Kapitel 1
Beachtet bitte, dass es sich hier um eine Rohfassung handelt. Um meinen Lesern eine schnellere Fortsetzung bieten zu können, verzeiht bitte falsche Zeichensetzung oder Rechtschreibfehler. Ich bedanke mich im Voraus für euer Verständnis. :-)
Damit ihr nachvollziehen könnt, zu wann neue Kapitel erfasst werden, schaut hin und wieder gerne auf meiner Pinnwand vorbei.
Serenity verlor ihre Mutter vor wenigen Monaten, bevor Ihr Vater sich für eine andere Stadt entschied, sie mitnahm und sich in einen schlagenden Trunkenbold verwandelte. Sie plant bereits die Flucht, als ihr in Dunkelheit getränktes Leben eine unerwartete lichtdurchflutete Wendung nimmt.
SERENITY
Meine innere Uhr weckte mich wie fast jeden Morgen.
Ich richtete mich zischend auf, jede einzelne Bewegung fühlte sich an, als würde mein Körper gleich auseinandergerissen werden.
Die Haut von meinem Rücken war angespannt, geschwollen und ließ mich immer wieder vor stechenden Schmerzen zusammenzucken.
Gestern hatte mein Vater mich so schlimm mit dem Gürtel verprügelt, dass ich es kaum noch in mein Bett geschafft hatte.
Er war Mitte vierzig, hatte einen Bierbauch, ein aufgeblähtes Gesicht und eine Knollennase, was er wahrscheinlich seinem Alkoholkonsum zu verdanken hatte. Er war nur einen halben Kopf größer als ich, aber dennoch war er viel stärker. Seine blauen Augen erdolchten mich mit jedem Blick.
Ich saß gerade auf der Bettkante, als mein Blick auf den Spiegel von meinem weißen, zweitürigen Kleiderschrank fiel.
Auch wenn ich ein Schlafshirt trug, so konnte ich dennoch nicht übersehen, dass mein Körper fast nur noch aus Haut und Knochen bestand.
Meine Wangen waren eingefallen, wobei dunkle Augenränder meine Augen zierten.
Ich erhob mich von meinem Bett und begann, meinen kleinen, einen Meter sechzig großen Körper genauer zu betrachten.
Zu sagen, dass ich halb tot aussah, wäre eine Untertreibung.
Immerhin hatte ich wenigstens noch meine honigfarbenen Augen und meine glatten, dunkelbraunen Haare, die mir bis zur Schulter reichten, welche ich von meiner Mutter geerbt hatte.
Allerdings zierten meine Haut auch Hämatome in verschiedenen Heilungsstadien. Einige waren frisch von gestern, einige ein paar Tage alt und andere waren schon fast verblasst.
Meine Augen begannen bei meinem grauenvoll zugerichteten Anblick zu tränen.
Ich fragte mich stets und ständig, womit ich das verdient hatte.
Wieso quälte mich mein eigener Vater so?
Womit hatte ich das nur verdient?
Alles fing mit dem Tod meiner Mutter an.
Sie starb vor einigen Monaten, während ich in der Schule war, angeblich an Krebs, zumindest sagte mir das mein Vater.
Ich glaubte ihm nicht.
Meiner Mutter ging es zuvor sehr gut, sie war wie immer voller Leben, und dann soll sie von heute auf morgen an Brustkrebs gestorben sein?
Nein, auf gar keinen Fall.
Zudem durfte ich sie nicht einmal sehen und mein Vater, der immer liebevoll war und mich seine kleine Prinzessin nannte, gab ihr nicht einmal eine richtige Beerdigung.
Er sagte nur: “Deine Mutter ist an Brustkrebs gestorben.“ Wir haben kein Geld für eine Beerdigung. Mein Freund Calle wird sich um alle Formalitäten kümmern. “Da wir uns das Haus nicht mehr leisten können, ziehen wir um, also pack deine Sachen.“
Ich weiß noch genau, dass ich darauf völlig schockiert reagierte und ihn zum ersten Mal in meinem Leben anschrie und dass er darauf seinen Gürtel abschnallte und mich grün und blau schlug.
