Warum sind Vampire so sexy?

Summary

Warum gibt es Geheimnisse? Ganz klar – um diese zu entdecken. Warum gibt es Gefahren? Ganz klar – um diese zu trotzen. Warum gibt es Neugier? Ganz klar – um diese zu befriedigen.   Drei Oberschüler haben das Ganze wohl etwas zu ernst genommen, ehe sie sich versehen, stecken sie inmitten seltsamer und übernatürlicher Ereignisse. Verfolgt von Wesen, die eigentlich nicht existieren durften. Und das nur, weil einer von ihnen wirklich auf Gruseliges und Übernatürliches steht

Genre
Erotica
Author
Zia
Status
Ongoing
Chapters
6
Rating
n/a
Age Rating
18+

Eine Nacht wie jede andere.

Die Nacht lag schwer und ruhig über der kleinen, friedlichen Stadt.

Leichte Schneeflocken sanken zu Boden, tanzten leicht im kalten Wind.

Kalt, dunkel und wolkenlos spannte sich der Himmel über die alten Kirchtürme, tauchte alles in eine unangenehme, gruselige, dichte Atmosphäre.

Der Mond stand hoch oben und tauchte den Vorhof der städtischen, verlassen Kirche in ein blasses, unheilvolles Licht.

Das tiefe Schwarz der Nacht wurde durch einen unruhigen, aber schwachen Lichtkegel durchschnitten, der zittrig umherging.

Er huschte über das üppige Gras, streifte dichte, schneebefallene Büsche und ließ die knorrigen Bäume noch gespenstischer wirken.

"Verdammt nochmal, was mach' ich hier überhaupt?" Eine leise, sanfte, männliche Stimme durchbrach die sonst so erdrückende Stille.

Ein blonder Junge hielt sein Handy fest in seiner Hand, als fürchtete er, das schwache Licht seiner Handytaschenlampe könnte im nächsten Moment erlöschen.

Seine großen, blauen Augen sahen sich dabei hektisch um, als fürchtete er, gleich von jemandem oder etwas erschreckt zu werden.

Sein Atem zeichnete sich in weißen Wolken vor seinem Gesicht ab, bevor dieser in der Dunkelheit verschwand.

Die Haut des Jungen blass vor Angst, Schweißperlen liefen ihm über die Stirn.

Er trat näher an den Vorhof heran, seine Schritte hallten dumpf auf dem Gras wider.

Mit jedem Schritt schien die Stille schwerer zu werden, dichter, fast so, als würde die Nacht ihn selbst beobachten.

Gänsehaut jagte dem Blonden über den Rücken.

Er fror, obwohl er einen dicken Pullover, sowie einen wärmenden Schal trug und darüber einen schweren Mantel.

"Lu-Lucius? Bist du hier?" Der Blonde rief mit einer festeren Stimme in die Dunkelheit hinein, rief nach seinem Klassenkameraden.

Seine Stimme zitterte jedoch immer noch, die Angst kroch ihm durch Mark und Bein.

Er sah sich um und suchte nach seinem Klassenkameraden, der ihm vor Kurzem eine ominöse Nachricht geschickt hatte.

In dieser stand nicht viel, nur eine Ortsangabe und eine Uhrzeit.

Der Blonde konnte nicht widerstehen, er wollte unbedingt wissen, was man von ihm wollte, bereute es aber bereits, viel lieber wäre er jetzt in seinem warmen Bett.

Der Wind erhob sich und ließ die kahlen Äste der Bäume knarren, als würden sie antworten wollen.

Doch niemand antwortete wirklich auf die Frage des Jungen, die langsam in der Dunkelheit verschwand.

Nur die Dunkelheit, die den Blonden umgab, und das leise Rauschen der Blätter, blieben zurück.


"Ritsuka-lein." Eine leise, unheimliche Stimme ertönte plötzlich in den Ohren des Blonden.

Ein Schatten huschte um den Blonden herum, baute sich direkt hinter dem Gerufenen auf.

Ritsuka zuckte zusammen, ein Schreck jagte ihm durch den gesamten Körper.

Er schrie laut auf, als er plötzlich einen Druck auf seiner rechten Schulter spürte.

Dünne, lange, kalte Finger vergruben sich leicht in seiner Schulter.

Reflexartig drehte sich der Junge um, schlug um sich, dabei verlor er sein Handy und somit seine Lichtquelle.

Dieses landete auf dem Boden, leuchtete nur noch schwach die Jeans des Jungen von unten herab an und dessen Turnschuhe.

