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PATIENT X67

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Zusammenfassung

PATIENT X67 2030 beginnt in Köln ein Albtraum, der die gesamte Menschheit ins Verderben stürzt. An mehreren Orten gleichzeitig taucht ein unbekannter Virus auf. Er mutiert unaufhörlich, breitet sich weltweit aus und raubt den Infizierten die Kontrolle über sich selbst. Aus einer rätselhaften Krankheit wird eine Katastrophe, die Staaten zerfallen lässt und die Welt in Chaos und Gewalt stürzt. 2050 besiegeln Atomwaffen das Ende der alten Zivilisation. Im Jahr 2260 ist von der einstigen Welt kaum etwas übrig. Tief unter Köln-Kalk wächst ein Junge in einer abgeschotteten Anlage auf. Er trägt keinen Namen, sondern nur eine Kennzeichnung: X67. Sein Leben ist streng geregelt. Training, medizinische Untersuchungen und Vorschriften bestimmen seinen Alltag. Ihm wird gesagt, dass er und die anderen Kinder eine besondere Aufgabe haben: die Menschheit zu retten. Doch X67 ahnt nicht, was wirklich hinter seinem Leben steckt. Als sein Körper beginnt, sich auf unerklärliche Weise zu verändern, gerät alles, woran er bisher geglaubt hat, ins Wanken.

Genre:
Scifi
Autor:
Artur Zander
Status:
vor 7 Stunden
Kapitel:
2
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

Prolog - Der Anfang vom Ende

Alles, was ich über den Ausbruch weiß, stammt aus alten Aufzeichnungen, beschädigten Videoaufnahmen sowie den Berichten jener Menschen, die die ersten Jahre überlebt haben. Manche Dokumente widersprechen sich, andere enden mitten in einem Satz. Es gibt Lücken, die niemand mehr schließen kann, und Geschichten, die über Generationen hinweg so oft verändert wurden, dass sich Wahrheit und Erinnerung kaum noch voneinander unterscheiden lassen.

Doch eines steht fest: Im Jahr 2030 veränderte sich die Welt für immer.

Es begann nicht in Köln. Es begann auch nicht an einem einzigen Ort. Die ersten Fälle wurden beinahe gleichzeitig aus verschiedenen Teilen der Erde gemeldet. Während die Menschen in ihren Wohnungen frühstückten, zur Arbeit fuhren oder ihre Kinder zur Schule brachten, breitete sich etwas aus, dessen Ursprung niemand kannte. Die Nachrichten sprachen zunächst von einer ungewöhnlichen Infektion. Die Behörden mahnten zur Ruhe, Krankenhäuser meldeten vereinzelte Notfälle und Wissenschaftler versicherten der Öffentlichkeit, dass man die Ursache finden werde.

In Köln ahnte an diesem Morgen noch niemand, was bevorstand.

Der Himmel über der Stadt war grau, aber trocken. Die Straßen füllten sich mit Autos, Straßenbahnen und Menschen, die es eilig hatten. Am Hauptbahnhof drängten sich Reisende auf den Bahnsteigen, während vor dem Dom die ersten Touristen ihre Kameras zückten. In den Cafés wurde Kaffee serviert, in den Geschäften wurden die Rollläden hochgezogen und irgendwo in Ehrenfeld beschwerte sich ein Mann darüber, dass sein Zug schon wieder Verspätung hatte.

Es war ein gewöhnlicher Morgen. Einer von vielen.

Kurz nach neun Uhr erreichten die ersten Meldungen die Kölner Nachrichtenredaktionen. Demnach war ein Mann am Hauptbahnhof zusammengebrochen und hatte sich gegen die Sanitäter gewehrt, die ihm helfen wollten. Augenzeugen berichteten von Blut an seiner Kleidung und davon, dass er sich ungewöhnlich stark gekrümmt habe. Nur wenige Minuten später ging eine weitere Meldung ein. In der Notaufnahme der Universitätsklinik waren mehrere Patienten mit ähnlichen Symptomen eingeliefert worden. Sie litten unter hohem Fieber, starken Krämpfen und Hautveränderungen, die sich innerhalb kürzester Zeit ausbreiteten.