Irgendwann verlor ich das Bewusstsein und fand mich in einem kleinen Zimmer, das mein neues Reich sein sollte, wieder.
Es war eher ein Kinderzimmer, war aber sehr spärlich eingerichtet.
Ich hatte einen kleinen weißen Kleiderschrank mit Spiegel, ein einfaches graues Metallbett, das einem Kinderbett glich, und einen kleinen quadratischen braunen Tisch mit einem Holzstuhl.
In meinem Kleiderschrank waren zwar Klamotten, aber das waren nicht meine eigenen, sie sahen aus, als wären sie aus dem Secondhandshop.
Aus meinem alten Zimmer hatte ich nichts mehr.
Ich hatte nicht einmal mehr ein Bild von meiner Mutter, nichts.
Als ich begann zu weinen, kam mein Vater wütend und nach Schnaps stinkend in mein Zimmer gestürmt.
Er verpasste mir weitere Prügel und stellte danach die Regeln klar: “Von jetzt an wirst du mich mit ‚mein Herr‘ ansprechen. Du sprichst nur, wenn ich dazu auffordere. Du schreist nicht, du wehrst dich bei deiner dir zustehenden Prügel nicht und wirst mit niemandem darüber sprechen. Wenn ich dich rufe, wirst du sofort kommen. Alles, was ich von dir verlange, wirst du ohne Widerworte durchführen. Verlässt du unerlaubt dein Zimmer, sorge ich dafür, dass du es eine lange Zeit lang nicht mehr verlassen kannst.“
Ich war damals so geschockt, dass ich ihn nur anstarren konnte, doch fügte er noch hinzu: “Du wirst dich hier um den Haushalt kümmern, wenn du nicht in der Schule bist. Morgen geht dein erster Tag los und ab nächster Woche beginnst du bei einem Job in einem Restaurant. Das Geld, das du verdienst, übergibst du mir vollständig.“
Dann packte er mich an den Haaren und grinste böse: “Finde ich heraus, dass du dich drückst oder auch nur ein Wort über das, was hier passiert, ausspuckst, sperre ich dich in den Keller und lasse dich nie wieder raus, hast du das verstanden?!“
Mein Vater war zuvor niemals gewalttätig, doch seitdem war die Prügelei an der Tagesordnung, genauso wie sein täglicher Alkoholkonsum.
Früher war ich eine starke und charismatische Person, doch jetzt war ich zu einem verängstigten, schwachen und schreckhaften Küken mutiert.
Ich konnte bisher weder den mysteriösen Tod meiner Mutter verarbeiten noch hatte ich jemanden, mit dem ich sprechen oder um Hilfe bitten konnte.
In der Schule wurde ich entweder gemieden oder wegen meines Aussehens und meiner schäbigen Klamotten gemobbt und ausgelacht.
Ich war ganz allein und funktionierte fast einfach nur noch wie ein Roboter.
Innerlich fühlte ich mich taub und schwach, doch irgendetwas in mir sorgte dafür, dass ich weiterhin durchhielt.
Ich schmiedete sogar Fluchtpläne.
Zudem hatte ich auch ein ausgezeichnetes Bauchgefühl, das dafür sorgte, dass ich mich hin und wieder nachts unbemerkt aus dem Haus schleichen konnte, um heimlich Schichten im Restaurant zu übernehmen.
Ich brauchte das Geld, um meinen Fluchtplan umsetzen zu können.
Da ich im Endeffekt schwarzarbeitete, gab es auch keine offiziellen Lohnzettel, die ich meinem Vater oder eher gesagt meinen Herren vorlegen musste. So blieb mein Vorhaben unentdeckt.
Es war schwer und ein Körper wurde auch immer schwächer von den täglichen Prügeln und der Mehrarbeit, aber dennoch näherte ich mich langsam dem Ende meines Zieles.
Das Geld, das ich bisher heimlich gebunkert hatte, hatte ich in einer Tampon-Packung versteckt.
Ich wollte in eine weitentfernte Stadt ziehen, mir dort einen Job und eine Wohnung suchen und dann endlich Nachforschungen anstellen, was den frühen Tod meiner Mutter betraf.
