Kapitel 1 – Die Tore der Unterwelt
Kapitel 1 – Die Tore der Unterwelt
Silas erwachte in vollkommener Dunkelheit.
Kein Schmerz. Kein Atemzug. Kein Herzschlag.
Nur Stille.
Er versuchte, die Augen zu öffnen, doch um ihn herum existierte nichts als eine endlose Schwärze. Für einen kurzen Moment wusste er nicht, wer er war oder wo er sich befand.
Dann erinnerte er sich.
Nyxia.
Sein letzter Gedanke galt ihr gewesen.
Sein letzter Atemzug hatte ihren Namen getragen.
Er wollte sich bewegen, doch plötzlich spürte er festen Stein unter seinem Körper. Langsam richtete er sich auf.
Vor ihm erschienen zwei gewaltige Tore.
Schwarz wie die Nacht, bedeckt mit uralten Symbolen und silbernen Rissen, die wie lebendige Adern über das Metall liefen.
Hinter den Toren bewegte sich etwas.
Silas erhob sich.
„Wo bin ich?“
Eine tiefe Stimme antwortete aus der Dunkelheit.
„Dort, wo jeder landet, der seinen letzten Atemzug getan hat.“
Silas erstarrte.
Eine Gestalt trat aus dem Schatten.
Groß. Dunkel gekleidet. Ein Blick, älter als jede Erinnerung.
Hades.
Der Totengott musterte ihn schweigend.
„Du bist tot, Silas.“
Silas ballte die Hände zu Fäusten.
„Dann lass mich zurück.“
Hades lächelte kaum merklich.
„So einfach ist es nicht.“
„Nyxia braucht mich.“
„Nein“, erwiderte Hades ruhig. „Du brauchst Nyxia.“
Silas sah ihn wütend an.
„Was soll das bedeuten?“
Hades trat näher.
„Deine Königin ist erwacht. Ihre Macht wächst mit jedem Herzschlag. Doch ihre Kraft ist nicht das Einzige, was sich verändert hat.“
Silas schwieg.
Hades legte eine Hand auf das Tor.
„Du willst zu ihr zurück.“
„Ja.“
„Dann musst du beweisen, dass du ihrer würdig bist.“
Die Tore hinter ihm begannen zu beben.
Ein tiefes Grollen drang aus der Finsternis.
„Was muss ich tun?“
Hades sah ihn direkt an.
„Du wirst Prüfungen bestehen, die kein Lebender kennt.“
Silas wich keinen Schritt zurück.
„Dann gib mir meine erste.“
Zum ersten Mal verschwand das Lächeln aus Hades’ Gesicht.
„Sei vorsichtig mit dem, was du verlangst.“
Die Tore öffneten sich.
Dahinter wartete eine Welt aus Schatten, Feuer und uralten Stimmen.
Silas sah noch einmal zurück.
Obwohl Nyxia nicht dort war, spürte er sie.
Ganz schwach.
Wie einen Herzschlag in der Ferne.
Seine Hand wanderte zu seinem Hals.
Das Zeichen ihrer Verbindung begann silbern zu glimmen.
„Ich komme zu dir zurück“, flüsterte er.
Dann trat Silas durch die Tore der Unterwelt.
Und hinter ihm schlossen sie sich.