"Ich bin viel zu jung, um zu sterben, bitte verschone mich!" Ritsuka wimmerte und flehte, hielt seine Hände vor sein Gesicht, versuchte sich so vor seinem Angreifer zu schützen, taumelte einige Schritte zurück.

Tränen bildeten sich bereits in den Augenwinkeln des Oberschülers.

Er zitterte fürchterlich, sein Herz hämmerte kräftig gegen seinen Brustkorb.

Ein dunkles, unterdrücktes Kichern ertönte in der Stille und ließ Ritsuka erneut zusammenzucken.

Der Blonde senkte langsam seine Arme, die Hände immer noch schützend vor dem Gesicht, und spähte zwischen seinen Fingern hindurch.

Die dunkle Gestalt vor ihm löste sich langsam auf, verwandelte sich in die vertraute Silhouette seines Klassenkameraden Lucius.


Eine tiefe Erleichterung durchflutete Ritsuka, die seine angespannten Muskeln löste.

Das Herz, das ihm gerade noch bis zum Hals schlug, beruhigte sich langsam wieder.

Lucius grinste schelmisch, seine grünen Augen funkelten im schwachen Licht von Ritsukas Handy, das immer noch auf dem Boden lag.

Seine Augen hatte er mit schwarzem Kajal umrundet, ließ sein Erscheinungsbild düsterer wirken.

Die Haut von Ritsukas Gegenüber war blass, sein Gesicht leicht eingefallen.

Lucius hatte lange, schwarze Haare, so tiefschwarz, wie die Finsternis selbst.

Er hatte diese in einem unordentlichen Dutt zusammengebunden, damit diese ihn nicht stören.

"Sorry, Ritsuka-lein, ich konnte nicht anders, du bist immer so süß, wenn du dich erschreckst." Lucius kicherte etwas, ein breites Grinsen legte sich auf seinen Lippen nieder, dabei neigte er leicht seinen Kopf zur Seite.

Lucius liebte es, seinen zwei Monate jüngeren Klassenkameraden zu erschrecken.

Die beiden waren seit vielen Jahren Sandkastenfreunde und gingen durch dick und dünn.

Ritsuka atmete tief aus, um seine gereizten Nerven zu beruhigen.

Er spürte, wie die Röte in seine Wangen stieg, die Scham über seine panische Reaktion überrollte ihn wie eine unaufhaltsame Welle.

"Lucius, du verdammter Spinner, was zur Hölle stimmt nicht mit dir?" Ritsuka verschränkte protestierend seine Arme vor der Brust und schmollte.

Ihm war es peinlich, ein weiteres Mal von Lucius aufgezogen worden zu sein.

Er sah ihn mit großen, wütenden Augen an.

Lucius grinste den Blonden noch immer an, dabei zuckte er mit seinen Schultern.

Er vergrub seine Hände in den tiefen Taschen seines schweren, dunkelgrünen, geschlossenen Mantels.

Die Länge seines Mantels verdeckte seine schwarze Jeans.

Er trug wie immer seine abgelaufenen, schwarzen Stiefel.

Mit einer geschmeidigen Bewegung ging der Schwarzhaarige in die Hocke, zog seine rechte Hand aus der warmen Tasche seines Mantels und hob das Handy seines Freundes vom Boden auf.

Seine Fingerknöchel waren bereits rot angelaufen, Lucius kam mit Kälte absolut nicht klar, hatte aber dummerweise seine Handschuhe vergessen.

"Hier, du Angsthase." Lucius grinste noch immer schelmisch und streckte Ritsuka sein Handy entgegen.

Ritsuka griff zögerlich nach dem Handy, riss es dem Schwarzhaarigen aber fast schon grob aus der Hand.

Die zitternden Finger des Blonden glitten über den Bildschirm, das schwache Licht der Taschenlampe kehrte zurück und vertrieb ein klein wenig die grausame Dunkelheit.


"Na endlich Ryou, ich dachte, du würdest kneifen." Lucius bemerkte eine weitere Person, die sich genau hinter dem Blonden befand, er erkannte diese sofort.

Ritsukas leichtes Lächeln, das sich auf seine Lippen geschlichen hatte, als er bemerkte, dass seinem Handy nichts passiert war, versteinerte sofort, als er den Namen des Neuankömmlings hörte.

Der Junge bewegte vor Schock keinen Muskel und hielt den Atem an.

"Was macht der Streber hier?" Eine gelangweilte Stimme hallte wie ein Fluch in Ritsukas Ohren wider, diese gehörte einem Unruhestifter und Rowdy namens Ryousaki.

Bevor Ritsuka auf die Seite springen konnte, legte Ryousaki dem Blonden einen Arm auf den Kopf und stützte sich so auf diesem ab.

