Not Yours

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Zusammenfassung

"Wenn Liebe ein Verrat ist, dann war er mein schlimmster Feind und meine grĂ¶ĂŸte SchwĂ€che zugleich." Enea Santoro ist kein Mann, dem man vertraut. Eiskalt, berechnend, gefĂ€hrlich – als Kopf eines der mĂ€chtigsten Mafia-Clans kennt er nur LoyalitĂ€t oder Unterwerfung. Als er Anzhela Volkov begegnet, der Schwester seines Todfeindes, sieht er in ihr nichts weiter als ein Werkzeug. Ein Weg, Sergej Volkov zu treffen – und zu zerstören. Anzhela, gefangen zwischen familiĂ€rem Erwartungsdruck und einem Leben, das nie ihr eigenes war, erkennt in Enea das, wonach sie sich heimlich sehnt: Klarheit. StĂ€rke. NĂ€he, die nicht gestellt ist. Sie lĂ€sst sich auf ihn ein – langsam, sehnsĂŒchtig, blind vor Hoffnung. Doch was als verbotene Anziehung beginnt, wird zum Spiel mit ihrem Herzen. Und sie ist die Einzige, die die Regeln nicht kennt. Als die Wahrheit ans Licht kommt, bleibt nichts von der Illusion zurĂŒck. Kein Versprechen, keine BerĂŒhrung – nur Scherben. Und das Wissen, benutzt worden zu sein. Not Yours erzĂ€hlt die Geschichte einer toxischen Liebe, in der Begehren zur Waffe wird. Ein Roman ĂŒber Macht, Manipulation und den schmerzhaften Weg zurĂŒck zu sich selbst – wenn alles, woran man geglaubt hat, zur LĂŒge wird.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
52
Rating
5.0 8 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Prolog


Sein Herz ist ruhig. Tief. BestÀndig.

Der Rhythmus wirkt so selbstverstÀndlich, dass ich ihn zuerst kaum wahrnehme. Erst als ich meinen Atem daran angleiche, merke ich, wie sehr ich mich daran festhalte.

Meine Finger wandern langsam ĂŒber seine Haut, ohne dass ich bewusst darĂŒber nachdenke, zeichnen Linien ĂŒber seinen Brustkorb, bleiben an einer kleinen Narbe hĂ€ngen, die ich vorhin entdeckt habe. Ich streiche darĂŒber, als könnte ich herausfinden, woher sie kommt, als hĂ€tte sein Körper mir Geschichten zu erzĂ€hlen, wenn ich nur lange genug hinschaue.

Ein LĂ€cheln rutscht mir ĂŒber die Lippen, ohne dass ich es plane.

Es fĂŒhlt sich absurd leicht an. Fast falsch leicht, wenn ich daran denke, wie mein Leben die letzten Wochen ausgesehen hat. Und trotzdem ist genau das der Grund, warum ich diesen Moment festhalten will, ihn irgendwo in mir einschließen, bevor er sich verĂ€ndert.

„Ich habe noch nie so etwas gespĂŒrt“, murmle ich.

Meine Stimme ist so leise, dass sie kaum mehr als Atem ist.

Ich hebe leicht den Kopf, stĂŒtze mich auf den Ellbogen und sehe sein Gesicht an, das halb im Schatten liegt. Meine Finger gleiten zu seiner Wange, folgen der Linie seines Kiefers, rau von dem Bart, den er immer nur halb rasiert.

„So eine Verbindung“, flĂŒstere ich weiter, und wĂ€hrend ich das sage, wird mir bewusst, wie kitschig es klingt – wie ein Satz aus einem Film, ĂŒber den ich normalerweise lachen wĂŒrde.

Trotzdem meine ich es.

Vielleicht ist genau das mein Fehler.

Enea sagt nichts.

Am Anfang denke ich, er hört mir einfach zu. Er war nie jemand, der sofort antwortet, und es gibt etwas an seiner Stille, das mich normalerweise nicht nervös macht, sondern eher
 gehalten.

Doch irgendetwas ist anders.

Es dauert ein paar Sekunden, bis ich merke, was es ist.

Sein Körper.

Er reagiert nicht.

Meine Hand liegt noch immer auf seiner Brust, doch unter meinen Fingern bewegt sich nichts außer seinem Atem. Keine kleine Verschiebung der Muskeln, kein Druck seiner Hand auf meinem RĂŒcken, nichts von dieser stillen Gegenseitigkeit, die vorhin noch da war.

Ich hebe den Kopf ein StĂŒck höher.

„Ist alles in Ordnung?“

Die Worte kommen vorsichtig heraus, weil ich plötzlich das GefĂŒhl habe, dass ich etwas falsch gemacht haben könnte, ohne zu wissen was.

Er antwortet nicht.

