Prolog
Das Ortsschild von Helena, Montana, verschwand im Rückspiegel, und mit ihm das gesamte Leben, das Harper Bennett sich jemals aufgebaut hatte.
Auf dem Beifahrersitz ihres Wagens lag ein dicker, brauner Umschlag. Er enthielt das rechtskräftige Scheidungsurteil und das Testament ihrer Tante Amy. Mehr war ihr von den letzten sieben Jahren nicht geblieben. Keine Ehe, keine Träume von einer gemeinsamen Zukunft, kein sicheres Zuhause. Nur eine vage Hoffnung und eine Adresse mitten in der Wildnis von Manitoba, Kanada.
Als die Straße immer einsamer wurde und die dichten Nadelwälder den Horizont verschluckten, umklammerte Harper das Lenkrad ein bisschen fester. Sie war müde. Geistig und körperlich am Ende ihrer Kräfte. Die letzten Monate waren ein einziger, zermürbender Kampf gewesen, aus dem sie nur noch fliehen wollte. So schnell und so weit weg wie möglich.
Das geerbte Haus ihrer Tante sollte ihr persönlicher Anker werden. Ein Ort zum Durchatmen, weit weg von den Trümmern ihrer Ehe. Tante Amy hatte ihr das Anwesen hinterlassen – mit der handschriftlichen Notiz:„Es braucht ein bisschen Liebe, Harper, aber es hat ein starkes Fundament.”
Harper sah nach vorne auf die endlose Landstraße, die sie über die kanadische Grenze führen würde. Sie hatte keine Ahnung, was sie in Manitoba erwartete. Sie wusste nicht, wie baufällig die Ruine ihrer Tante wirklich war, wie wenig Geld ihr am Ende bleiben würde – und erst recht wusste sie nichts von Rowan Blackwell, dem sturen Handwerker, der ihr Leben schon bald gründlicher auf den Kopf stellen würde, als es jede Scheidung jemals gekonnt hätte.
Sie wusste nur eins: Sie schaute nicht mehr zurück.








