Der Graf Von Raidenhall von VantesSeven bei Inkitt
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Der Graf von Raidenhall

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Zusammenfassung

Das Jahr 1830 wird von zahlreichen berühmten Opern Librettisten und Komponisten geprägt. Einer von ihnen sticht mit seinem Können besonders hervor - Airen Maxwell. Doch obwohl er wohl zu den berühmtesten Opernautoren seiner Zeit gehört, ist so gut wie nichts über dieses eigenbrödlerische Genie bekannt. Als dieser ein neues Stück ankündigt, welches für umstrittene Diskussionen in dieser all so prüden Zeit sorgt, ergattert sich Finley Park, ein junger Stern am Opernhimmel, die Rolle seines Lebens, ohne überhaupt zu ahnen, wie sehr diese Rolle sein Leben verändern wird...

Genre:
Fantasy
Autor:
VantesSeven
Status:
In Arbeit
Kapitel:
26
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1


Erzähler POV

Als Oper bezeichnet man seit 1639 eine um 1600, mit Beginn des Barockzeitalters, entstandene musikalische Gattung des Theaters.

Eine Oper besteht aus der Vertonung einer dramatischen Dichtung, die von einem Sängerensemble, einem begleitenden Orchester, sowie manchmal von einem Chor und einem Ballettensemble ausgeführt wird. Neben dem Gesang führen die Darsteller Schauspiel und Tanz auf, welche mit Hilfe von Malerei, Architektur, Requisiten, Beleuchtung und Bühnentechnik ausgeschmückt werden, während die Rollen der Darsteller durch Maske und Kostüme optisch in Szene gesetzt werden.

Libretti sind die Texte einer Oper, welche von sogenannten Librettisten geschrieben werden, die wiederum von Komponisten vertont werden.

Doch genug von den zahlreichen Erörterungen.

Liebe Leserschaft,

wir schreiben das Jahr 1830, indem unzählige Opernschreiber und Libretti uns mit ihren grandiosen Werken unterhalten.

Jeder versucht, mit seinem Stück das Publikum in seinen Bann zu ziehen und den ganz großen Durchbruch zu erlangen. Während andere Opernschreiber auf eine enge Zusammenarbeit mit einem Komponisten angewiesen sind, so gibt es einen unter ihnen, der beides verkörpert;

Airen Maxwell.

Die einen schimpfen ihn einen ungehobelten Wüstling und Schandschreiber, die anderen feiern ihn als das Genie, welches er war.

Seine Stücke hatten bis jetzt immer für Aufruhr gesorgt, da viele sich von seinen Opern- und Theaterstücken abgestoßen fühlten, aufgrund seiner Art Tabuthemen in den Vordergrund zu rücken.

Allein sein letztes Werk Odelia - in dem es um eine junge Frau ging, die sich dem ihr vorherbestimmten Leben als Eheweib und Mutter widersetzte und es stattdessen wagte, ihren eigenen Weg zu gehen und obendrein auch noch einem Beruf nachgehen wollte, der Frauen untersagt und nur Männern gestattet war - war noch Monate nach der letzten Aufführung Gesprächsthema Nummer eins gewesen.

Frauen gehörten hinter den Herd und sollten ihren Ehemännern einen männlichen Erben schenken!

Eine unabhängige emanzipierte junge Dame? Wo gab es denn sowas?! Das passte so gar nicht in das Weltbild der Bürger von Amaris.

Wie würden sie dann wohl erst reagieren, wenn Airen Maxwell mit seinem nächsten Stück hausieren ging?

Er war sich sicher, dass dies ein Skandal werden würde.

Ein Skandal, der ihm egaler nicht sein könnte, denn er scherte sich nicht um die Dinge, die andere über ihn dachten und denken würden, genauso wenig, wie ihn die Gerüchte interessierten, die sich die Bewohner von Amaris und sogar über deren Stadtmauern hinaus, über ihn erzählten.

Der Graf von Raidenhall.

Oft wurde sein Titel benutzt, um kleinen Kindern Angst zu machen. Er diente als schwarzer Mann in deren Schauermärchen. Doch das sollte ihm nur recht sein. Diese Gerüchte und Märchen hielten ungebetene Gäste von seinem Anwesen fern.

