Prolog
22:45 Uhr. Ich starre an die Decke meines Zimmers, als könnte ich dort eine Antwort finden, warum ich seit einer Stunde wach liege, obwohl ich morgen früh raus muss.
Es ist einer dieser Abende, an denen die Stille im Zimmer zu laut wird. An denen ich merke, wie sehr sich mein Leben in den letzten Monaten angefühlt hat wie ein Warteraum – als würde ich auf etwas warten, ohne zu wissen, worauf.
Schlaf wird heute Nacht nichts. Das weiß ich, bevor ich es mir eingestehe.
Ich greife nach meinem Handy, mehr aus Gewohnheit als aus echtem Interesse. Der Bildschirm blendet mich für einen Moment, während ich ziellos durch irgendwelche Jobportale scrolle – eine nächtliche Marotte, die ich mir in den letzten Monaten angewöhnt habe. Nicht, weil ich unbedingt kündigen will. Sondern weil das Scrollen mich davon abhält, zu viel nachzudenken.
Kleine Kanzlei sucht Rechtsanwaltsfachangestellte... Vollzeit, unbefristet...
Ich klicke mich durch ein Dutzend Anzeigen, ohne wirklich hinzusehen, bis eine hängen bleibt.
Persönliche Assistenz (m/w/d) für Kanzleileitung gesucht. Internationale Großkanzlei. Attraktives Gehalt, Unterkunft wird gestellt.
Ich setze mich auf. Das Herz schlägt mir plötzlich schneller, ganz ohne dass ich wüsste, warum. Ich lese die Anzeige noch einmal, aufmerksamer diesmal. Groß. International. Weit weg von hier – von den immer gleichen Straßen, den immer gleichen Tagen.
Es ist fast Mitternacht, als ich auf „Bewerben“ klicke.
Erst später – viel später – werde ich begreifen, dass ich in dieser Nacht nicht einfach nur eine Bewerbung abgeschickt habe.
Ich habe mein ganzes Leben verändert.








