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Ben und das mit dem Sir

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Zusammenfassung

Mein dominanter Freund entdeckt meine devote Ader und bringt sie zum Vorschein (Smut, Sex, Erotik).

Genre:
Romance
Autor:
Kellythesub
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
6
Rating
5.0 (2 Bewertungen)
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1


Ich bin Kelly. Zweiundzwanzig. Brille, Pferdeschwanz, und zwar seid der siebten Klasse derselbe, weil ich irgendwann beschlossen hab dass Frisuren ein Problem sind, das ich nicht lösen muss. Ich bin so blass, dass meine Oma mich jeden Sommer fragt ob ich genug Eisen esse. Ich hab mal versucht, braun zu werden. Ich wurde rot. Dann wieder weiß. Das wars.

Und ich bin, wie soll ich sagen. Ich bin so eine, die um zwei Uhr nachts noch am Schreibtisch sitzt und ihre Notizen zum dritten Mal durchgeht, obwohl sie die schon zweimal durchgegangen ist. Die das Licht ausmacht, sich hinlegt, wieder aufsteht und nachguckt, ob der Wecker wirklich auf 6:40 steht. Er steht immer auf 6:40. Ich guck trotzdem.

Merkt euch das. Das ist nähmlich wichtig für alles was danach kommt.

In Beziehungen war ich genauso. Also, in den zwei Beziehungen, die ich vor Ben hatte, wenn man die eine überhaupt zählen kann, die ging sieben Wochen. Ich hab immer funktioniert. Ich war die, die sich gemerkt hat, wann seine Prüfung ist und ihm vorher geschrieben hat. Die, die gefragt hat ob alles okay ist, wenn er zwei Minuten still war. Ich war, ehrlich gesagt, anstrengend. Für mich selbst vor allem.

Ben ist achtundzwanzig. Er hat so einen trockenen Humor, bei dem man nie ganz weiß, ob er sich gerade über einen lustig macht oder über sich selbst oder über die ganze Welt. Und er riecht nach irgendwas Holzigem, ich hab ihn mal gefragt was das ist und er hat gesagt „Holz“ und dann nichts mehr, und ich hab nicht nochmal gefragt. Jedenfalls. Wenn er nah bei mir steht und ich das rieche, dann passiert in meinem Bauch was, das ich nicht bestellt hab. Das ist ehrlich gesagt ziemlich peinlich. So pawlowmäßig. Ich hasse das. Also, nicht wirklich. Aber ein bisschen.

Kennengelernt haben wir uns in einem Forum. Ich sag nicht welches. Ich hatte da so einen anonymen Account, wo ich Sachen geschrieben hab, die ich niemandem erzählt hätte, nicht meiner besten Freundin, nicht meinem Tagebuch, das ich mit vierzehn sowieso verbrannt hab. Fantasien. Nichts Wildes. Okay, schon was Wildes. Ein bisschen.

Und ich muss euch was gestehen, wenn wir schon dabei sind. Ich hatte mir vorher schon solche Videos angeguckt. Heimlich, mit Kopfhörern, im Inkognito Tab, und danach den Verlauf gelöscht obwohl er inkognito ja gar nicht gespeichert wird, aber sicher ist sicher. Videos wo eine Frau vor einem Mann kniet. Wo er ihr sagt was sie tun soll. Und ich hab mir eingeredet, ich guck das nur aus Neugier, so soziologisch, und dann lag ich da mit glühendem Gesicht und meine Hand war irgendwo, wo sie bei soziologischer Neugier eigentlich nicht sein sollte.

Hab ich nie jemandem erzählt. Euch jetzt schon. Fragt mich nicht warum.

Ben hat mir in dem Forum geschrieben. Ganz normal, eigentlich. Er hat gefragt, ob ich das Buch kenne, das ich in irgendeinem Beitrag erwähnt hatte. Ich hab drei Tage nicht geantwortet, weil ich dachte, das ist bestimmt ein Creep. Dann hab ich geantwortet, weil ich dachte, vielleicht ist er doch keiner. Er war keiner.

Unser erstes Date war in so einem Café, das gleichzeitig ein Comicladen ist. Ich hatte einen Kakao, er einen schwarzen Kaffee, natürlich, und irgendwie hab ich angefangen über Star Wars zu reden. Über die Prequels. Warum die besser sind als alle sagen. Ich hab bestimmt zwanzig Minuten am Stück geredet und irgendwann gemerkt, oh Gott, ich rede seit zwanzig Minuten über Midichlorianer, und hab aufgehört und mich entschuldigt.

Und er hat gesagt: „Warum hörst du auf. Ich hab dir zugehört.“

Hat er wirklich. Er hat Fragen gestellt. Gute Fragen. Ich glaub ehrlich, das hat mich mehr umgehauen als alles was danach passiert ist, und da ist ja einiges passiert.