Sein Blick liegt an der Decke, als wĂŒrde dort etwas stehen, das nur er sehen kann.

Das GefĂŒhl in meinem Bauch verĂ€ndert sich. Es ist keine klare Angst, eher diese diffuse Unruhe, die sich langsam ausbreitet, wenn ein GesprĂ€ch eine Richtung nimmt, die man nicht erwartet.

„Enea?“ frage ich noch einmal.

Seine Hand hebt sich.

Nicht, um mich zu berĂŒhren.

Um meinen Arm von seiner Brust zu nehmen.

Die Bewegung ist ruhig, fast behutsam, und genau das macht sie schlimmer, weil sie sich endgĂŒltig anfĂŒhlt, als wĂŒrde er etwas entfernen, das dort nicht mehr hingehört.

Er setzt sich auf.

Ich bleibe sitzen, die Decke locker um meine HĂŒften geschlungen, und beobachte seinen RĂŒcken, wĂ€hrend er sich aufrichtet. Seine Schultern sind angespannt, aber nicht auf eine aggressive Weise. Eher so, als wĂŒrde er etwas festhalten, das nicht herauskommen soll.

Dann steht er auf.

Die KĂ€lte der Nacht kriecht sofort ĂŒber meine Haut, wo eben noch seine WĂ€rme gewesen ist.

Enea geht zum Fenster.

Sein RĂŒcken ist mir zugewandt, breit, ruhig, die HĂ€nde am Rahmen abgestĂŒtzt. Von außen fĂ€llt ein schwaches Licht herein, das die Konturen seines Körpers scharf zeichnet.

Ich verstehe nicht, was gerade passiert.

Vielleicht habe ich etwas Falsches gesagt.

Vielleicht war der Satz zu viel.

Vielleicht war ich zu
 weich.

„Enea
?“ sage ich vorsichtig.

Er antwortet nicht.

Dann lacht er.

Leise.

Ein kurzes GerĂ€usch, das trocken klingt, fast ĂŒberrascht, als hĂ€tte er gerade einen Gedanken gehabt, der ihn selbst amĂŒsiert.

Mir lĂ€uft sofort ein Schauer ĂŒber den RĂŒcken.

Ich ziehe die Decke reflexartig höher ĂŒber meine Brust.

„Was ist los?“

Langsam dreht er sich um.

Und in diesem Moment verstehe ich, dass etwas falsch ist.

Seine Augen.

Vorhin waren sie ruhig gewesen, mit dieser schweren IntensitĂ€t, die mich gleichzeitig nervös und merkwĂŒrdig sicher gemacht hat.

Jetzt liegt dort etwas anderes.

Etwas Kaltes.

Und darunter etwas, das ich bei ihm noch nie gesehen habe.

Abscheu.

Still. Ohne Zorn. Ohne LautstÀrke.

Das trifft hÀrter als jedes Schreien.

Mein Herz stolpert.

„Warum siehst du mich so an?“ frage ich.

Er sagt meinen Namen.

„Anzhela.“

Seine Stimme ist ruhig, aber nicht auf die Art, die ich kenne. Sie klingt flach, fast distanziert, als wĂŒrde er ĂŒber etwas sprechen, das ihn persönlich nicht mehr betrifft.

Dann schĂŒttelt er leicht den Kopf.

„Du bist wirklich unglaublich naiv.“

Ich blinzle.

Der Satz braucht einen Moment, um Bedeutung zu bekommen.

„Was?“

Er macht ein paar Schritte zurĂŒck zum Bett. Sein Blick streift mich kurz – nicht gierig, nicht interessiert, eher wie jemand, der ĂŒberprĂŒft, ob etwas noch da ist, bevor er es wegwirft.

„Wenn du wirklich geglaubt hast, dass das hier
 irgendetwas bedeutet.“

Ich setze mich aufrechter hin. Der Stoff rutscht von meiner Schulter, aber ich merke es kaum.

„NatĂŒrlich bedeutet es etwas.“

Meine Stimme klingt plötzlich dĂŒnn, und ich hasse das.

„Was soll das—“

Er lacht wieder.

Dieses kurze, trockene GerÀusch.

„Du hast dich mir hingegeben, obwohl du einem anderen Mann versprochen bist.“

Die Worte kommen ruhig.

„Und du dachtest ernsthaft, du wĂ€rst etwas Besonderes.“

Mir wird kalt.

„Das stimmt nicht.“

Er kommt nÀher.

Jetzt sehe ich es klar. Das in seinem Gesicht ist nicht nur GleichgĂŒltigkeit.

Es ist Hass.

Ein alter, tiefer Hass, der nichts mit diesem Zimmer zu tun hat.

„Du warst ein Mittel zum Zweck.“

Mein Magen zieht sich zusammen.

