Der Gefährte des Lykaner Königs - Look at me, my little Omega

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Summary

„Ein Blick aus diesen goldenen Augen genügte, um meine Welt stillstehen zu lassen.“ Für den 18-jährigen Caleb Moon ist der jährliche Ball im Schloss der Lykaner kein Grund zum Feiern, sondern eine Qual. Während andere Omegas sich darauf freuen, ihren Gefährten zu finden, möchte Caleb sich am liebsten unsichtbar machen. Seine Schüchternheit steht ihm wie eine Mauer im Weg, und jedes Mal, wenn er versucht zu sprechen, versagt ihm die Stimme. In der Gegenwart der Lykaner – Wesen von roher Kraft und einschüchternder Aura – fühlt Caleb sich kleiner als je zuvor. Als er in der Menge verspottet wird und die Tränen kaum noch zurückhalten kann, geschieht das Unmögliche: Die Menge teilt sich, und der Lykaner-König höchstpersönlich tritt aus dem Schatten. Caleb erwartet Zorn oder Verachtung, doch was er findet, ist sein Schicksal. Der König ist nicht das Monster, das alle in ihm sehen. Er ist stark, beschützend und – was Caleb am meisten verwundert – unendlich sanft zu seinem kleinen Omega. Kann Caleb seine Angst überwinden und dem Mann vertrauen, vor dem die ganze Welt zittert?

Status
Ongoing
Chapters
14
Rating
4.8 4 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1

Kapitel 1 

Caleb:

Meine Hände zitterten so heftig, dass der feine Stoff der Krawatte mir immer wieder durch die Finger glitt. Heute war der Tag des Balles. Der Tag, an dem ich – theoretisch – meine Gefährtin oder meinen Gefährten finden sollte. Eigentlich ein Grund zur Freude, doch für mich fühlte es sich eher wie ein heraufziehendes Gewitter an.

Ich wusste genau, dass ich mich kaum auf das magische Band des Schicksals konzentrieren könnte. Menschenmassen lösten in mir einen Fluchtinstinkt aus, der mich fast um den Verstand brachte. Sobald zu viele Augenpaare auf mich gerichtet waren, schnürte sich meine Kehle zu. Wenn ich dann doch einmal versuchte, etwas zu sagen, stolperten die Worte über meine Zunge und verhedderten sich in einem peinlichen Stottern.

„Caleb? Wo bleibst du denn? Wir müssen langsam los!“, rief meine Mutter von unten.

Nur Sekunden später hörte ich ihre rhythmischen Schritte auf der Treppe. Als sie im Türrahmen erschien, blieb sie abrupt stehen. Ihr Blick glitt von meinen bebenden Händen zu meinem blassen Gesicht. Mit einem leisen Seufzer trat sie auf mich zu und nahm mir sanft die Krawatte aus der Hand.

„Liebling, versuch dich ein wenig zu entspannen“, sagte sie mit dieser beruhigenden Stimme, die sie immer benutzte, wenn ich kurz vor einer Panikattacke stand. Während sie mit flinken, geübten Bewegungen den Knoten schlang, fuhr sie fort: „Seinen Gefährten mit achtzehn zu finden, ist ein wunderbares Geschenk. Dein Vater und ich wünschen uns nur, dass du – genau wie deine Schwester im letzten Jahr – endlich jemanden an deiner Seite hast. Wir wollen doch nur, dass du versorgt bist und wir uns keine Sorgen mehr machen müssen.“

Ich senkte den Kopf und starrte auf meine polierten Schuhe. „Ich weiß, Mom. Aber du weißt auch, wie es in mir aussieht. Diese Menschenmassen ... ich ertrage das kaum. Ich sollte mich freuen, ich weiß es ja, aber meine Vorfreude hält sich gerade verdammt noch mal in Grenzen. Ich bin einfach nur ... überfordert.“

Sanft legte sie einen Finger unter mein Kinn und zwang mich, sie anzusehen. Ein aufmunterndes Lächeln umspielte ihre Lippen. „Ich weiß, wie schwer das für dich ist, Caleb. Aber ich weiß auch, dass du eine Stärke in dir trägst, die du selbst noch gar nicht siehst. Du wirst das heute wunderbar meistern. Und ich bin mir sicher, dass da draußen jemand wartet, der genau dich braucht.“

Sie drückte mir einen federleichten Kuss auf die Stirn, ein kurzer Moment der Geborgenheit, bevor der Ernst des Abends begann. „Na komm“, sagte sie dann entschlossen und zog mich sanft, aber bestimmt aus meinem Zimmer und die Treppe hinunter, wo mein Vater bereits ungeduldig wartete.

