Australian love: Ethan (Band 3)

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Summary

Ethan ist ein eingefleischter Junggeselle, der eine Frau nie länger als eine Woche an seiner Seite duldet. Dennoch umschwirren ihn die Frauen wie die Bienen den Honig, da er ein erfolgreicher Geschäftsmann ist. Er macht nur eine Ausnahme und diese heißt Chloe. Sie ist seine beste Freundin und er verbringt mehr Zeit mit ihr als mit sonst jemanden. Doch dann wird er von seiner Familie bedrängt, sich endlich eine Freundin zu suchen, damit sein Leben etwas ruhiger wird. Er muss zu einer Lüge greifen, damit er seine Ruhe hat. Und wer fällt ihm ein, wenn er an eine Freundin denkt? Richtig. Chloe. Kann das gutgehen? Und warum gefällt ihm auf einmal die Vorstellung davon, mit Chloe zu leben? Könnenn aus guten Freunden auch Liebende werden? Cover by Nancy Bieler © Alle Rechte vorbehalten

Status
Complete
Chapters
18
Rating
4.9 17 reviews
Age Rating
16+

Kapitel 1

„Chloe-Schätzchen.“

Chloe seufzte tief, drehte sich aber nicht um, sondern blickte angestrengt auf den Computerbildschirm. Sie war so nahe dran, ihre Arbeit zu beenden und dann Feierabend zu machen. Das wollte sie sich bestimmt nicht von jemand nehmen lassen. Auch nicht, wenn dieser Jemand ihr bester Freund war.

„Was willst du, Ethan?“, murmelte sie und war nicht bereit, sich von ihrem Chef aus der Konzentration reißen zu lassen.

Er lehnte sich gegen die Wand, die Chloes Büro von den anderen trennte.

„Wer sagt denn, dass ich etwas von dir will?“

Chloe schaute noch immer nicht auf, sondern trug einen Werbetext in das vorgesehene Bild ein.

„Wenn du Chloe-Schätzchen sagst, willst du etwas von mir. Entweder hast du eine Verabredung, bei der du dir nicht sicher bist und ich dich retten muss, wenn es in die Hose geht oder du willst früher gehen und bittest mich, deine Arbeit zu übernehmen. Im schlimmsten Fall muss ich irgendetwas für eine deiner Freundinnen einkaufen, weil du absolut keine Ahnung hast, was ihr gefallen könnte. Also, was ist es dieses Mal?“

Ethan lachte und stieß sich von der Wand ab. Er stellte sich hinter sie und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

„Du kennst mich eben. Aber es ist keines von den Dingen, die du gerade aufgezählt hast. Ich brauche dein Auto.“

Misstrauisch drehte sie sich zu ihm um.

„Mein Auto? Kannst du mir mal verraten, was an deiner Protzschüssel verkehrt ist?“

Ethan zuckte mit den Schultern und legte seine Hände auf die Stuhllehne, so dass Chloe zwischen seinen Armen gefangen war.

„Ich muss meinen Eltern wieder mal einen Besuch abstatten. Ich kann da nicht mit dem Porsche auftauchen. Mein Vater würde mir wieder einen Vortrag über Sparsamkeit, Zuverlässigkeit und den Werten halten, die ich seiner Meinung nach endlich anstreben sollte.“

Chloe blickte ihn interessiert in die Augen.

„Aha. Und welche Werte sind denn so schlimm, dass ich ein Wochenende lang auf meinen zuverlässigen Toyota verzichten soll?“

Er drückte ihr einen Kuss auf die Stirn.

„Das, meine liebste Freundin, will ich nicht einmal dir zumuten. Es ist so langweilig, dass du sogar einschlafen würdest, wenn ich jetzt davon anfangen würde.“

Chloe seufzte leise.

„Vielleicht solltest du mal auf deinen Vater hören. Außerdem...wäre es nicht produktiver, wenn du mit einem Porsche auftauchst. Dann sieht dein Vater wenigstens, dass du gut Geld verdienst. Du hast doch selbst gesagt, dass er dir andauernd auf den Ohren liegt, weil du seinen Laden übernehmen sollst. So würde er endlich sehen, dass du es ganz alleine geschafft hast.“

Ethan verdrehte die Augen.

„Hör mir bloß auf. Das wird so oder so kommen, dass er davon spricht. Ich habe aber keine Lust, Tag für Tag in einem Schlachthof herum zu laufen und zu schauen, wie ein Fleischstück nach dem anderen über ein Band in Kisten läuft. Ich will selbst etwas tun. Außerdem bin ich gut in meinem Job.“

Das konnte Chloe nicht abstreiten.

Ethan war der geborene Web-Designer. Die Firmen hatten sich regelrecht überschlagen, um ihn zu bekommen. Doch Ethan wäre nicht Ethan, wenn ihn das nicht gestört hätte. Er wollte niemanden unterstehen und deswegen gründete er kurzerhand sein eigenes Unternehmen. Blaire-Design hatte sich mittlerweile etabliert und war ein angesehenes Unternehmen in ganz Australien und auch darüber hinaus. Mittlerweile war Ethan sogar Millionär, auch wenn man es ihm nicht anmerkte.

