Bittersüß

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Summary

Marie ist Anfang 30 und eher eine ruhige Introvertierte Persönlichkeit. Als ihre Großvater stirbt, zu dem sie eine wirklich innige Bindung hatte und er ihr sein kleines Cottage vermachte, nahm sie sich eine Auszeit vom Alltag, um diese Sache zu Regeln…und geriet dabei in etwas unvorhergesehenes…

Genre
Romance/Mystery
Author
Mije
Status
Complete
Chapters
44
Rating
5.0 21 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1

Bittersüß


Marie ist Anfang 30 und eher eine ruhige Introvertierte Persönlichkeit. Als ihre Großvater stirbt, zu dem sie eine wirklich innige Bindung hatte und er ihr sein kleines Cottage vermachte, nahm sie sich eine Auszeit vom Alltag, um diese Sache zu Regeln… fand einen Freund wieder und geriet dabei in etwas unvorhergesehenes…etwas, das ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen sollte.




Kapitel 1



Benjamin


Lächelnd schaue ich aus dem Fenster, über das angrenzende Feld zum Wald hinüber - bevor ich mich auf das Dach materialisiere.

Ich weiß bis heute nicht, wie ich in diesem Cottage gelandet bin. Aber ich bin nun mal hier.

Bald wäre sie wieder hier! Meine süße Marie! Ich freute mich, auch wenn es mir um den alten

Mann, ihren Großvater, leid tat…er war mir lange eine angenehme Gesellschaft. Mehr oder weniger.


Aber meine Highlights waren, wenn Marie kam.

Früher meist über die ganzen Ferien, dann eine Zeitlang fast gar nicht…sie war studieren gewesen. Journalismus. Weit weg und musste in den Ferien arbeiten. Trotzdem hatte sie es ein paar mal geschafft ihren Großvater zu besuchen - nur halt eben nicht so oft.

Ich hatte gesehen, das er ihr das Cottage vermacht hatte und seid dem konnte ich es kaum abwarten, das sie endlich wieder kam.


Zumindest sehen wollte ich sie. Ganz vielleicht konnten wir wieder Freunde werden.

Als sie klein war, hat sie mich gesehen…sie hat sich selbst beim ersten Mal nicht erschrocken. Damals kam ich noch nicht aus dem Zimmer raus, was ihr Zimmer wurde - also dann im Endeffekt unser gemeinsames Zimmer. Es war so schön endlich mal wieder mit jemandem reden zu können, auch wenn sie damals nur ein kleines Mädchen war. Sie war damals schon ruhig und verschlossen gewesen, aber sie hatte ein feines Gespür für ihre Umgebung.


In Ermangelung einer besseren Idee, hatte ich in ihrer ersten Nacht, unterm Bett gelegen, damit ich sie nicht beim schlafen anstarre. Das wäre dann doch etwas gruselig gewesen, immerhin bin ich ein junger Mann - war ich ein junger Mann. Irgendwann ist ihr Nachts das Kuschelhäschen runter gefallen und sie wurde wach.


Machte das Licht an und hob es auf. Dabei sah sie mich das erste Mal. „Was machst du da? Das ist doch unbequem!“ flüsterte sie. Ich hab mich so erschreckt, das ich durch das Bett durch, bis zur Decke hoch bin. Marie kicherte bloß und sagte dann: „Du kannst dich doch in den Schaukelstuhl setzen. Das ist bequemer. Ich weiß, das du hier nicht raus kannst. Morgen können wir zusammen spielen, aber jetzt bin ich müde.“


Der kleine Engel ist sogar extra nochmal aufgestanden und hat mir eine Decke gebracht. Ich war so perplex, das ich nicht ein Wort über die Lippen bekommen habe.


Solange sie noch ein Kind war, haben wir viel zusammen gemacht. Dann wurde sie größer und irgendwas muss passiert sein, den sie ignorierte mich und sprach nur noch ganz selten mit mir…das tat weh, aber ich verstehe es mittlerweile. Konnte mich ja keiner sehen, wenn sie mit mir sprach. Ständig wurde gesagt, das es niedlich sei, wie sie mit ‚Benjamin - ihrem Imaginären Freund‘ sprach. Aus niedlich wurde dann allerdings bald ‚komisches Kind‘.


Ich verstand was sie getan hatte - auch wenn es schmerzlich war.


Ein Paar Tage noch…zwei um genau zu sein…48 Stunden…2880 Minuten…172800 Sekunden.

Nicht das ich Rückwärts zählen würde…



Marie


Ich kam grade von der Beerdigung meines Opas Heim. Immer noch weinend kam ich in meinem Sessel zum sitzen.


Die Nachricht seines Todes erreichte mich, als ich in der Redaktion war. Ich brütete grade über einer Hintergrund Recherche, als mein Telefon ging. Der Postbote hatte gesehen, das die Zeitung noch im Kasten steckte und das war untypisch - er laß jeden Artikel.


