Kleidersuche

Milena und Saskia streifen durch die Damenabteilung und suchen nach einem einfachen bodenlangen Kleid mit langen Ärmeln. Außerdem will Saskia, dass es beige oder weiß ist, was das Ganze noch schwieriger macht.
„Saskia, vergiss es doch einfach“, stöhnt Milena und verdreht die Augen. Ihre blauen Augen blicken genervt.
„Nein“, widerspricht die brünette Frau und beißt sich auf ihre vollen roten Lippen, dabei glitzern ihre dunkelbraunen Augen unnachgiebig. „Ich brauche ein passendes Kleid für dieses Mittelalterzeugs. Demian steht auf so was, also werde ich mitmachen.“
„Frau, du kennst den Typen doch gar nicht! Du hast ihn erst einmal gesehen. Einmal! Warum willst du ihm imponieren?“ Milena schüttelt ihren Kopf so sehr, dass ihre blonden Korkenzieherlocken munter auf und ab hüpfen. „Eigentlich müsste er dich verführen und nicht du ihn.“
„Ach komm schon, du weißt genau, dass er keinen zweiten Blick an mich verschwendet, wenn ich nicht auf so einen Mittelalter-Kram stehe. Er ist ein absoluter Freak! Wenn ihm seine letzte Freundin nicht die gemeinsamen Zelte zerschlitzt hätte, würde er sogar dort übernachten.“
„Sie hat ihm die Zelte ...“
„Ja, hab ich dir das noch gar nicht erzählt?“ Saskia versucht, möglichst unbeteiligt und unschuldig zu wirken. „So hab ich ihn doch kennengelernt. Er war bei mir in der Bar und hat über seine Ex geflucht, die ihm ein Zelt zerschlitzt hat. Das fand ich schon sonderbar. So ein Zelt kostet ja nicht die Welt, also kamen wir ins Gespräch und er hat meinen Umsatz erhöht.“ Sie grinst. Denn damit meint sie nicht den Umsatz der Bar, sondern ihres Trinkgeldes.
„Na, wenn er nicht knausrig ist, könnte es sich schon lohnen, ihn näher anzuschauen. Aber warum musst du deshalb so ein Kleid kaufen?“
„Mensch, Milena, überleg doch mal. Die Tussi hat ihm ein Zelt im Wert von tausend Euro zerstört! Die Mittelalterzelte sind echt wertvoll! Er gibt mir ein Trinkgeld von fünfzig Euro und das, obwohl er nicht volltrunken war. Welcher Kerl macht das denn nur fürs Quatschen? Der ist eine Geldquelle. Wenn der als Freund auch so ist, werde ich mit Geschenken überhäuft!“
„Jetzt weiß ich immer noch nicht, wozu du ein Mittelalter-Kleid brauchst.“
„Komm lass uns gehen, ich kenne einen Secondhandshop in der Nähe. Vielleicht hat der was Passendes.“ Saskia zieht Milena mit sich. „Demian steht auf diese Sache. Er hat gesagt, dass er sich tierisch aufregt, weil er beim nächsten Event nicht mit seinem Zelt dabei sein kann, sondern nur als Besucher. Und dann auch noch ohne Begleitung, wo doch alle seine Freunde ihre Freundinnen mitbringen. Weil es dieses Wochenende ist, kann ich nicht online bestellen. Der Versand dauert zu lang. Ich muss also vor Ort etwas finden, zu dem Fest gehen und ihn überraschen.“
Milena stolpert hinter Saskia her. Mittlerweile schmerzen ihre Füße. Sie sind seit drei Stunden am hin- und herrennen, ohne etwas Passendes zu finden. Kein Wunder, welcher normale Laden hat schon eine Abteilung für Mittelalter? In ihren Ohren klingt das alles viel zu unglaubwürdig. Wenn Demian gar keine Verabredung mit ihrer Freundin hat, wie soll sie ihn dann finden? Er wird ja nicht am Eingang stehen und auf sie warten! Wozu also dieser ganze Stress?
„Als du gesagt hast, wir gehen shoppen, habe ich nicht mit einem Gewaltmarsch durch die ganze Stadt nach einem speziellen Kleid gerechnet, Saskia. Wenn wir nicht gleich eine Pause in einem hübschen kleinen Café einlegen, dann lasse ich mich einfach fallen und der nächste schnucklige Sanitäter darf mich gesund pflegen!“
Überrascht bleibt Saskia stehen. Bisher hat ihre Freundin nie gemurrt, wenn sie stundenlang durch Geschäfte gestreift sind. Na schön, sonst sind sie wirklich gestreift und nicht so hektisch herumgelaufen wie dieses Mal. Sie blickt Milena von oben bis unten an, mustert den roten Pulli, die dunkelblaue Jeans und die … High Heels.
„Alles klar“, grinst Saskia, „eindeutig falsches Schuhwerk. Okay, dann ab ins nächste Café.“
Natürlich wählt sie ein Café, das rein zufällig auf halbem Weg zum Secondhandshop liegt und wo es hoffentlich ein Kleid gibt, das ein wenig nach Mittelalter aussieht.