Eine kalte Welle der Beklemmung überkam den Blonden, während er spürte, wie die vertraute Schwere von Ryousakis Arm auf seinem Kopf ruhte.

Eine Welle der Demütigung folgte.

Er hasste den Rowdy.

Er hasste ihn für seine Arroganz, für seine ständige, beiläufige Grausamkeit und vor allem dafür, dass er ihn immer „Streber“ nannte.

"Ryousaki, was verschafft mir die Ehre?" Ritsuka versuchte sich vom Rowdy loszureißen.

Sein Tonfall triefte nur so vor Ironie.

"Du kleiner Pisser, willst du aufs Maul?" Ryousaki funkelte den Blonden mit seinen dunklen, engen Augen herablassend an.

Ritsukas Augen weiteten sich vor Schreck, er hatte einen großen Fehler begangen.

Er hatte den Rowdy bei seinem Namen genannt.

Dieser hasste es, Ryousaki genannt zu werden, auch wenn dies sein eigentlicher Name war.

Er wurde von jedem einfach nur Ryou genannt, und dies war ihm auch wichtig.

Der Rowdy drückte Ritsukas Kopf leicht nach unten, eine Geste der Dominanz, die den Blonden nur noch wütender machte.

Ritsuka versuchte sich von Ryousaki zu lösen, dieser war jedoch einen Kopf größer als der Blonde und viel schwerer als dieser.

Die pinken, zurückgekämmten Haare, sowie sein, Augenbrauenpiercing an seiner linken Augenbraue und das gepiercte Ohr ließen den Rowdy wie einen Punk aussehen.

Die beiden fingen an zu streiten, wie sie es immer taten, wenn sie aufeinandertrafen, und das taten sie jeden Tag.

Sie hassten sich aufs Blut.

Ryousaki ging nämlich in die gleiche Klasse wie Ritsuka und Lucius.

Der Rowdy war ein Jahr älter als die beiden, musste aber auch eine Klasse wiederholen.

Ryousaki und Ritsuka hatten aber etwas gemeinsam und das war ihre Freundschaft zu Lucius, und das machte beide ebenfalls wütend.

Eine komplizierte Dreiecksbeziehung.


Lucius stand vor den Streitenden, verschränkte die Arme vor der Brust und beobachtete das Schauspiel mit einem undefinierbaren Ausdruck.

Ein Teil von ihm amüsierte sich über den Streit, ein anderer Teil schien jedoch angespannt zu sein, als ob er selbst die Spannung in der Luft kaum ertragen konnte.

Mit schnellen, geübten Blicken sah sich der Schwarzhaarige kurz um, bemerkte, dass der Schneefall dichter wurde.

"Jungs, beruhigt euch doch mal." Lucius rollte genervt mit den Augen, dabei fixierte er seine beiden Freunde.

Die Kälte kroch ihm schmerzhaft über die Hände, schnell steckte er diese zurück in seine warmen Manteltaschen.

Lucius' Worte verhallten in der Kälte, die beiden Streithähne hatten ihn einfach ignoriert.

"Jungs, ernsthaft, ich brauche eure Hilfe, hört endlich auf zu streiten." Lucius probierte es erneut, seine Stimme nun fester und ernster.

Er ging auf seine beiden Freunde zu und stellte sich zwischen sie, versuchte sie damit zu trennen.

Ryousaki hielt Ritsuka noch immer fest in seinem Griff.


Plötzlich heulte der Wind wieder auf, diesmal stärker, als wolle die Nacht selbst die drei Jungen auseinanderreißen.

Die kahlen Äste der Bäume bogen sich knarrend, und für einen Moment flackerte das Licht von Ritsukas Handy auf.

Allen dreien jagte ein Schauer über den Rücken.

Die Atmosphäre verdichtete sich plötzlich.

Lucius hob abrupt den Kopf, seine grünen Augen glänzten im schwachen Schein von Ritsukas Handytaschenlampe.

"Habt ihr das gehört?" Lucius flüsterte geheimnissvoll, ein Grinsen legte sich auf seinen Lippen nieder.

"Nei-nein, ich hab nichts gehört." Ritsuka flüsterte ebenfalls, seine Stimme zitterte vor Angst.

Ryousaki sah sich ebenfalls um, lockerte den Griff an Ritsukas Kopf.

Der Rowdy zitterte leicht, auch ihm wurde mulmig, was er aber nie zugeben würde.

Der Blonde erhob leicht seinen Kopf, machte einen Seitwärtsschritt und löste sich endlich.