Es war ein Dienstag im Februar. Glaub ich. Kann auch Mittwoch gewesen sein. Draußen waren so zwei Grad, Nieselregen, dieses Wetter wo man nicht weiß ob man den dicken Mantel braucht oder nicht, und ich hatte natürlich den falschen an.

Wir waren bei mir. Was selten war, weil ich eigentlich fast immer bei ihm schlafe, seine Wohnung ist größer und hat keine Nachbarn die um sieben Uhr morgens bohren. Meine Wohnung roch ein bisschen nach Staub, nach zu lange nicht gelüftet, und in der Küche stand noch der Kaffee, den Ben vorhin gemacht und dann nur halb getrunken hatte. Der Geruch hing überall, so bitter und kalt geworden.

Das Licht kam nur von der Stehlampe neben dem Sofa. Gelb, warm. Die Rollläden waren halb unten, die Straßenlaterne draußen hat so Streifen auf den Boden gemalt. Auf dem Couchtisch lag ein Fantasyroman, aufgeschlagen auf Seite 211. Ich weiß das so genau, weil ich seit einer Woche auf Seite 211 war. Ich kam nicht weiter. Ich hab immer denselben Absatz gelesen und dabei an Ben gedacht und dann wieder von vorne angefangen.

Auf dem Sideboard stehen meine Platten. Ich hab nicht viele, vielleicht vierzig. Und in der Ecke, hinter der Pflanze die eigentlich tot ist aber ich bring es nicht übers Herz sie wegzuschmeißen, liegt ein alter Tennisball. Grünlich grau mittlerweile. Den hab ich seit ich acht bin. Wenn ich als Kind wütend war hab ich ihn gegen die Wand im Flur geworfen, immer wieder, bis meine Mutter rief, dass ich aufhören soll. Ich hab ihn bei jedem Umzug mitgenommen. Keine Ahnung warum. Sentimentaler Quatsch.

Ben saß auf dem Sofa. Ich saß neben ihm, die Beine hochgezogen, und er hatte den Arm auf der Lehne hinter mir, nicht um mich, nur hinter mir. So, dass ich es spürte, aber er mich nicht berührte.

„Kelly“, sagte er.

„Hm.“

„Mir ist was aufgefallen.“

Ich dachte sofort, er macht Schluss. Ehrlich. Mein erster Gedanke war, okay, jetzt kommt es, er hat irgendwas gemerkt, ich bin zu anstrengend, zu klammernd, zu nerdig, ich rede zu viel über Midichlorianer. Mein Herz ging richtig hoch.

„Was denn“, sagte ich. Möglichst locker. Hat nicht geklappt.

„Wenn wir uns küssen“, sagte er, „dann machst du dich klein.“

„Was?“

„Du machst dich klein. Du ziehst die Schultern so ein. Als würdest du in mir verschwinden wollen.“

Ich lachte. So ein komisches hohes Lachen, das ich an mir selbst nicht ausstehen kann. „Das bildest du dir ein.“

„Nö.“

„Doch.“

Er guckte mich an. Einfach nur so. Mit dem leicht schiefen Mund, den er macht wenn er weiß, dass er recht hat und es genießt, dass ich es noch nicht weiß.

„Du guckst immer, ob ich zufrieden bin“, sagte er. „Ob ich Hunger hab. Ob mir kalt ist. Du fragst mich ob der Film okay ist, obwohl du ihn ausgesucht hast, weil ich gesagt hab, du sollst ihn aussuchen. Und wenn ich sag, wir gehen da und da essen, dann wirst du ganz…“ Er machte eine Bewegung mit der Hand. So ein Absinken. „Weich.“

„Ich bin halt höflich.“

„Ich glaub, du bist devot.“

So. Da war das Wort.

Und ich sag euch jetzt was. Ich kannte das Wort. Natürlich kannte ich das Wort, ich hab ja nicht unter einem Stein gelebt, ich hab ja diese Videos, also. Ihr wisst schon. Aber ich hab so getan als ob nicht. Ich hab die Stirn gerunzelt und gesagt: „Wie, devot. Was meinst du damit, so in dem Zusammenhang?“

In dem Zusammenhang. Als ob es da mehrere Zusammenhänge gäbe. Mein Gesicht wurde heiß, ich hab es richtig gespürt wie es von den Wangen zu den Ohren hochkroch, und ich hab gehofft, dass das gelbe Licht das versteckt. Hat es nicht. Ben hat es gesehen, das weiß ich, weil sein Mundwinkel noch ein Stück schiefer wurde.