Mein Vater öffnete die Haustür, und die kühle, klare Nachtluft schlug mir entgegen. Normalerweise liebte ich die Frische der Nacht, doch heute nahm ich sie kaum wahr. Mein Herz hämmerte so laut gegen meine Rippen, dass es jedes andere Geräusch übertönte. Ich folgte meinen Eltern schweigend zum Wagen.

Ich kletterte auf die Rückbank und versuchte, mich so klein wie möglich zu machen. Meine Mutter nahm auf dem Beifahrersitz Platz, während mein Vater sich hinter das Steuer setzte. Das leise Schnurren des Motors, als er ihn startete, fühlte sich an wie der Startschuss zu einem Rennen, das ich unmöglich gewinnen konnte. Während wir die Einfahrt verließen, starrte ich aus dem Fenster auf die vorbeiziehenden Schatten der Bäume. Mit jedem Kilometer, den wir dem Ballsaal näher kamen, zog sich der Knoten in meinem Magen enger zusammen. Ich verschränkte die Arme vor der Brust und presste die Lippen aufeinander – fest entschlossen, zumindest den Schein zu wahren, auch wenn ich innerlich kurz davor war, auseinanderzufallen.

Meiner Meinung nach war die Fahrt zum Schloss des Lykaner-Königs viel zu kurz. Von mir aus hätte sie Stunden dauern können, ja, sie hätte nie enden müssen. Doch als die massiven Türme des Schlosses am Horizont auftauchten, beleuchtet von unzähligen Fackeln, gab es kein Zurück mehr. Das majestätische Bauwerk wirkte auf mich nicht einladend, sondern bedrohlich.

Ich wusste, dass ich nun wohl oder übel ins kalte Wasser springen musste. Es gab kein Entkommen vor der Tradition, vor den Erwartungen meiner Eltern und vor dem Schicksal selbst. Doch während wir uns der pompösen Auffahrt näherten, wo bereits unzählige Wagen hielten, war mein einziger wirklicher Wunsch ein ganz anderer: Ich wollte zurück in mein Zimmer. Ich wollte in mein Bett, mich in die Decken einhüllen und in der Stille eines Buches versinken, wo die einzige Aufregung aus bedruckten Seiten bestand und nicht aus Fleisch und Blut vor mir stand.

„Wir sind da“, sagte mein Vater, und seine Stimme klang voller Stolz.

Ich schluckte schwer. Der Kampf gegen die Panik begann jetzt erst richtig.

Ich seufzte tief, versuchte meine Lungen ein letztes Mal mit der ehrlichen, kühlen Nachtluft zu füllen und zwang mich schließlich, den Wagen zu verlassen. Jeder Schritt in Richtung des riesigen Eingangsportals fühlte sich an, als würde ich Bleigewichte an den Füßen tragen. Ich war unendlich dankbar, dass meine Eltern mich in ihre Mitte nahmen. Sie wussten genau, wie sehr ich mit solchen Situationen kämpfte, und allein ihre vertraute Nähe gab mir den nötigen Halt, um nicht auf der Stelle umzukehren.

Doch kaum hatten wir die schweren Flügeltüren durchschritten, wurde ich von einer unsichtbaren Mauer aus Reizen erschlagen. Es waren nicht nur die Pracht aus Gold und die gleißenden Kristallleuchter – es waren die Gerüche. In mir zog sich alles zusammen. Als Werwolf war mein Geruchssinn ohnehin schon scharf, doch hier vermischten sich hunderte von Düften zu einem Chaos, das mir den Atem raubte. Da war die schwere, dominante Aura der reinrassigen Lykaner, die nach uraltem Wald, Moos und roher Macht rochen. Lykaner waren weitaus stärker, größer und gefährlicher als wir gewöhnlichen Werwölfe.

Und dann war da noch mein eigener Status, der diese ohnehin schon beklemmende Situation in einen Albtraum verwandelte: Ich war ein Omega. In der Rangordnung standen wir am untersten Ende – wir waren die Friedfertigen, die Sensiblen, aber oft auch die Unterwürfigen. Inmitten dieser Übermacht an Alphas und starken Kriegern fühlte ich mich wie eine kleine, einsame Kerze in einem tobenden Orkan. Die Aura der Lykaner drückte schwer auf meine Schultern und aktivierte jeden Fluchtinstinkt, den mein Wolf besaß.