Schnell stellte er sich an die Seite des Schwarzhaarigen und klammerte sich ängstlich an dessen Arm heran.

Ryousaki sah den Blonden verachtend an und schüttelte den Kopf.

Ritsuka streckte dem Rowdy den Mittelfinger entgegen, dabei streckte er diesem auch die Zunge heraus.

Er fühlte sich bei Lucius sicher und mutig.

Ryousakis Mimik verfinsterte sich schlagartig, er ballte seine Hand zur Faust, wollte dem Schwächling eine verpassen.

Lucius schaltete schnell, packte Ryousaki an seiner Hüfte und zog ihn so nah an sich heran, machte eine kleine Drehung dabei.

Alle drei starrten nun auf die Kirche.

"Ich hab vor einigen Tagen ein seltsames Geräusch gehört, tief in diesen alten Gemäuern. Es gibt Gerüchte über eine geheime Kammer." Lucius sah ehrfürchtig nach oben, die Spitze des Kirchenturms leuchtete unheilbringend im fahlen Licht des Mondes.

Seine Augen glänzten vor Neugier.

Lucius war ein Fan des Dunklen, Übernatürlichen und alles, was gruselig war.

"Ich möchte, dass ihr beiden mir helft, herauszufinden, was an den Gerüchten dran ist." Lucius senkte den Blick und scannte die Mauern des Gebäudes.

"Da bin ich raus, du bist doch einfach nur bekloppt, das hast du sicher aus einem deiner komischen Foren." Ritsuka schüttelte sofort den Kopf.

Seine brüchige Stimme wurde beinahe von dem kalten Wind übertönt, der über den Köpfen der drei hinwegfegte.

"Lucius, das ist wirklich verrückt." Ryousaki schüttelte ebenfalls unglaubwürdig den Kopf.

Lucius lachte, ein kehliges Geräusch, das vom Wind verstärkt wurde.

Er hatte mit dem Protest seiner Freunde gerechnet.

Der Schwarzhaarige löste sich sanft von seinen Freunden, ging einige Schritte nach vorne.

Er drehte sich um, seine Augen funkelten erwartungsvoll.

Mit einer imposanten Bewegung breitete er seine Arme aus, als würde er gleich eine Predigt halten wollen.

In diesem Moment schneite es heftiger, als hätte Lucius etwas Unnatürliches ausgelöst.

Ryousaki und auch Ritsuka sahen sich beide irritiert an, vergaßen ausnahmsweise den Hass, den sie für den jeweils anderen übrig hatten.

Beide waren sich ausnahmsweise einig, Lucius hatte nun endgültig den Verstand verloren.


"So ein Scheiß, ich verschwinde, und du solltest dir von deiner Therapeutin stärkere Tabletten verschreiben lassen, du Psycho." Ryousaki verzog sein Gesicht, spuckte auf den Boden, vergrub seine kalten Hände in seiner schwarzen Jeans.

Er war genervt, hatte seine Zeit mit Unsinn verschwendet.

Der Rowdy wandte sich verachtend um, seine braunen Boots knirschten unter der leichten Decke des frisch gefallenen Schnees.

Auf seiner Lederjacke landeten ebenfalls die kleinen Schneeflocken.

Das imposante Tattoo in seinem Nacken wurde vom Mond angeleuchtet.

Die feinen Linien bildeten einen Kompass, der Richtung Norden zeigte.

"Ich hätte nicht gedacht, dass du so feige bist, Ryou." Lucius provozierte seinen Freund absichtlich mit einer zuckersüßen Stimme.

Er wusste, wie er den Rowdy manipulieren konnte.

Ryousaki versteifte sich, er drehte sich langsam und bedrohlich um.

Seine Augen funkelten gefährlich auf, fixierten den Schwarzhaarigen.

Mit schnellen Schritten verringerte er die Distanz zwischen sich und Lucius.

Ritsuka ging einen Schritt zurück und hielt den Atem an, er wollte sicher nicht dazwischengehen, er war ja nicht lebensmüde.

Sein Blick wanderte von Ryousaki zu Lucius und wieder zurück.

Der Blick, mit dem Ryousaki Lucius fixierte, war eine Mischung aus Wut und verletztem Stolz.

"Was hast du gesagt, du kleiner Psycho? Ich bin nicht feige." Ryousaki ballte seine Fäuste, um jederzeit zuschlagen zu können.

Lucius lächelte nur und neigte seinen Kopf noch weiter zur Seite.

"Ach ja? Dann beweis es mir, oder kriechst du lieber nach Hause in dein warmes Bett, weil du Angst vor ein paar alten Geistergeschichten hast?" Lucius' Tonfall war spöttisch, aber neckend.

