Prolog
Sein Blick fand sie wieder.
Der Fremde am Ende der Bar. Er war vorhin hereingekommen, hatte sich für sich gehalten und an seiner Whiskeyflasche genuckelt. Den ganzen Abend über hatte er sie immer wieder beobachtet. Seine seltsamen, silbernen Augen fingen jedes Mal das schummrige Licht ein, wenn sie in seine Richtung sah.
In diesen Augen könnte ich ertrinken, dachte Lara. Sie wiegte ihre Hüften noch ein Stück mehr, als sie durch den Raum ging. Sie wusste, dass sein Blick auf ihren Hintern wandern würde.
Sie war weit weg vom Territorium ihres Vaters. Weit weg von dem Rudel, das jeden ihrer Schritte verfolgte und entschied, welche Jungs eine Alpha-Tochter begehren durfte. Hier draußen kannte niemand ihren Namen. Hier draußen konnte sie tun und lassen, was sie wollte.
Also tat sie es.
Sie tat so, als würde sie sein Starren nicht bemerken. Die Glocke über der Tür bimmelte, als ein Paar aus der Kälte hereinstolperte. Sie ließ sie unbeachtet passieren und trieb auf ihr eigenes Ende der Bar zu. Mit Absicht sah sie ihn nicht an. Er sagte kein Wort. Ein letzter Blick, bevor sie sich abwandte, ließ ihre Augen für eine halbe Sekunde aufeinandertreffen.
Ein wohliger Schauer lief ihr über die Arme, und sie presste die Oberschenkel zusammen, um das plötzliche Verlangen zu unterdrücken.
Als sie sich entfernte, erreichte sie sein Geruch: Zeder, Schnee, und etwas Dunkleres darunter. Wolf. Genau wie sie. Seine Nüstern bebten – nur ein kleines Stück, nicht mehr. Als hätte er den Duft ihrer Erregung in der Luft wahrgenommen. In diesem Moment änderte sie ihre Richtung, statt zu ihrem Platz zurückzukehren, ging sie direkt auf ihn zu. Seine Augen lagen wieder auf ihr.
Sie ließ sich auf den Hocker neben ihn gleiten, bevor sie es sich anders überlegen konnte.
„Du siehst aus wie ein Mann, der mehr braucht als nur Whiskey.“ Ihre Stimme klang tief und rau, eine Sinnlichkeit, von der sie gar nicht wusste, dass sie sie besaß. Ihr Blick glitt über seine breiten Schultern und seine muskulöse Brust. Sie war fast schockiert über sich selbst. Das war so untypisch für sie.
Seine silbernen Augen huschten über ihren Körper, und ihre Brustwarzen verhärteten sich als Antwort unter ihrem BH. Scheiße. Dieser Typ ist das wandelnde Sex-Objekt.
Seine Antwort war anders, als sie erwartet hatte. Sie hätte schockiert sein müssen. Stattdessen fachten seine Worte die Hitze, die bereits tief in ihrem Bauch pulsierte, nur noch weiter an.
„Ich könnte einen schnellen Fick gebrauchen“, sagte er. Seine Stimme war ein rauchiges, kehliges Vergnügen, das eine neue Welle der Nässe in ihrem Slip auslöste.
Sie schluckte und hielt seinem Blick stand. Die Gedanken, die durch ihren Kopf rasten, waren ihr so neu wie aufregend.
Mit weichen Knien, berauscht von dem Wissen, dass sie im Begriff war, etwas so Dummes und absolut Untypisches zu tun, glitt Lara vom Hocker. Sie drehte sich in Richtung der Toiletten links von der Bar. Mit einer dezenten Fingerbewegung hatte sie Mister Silver Eyes zu sich gewunken. Einen Moment lang wusste sie nicht, ob sie wirklich wollte, dass er ihr folgte.
Aber er folgte ihr. Denn zwei Minuten später drückte er sie gegen die Wand einer Toilettenkabine und vögelte sie nach Strich und Faden.