„Wovon redest du?“

„Dein Bruder.“

Seine Stimme bleibt ruhig, aber ich höre, wie sie sich verÀndert.

„Sergej hat mir etwas genommen.“

Ich verstehe immer noch nicht.

„Und ich wollte sehen, wie es ist, ihm etwas zurĂŒckzunehmen.“

Mein Kopf bewegt sich automatisch.

„Das ergibt keinen Sinn.“

Er sieht mich an, als hÀtte ich gerade etwas besonders Dummes gesagt.

Dann greift er plötzlich nach meinem Handgelenk.

Der Griff ist hart genug, dass ich zusammenzucke.

„Steh auf.“

„Was—“

Er zieht mich hoch.

Zu schnell.

Ich verliere das Gleichgewicht, verheddere mich in der Decke, und der Stoff rutscht mir sofort vom Körper zurĂŒck aufs Bett. Kalte Luft trifft meine Haut, und fĂŒr einen Moment weiß ich nicht, wohin mit meinen HĂ€nden.

„Enea—“

Er lĂ€sst mein Handgelenk los, greift nach einem großen Badetuch vom Stuhl neben dem Bett und drĂŒckt es mir in die HĂ€nde.

„Bedeck dich.“

Seine Stimme klingt mĂŒde.

Ich starre einen Moment auf den Stoff, unfĂ€hig mich zu bewegen, als wĂŒrde mein Kopf zu langsam arbeiten, um mitzuhalten.

Dann wickle ich das Tuch mechanisch um meinen Körper.

Meine Finger zittern.

„Du meinst das nicht ernst“, sage ich leise.

Er sieht mich an.

Und ich merke, dass ich diesen Blick nie zuvor gesehen habe.

Nicht nur kalt.

Angewidert.

Als hÀtte ich etwas getan, das er nicht einmal benennen will.

„Doch.“

Er öffnet die TĂŒr.

Kalte Luft aus dem Flur strömt hinein.

Dann packt er meinen Arm wieder.

Diesmal fester.

Ich versuche reflexartig, mich loszureißen.

„Lass mich—“

Seine Finger schließen sich stĂ€rker um meinen Arm, und bevor ich reagieren kann, zieht er mich aus dem Zimmer.

Ich stolpere ĂŒber die Schwelle, barfuß auf dem kalten Boden, das Badetuch rutscht beinahe wieder von meiner Schulter.

„Enea, hör auf—“

„Genug.“

Das Wort kommt leise.

Aber endgĂŒltig.

Ich sehe zu ihm hoch, mein Herz schlÀgt so schnell, dass mir schwindelig wird.

„Bitte
“

Das Wort rutscht mir heraus, bevor ich darĂŒber nachdenken kann.

Er sieht mich an.

Und fĂŒr eine Sekunde hoffe ich wirklich, dass etwas in seinem Gesicht nachgibt.

Es passiert nicht.

„Das interessiert mich nicht.“

Dann stĂ¶ĂŸt er mich von sich weg.

Ich verliere das Gleichgewicht und falle auf den Teppich im Flur. Meine Knie schlagen auf, der Stoff verrutscht, und fĂŒr einen Moment sehe ich nur den Boden unter mir.

Enea wirft mir meinen Mantel, meine Tasche und den Rest meiner Kleidung hinterher, als wÀre es nichts weiter als eine beilÀufige Bewegung.

Sie treffen mich an der Schulter.

„Und grĂŒĂŸ Sergej von mir“, sagt er ruhig.

Ich sehe zu ihm auf.

Sein Gesicht ist vollkommen ausdruckslos.

„Sag ihm, das Spiel ist vorbei.“

Dann schließt er die TĂŒr.

Das GerÀusch hallt durch den Flur.

Ich bleibe auf dem Boden sitzen, das Badetuch um meinen Körper gekrallt, mein Herz rast, und mein Kopf versucht verzweifelt zu begreifen, wie der Mann, in dessen Armen ich noch vor Minuten gelegen habe, plötzlich zu diesem Fremden werden konnte.

Vielleicht hĂ€tte ich es sehen mĂŒssen.

Vielleicht war ich wirklich naiv.

Vielleicht habe ich mir alles eingebildet.

Der Gedanke ist dumm.

Und trotzdem kommt er.

Weil es leichter ist, mich selbst zu beschuldigen, als zu akzeptieren, dass ich mich gerade jemandem geöffnet habe, der mich von Anfang an nur benutzen wollte.

Ich presse das Tuch fester an mich.

Und plötzlich wird mir klar, dass nicht nur mein Körper nackt ist.

Sondern alles, was ich ihm von mir gezeigt habe.

Und genau das ist es, was am meisten schmerzt.

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Gutes Schreiben

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Überzeugende Handlung

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Toller Charakter

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Starker Dialog

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