Seine Augen blitzen provokant auf.

Ryousakis Kiefer spannte sich an.

Er war immer derjenige, der keine Herausforderung scheute.

Sein Ruf als unerschrockener Rowdy war ihm heilig, und Lucius wusste das.

"Komm schon, Ryou, du bist der einzige, der mir den Rücken freihalten kann." Lucius lächelte charmant.

In seinen Worten lag Wahrheit, aber auch Manipulation.

Er wusste genau, was er sagen musste, um Ryousakis Sturheit zum Schmelzen zu bringen.

Lucius wusste aber auch, dass er sich immer auf seinen Freund verlassen konnte.

Ryousaki ließ seine Schultern locker, die Anspannung wich einer offeneren Haltung.

Der Rowdy ließ seinen Blick umherwandern und erblickte Ritsuka, der die Haltung des Rowdys bemerkte und den Kopf schüttelte.

"Na gut, du hast gewonnen, aber nur, wenn der Streber ebenfalls mitkommt." Ryousaki grinste breit, seine Augen funkelten böse, als er den Blonden musterte.

Warum sollte er sich alleine auf den Scheiß einlassen, wenn dieser Streber ebenfalls leiden konnte?


Lucius sah Ritsuka nun erwartungsvoll an.

"Vergesst es, wir sind hier nicht in einem deiner gruseligen Anime, das hier ist die echte Realität." Ritsuka schüttelte sofort den Kopf und ging in eine Abwehrhaltung.

Lucius' Blick verlor für einen Moment seine schelmische Boshaftigkeit und nahm einen unerwartet weichen, fast flehenden Ausdruck an.

Ritsuka wich langsam einen Schritt zurück, die Finger krampften sich fester um sein Handy.

Das blasse Licht der Taschenlampe zitterte über die alten Mauern der Kirche, als würde selbst das Gerät Angst haben, seinen Blick auf das Gemäuer zu richten.

"Lucius… ich meine es ernst. Ich mache da nicht mit." Ritsukas Stimme war leiser, als er es beabsichtigt hatte, fast verschluckte die Nacht seine Worte.

Lucius trat näher, der Schnee knirschte leise unter seinen Stiefeln.

Seine grünen Augen spiegelten die flackernde Helligkeit des Handys wider, ein fast übernatürliches Funkeln.

"Ritsuka… bitte. Wenn irgendjemand herausfinden kann, was hier wirklich vor sich geht, dann wir. Gemeinsam." Lucius versuchte, seinen blonden Freund weiterhin zu überreden.

Ryousaki lachte trocken, ein heiseres, höhnisches Geräusch.

"Gemeinsam? Als ob! Ich will nur sehen, wie der Streber sich gleich in die Hosen macht." Ryousaki spuckte demonstrativ in den Schnee, rieb sich mit einer Hand über sein Piercing und funkelte Ritsuka an.

Ritsuka sog scharf die Luft ein.

Sein Herz raste, er wollte nur nach Hause, in Sicherheit.

Doch als er in Lucius’ Blick sah, dieses fast kindliche, neugierige, aber auch unheimlich ernste Funkeln, spürte er, wie sein Widerstand ins Wanken geriet.

Lucius hatte diesen Blick schon immer gehabt, wenn er etwas wollte, das eigentlich jenseits jeder Vernunft lag.

"Verdammt, in Ordnung, aber wenn was komisches passiert, bin ich sofort weg." Ritsuka gab nun seinen Widerstand komplett auf.

Vermutlich hatte er sowieso keine Chance gehabt.

Ein Triumphlächeln breitete sich auf Lucius' Lippen aus.

Die Manipulation hatte funktioniert.

Er wusste genau, dass Ritsuka seinen neugierigen Blicken und seinen flehenden Worten nicht widerstehen konnte.

Ritsuka war einfach zu weich, zu loyal.


Das leise Knirschen des Schnees unter den Schuhen der drei Jungen hallte durch den Vorhof, als sie näher an die Kirche kamen.

Mit langsamen Schritten lief Ritsuka voran, da er den anderen beiden den Weg leuchten konnte.

Die Taschenlampe seines Handys flackerte, je näher sie der Kirche kamen.

Eine Gänsehaut kroch Ritsuka den Rücken hinauf.

Das Licht seiner Handytaschenlampe tanzte unruhig über die rauen, dunklen Mauern der Kirche, als sie an diesen vorbeiliefen.

Die drei suchten eine Art Hintereingang, da das Haupttor natürlich verschlossen war.