Zunächst hielt man die Fälle für voneinander unabhängige medizinische Notfälle. Doch dann kamen weitere Meldungen hinzu. Am Neumarkt hatte eine Frau einen Passanten angegriffen. In Deutz wurde ein Mann von mehreren Polizisten überwältigt, nachdem er sich mit einer Kraft, die man ihm aufgrund seiner Verletzungen kaum zugetraut hätte, gegen sie gewehrt hatte. Aus Kalk wurden Menschen gemeldet, die sich in ihren Wohnungen eingeschlossen hatten, weil ihre Angehörigen plötzlich nicht mehr ansprechbar waren.

Die ersten Bilder, die später in den Archiven auftauchten, waren verwackelt und von schlechter Qualität. Trotzdem konnte man erkennen, dass mit diesen Menschen etwas nicht stimmte.

Unter ihrer Haut bildeten sich Schwellungen, die zunächst wie entzündete Knoten aussahen. Innerhalb weniger Stunden wuchsen sie zu unförmigen Erhebungen heran. Manche platzten auf und sonderten eine dicke, gelbliche Flüssigkeit ab, die an den Rändern der Wunden klebte. Das Gewebe darunter war verändert. Es sah nicht aus wie eine gewöhnliche Verletzung, sondern wie etwas, das der menschliche Körper selbst hervorgebracht hatte und das trotzdem nicht mehr zu ihm gehörte.

Die Infizierten schrien, rissen an ihrer Kleidung und schlugen um sich. Einige schienen ihre Umgebung noch wahrzunehmen, andere reagierten auf nichts mehr, was man ihnen zurief. Sie erkannten ihre Angehörigen nicht, beantworteten keine Fragen und zeigten keine Anzeichen dafür, dass sie verstanden, was mit ihnen geschah.

Die Ärzte versuchten, die Betroffenen zu behandeln. Sie untersuchten Blutproben, verabreichten Medikamente und isolierten die Patienten. Doch die Veränderungen schritten weiter voran. Bei manchen dauerte es nur wenige Stunden, bis der Körper kaum noch wiederzuerkennen war. Andere blieben zunächst scheinbar stabil, bevor sich ihr Zustand über Tage hinweg verschlechterte.

Eine wirksame Behandlung gab es nicht.

Die Infektion wurde durch direkten Kontakt mit infektiösem Material übertragen. Bisse, Blut, Speichel und die gelbliche Flüssigkeit aus den veränderten Geweben konnten genügen, um einen weiteren Menschen anzustecken. Niemand wusste, wie viel Material erforderlich war oder wie lange es dauerte, bis die ersten Anzeichen auftraten. Sicher war nur, dass jeder neue Kontakt weitere Fälle hervorbringen konnte.

Noch am selben Tag wurden in Köln die ersten Straßen abgesperrt. Polizeikräfte erhielten den Auftrag, betroffene Gebäude zu sichern und Infizierte von der Bevölkerung zu trennen. Rettungswagen fuhren mit Blaulicht durch die Stadt, während die Notaufnahmen längst überfüllt waren. Die Menschen standen vor den Krankenhäusern und verlangten Auskunft über ihre Angehörigen. Einige weigerten sich, die Absperrungen zu verlassen. Andere versuchten, die Gebäude zu stürmen, weil sie glaubten, ihre Familienmitglieder dort zurücklassen zu müssen.

Am Abend änderte sich der Ton der Nachrichten.

Aus den ersten Einzelfällen waren zahlreiche Ausbrüche geworden. Meldungen über ähnliche Krankheitsverläufe kamen aus immer mehr Ländern. Regierungen riefen Krisenstäbe zusammen, Grenzen wurden geschlossen und Flugverbindungen eingestellt. Die Bilder aus anderen Regionen zeigten dasselbe Grauen, doch in Köln blieb man zunächst auf die eigenen Straßen, Krankenhäuser und Wohnviertel konzentriert. Jeder neue Bericht aus der Stadt brachte die Menschen näher an die Erkenntnis, dass es keine schnelle Hilfe geben würde.