Man erzählte sich, dass er und sein Anwesen Raidenhall verflucht seien. Dasselbe berichtete man auch über das alte Opernhaus in der Church Street, welches er vor kurzem erworben hatte.


Finley POV

“Man, er hat das Opernhaus ja wieder richtig auf Vordermann gebracht” sprach Castiel, einer der Tänzer, und sah sich staunend um.

“Trotzdem verstehe ich nicht, wieso er ausgerechnetdieseOper kaufen musste...” sagte ein anderer namens Allister.

Ich, Finley Park, ebenfalls Tänzer und Sänger, der sich erhoffte, eine Rolle in dem neu angekündigten Stück von Airen Maxwell ergattern zu können, sah mich ebenfalls beeindruckt um “Sie ist wunderschön”.

“Ja, zum Sterben schön” entwich es Allister.

Irritiert von der Art Allisters, wie dieser die Wörter hervor brachte, zog ich eine Augenbraue hoch “Was meinst du damit?“.

Ungläubig starrten die beiden mich an.

“Du bist wirklich nicht von hier oder?” fragte Allister und musterte mich einmal, worauf ich auf seine Frage nur verneinend nickte. “Das Opernhaus stand über zwanzig Jahrzehnte leer. Bei der letzten Aufführung hat es einen furchtbaren Unfall gegeben” begann Allister.

“Einen Unfall?” harkte ich neugierig nach.

“Ja, der große Kronleuchter über der Bühne” fuhr Castiel fort “ist abgestürzt und hat die Primadonna erschlagen. Sie war auf der Stelle tot. Danach ist ein Feuer ausgebrochen und hat fast das ganze Gebäude in Schutt und Asche verwandelt”.

“Niemand wollte die Oper wieder aufbauen, weil es hieß, der Geist von Madame Jane würde hier seitdem herum spuken” flüsterte Allister, als fürchtete er, mit seinen Worten den Geist von dieser verstorbenen Primadonna herauf zu beschwören.

Besorgt sah ich zu der Bühne herüber, über der in der Tat ein riesiger antiker Kronleuchter zu sehen war.

“Es war genau dieser Kronleuchter...” berichtete Castiel und sah ebenfalls ehrfürchtig zu diesem riesigen Ding hinauf, welcher in dem Licht funkelte und glitzerte. “Einige behaupten, man würde Madame Jane hier nachts singen hören” flüsterte er mir zu.

Augenblicklich stellten sich meine Nackenhärchen auf.

Ob dies an der Geistergeschichte lag oder daran, weil Castiels Atem kurz mein Ohr streifte, als dieser mir die Worte zu gehaucht hatte, wusste ich nicht genau.

Kurz zuckte ich zusammen, als Allister mir kurz darauf die Hand auf meine Schulter legte “Tja... Ich schätze, wir werden schon bald erfahren, ob hier wirklich ein Geist herum spukt”.

Oh man.

Ein Fluch? Ein Geist?

Ich hatte mit so einigem gerechnet, als ich meine Heimat verlassen hatte, um hier eine Rolle zu bekommen, aber Schauermärchen und Aberglauben hatte ich nicht erwartet.

Sie glaubten dieses Märchen doch nicht wirklich, oder?

Als ich erfahren hatte, dass kein geringer als Airen Maxwell, welcher als einer der bekanntesten und zeitgleich erfolgreichsten Opernkomponisten unserer Zeit galt - egal wie umstritten seine Werke auch waren - ein neues Stück angekündigt hatte, hatte ich sofort meine Taschen gepackt und meine Heimat verlassen, um hier in Amaris an einem Vortanzen und -singen teil zu nehmen.

Einige hatten ihr Können bereits gestern schon unter Beweis stellen müssen. Zu ihnen gehörten auch Allister und Castiel, die ich bereits kennen gelernt hatte und mit denen ich mir eine kleine Wohnung teilte, welche nicht weit vom Opernhaus entfernt lag. Die zweite Gruppe, zu der auch ich gehörte, war heute an der Reihe.

Castiel und Allister waren hier, um sich die Konkurrenz anzusehen, genauso wie ich es gestern bei der ersten Gruppe getan hatte. Außerdem bekam man so auch ein Gespür dafür, wie streng die Jury war und worauf sie ihr Augenmerk legten.

Und diese Jury war wirklich streng.