Mein Kopf begann augenblicklich zu dröhnen. Das Stimmengewirr der Menge hallte von den hohen Wänden wieder und klang in meinen Ohren wie das Tosen eines Sturms. Ich spürte, wie meine Handflächen feucht wurden. Instinktiv suchte mein Blick den Boden ab, unfähig, den stolzen und prüfenden Blicken der anderen Gäste standzuhalten. Ich fühlte mich wie ein Beutetier, das versehentlich mitten in eine Versammlung von hungrigen Raubtieren gelaufen war.

Mir war schmerzlich bewusst, dass ich nicht der einzige Omega im Raum war. Hier und da sah ich andere meinesgleichen, die sich ähnlich unsicher am Rand der Tanzfläche drückten. Doch ihre Anwesenheit bot mir keinen Trost. Die Anzahl der Alphas und Betas war schlichtweg übermächtig. Überall, wo ich hinsah, begegneten mir dominante Blicke – prüfend, fordernd oder herablassend. Es fühlte sich an, als würde jeder einzelne von ihnen meine Schwäche riechen können. Die starrenden Blicke brannten auf meiner Haut und machten es mir fast unmöglich, einen klaren Gedanken zu fassen.

Ich spürte, wie das Blut aus meinem Gesicht wich. Das Stimmengewirr der Menge hallte von den hohen Wänden wieder und klang in meinen Ohren wie das Tosen eines Sturms. Instinktiv suchte mein Blick den Boden ab, unfähig, den stolzen Blicken der Lykaner standzuhalten. Ich fühlte mich wie ein Beutetier, das versehentlich mitten in eine Versammlung von hungrigen Raubtieren gelaufen war – und jeder Meter, den wir tiefer in den Ballsaal vordrangen, fühlte sich an wie ein Schritt weiter in eine Falle.

Besonders das hämische Tuscheln der Gäste schnitt tief in mein ohnehin schon geringes Selbstwertgefühl. Ich hörte ihre Stimmen, gedämpft, aber für meine Ohren laut genug: „Sieh dir das winzige Ding an“, zischte eine Frau in einem aufwendigen Seidengewand ihrer Freundin zu. Ich spürte, wie ich innerlich noch weiter zusammenschrumpfte. Mit meinen gerade einmal 1,59 m war ich klein für einen Mann – ein Fakt, den ich nicht verbergen konnte. Aber ich war eben ein Omega, und in unserer Welt war das fast schon das Markenzeichen. Wir waren klein, wir waren körperlich schwächer und wir waren dazu bestimmt, beschützt oder beherrscht zu werden.

Das Wissen, dass meine Größe und mein zierlicher Körperbau mich sofort als leichtes Ziel brandmarkten, machte die starrenden Blicke nur noch unerträglicher. Ich fühlte mich wie eine Fehlbesetzung in diesem prunkvollen Saal voller stolzer Krieger und eleganter Wölfinnen. Am liebsten wäre ich im Erdboden versunken, doch stattdessen musste ich weiterlaufen, einen Fuß vor den anderen setzen und so tun, als würde mir das Urteil der Menge nichts ausmachen.

Schließlich erreichten wir unseren zugewiesenen Tisch. Ich setzte mich eilig zwischen meine Eltern, in der Hoffnung, dort wenigstens ein bisschen Schutz vor den neugierigen Blicken zu finden. Meine Hände faltete ich fest in meinem Schoß, während ich den Blick weiterhin starr gesenkt hielt. Die weiße Tischdecke war das Einzige, was ich im Moment ertragen konnte.

Ich versuchte so flach wie möglich zu atmen. Ich wollte um keinen Preis Aufmerksamkeit erregen oder gar den Zorn der mächtigeren Wölfe auf mich ziehen. In meinem Leben gab es bereits genug Schikane – kleine Gemeinheiten, abfällige Bemerkungen oder das absichtliche Anrempeln auf der Straße. Meine Eltern wussten nichts davon; ich wollte sie nicht mit meiner vermeintlichen Schwäche belasten, doch die Narben auf meiner Seele brannten in Momenten wie diesen besonders stark. Jedes laute Lachen an den Nachbartischen zuckte wie ein Peitschenhieb durch meinen Körper.

