Sneaker?" ΓΌberlegte ich laut.
"Ach das ist doch nicht so schlimm, hauptsache wir haben SpaΓ! Die sehen schon gut dazu aus. Ich werf mich spΓ€ter noch in mein kurzes Glitzerkleid, weiΓt schon das rote, hatte ich ja bis jetzt noch nie an. Wann dachte denn Alex, dass er kommt?" fragte sie betont beilΓ€ufig.
"Er wird Augen machen, wenn er dich in dem scharfen Teil sieht! Warte lass mich nochmal gucken... Nicht mehr lange eigentlich. Also laut seiner Nachricht, in 'ner halben Stunde."
"Dann kΓΆnnen wir eigentlich nicht groΓartig was anfangen... Wir kΓΆnnten uns die Zeit mit Musik hΓΆren vertreiben?" Auch so ein typisches Muggelding. Wobei ich aber sagen muss, ich lieb's. Oft stΓΆpselte ich mir meine KopfhΓΆrer in die Ohren und hΓΆrte natΓΌrlich am liebsten Muggelsongs.
Also musste sie mich nicht zweimal fragen. Wir schalteten meine Stereoanlage an, die Lili und ich bei unseren letzten Ausflug nach Paris entdeckt hatten und ehe wir uns versahen, schwangen wir unsere HΓΌften zu "Take my Hand", wie er hoffentlich auch spΓ€ter gespielt wird. Ich wirbelte meine beste Freundin einmal um mich und wieder einmal war ich dankbar, dass ich sie in meinem Leben hatte.
Vorallem auch weil sie mir zeigte, dass auch die Muggelwelt nicht zu verachten war. NatΓΌrlich wΓΌrde ich nie vollstΓ€ndig aus der Zaubererwelt rauswollen, aber es war schΓΆn mal in eine Andere abzutauchen, andere Sachen auszuprobieren und zu entdecken. Und es machte auch wirklich SpaΓ in einer Disco zu tanzen und etwas zu trinken.
Sowas gab es leider in der Zaubererwelt nicht, zwar gab es Orte, an denen man sich zusammensitzen konnte und Butterbier oder Feuerwhiskey trinken konnte, aber getanzt wurde in der Regel nur an BΓ€llen und gegebenfalls House-Partys. Eigentlich schade.
Das Einzige was auΓer den BΓ€llen jedes Jahr stattfand, war der Tanzwettbewerb an der Schule, bei dem ich definitv einmal teilnehmen wollte, das Tanzen lag mir neben Quidditch ebenfalls im Blut. Aber dafΓΌr brauchte ich einen guten Tanzpartner.
Leider hatte Alex zwei linke FΓΌΓe, Samu oder Elias nicht wirklich Lust und mit Julien wollte ich mich nun wirklich nicht mehr anmelden.
"Na ihr Zwei?!" hΓΆrten wir Alex gegen die Musik anbrΓΌllen um unsere Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
Voller Freude ihn zu sehen fielen wir ihm gleichzeitig um den Hals und landeten wiederrum zu dritt in meinem Sitzsack.
"Wow, ihr seht toll aus wie immer, aber heute..." er pfiff anerkennend durch die ZΓ€hne. Lili hatte sich ebenfalls bereits ihre lockigen Haare geglΓ€ttet und sich geschminkt. "Wollt ihr jemanden besonders gefallen" fragte er beilΓ€ufig wΓ€hrend wir uns wieder aufrichteten. Mir war klar, dass seine Frage eher Lili galt, daher hielt ich mich mit einer Antwort zurΓΌck.
"Also mir gefΓ€llt schon jemand. Aber wahrscheinlch kann ich das einfach nur gut verstecken, falls das demjenigen noch nicht aufgefallen ist" informierte ihn Lilian sΓΌffisant lΓ€chelnd.
"Achso wer denn?"
"Wirste' noch frΓΌh genug mitbekommen" beendete Lili das Thema wΓ€hrend sie nervΓΆs ihre HaarstrΓ€hne um den Finger zwirbelte und ihm tief in die Augen schaute. Oh Gott, diese Spannung zwischen den beiden. Wann werden sie es wohl endlich schaffen?
"So, jetzt da wir vollzΓ€hlig sind, packen wir's?" fragte ich in die Runde und klatschte in die HΓ€nde um die Stille zu brechen. WΓ€hrend ich zur TΓΌr ging, zog ich mir noch einen dΓΌnnen, schwarzen Pullover ΓΌber mein Top.
"Ja klar, auf geht's, heut' wird einer draufgemacht!" lachte Alex.
Ich verabschiedete mich von meiner Familie und schon waren wir auf dem Weg zu Lilians Haus, von dort aus wollen wir dann los. Da es erst kurz nach 12:00 Uhr war, waren wir bei ihren Eltern zum Mittagessen eingeladen worden. Ihr Haus war etwas kleiner als mein Zuhause, aber ich mochte es sehr. Es war sehr stilvoll eingerichtet und ihre Familie fΓΌllte es mit Liebe.
Nach dem Essen vertrieben wir uns die Zeit, indem wir uns darΓΌber unterhielten, was uns in der Schule erwartete, wer mit wem zusammenkommen kΓΆnnte und sonstigen Tratsch, der sich uns ΓΌber den Sommerferien zugetragen hatte, ΓΌber den wir uns noch nicht ausgetauscht hatten. Und ehe wir uns versahen war es spΓ€ter Nachmittag und Samuel und Elias standen vor ihrer ZimmertΓΌr, bereit um aufzubrechen.
Ihre Schwester rief ihnen zu, dass wir uns in 5 Minuten unten treffen wΓΌrden, wir wΓ€ren bald soweit.