Ritsuka konnte die kalte, feuchte Luft spüren, die von den alten Steinen ausging, als wäre das Gebäude ein atmender, schlafender Riese.

Die Stille war jetzt eine andere, keine friedliche, sondern eine, die von einer lauernden Spannung erfüllt war.

Jedes Knirschen des Schnees unter ihren Füßen, jedes Heulen des Windes schien übertrieben laut.

"Streber, leuchte mal weiter nach vorne, ich glaube da ist was." Ryousaki zeigte auf einen hinteren Teil der Mauer.

Der Lichtstrahl folgte sofort Ryousakis Bewegungen.

Die Augen des Rowdys funktionierten in der Dunkelheit genauso gut, wie tagsüber.

Bevor einer der beiden sich überhaupt bewegen konnte, drückte sich Lucius an beiden vorbei und lief eilig voran.

"Warte doch!" Ritsuka rief dem Schwarzhaarigen nach und rannte ebenfalls los.

Seine Stimme hallte an den Mauern wider.

Er wollte hier sicher nicht alleine im Dunkeln mit Ryousaki tatenlos herumstehen.


"Was hab ich euch gesagt?" Lucius strich ehrfürchtig über eine morsche und alte Holztür, die unscheinbar im Dunkeln verborgen lag.

In seiner Stimme schwang Hochmut mit.

Ritsuka leuchtete das alte Ding sofort aus.

Blätter, Schneeflocken und tote Insekten hingen in alten und verlassenen Spinnenweben fest und schwangen leicht im eiskalten Wind.

Die Tür selbst schien gigantisch groß zu sein.

"Und du glaubst ernsthaft, die Tür ist nicht zugesperrt?" Ryousaki zog eine seiner Augenbrauen hoch.

Doch Lucius überzeugte den Rowdy gleich vom Gegenteil.

Er drückte die metallische Türklingel herunter, die Tür knarrte und öffnete sich langsam und schwer.

Das Knarren war ohrenbeteubend laut.

Gänsehaut jagte Ritsuka erneut über den Rücken.

Das konnte doch nicht wahr sein?

Warum war die verdammte Tür denn nicht einfach abgeschlossen?

Er hatte gehofft, dass sie es gar nicht erst in die Kirche hinein schaffen würden.

Lucius nahm Ritsuka das Handy aus der Hand, leuchtete in das Innere, das sich vor ihnen geöffnet hatte.

Der Schwarzhaarige betrat zuerst den engen, kalten Gang.

Eine tiefe Dunkelheit verschlang das Licht.

Das Innere der Kirche schien tiefer und weiter zu sein, als es von außen den Anschein hatte.

Die Wände tropften vor Feuchtigkeit, und der schwache Lichtstrahl von Ritsukas Handy, das jetzt in Lucius’ Hand lag, zitterte nervös über die feuchten, mit Moos bewachsenen Steinwände.

Der Geruch nach Verfall und alten Geschichten hing schwer in der Luft.

Ritsuka und auch Ryousaki zögerten an der Schwelle, zur dunklen Ungewissheit.

"Na los, ihr beiden, vertraut mir, das hier kann nur gut werden!" Lucius' Stimme hallte an den Wänden wider, kam bei den beiden nur gedämpft an, als wäre er bereits mehrere Kilometer entfernt.

Ryousaki stieß Ritsuka am Rücken an, der Blonde stolperte nach vorne und gelangte unfreiwillig in den gruseligen Gang.

Der Rowdy trat ebenfalls ein und schloss hinter sich die Tür.

Eine erdrückende und erstickende Dunkelheit, samt Stille umhüllte die drei.

Mit schnellen Schritten holten Ryousaki und Ritsuka die Distanz zu Lucius auf und liefen den viel zu langen Gang entlang.


"Ich kann es spüren, da vorne ist etwas!" Lucius' Stimme überschlug sich fast vor Freude, seine Schritte wurden schneller.

Das Handytaschenlampenlicht flackerte nervös umher, leuchtete einen Raum aus, der sich am Ende des Ganges befand.

"Aha, aber hier ist nichts, du Verrückter." Ryousaki sah sich in dem neuen Raum um, zog skeptisch seine Augenbrauen hoch.

Der Raum war komplett leer, es befand sich absolut nichts darin.

Nicht mal ein Anzeichen, dass hier überhaupt jemals ein Mensch vor ihnen hier war.

Hier waren höchstens Spinnen und andere eklige Viecher unterwegs.

Ritsuka atmete hörbar aus.

Eine Mischung aus Wut und Erleichterung durchflutete ihn.

Er wollte Lucius am liebsten schütteln und anschreien.