Die Soldaten rückten in die Stadt ein. Kontrollpunkte wurden eingerichtet, wichtige Zufahrtsstraßen gesperrt und öffentliche Gebäude unter Schutz gestellt. In den ersten Tagen kämpften Polizei, Rettungskräfte, Militär und freiwillige Helfer gemeinsam gegen die Ausbreitung. Sie bargen Verletzte, versorgten Menschen in eingeschlossenen Häusern und versuchten, die Infizierten aufzuhalten.

Doch der Gegner ließ sich nicht aufhalten.

Die Körper der Erkrankten veränderten sich weiter. Bei einigen bildeten sich dicke Gewebewucherungen entlang der Arme und des Rückens. Andere entwickelten verhärtete Hautpartien, unförmige Gelenke oder Knochenstrukturen, die sich sichtbar durch das Gewebe drückten. Die gelblichen Sekrete wurden zu einer ständigen Gefahr für alle, die mit den Betroffenen in Berührung kamen. Selbst Menschen, die zunächst nur leichte Symptome zeigten, konnten innerhalb kurzer Zeit zu einer Gefahr für ihre Umgebung werden.

Und es blieb nicht bei einer einzigen Form der Veränderung.

Manche Körper starben, bevor die Infektion weit genug fortgeschritten war. Andere entwickelten sich weiter, obwohl ihre ursprüngliche Gestalt kaum noch vorhanden war. Die Krankheit schien den menschlichen Körper nicht einfach zu zerstören. Sie veränderte ihn, baute Gewebe um und brachte Strukturen hervor, für die es keine medizinische Erklärung gab. Was dabei entstand, war nicht vorhersehbar. Kein Verlauf glich vollständig dem anderen.

Die Menschen nannten die Infizierten bald nur noch die Veränderten.

Mit jedem Tag verlor Köln mehr von seinem normalen Leben. Geschäfte blieben geschlossen, Lebensmittel wurden knapp und die Straßen, die früher von Verkehr und Stimmen erfüllt gewesen waren, leerten sich. In einigen Stadtteilen hielten sich Menschen noch immer in ihren Wohnungen auf. Andere schlossen sich zu Gruppen zusammen und versuchten, gemeinsam zu überleben. Wer sich außerhalb gesicherter Bereiche bewegte, riskierte, einem Infizierten zu begegnen oder in die Kämpfe zwischen Überlebenden und Sicherheitskräften zu geraten.

Die Behörden begannen, größere Gebäude zu befestigen und Schutzräume einzurichten. Tiefgaragen, Industrieanlagen, Verwaltungsgebäude und andere massive Bauwerke wurden zu provisorischen Bunkern umgebaut. Gleichzeitig entstanden neue unterirdische Anlagen. Überall dort, wo es noch möglich war, versuchte man, sichere Bereiche zu schaffen, in denen Menschen vor der Infektion geschützt werden konnten.

Doch es gab nicht genug Platz für alle.

Vor den Eingängen bildeten sich Menschenmengen, die immer größer wurden. Eltern hielten ihre Kinder fest, während sie auf Einlass warteten. Verletzte wurden auf Türen und provisorischen Tragen herangeschafft. Familien flehten die Wachen an, sie gemeinsam aufzunehmen. Manche versuchten, sich durch die Absperrungen zu drängen. Andere wurden zurückgeschickt, weil die Schutzräume bereits überfüllt waren oder weil niemand mehr bereit war, ein zusätzliches Risiko einzugehen.

Es kam zu Aufständen. Menschen schlugen gegen die Tore, warfen Steine auf die Wachen und kämpften um jeden Platz, der ihnen noch ein paar Tage oder vielleicht ein paar Wochen Leben versprach. Die Sicherheitskräfte antworteten mit Gewalt. Nicht jeder, der vor einem Bunker stand, war infiziert. Aber irgendwann spielte das kaum noch eine Rolle. Wer draußen blieb, hatte immer weniger Chancen.

Inmitten dieses Zusammenbruchs arbeitete ein Unternehmen weiter, dessen Name später eine besondere Bedeutung bekommen sollte: Veridian Dynamics.

