Der Kuss der Grausamkeit

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Summary

Disclaimer! Diese Geschichte ist noch nicht fertig…nichtsdestotrotz würde ich mich auf ein Feedback freuen

Genre
Fantasy/Romance
Author
Sui
Status
Ongoing
Chapters
1
Rating
4.0 1 review
Age Rating
13+

Der Tag der Verzweiflung

Das Schwierigste an meinem Job ist nicht das Stehlen, sondern die Flucht. Ich brauchte bestenfalls zwei Minuten, um die Mauer aus dem königlichen Garten zu erklimmen, aber die Nacht war kalt und meine Finger wurden taub. Die Morgendämmerung war nicht mehr weit entfernt und die Scheinwerfer der Wachtposten glitten in unregelmäßigen Abständen an den hohen Steinmauern entlang. Das war kein gutes Zeichen. Wo blieb denn nur Wes?


Ich war wie vor Angst gelähmt und unfähig einen klaren Gedanken zu fassen. Plötzlich hörte ich Fussschritte gefolgt von leisem Pfeifen. Schlagartig drehte ich mich um und sah einen wie immer maskierten Weston vor mir stehen. Ich konnte in dem Moment einfach nur vor Erleichterung aufweinen. «Na, so schnell schon vermisst?», witzelte er im Flüsterton. «Ich bitte dich, sind wir hier um Witze zu reissen oder um etwas für das Volk auf das der grausame König zu pfeifen scheint, zu sammeln? Komm, lass uns verschwinden!», zischte ich ihm zu. Er blieb wie angewurzelt an Ort und Stelle stehen. Verdutzt starrte ich ihn an. «Elle», fing er an, «Der König-», doch wurde von weiteren Fussschritte unterbrochen. «Na, sieh mal einer an, zwei Diebe, die auf frischer Tat ertappt wurden und sogar bereitwillig auf ihre Todesstrafe warten», kam von einem Wachposten mittleren Alters, gefolgt von einem dreckigen Lachen. Genau das fehlte mir noch. Ich wagte zwei Schritte nach vorne und sprintete los, wurde doch schlagartig von den anderen Wachen aufgehalten und an den Händen gefesselt. Ich schaute zu Wes hinüber, um ihm zu signalisieren nicht aufzugeben, jedoch war auch er, zu meinem Entsetzen, schon gefesselt. Alle Fluchtmöglichkeiten schon vermasselt. Die Wachen zerrten mich und Wes zum Henkerskarren, verschleierten dazu unsere schon maskierten Gesichtern und machten uns auf dem Weg zum Hinrichtungsplatz. Während der ganzen Fahrt versuchte ich möglichst nah bei Weston zu sein, um nicht vor Kälte und Angst zu zittern. Ich konnte kaum fassen, dass wir erwischt wurden und dies bald unser Untergang bedeuten würde. Wenigstens konnte ich mich an diesen gewissen jemand den ich liebte festhalten und in seiner Nähe sein, obwohl ich bis jetzt noch keinen einzigen Blick auf seinem Gesicht werfen konnte.

Der Karren hielt stossweise an und ich konnte klar und deutlich die buhlenden Rufe der Menschenmasse, die sich hier versammelt hatte, hören. Die Wachen halfen uns hinunter und begleiteten uns zum Podium. Nervös und angstbetäubend lief ich achtsam die Treppen hinauf, da sich die Säcke immer noch auf unseren Köpfe befanden und dies meine Sichtweise um Einiges beeinträchtigte. Komischerweise erwarteten uns dort, soweit ich unter dem Strafsack sehen konnte, nur der Prinz und der Henker und nicht der König. Wahrscheinlich hielt er uns für viel zu nichtig und würde uns nur ungern mit seiner Präsens ehren. Ich kann den Hass für diesen Mann, der in mir brodelt kaum in Worte fassen, denn nur dank ihm und seinen irrwitzigen Gesetzen litt das ganze Volk unter Hungersnot und Krankheiten, welche mithilfe der Heilpflanzen im königlichen Garten gelindert werden konnten.

Die Wachen entfesselten unsere Hände und positionierten uns vor der Guillotine. Ich wagte einen kurzen Blick zu Wes und sah, dass er stürmend auf mich zukam. «Elle», sagte er ausser Atem, «bitte versprich mir eines.» Überrascht starrte ich dem einzigen Mann, den ich liebte (auch wenn ich es vor ihm nie zugeben würde) entgegen. «Was denn?» «Versprich mir, dass egal was du jetzt sehen oder erfahren wirst, deine Meinung über mich nicht ändern wird.» «Aber wie-» «Shh, keine Fragen», unterbrach er mich und legte seine weichen Lippen, so gut es mit den Strafsack ging, auf meinen. Es fühlte sich an als würde ein Feuerwerk in mir explodieren. «Ich liebe dich, Elle», flüsterte er mir zu.


Wachen kamen und zerrten an Wes, um ihn von mir wegzuziehen, doch ich liess ihn nicht los. Er schenkte mir ein herzzerreissendes Lächeln und kaum zu glauben, zog den Strafsack mitunter seine Maske aus. Ich wich zurück und rang um meine Fassung. Das war bestimmt alles nur ein mieser Scherz, oder? Ich konnte meinen eigenen Augen nicht trauen. Augenblicklich bereute ich unseren ersten Kuss. Mein Weston, der mir vorhin vor Lauter Menschen seine Liebe gestanden hatte, war der König des Grauen. In dem Moment brach alles in mir zusammen.