Ich meine wirklich ALLES!


‚Wenn sich schon jemand die Mühe macht, dann muss man das auch Wertschätzen!’ sagte er immer.


Kurz drauf war die Polizei da und die hatten dann mich angerufen, weil meine Nummer als erstes in seinem Telefon gespeichert war. Meine Eltern waren eh unterwegs und irgendwo am anderen Ende der Welt. Sie hatten auch nie so den Draht zu Opa.


Er war zum Glück friedlich gestorben. Ich hatte Abends noch mit ihm telefoniert. Danach ist er ins Bett und nicht mehr aufgewacht. Das war mein einziger Trost. Er hatte nicht leiden müssen. Wir wollten nächste Woche zusammen meinen Geburtstag feiern - nur er und ich.


So grade hatte ich es noch hinbekommen, die Post mit rauf zu nehmen, aber keinen Elan die zu öffnen.


Nein, jetzt musste ich erst mal eine Runde jämmerlich weinend zusammen brechen. Mein Opa war mein Anker gewesen. Er wusste immer wie es mir ging ohne nachzufragen.

Sämtliche Ferien verbrachte ich bei ihm. Hatte sogar einen Imaginären Freund dort - Benjamin. Ein kleines Lächeln stahl sich auf meine Lippen.

Benjamin war ein bisschen was besonderes. Zumindest eine Zeit lang, bis ich älter wurde.


Meine Studienzeit war hart, da konnte ich nicht so oft zu ihm. Aber jetzt wollte ich eigentlich vorschlagen zu ihm zu ziehen. Ich wollte für ihn da sein können. Jünger wurde er ja leider nicht und ich wollte mit Sicherheit nicht, das er in ein Heim irgendwann musste.


Meine Arbeit lief gut. Ich Betrieb die Hintergrund Recherche für meine Kollegen und konnte somit von überall aus arbeiten. Das war auch schon so mit der Redaktion besprochen worden und abgesegnet.


Das wäre meine Überraschung für ihn gewesen.


Ginger, meine orange-weiß getigerte Katze - ja, ja ich weiß kein sehr origineller Name, aber den hatte sie schon (mein Ex hat sie dagelassen, als er der Meinung war, das ein Wir keinen Sinn mehr hätte)- sprang auf den Couchtisch und stupste mit ihrer Pfote meine Post an.

Bevor sie fliegen lernen konnte, griff ich sie mir schnell. Immer noch mit verheulten Augen öffnete ich den großen braunen Umschlag.


Meine Liebe Marie, mein kleines Sternchen!

Diese Zeilen schreibe ich im voraus, aber sie werden dich erst nach meinem Ableben erreichen…

Vor einer Weile habe ich angefangen meine Angelegenheiten zu Regeln. Du wirst festgestellt haben, das du daher keine Kosten oder Aufwand hast meine Beerdigung regeln zu müssen. Das wollte ich dir nicht zumuten, mein liebes Kind. Im Arbeitszimmer, im Aktenschrank findest du alle Unterlagen zum Cottage - diese sind wiederum alle in Kopie beim Notar hinterlegt. Neben meinen Zeilen befinden sich die Dokumente und eine Telefonnummer vom und für den Notar. Das Cottage ist das einzige, um das du dich kümmern musst, mein Sternchen. Es gehört dir. Du entscheidest was damit geschieht.

Ich hab so oft angefangen diesen Brief zu schreiben und habe Seitenweise weggeschmissen…es gibt noch soviel, was ich dir sagen wollen würde, aber das hab ich anders gemacht. Du hast mich immer wegen meiner Sprichworte und Regeln hochgenommen…hast mir nie abgenommen, das es Lebensweisheiten sind…ich hab sie zusammen gefasst und überall im Haus verteilt. Ich hoffe du findest sie und das sie dir helfen werden. Viel Spaß beim suchen.

Sei dir meiner Liebe immer gewiss, mein Sternchen! Ich bin nun nicht mehr da, aber ich bin dir nur voraus gegangen, deiner Lieben Oma hinterher…in deinem Herzen werde ich immer bei dir sein.

Ich bin so unglaublich Stolz auf dich, meine Kleine!

In tiefer Liebe!


Dein grummeliger, alter Opa!


P.S.: Benjamin vermisst dich!“


Wie bitte was????

Vor Schreck ließ ich alles fallen.

Der Brief hatte in typischer Opa Manier angefangen. Kein heißer Brei. Klar und deutlich auf den Punkt. So sehr Opa, das ich sogar schmunzeln musste…trotz Tränen.


Und dann? ‚Benjamin vermisst dich!’?????


WTF!?


Mein Imaginärer Kindheitsfreund vermisst mich? Das musste mir mal einer erklären!