Chloe verzichtete darauf, Ethan zu fragen, ob er seinem Vater schon jemals davon erzählte, denn sie wusste die Antwort schon. Hatte er nicht. Und selbst wenn sein Vater es wissen würde, konnte man sicher sein, dass er es herunterspielte. Zumindest war Ethan dieser Meinung.

Chloe nickte und holte ihre Handtasche heraus.

„Gut, du bekommst mein Auto. Aber du fährst mich damit nach Hause. Ich kann nicht mit deinem Porsche dort aufkreuzen.“

Ethan hob eine Augenbraue und stieß sich vom Stuhl ab.

„Warum denn nicht?“

Sie kramte den Autoschlüssel hervor und warf ihn Ethan zu.

„Hast du vergessen, wo ich wohne? In dieser Gegend fährt man zuverlässige Autos und keinen Sportwagen. Es reicht, wenn du da ab und zu aufkreuzt und die ganzen geschiedenen Frauen verrückt machst.“

Er hob verblüfft seine Augenbrauen.

„Ich mache wen verrückt?“

Sie lachte leise.

Offenbar fiel ihm das wirklich nicht auf, aber sobald Ethan bei ihr war, konnte sie sich vor Zucker- und Mehlanfragen kaum retten. Alle ihre Nachbarinnen schienen nur darauf zu warten, Ethan zu sehen. Fünf Minuten vorher waren sie noch in schlabbrigen Leggins und Pullis herumgelaufen, aber dann kamen sie geschminkt und in Minirock zu ihr. Leider wohnte sie in einer Gegend, die berühmt dafür war, dass sich dort geschiedene Frauen niederließen. Die Wohnungen waren günstig und man konnte sich auch als Alleinstehende oder Alleinerziehende sich ein anständiges Apartment leisten. Deswegen nannte man die Gegend auch Scheidungsmeile. Chloe war die Ausnahme, denn sie war Witwe.

„Ist dir das nie aufgefallen? Sobald du da bist, kommen sie zu mir.“

Chloe senkte ihre Stimme.

„Sie sind scharf auf dich und deinen Porsche. Und wenn er vor meinem Haus parkt, dann steht das ganze Wochenende meine Klingel nicht still.“

Er lachte unbekümmert.

„Ach, komm schon Chloe. So schlimm ist es bestimmt nicht.“

Sie nickte energisch.

„Oh doch!“

Er lehnte sich gegen ihren Schreibtisch und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Ich war der Meinung, dass du so beliebt in der Straße bist.“

Chloe wandte sich wieder an ihren PC.

„Das war ich, bevor du das erste Mal aufgetaucht bist. Erst als ich jeder Frau versichert habe, dass wir nur Freunde sind, hörten diese feindseligen Blicke auf und stattdessen tauchen sie bei mir auf, sobald sie nur deinen Wagen sehen.“

Er grinste frech.

„Muss ich das nächste Mal darauf achten. Ist mir wirklich noch nie aufgefallen.“

Das war Chloe auch klar. Ethan hatte es nicht nötig, auf so etwas zu achten. Auch wenn sie nur Freunde waren, musste Chloe zugeben, dass er verdammt gut aussah. Er hatte einen durchtrainierten Körper. Das war kein Wunder, schließlich hatte er dafür gesorgt, dass ein Fitnessstudio für die Mitarbeiter bereitstand und er nutzte es selbst fast jeden Tag. Außerdem verbrachte er jede Minute, die er erübrigen konnte, im Freien. Er fuhr Fahrrad, spielte Rugby und surfte, sobald es seine Zeit zuließ. Aber es war nicht nur sein Körper, der fast jede Frau zum Schwärmen brachte. Er hatte ein kantiges Gesicht und blaue Augen, die anfingen zu leuchten, wenn er lachte. Und er lachte sehr oft. Seine Haare waren kurz geschnitten, da er Locken hatte und die sich ansonsten wild um seinen Kopf kringelten. Er sah dann fast so aus, als ob er direkt aus dem Bett gekommen wäre.

Ja, jede Frau hätte ihn gerne in ihrem Bett, beziehungsweise in der Ehefalle. Doch Chloe nicht. Sie war zufrieden, dass er nur ihr Freund war, und ihr seit Toms Tod ab und zu unter die Arme griff. Tom und Ethan kannten sich schon seit ihrer Kindheit, obwohl Tom gute zehn Jahre älter als Ethan gewesen war. Tom war mit Ethans älterer Schwester in dieselbe Klasse gegangen. Der Kontakt war abgebrochen, als Tom nach Newcastle zog und Chloe heiratete. Dennoch war Ethan zu Toms Beerdigung erschienen. Er aus der Zeitung davon und war gekommen, um seinen Freund aus Kindertagen die letzte Ehre zu erweisen.

Nach der Feier, die für Chloe unerträglich war, blieb er noch und half Chloe, alles von der Zusammenkunft wegzuräumen. Danach saß er noch lange bei ihr und versuchte, sie zu trösten, als sie weinte. Toms Tod erwischte alle eiskalt. Tom war immer gesund gewesen. Die Diagnose Krebs kam überraschend. Niemand, besonders nicht Tom, rechnete damit, dass er gerade diese Diagnose bekam, als er zu einem Arzt wegen anhaltender Übelkeit und Schwindel ging.