Sie hatten bereits gestern vorab, Tänzer und Sänger nach Hause geschickt, welche außerordentlich gut gewesen waren. Unter ihnen waren sogar einige bekannte Gesichter gewesen, die bereits große Rollen in bekannten Stücken gespielt hatten. Ich hatte keine Erklärung dafür, warum die Jury sie direkt, bevor überhaupt eine finale Entscheidung getroffen war, aussortiert hatte. Doch wenn die Juroren selbst diese Talente über die Klippe springen ließ... Das war etwas, was mich zunehmends nervöser werden ließ. Die halbe Nacht hatte ich vor Aufregung nicht schlafen können und hatte seit gestern keinen Bissen mehr herunter bekommen.

Ich hoffte inständig, mich nicht zu blamieren und ihnen zeigen zu können, was ich konnte.

Eine Rolle in einem von Airen Maxwells Stücken zu ergattern, war von klein auf mein größter Traum gewesen. Natürlich wusste ich, wie die Leute über ihn sprachen und was sie ihm nachsagten. Trotzdem konnte man nicht abstreiten, dass jedes seiner Stücke ein riesen Erfolg gewesen war und viele Tänzer und Sänger, nur durch ein Mitwirken in einem seiner Werke, hohes Ansehen erlangt hatten.

Airen Maxwell hatte ein einzigartiges Talent. Nein, er war ein regelrechtes Genie!

Er sprach mit seinen kontroversen Stücken absolute Tabuthemen an. Brachte die Gesellschaft dazu, über diese zu diskutieren und zu hinterfragen. Einige Leute bewegte er sogar zum Umdenken! Ich hoffte sehr, dass er noch viel mehr Menschen dazu bewegen würde, den Fortschritt, den er mit seinen Werken auslöste, zu akzeptieren, ihn zu begrüßen und sich für diesen einzusetzen und nicht, ihn mit allen Mitteln verhindern zu wollen.

Möglicherweise würde dann auch ich mich eines Tages nicht mehr verstecken müssen...

“Die Juroren sind da” riss Allister mich aus meinen Gedanken.

Augenblicklich beschleunigte sich mein Herzschlag. Mir war vor Aufregung so unglaublich schlecht, dass ich dachte, mich jeden Moment übergeben zu müssen.

Castiel, Allister und ich suchten uns einen guten Platz in den ersten Reihen. Nach einer Weile nahmen auch die letzten Teilnehmer meiner Gruppe Platz, während nun nach und nach die Juroren den großen Saal betraten. Unter ihnen war ein Gesicht, welches ich gestern noch nicht wahrgenommen hatte.

“Ich glaub es nicht... Das ister!” flüsterte Castiel ungläubig.

“Das ist Airen Maxwell!” sprach Allister ehrfürchtig, als er sich in dem Sitz neben mir, ein wenig zu mir herüber lehnte, um mir besser zuflüstern zu können.

Überrascht weitete ich die Augen und beobachtete, wie das Genie höchst persönlich durch den Gang des Saales herunter schritt.

Ein äußert gut gekleideter Mann, der eindeutig ein Vermögen an seinen Schneider zahlte und mit so viel Selbstbewusstsein voran ging, wie man es von jemanden erwarten würde, der die finanziellen Mittel besaß, ein so großes Opernhaus aufzukaufen, um es zu sanieren und somit, dem angeblichen Fluch, lachend ins Gesicht spuckte. Dieser Mann strahlte so viel Macht aus, dass jedermanns Blick unweigerlich an ihm kleben blieb. Die düstere Aura, die ihn dabei umgab, milderte in keinster Weise sein gutes Aussehen.

Das war der Graf von Raidenhall.

Einer der reichsten und mächtigsten Männer unserer Zeit.

Er besaß ein Anwesen, auf dessen Grundstück ohne weiteres Platz für eine ganze Stadt gewesen wäre. Ein Herrenhaus, dass so prachtvoll sein sollte, dass es jede Vorstellung übertraf und auf das selbst ein König neidisch werden würde. Dieser Mann hatte alles in seinem Leben und war sich seiner Macht und seinem Einfluss sicher bewusst. Die Art wie er den Saal entlang ging, unbeeindruckt davon, dass sich sofort alle Augenpaare auf ihn gerichtet hatten, sobald er den Raum betreten hatte, hatte etwas an sich, dem auch ich mich nicht entziehen konnte.



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