Aber er hat es nicht kommentiert. Er hat es mir erklärt. Ganz ruhig, ganz sachlich, so wie er mir auch erklärt hat warum man Pfannen nicht in die Spülmaschine tut. Dass manche Menschen es als Erleichterung empfinden, wenn jemand anders entscheidet. Dass das nichts mit Schwäche zu tun hat. Dass es oft gerade die Leute sind, die sonst immer alles im Griff haben müssen. Die ständig verantwortlich sind.

Er hat mich dabei nicht angeguckt. Er hat auf den Tennisball in der Ecke geguckt. Als wollte er mir Platz lassen.

Ich hab später erfahren, dass er sich damit ziemlich viel beschäftigt hat. Mit dieser ganzen Machtsache, Psychologie und so. Dass er früher selbst mal mit einer Frau zusammen war, bei der es andersrum war. Er war der, der gekniet hat. Das hat er mir erst Wochen danach erzählt, und ich glaub, das erklärt einiges. Warum er so genau wusste, wo er hinguckt. Aber an dem Abend wusste ich das noch nicht.

„Weiß nicht“, sagte ich. „Ob das stimmt.“

„Ich könnte es dir beweisen.“

„Ach ja.“

„Ich könnte dich erregen ohne dich anzufassen. Nur mit dem was ich sage.“

Da musste ich wirklich lachen. Diesmal echt. „Das glaub ich nicht.“

„Okay.“

„Echt nicht, Ben. Das ist so ein… das ist so ein Satz aus einem schlechten Buch.“

„Dann beweis mir, dass ich falsch liege.“

Und ich weiß bis heute nicht, warum ich da nicht einfach gesagt hab, nee, lass mal, wollen wir nicht einfach die Folge weitergucken. Ich hab mir damals gesagt, ich mach das, um ihm zu zeigen, dass er sich irrt. So eine Art wissenschaftliches Experiment. Hypothese widerlegen. Ich bin Studentin, ich kann das.

Das war natürlich gelogen. Aber das hab ich erst später gemerkt. Oder ich hab es gleich gemerkt und nicht hingeguckt. Kennt ihr das? Wenn man genau weiß, dass man sich gerade selbst anlügt, und es trotzdem durchzieht, weil die Lüge so bequem ist?

„Okay“, sagte ich. „Beweis es.“

Er nickte. Dann sagte er was, womit ich nicht gerechnet hatte.

„Bevor wir anfangen. Wenn du ‚Rot‘ sagst, hör ich sofort auf. Mit allem. Egal was. Und keiner ist sauer, und wir reden drüber oder auch nicht. Okay?“

„Rot“, sagte ich.

„Nicht jetzt.“

„Ich wollt nur… üben.“

Er lachte. Und ich hab gedacht, das ist das Nerdigste, was mir je ein Mann gesagt hat, ein Codewort, wie in einem Agentenfilm, und gleichzeitig hab ich gemerkt, wie sich in meinem Bauch was löste. Weil es da war. Weil ich wusste, ich kann jederzeit raus. Und genau deswegen, das ist das Absurde, wollte ich gar nicht raus.

Er stand auf. Ging zum Sideboard. Fuhr mit dem Finger über die Platten, zog eine raus, ich sah sofort welche es war, und legte sie auf. Das Knistern von der Nadel. Dann dieser Song. Ihr kennt den bestimmt nicht, ist so eine kleine Band, aber das Lied hab ich bestimmt hunderttausendmal gehört. Und Ben wusste, dass ich es summe. Immer, wenn ich nervös bin. Vor Prüfungen, beim Zahnarzt, beim Warten auf den Bus wenn er zu spät ist.

Er setzte sich wieder hin. Nicht neben mich. In den Sessel gegenüber. Lehnte sich zurück, verschränkte die Arme locker vor der Brust, und guckte mich an wie so ein… ich weiß nicht. Wie jemand, der ein Experiment beobachtet. Was ja auch irgendwie stimmte. Nur dass ich dachte, ich bin die Wissenschaftlerin, und in Wirklichkeit war ich die Probe.

„Steh auf“, sagte er.

Ich stand auf.

„Zieh dich aus. Langsam.“

Ich stand da.

Das Lied lief. Die Heizung tickte, so ein unregelmäßiges Klacken, weil sie alt ist und irgendwo Luft drin hat. Draußen fuhr ein Auto vorbei, die Reifen auf der nassen Straße, dieses Zischen.

Und ich stand einfach da. Fünf Sekunden vielleicht. Hat sich angefühlt wie fünf Minuten.

Er sagte nichts. Er wartete. Und dieses Warten war schlimmer als wenn er es nochmal gesagt hätte. Weil ich wusste, er sagt es nicht nochmal. Entweder ich mach es oder ich mach es nicht, und beides wäre meine Entscheidung, und das wollte ich nicht. Ich wollte, dass es nicht meine Entscheidung ist.

Ich hab nach dem Reißverschluss von meinem Hoodie gegriffen.

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