Nach der Diagnose vergingen noch genau vier Monate und Tom verstarb. Der Krebs war schon so weit fortgeschritten, dass niemand hätte etwas tun können.

Und Chloe war allein mit ihrer Tochter. Allein, ohne Arbeit und in einem Haus, das zwar abbezahlt war, dessen Unterhalt sie sich aber nicht leisten konnte.

Ethan nahm alles in die Hand. Er half ihr, das Haus zu verkaufen, und besorgte ihr einen Job in seiner Firma. Dabei gründete er sogar noch den firmeneignen Kindergarten, so dass Chloe Libby immer mit zur Arbeit nehmen konnte. Dann schaute er mit ihr noch verschiedene Wohnungen an und half ihr beim Umzug.

Chloe war ihm unendlich dankbar gewesen, aber Ethan schüttelte nur den Kopf und meinte, dass es jeder hätte tun können.

Das tat aber niemand.

Die ganzen Freunde, die Tom und sie hatten, waren auf einmal verschwunden oder hatten keine Zeit. Nur Ethan war ihr geblieben.

Chloe erschrak, als Ethan mit den Fingern vor ihrem Gesicht schnippte.

„Hey. Wo bist du mit deinen Gedanken? Ich habe dich jetzt schon dreimal angesprochen.“

Sie seufzte leise. Wenn sie ihm das erzählen würde, wo sie jetzt in Gedanken war, würde er sich wieder Sorgen machen. Sie kannte ihn schon zu gut. Ethan hatte ein Gespür dafür und würde sie wieder trösten wollen. Aber das konnte sie nicht von ihm verlangen.

„Ich habe mir überlegt, wie ich noch einkaufen gehen soll.“, log sie.

Er schüttelte ungläubig den Kopf.

„Nimm den Porsche.“

Sie lachte.

„Auf keinen Fall!“

Er zuckte mit den Schultern.

„Dann bleibt dir nichts anders übrig, als mein Rad zu nehmen.“

Nun musste sie losprusten. Er besaß ein Rennrad. Da bekam sie nicht einmal eine Flasche Wasser rauf.

„Nein! Ich mache es anders. Ich bin sowieso fast fertig. Ich gehe einkaufen und komme wieder hierher, um dich abzuholen. Dann kannst du mich nach Hause fahren und das Auto haben. Ich brauche es das ganze Wochenende nicht.“

Ethan hob wieder seine Augenbrauen.

„Keine Verabredung?“

Sie schnaubte.

„Wann hatte ich denn eine Verabredung, seit Tom tot ist? Die guten Männer in meinem Alter sind entweder verheiratet oder haben eine Macke. Oder sie wollen kein achtjähriges Mädchen.“

Er nahm eine ihrer Haarsträhnen in die Hand und zog leicht daran.

„Es sind jetzt schon viele Jahre seit Toms Tod vergangen. Langsam solltest du dir etwas gönnen.“

Das Thema kannte sie schon zu Genüge.

„Ich habe dir eben meine Gründe gesagt, die mich davon abhalten. Nein, ich bin zufrieden, so wie es ist.“

Er lachte.

„Oh ja. Kann ich verstehen. Ich bin ja auch zufrieden mit meinem Leben.“

Sie grinste ihn an.

„Ethan! Du bist dreißig Jahre alt. Auch du solltest dir mal eine Familie zulegen.“

Er sah sie entsetzt an.

„Dad? Mum? Wie kommt ihr in den Körper meiner besten Freundin?“

Sie schubste ihn leicht an.

„Doofer Kerl. Sie haben nicht ganz Unrecht. Fast jedes Wochenende hast du eine andere Frau im Arm. Willst du eine davon nicht einmal behalten?“

Er schüttelte vehement den Kopf.

„Nein. Du wirst es mir nicht glauben, aber ich habe fast dasselbe Problem wie du. Entweder wollen sie nur mein Geld oder sie wollen meinen Körper.“

Chloe verdrehte ihre Augen.

„Du erwartest jetzt aber kein Mitleid von mir, oder? Es macht dir doch Spaß mit den Miezen.“

Er lachte und stand auf.

„Oh ja. Es macht Spaß und den lasse ich mir nicht nehmen. Ich weiß, dass Cooper glücklich verheiratet ist und Riley auch bald in den Hafen der Ehe schippert, aber ich bin lieber frei. Das lasse ich mir nicht nehmen. Auch nicht von dir oder meinen Eltern.“

Cooper und Riley waren seine besten Freunde und auch Chloe mochte die beiden und auch die Frauen, die sie hatten.

Ethan legte ihre Schlüssel wieder auf den Schreibtisch.

„Dann beende deine Arbeit und hol mich ab. Ich bin im Fitnessstudio, wenn du mich suchst.“

Damit verließ er sie.

„Wo sollte ich dich denn auch sonst suchen?“, rief sie ihm hinterher.

Er lachte nur.