Sie wollte mir schon ΓΆfters mal einen von ihnen aufschwatzen, aber ich sah diese ebenfalls als meine groΓen BrΓΌder an. SchlieΓlich waren wir alle quasi zusammen aufgewachsen und auΓerdem gab es leider nichts an ihnen, was mich reizte.
Und schon kamen mir wieder hellgraue Augen in den Sinn, die ich mit einem heftigen KopfschΓΌtteln aus meinen Gedanken vertrieb. Fragend blickte mich Lili an, die es bemerkt hatte. Achselzuckend zΓΌckte ich meine kleine Tasche, trug meinen dunkelroten Lippenstift auf und beobachtete sie vielsagend im Spiegel.
"Du hattest wieder den Traum oder Lou? Ich dachte mir doch, dass du heute ein bisschen anders bist. Denkst du auch wieder ΓΌber den Jungen nach oder doch Julien wieder?" fragte sie prompt. Alex, der vorher gelangweilt das finale Zurechtzupfen unseres Aussehens von Lilis Bett aus beobachtete, setzte sich nun neugierig auf. Die beiden waren die Einzigen, denen ich genug vertraute und meine Familiengeschichte kannten.
"Nein, Julien ist mir mittlerweile egal. Er ist selbst schuld, dass er mich verloren hat... Aber ja, ich hatte wieder diesen Traum. Mich wΓΌrde nur interessieren, was aus ihm geworden ist, ich kann mich nicht mehr an viel erinnern. Das ist meine erste und einzige Erinnerung an meine Kindheit in England und ich hatte auch das GefΓΌhl, dass wir sehr gerne Zeit miteinander verbrachten." redete ich mich schnell raus wΓ€hrend Alex lΓ€ngst einen gespielt vertrΓ€umten Blick aufgesetzt hatte. Lili schlug ihm spielerisch gegen die Schulter und lachte hΓΆhnisch. BlΓΆderweise war mir einmal rausgerutscht, welch faszinierende Augenfarbe er hatte und nun zogen sie mich seitdem damit auf, wann immer es ihnen mΓΆglich war.
"Ist ja gut, ist ja gut! Ich geb's zu, ich hab' noch nie so schΓΆne Augen gesehen!" rief ich. Die beiden grinsten mich vielsagend an.
"Vielleicht sollten wir mal Urlaub in London machen? Ich meine, wie viele Jungs mit platinblonden Haaren gibt es schon?!" griente Alex.
"Ich vermute, nicht viele." gab Lili zu und die beiden grinsten sich teuflisch an.
"KΓΆnnen wir jetzt bitte los? AuΓerdem wΓΌrde das meine Mam glaub ich nicht gutheiΓen..." Ehrlich gesagt hatten wir noch nie darΓΌber gesprochen. Wir wurden von meinen GroΓeltern vΓ€terlicherseits immer besucht, allerdings reisten wir nie zu ihnen. Maman hatte seit diesem einen Tag England mit keinem FuΓ mehr betreten.
So machten wir uns auf den Weg und ehe wir uns versahen, waren wir auch schon in der Bar und glΓΌhten vor.
Es war ein entspannter, sΓΌffiger Abend und bevor wir in die Disco weiterdΓΌsten, beschlossen wir uns jeder noch einen Cocktail zu genehmigen und schon waren wir motiviert zu tanzen. Mittlerweile waren wir schon gut angetrunken.
Ich tanzte gerade mit Samu und Elias, Lilis Γ€ltere BrΓΌder, wΓ€hrend Alex und Lili sich immer nΓ€her kamen. Durch den Alkohol verloren sie ihre natΓΌrliche Hemmung und ich grinste bei meinen Beobachtungen.
WΓ€hrenddessen versuchten wir drei anderen kichernd zu twerken, was die Jungs natΓΌrlich nicht schafften. Wir tanzten und tanzten, bis mich der Durst ΓΌberkam und die Gruppe kurz verlieΓ, um mir ein GetrΓ€nk zu holen.
Von der Bar aus konnte ich sehen wie Alex sich zu Lili vorbeugte und sie endlich kΓΌsste, woraufhin sie ihre Arme um seinen Hals schlang um ihn nΓ€her zu sich ziehen. Ich wollte am liebsten einen Freudentanz auffΓΌhren, so glΓΌcklich war ich ΓΌber diesen Anblick. Mein Blick fiel nun auf ihre BrΓΌder und amΓΌsiert musste ich feststellen, dass auch die beiden die Aufmerksamkeit zweier Damen auf sich gezogen hatten und nun mit diesen tanzten. Tja, so schnell war ich ersetzt.
Zufrieden trank ich mein Wasser, glΓΌcklich ΓΌber den gelungenen Abend.
Mam und meine GroΓeltern wΓ€ren nicht erfreut mich hier zu finden, nicht, dass sie etwas gegen Muggel hΓ€tten, eher weil wir ja erst 16 waren. Anders als die Eltern meines Vaters. Die Wilsons gaben sehr viel auf den Blutstatus und verachteten Muggel und Muggelgeborene.
WΓ€hrend ich meinen Blick ΓΌber die tanzende Menge schweifen lieΓ und gedankenverloren auf meinem Strohhalm kaute, erblickte ich plΓΆtzlich seitlich eine ganz in schwarz gekleidete Gestalt und erschrak.
Mich stΓΆrte weniger dessen Aussehen.
Was mich verunsicherte, war die Aura des Mannes, der mich unentwegt eiskalt angrinste.
Augenblicklich fΓΌllte ein seltsames GefΓΌhl meine Magengegend.