Ich spürte den besorgten Blick meiner Mutter auf meiner Wange brennen. Sie wollte wahrscheinlich etwas Tröstendes sagen, aber sie wusste wohl auch, dass Worte meine Panik jetzt nur noch vergrößern würden. Gleichzeitig nahm ich den prüfenden Blick meines Vaters wahr. Er war kein böser Mann, aber er war stolz, und ich wusste, dass er sich für mich einen würdigen Auftritt wünschte – etwas, das mir heute unmöglich schien. Die Stille an unserem Tisch fühlte sich schwer an, fast so drückend wie die Anwesenheit der Lykaner um uns herum. Ich fühlte mich wie ein kleiner Fleck Unruhe in dieser glänzenden Welt, und die Angst, kläglich zu versagen, saß mir wie ein eiskalter Kloß im Hals.

Um mich irgendwie zu beschäftigen und nicht wie eine Salzsäule dazusitzen, griff ich mit zitternden Händen nach dem Sektglas vor mir. Der kühle Kelch bot meinen Fingern einen Moment lang Halt. Ich nahm einen kleinen Schluck, spürte das Prickeln auf der Zunge, doch es half nicht gegen den Kloß in meinem Hals. Meine Nervosität war mittlerweile so weit gestiegen, dass mein ganzer Körper rebellierte. Es dauerte nicht lange, bis sich meine Blase meldete – ein untrügliches Zeichen dafür, dass mein Stresslevel den Siedepunkt erreicht hatte.

„Entschuldigt mich kurz“, flüsterte ich kaum hörbar.

Ohne die Reaktion meiner Eltern abzuwarten, stand ich auf und verschwand so schnell wie möglich von unserem Tisch. Ich hielt den Kopf gesenkt und schlängelte mich durch die Reihen der prunkvoll gekleideten Gäste. Jeder Meter, den ich mich vom Zentrum des Geschehens entfernte, fühlte sich wie ein kleiner Sieg an. Ich brauchte nur ein paar Minuten Ruhe. Nur ein wenig Stille, weg von den stechenden Gerüchen und den wertenden Blicken, bevor ich den Rest dieses Abends irgendwie überstehen konnte.

Doch die Ruhe währte nicht lange. Als ich nach einer knappen halben Stunde den Saal wieder betrat und versuchte, unauffällig zu meinem Tisch zurückzukehren, wurde mir der Weg abgeschnitten. Plötzlich war ich umzingelt. Drei junge Lykaner-Alphas, alle etwa in meinem Alter, aber mindestens zwei Köpfe größer und weitaus breiter gebaut, versperrten mir den Fluchtweg. Ihre Aura war so erdrückend, dass mir schwindelig wurde.

„Schaut euch das an, ein kleiner Werwolf-Omega. Das ist ja putzig“, fing der erste an zu spotten. Sein hämisches Lachen hallte in meinem Kopf wider. Ich erstarrte, mein gesamter Körper versteifte sich, und instinktiv hielt ich den Kopf gesenkt. Ich versuchte, so unsichtbar wie möglich zu sein, doch das stachelte sie nur noch mehr an.

„Sieh uns gefälligst an, wenn wir mit dir reden!“, knurrte ein anderer. Die tiefe, raue Stimme war voller Aggressivität. Bevor ich reagieren konnte, schoss seine Hand vor. Er packte mich grob am Kinn und zwang meinen Kopf nach oben, sodass ich ihnen direkt in die kalten, herablassenden Augen blicken musste. Der Griff war fest und schmerzhaft; ich spürte, wie seine Fingernägel in meine Haut drückten.

Heiße Tränen sammelten sich in meinen Augen und begannen unaufhaltsam über meine Wangen zu rollen. Ich zitterte am ganzen Leib, unfähig, auch nur ein Wort hervorzubringen.

„Och, wie süß, er fängt an zu weinen“, sagte der Alpha, der mich festhielt, und ein böses Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Er genoss meine Angst sichtlich. „Was ist los, kleiner Omega? Hast du Angst, dass wir dich fressen? Du bist ja kaum mehr als ein kleiner Snack.“

Die anderen lachten laut auf, und ich fühlte mich so klein und wertlos wie nie zuvor. In diesem Moment war keine Spur mehr von der Stärke, von der meine Mutter gesprochen hatte. Ich war einfach nur ein Opfer, ausgeliefert dem Spott derer, die sich für unbesiegbar hielten.