All der Stress, die Angst, die klamme Kälte und das unheimliche Gefühl, alles umsonst.

Lucius betrachtete die kalten Wände vor sich, als könnte er durch diese hindurchsehen, ignorierte Ryousakis bissigen Kommentar.

"Wir sollten hier abdampfen, das ist doch Zeitverschwendung." Ryousaki wirkte genervt, lehnte sich dabei an eine der Mauern an.

Die Wand an seiner Schulter gab plötzlich nach, er fiel zur Seite, konnte sich gerade so abfangen, bevor er unsanft zu Boden fiel.

Ein lautes, mechanisches Geräusch erfüllte den gesamten Raum.

Klang nach Zahnrädern, die sich in Bewegung setzten.

Langsam, mechanisch, mit einem tiefen mahlenden Geräusch öffnete sich ein enger Eingang an der Wand, an der Ryousaki sich anlehnen wollte.

Ein kalter Luftzug entstand dabei und peitschte dem Rowdy ins Gesicht.

Ein fürchterlicher Gestank umhüllte seine Nase.

Es roch nach Tod und Verwesung.

Sofort leuchtete der Schwarzhaarige der kleinen Truppe den neuen Eingang aus.

Eine alte, steinerne Treppe türmte sich den dreien auf, diese führte wohl tiefer hinunter.

Ritsuka hatte alles mit großen Augen verfolgt, er schluckte schwer und trat einen Schritt zurück.

"Unglaublich, als wären wir echt in einem gruseligen Anime." Ritsuka flüsterte ehrfürchtig.

Lucius' Grinsen wurde breiter, die Gerüchte schienen wirklich zu stimmen.

Eine Gänsehaut jagte ihm über den Rücken, nicht vor Angst, eher vor reiner Befriedigung.

Er war durch und durch ein Freak, der auf wirklich düstere Sachen stand.

Er hatte sich erhofft, genau so etwas zu finden.

"Verfluchte Scheiße, wie ist das überhaupt möglich?" Ryousaki sah überrascht aus.

Sein Blick wanderte zu Lucius, dieser hatte bereits einen Fuß in das neue Ungewisse gesetzt.


Lucius lief die Treppen herab, gefolgt von Ryousaki, die Neugier der beiden war unaufhaltsam.

Ritsuka zögerte noch einen Augenblick.

Ein komisches Gefühl breitete sich in seiner Brust aus.

Er schreckte plötzlich zusammen, als er ein merkwürdiges Geräusch vernahm, dass nicht weit von ihm entfernt war.

Sein Atem stockte.

Lief aber den anderen beiden schnell nach, er wollte sicher nicht alleine zurückgelassen werden und wollte genauso nicht herausfinden, was hier gruselige Geräusche verursachte.

Die kalte Luft wurde mit jedem Schritt auf der steinernen Treppe feuchter und schwerer.

Der Geruch von Moder und feuchter Erde verstärkte sich, eine unheilvolle Mischung, die Ritsukas Magen zum Flattern brachte.

Er war so fokussiert, nicht alleine gelassen zu werden, dass er kaum darauf achtete, wohin die Treppe führte.

Das einzige, was zählte, war das schwache Leuchten seines Handys, das in Lucius’ Hand zitterte, als wäre es die einzige Verbindung zur Realität.



Nach einer Ewigkeit, und Ritsukas Gefühl von endlosen Treppenstufen, die niemals endeten, erreichten sie schließlich eine Art Keller.

Der Lichtkegel der Handytaschenlampe durchbrach die absolute Finsternis, die den Raum ausfüllte.

Es huschte über die alten Wände, die teilweise mit dicken Moosschichten bewachsen waren, streifte Knochen, die unheilvoll in der Dunkelheit vor sich hin moderten, und einen eisernen Tisch mit rostigen Flecken.

In dem Raum standen unzählige Kerzenständer mit schwarzen Kerzen darauf.

Ein Sessel aus rotem Samt stand inmitten des Raumes, alt, modrig und verlassen.

Das Polster aufgeschlitzt, alte Nägel wurden in den Holzrahmen gerammt.

Der Boden des Kellers war mit alten, trockenen Blättern bedeckt.

In der Mitte des Raumes befand sich ein runder Steinkreis, der in den Boden gemeißelt war.

Unzählige fremdartige Symbole waren darin eingraviert.

Aus dem Steinkreis stieg eine Art schwarzer, unheilvoller Nebel empor, der an der Decke des Kellers hängen blieb.

Aus ihm klang eine leise, heisere Stimme, die in einer fremden Sprache zu murmeln schien.