Wobei besser vielleicht nicht! Sonst würde man mich mit Wahnvorstellungen oder wegen Schizophrenie in die nächste Psychiatrie einweisen.


Nope, keine gute Idee.


Ich schob das erst mal gekonnt in den letzten Winkel meiner Gedanken und hob die Dokumente wieder auf. Fischte nach der Telefonnummer und suchte nach meinem Handy. Dabei ging ich in die Küche, um mir einen Kaffee zu kochen.


Grade, als ich wählen wollte rief meine Chefin Schrägstrich Freundin an.

„Ich frage nicht wie es dir geht, weil das ist ziemlich klar - nämlich beschissen! Sondern informiere dich darüber, das ich dich in anderthalb Stunden abholen werde. Wir gehen in den neuen Club! Ich werde nicht zulassen, das du dich vergräbst!“ platzte sie mit der Tür ins Haus.


Mein Opa hatte eine abendliche Trauerfeier organisiert, denn er mochte den Abend lieber, als den Tag.


„Mel, ich will nicht! Ich muss einen Notar anrufen, wegen dem Cottage. Ich will einen Kaffee in der Badewanne und danach meine Tasche packen und früh ins Bett zu Netflix und morgen muss ich früh aufbrechen um nach…zum Cottage.“ eigentlich hatte ich sagen wollen um nach meinem Opa zu fahren…

Meine Freundin Melanie war grundsätzlich das Gegenteil von mir und ausreden ließ sie nicht gelten.

„Japp und deshalb werde ich dich abholen und raus schleppen, wenn es sein muss. Süße, wenn du noch immer vor hast ins Cottage zu ziehen, dann wirst du eh nicht mehr so oft in den Genuss meiner Anwesenheit zu sein!“ Jetzt machte sie mir auch noch ein schlechtes Gewissen. „Du hast anderthalb Stunden Zeit und mach dich ein bisschen zurecht. Wir gehen schließlich in einen Club.“


Mel legte einfach auf und wartete gar nicht auf meine Antwort. Manchmal war sie echt anstrengend und Schoss über sämtliches hinaus. Im Grunde meinte sie es gut, weshalb ich es ihr eigentlich nicht übel nahm, aber manchmal würde ich sie am liebsten erwürgen.

…so wie jetzt grade…


Seufzend wählte ich den Notar an. Dachte eigentlich, das um diese Zeit nur noch eine Mailbox dran gehen würde. Wenigstens würde ich dann die Öffnungszeiten erfahren.


Mal ehrlich, wer hatte denn heute keine Homepage?

Google fand nichts.


„Anwalts und Notar Kanzlei Peters, Mrs. Sanders. Was kann ich für Sie tun?“ meldete sich eine distanziert klingende Dame.

„Marie Lacey. Mein Großvater hat mir über Ihre Kanzlei einen Brief schicken lassen und ich soll mich bei Ihnen melden, wegen dem Cottage.“ meine Stimme klang belegt.


„Oh, Miss Lacey, mein herzliches Beileid zu ihrem Verlust! Wann wäre es Ihnen Recht vorbeizukommen? Mr. Peters nimmt sich jederzeit Zeit für Sie, hat er angekündigt.“ antwortete sie prompt, was mich irritierte. Schob es aber erst mal weg.

„Ich bin ab morgen späten Vormittag, denke ich in Summerset.“ weiter kam ich nicht.

„Oh wunderbar! Dann werde ich für Sie einen Lunch Termin im Pub buchen. Dort können Sie in Ruhe alles besprechen.“ fuhr sie dazwischen.


Nein! Sicher nicht!


„Mrs. Sanders, ich möchte keinen Lunch! Ich möchte das besprechen, was besprochen werden muss und dann will ich in Ruhe in mein Cottage.“ weigerte ich mich.

„Aber Mr. Peters macht das immer so…“ setzte sie an, aber jetzt fuhr ich dazwischen. „Das ist mir egal! Ich möchte nicht, dass, das ganze Dorf über meine Angelegenheiten informiert ist! Mein Großvater wollte das schon nicht und ich lege da auch keinen Wert drauf!“


Ja eigentlich war ich von ruhiger Natur und eher weniger Aufbrausend, aber das ging zu weit. Einfach über meinen Kopf hinweg zu entscheiden.

Bei Mel ließ ich das zu, aber wir waren ja auch befreundet. Aber einen Teufel würde ich tun, wenn ich zuließ, das Fremde das taten.


Ich hörte sie tief durchatmen, bevor sie konstatiert zischte: „Wie Sie meinen, dann einen Termin in der Kanzlei. Oder soll Mr. Peters zum Cottage kommen?“

„In der Kanzlei, dann ist wenigstens alles vor Ort.“ sagte ich fest. „Passt Ihnen 11:30 Uhr?“ fragte sie. „Ja, morgen 11:30 Uhr bin ich da! Adresse weiß ich.“ damit legte ich auf.