Der internationale Technologiekonzern hatte sich bereits lange vor dem Ausbruch mit Biotechnologie, genetischer Forschung, medizinischen Implantaten und zellulärer Regeneration beschäftigt. Neben seinen öffentlichen Forschungseinrichtungen verfügte das Unternehmen über umfangreiche unterirdische Anlagen. Diese waren ursprünglich für Forschungsprojekte, technische Krisen und den Schutz wichtiger Mitarbeiter vorgesehen gewesen. Mit dem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung wurden sie zu etwas anderem: zu einer Zuflucht, die nicht jeder betreten durfte.

Während die staatlichen Strukturen zunehmend an Einfluss verloren, sicherte Veridian seine Anlagen und nahm ausgewählte Menschen auf. Fachkräfte, Wissenschaftler, Techniker und ihre Familien erhielten bevorzugten Zugang. Andere mussten draußen bleiben. Mit der Zeit wurde aus den Schutzanlagen eine abgeschlossene Gemeinschaft, in der Veridian nicht nur die Versorgung, sondern auch die Regeln des Zusammenlebens bestimmte.

Die Welt über ihnen versank langsam im Chaos.

Jahre vergingen. Die Infektion breitete sich weiter aus, und die Veränderten verschwanden nicht. Sie starben, entwickelten sich weiter oder brachten neue Formen hervor, die niemand vorhergesehen hatte. Ganze Regionen wurden aufgegeben. Andere wurden unter militärischer Kontrolle gehalten, bis auch dort die letzten Verteidigungslinien fielen. Die Menschen lernten, sich vor den Infizierten zu schützen, doch sie lernten nie, die Krankheit zu besiegen.

Im Jahr 2050 kam eine weitere Katastrophe hinzu.

In verschiedenen Ländern wurden Atomwaffen eingesetzt. Die genauen Gründe unterschieden sich von Ort zu Ort. Einige Regierungen wollten den Vormarsch der Infizierten stoppen, andere versuchten, Gebiete zurückzugewinnen oder eine Ausbreitung über ihre Grenzen hinaus zu verhindern. Was auch immer die Absichten gewesen waren, die Folgen waren verheerend. Städte verschwanden, Landstriche wurden verwüstet und die wenigen verbliebenen menschlichen Strukturen weiter zerschlagen.

Spätere Aufzeichnungen ließen vermuten, dass sich die Veränderungen der Infektion in den betroffenen Gebieten beschleunigten oder auf eine Weise entwickelten, die zuvor nicht beobachtet worden war. Ob die Strahlung dafür verantwortlich war, ob andere Faktoren eine Rolle spielten oder ob die Krankheit ohnehin eine neue Entwicklungsstufe erreicht hatte, konnte niemand eindeutig beweisen. Die Berichte blieben widersprüchlich.

Sicher war nur, dass die Welt danach nicht mehr dieselbe war.

Die folgenden Jahrzehnte und Jahrhunderte gehörten den wenigen Menschen, die überlebt hatten. Einige lebten in unterirdischen Anlagen, andere in befestigten Siedlungen oder abgeschiedenen Gemeinschaften an der Oberfläche. Vieles von dem Wissen, das die Menschheit einst besessen hatte, ging verloren. Maschinen verstummten, Städte zerfielen und die Natur begann, sich jene Orte zurückzuholen, die der Mensch verlassen hatte. Doch die Infektion blieb bestehen.

Sie veränderte sich weiter.

Was im Jahr 2030 begonnen hatte, war längst keine Krankheit mehr, die man mit den Begriffen der alten Medizin hätte beschreiben können. Die Veränderten waren nicht einfach wandelnde Tote. Sie waren lebende Organismen, deren Körper sich immer weiter anpassten, ohne dass jemand verstand, welchem Ziel diese Entwicklung folgte. Manche bewegten sich kaum noch, andere waren schnell und aggressiv. Einige schienen kaum mehr als eine Ansammlung deformierten Gewebes zu sein, während andere noch immer etwas Menschliches an sich trugen.

Die Menschheit hatte nicht aufgehört, zu existieren. Aber sie hatte einen hohen Preis dafür bezahlt, weiterzuleben.

Im Jahr 2245 war von der alten Welt nur noch wenig übrig.

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