Die Worte waren unverständlich, und doch schienen sie die Jungen direkt anzusprechen.

Lösten eine Art Rausch aus, ließen das Blut in den Körpern gefrieren.


Lucius, getrieben vom Geflüster und seiner eigenen Faszination, bewegte sich langsam auf die Mitte des Raumes zu.

Ryousaki blieb wie erstarrt stehen, sein Herz hämmerte ihm schwer gegen die Rippen.

Ritsuka ging einige Schritte zurück, ein Schwindel überkam ihn, das Geflüster wurde lauter, unerträglicher.

Sein Körper fühlte sich schwer und surreal an.

Panik breitete sich in ihm aus, er wollte hier unbedingt so schnell wie möglich raus.

Mit einer ruckartigen Bewegung drehte sich der Blonde um, achtete nicht auf seine Umgebung und prallte mit etwas Weichem zusammen.

Er taumelte zurück und landet vor Schreck unsanft auf seinem Hintern.

Zögerlich sah er nach oben, um zu erkennen, gegen wen oder was er da gelaufen war.

Ein lauter, verzerrter und ängstlicher Aufschrei entwich seiner Kehle.

Der Schrei hallte durch den Kellerraum, holte Lucius und auch Ryousaki wieder zurück ins Hier und Jetzt.

Die beiden drehten sich sofort um, Lucius leuchtete Ritsuka an, dieser starrte angsterfüllt nach oben.

Sein gesamter Körper zitterte und bebte.

"Ich rieche verletzliche, ängstliche, kleine Menschenseelen, wie köstlich." Eine raue, tiefe, männliche Stimme erhellte die grausame Stille, die sich nach Ritsukas Schrei, wie eine Decke über den gesamten Raum gelegt hatte.

Lucius lenkte den Lichtstrahl direkt auf die Quelle.

Seine Augen wurden vor Schock groß, sein Atem stockte für einen Augenblick.

Er hatte noch nie so etwas Schönes, aber gleichzeitig Gruseliges gesehen.

Drei junge Männer in langen, tiefschwarzen Mänteln standen direkt vor Ritsuka.

Ihre Gesichter und Konturen makellos, ihre Haut blass.

Jeder von ihnen hatte rot leuchtende Augen, die wie tiefe, leere Abgründe wirkten.

Alle trugen ein geheimnisvolles Lächeln auf den Lippen, spitze Eckzähne blitzten bedrohlich hervor.

"Ich nehme an, die Neugier hat euch hergeführt, richtig? Ihr seid ganz schön mutig, hierherzukommen. Die meisten Menschen trauen sich nicht an solche Orte." Wieder herob sich die raue, tiefe Stimme.

Diesmal klang sie amüsierter.

Lucius richtete den Lichtkegel direkt auf den Mann in der Mitte.

Das blonde Haar leuchtete golden unter dem schwachen Licht.

Er wirkte wie der Anführer der drei Fremden.

"Wer seid ihr?" Lucius' Frage klang beinahe kindisch, seine Stimme war fester, als er erwartet hatte.

Er hob die Hand, um alles besser ausleuchten zu können.

Die drei Gestalten traten näher, ihre roten Augen funkelten bedrohlich in der Dunkelheit.

Der Anführer lachte leise, ein Geräusch wie vertrocknetes, raschelndes Laub.

"Wir sind Sammler und ihr scheint unsere neueste Kollektion zu sein." Der blonde Fremde grinste breit, neigte den Kopf zur Seite und schnippte mit seinen Fingern.

Plötzlich setzte wieder das Geflüster ein, lauter, dringlicher.

Es schallte durch den Raum, vernebelte die Gedanken der drei Menschen.

Der dichte, schwarze Nebel stieg erneut auf, kroch am Boden entlang, an den Wänden und an der Decke.

Kroch unaufhaltsam auf die drei Oberschüler zu und hüllte sie langsam ein.

Lucius sah sich hektisch um, sah Ryousaki und Ritsuka verschwommen, der Nebel kroch über seine Augen, über seinen Mund, hüllte ihn komplett ein.

Er wollte schreien, um Hilfe rufen, nach seinen Freunden rufen, aber kein einziger Ton kam über seine Lippen.

Sein Körper fühlte sich plötzlich schwer an.

Seine Kraft verließ ihn plötzlich, mit einem lauten Krachen ging das Handy in seiner Hand zu Boden.

Das Licht erlosch, hüllte nun alles in eine tiefe Dunkelheit.

Nur ein dumpfes Lachen drang an seine Ohren, als er sein Bewusstsein langsam aber sicher verlor.