Zudem wollte ich auch in Erfahrung bringen, ob ich noch Verwandte hatte.
Wir hatten zwar nie Besuch von irgendwem, aber dennoch hatte ich das Gefühl, dass irgendwo eine große Familie auf mich wartete.
Ja, ich weiß, das klingt fast schon verrückt und ich konnte mir selbst nicht erklären, warum ich mir so sicher war, aber so war es nun mal und allein der Gedanke daran bestärkte mich und gab mir Hoffnung auf ein besseres Leben.
Es beflügelte mein Herz und meine Seele.
Doch jetzt musste ich zusehen, dass ich mich fertig machte und mich um die Wohnung kümmerte.
Ich ignorierte so gut wie möglich meine drückenden, stechenden und brennenden Schmerzen und begab mich unter die Dusche.
Das einzig Gute an dem Zimmer war, dass es ein eigenes Badezimmer mit einem Waschbecken und einer Dusche hatte.
Danach zog ich mir die hässliche, braune Hochwasserhose und einen schwarzen, schlichten Pullover an und ging leise in die Küche.
Heute war Montag und ich musste bis um 06:30 Uhr, bevor ich zur Schule musste, mit allem fertig sein.
Das ganze Haus, auch wenn es nur klein war, musste aufgeräumt werden und ich musste das Mittagessen für meinen Vater vorbereiten.
Die Küche war klein und bot kaum Komfort.
Es gab nur eine graue kleine Küchenzeile, einen braunen Küchentisch mit drei holzfarbenden Stühlen und einen Kühlschrank.
Überall standen die leeren Bier- und Schnapsflaschen meines Vaters herum, was bestialisch roch.
Ich konnte nie sagen, warum, aber gegen starke, unangenehme Gerüche war meine Nase schon immer sehr empfindlich. Wäre mein Magen jetzt nicht leer, würde ich mich wahrscheinlich direkt übergeben.
Hinzu kam, dass ich auch noch besonders leise sein musste, denn sollte ich meinen Vater mit dem Flaschengeklirre aufwecken, würde ich definitiv die nächste Prügel kassieren.
Allein der Gedanke daran jagte mir Angst ein und ließ mich leise wimmern.
Die Stellen, an denen er mich gestern getroffen hatte, begannen zudem auch noch wie aufs Kommando zu kribbeln.
Mein Körper fühlte noch jeden gestiegenen Schlag, als würde es jetzt gerade erneut passieren.
Während ich die Falschen so leise wie möglich in einen Beutel steckte, veränderte sich die Luft.
In der Luft lag ein noch stärkerer Geruch nach Alkohol und Schweiß.
Ein unheilvolles Kribbeln schoss meinen Nacken entlang, wobei sich meine feinen Nackenhaare aufzustellen begannen.
Meine Augen huschten durch die Küche, doch bemerkte ich nichts Ungewöhnliches, was mich nur noch mehr irritierte.
Etwas Beklemmendes entfaltete sich in meiner Magengegend, bevor es an der Tür klingelte und ich erschrocken zusammenzuckte.
In mir kroch ein Gefühl voller Angst hoch.
Mein Vater brüllte laut aus seinem Schlafzimmer: “Du dumme Göre! Jetzt sag mir nicht, dass dich ein Schulkamerad abholt. Warts nur ab, ich zeige dir gleich, was ich davon halte!“
Mein Fluchtinstinkt setzte ein, als mein Herz zu rasen begann.
Ich hatte schon oft versucht, vor ihm wegzulaufen, doch immer, wenn ich es versuchte, packte er mich rechtzeitig oder verfolgte mich und fing mich wieder ein, doch heute war etwas anders.
Ich rannte in mein Zimmer, schnappte mir meine Schultasche und kletterte mit einer Leichtigkeit, von der ich nicht einmal wusste, dass ich sie hatte, aus dem Fenster, das auf der Rückseite unseres Hauses lag.
Augenblicklich wurde ich von der kalten Morgenluft eingehüllt, was mich leicht mit den Zähnen klappern ließ.
Meine Beine waren zwar schwach und zitterten wie Espenlaub, aber dennoch schaffte ich es, mich in Bewegung zu setzen und loszurennen.