Kapitel 1
Lena
Ich zähle die Schläge auf dem Monitor, bevor ich die Tage zähle. Eine Angewohnheit aus der Pflege: Zahlen beruhigen, wenn Menschen es nicht mehr können.
In dieser Nacht half das Zählen nicht.
Um drei Uhr stellte das Team die Wiederbelebung ein. Der dritte Patient von Daniel war tot.
Ich blieb neben Ricardos Bett stehen, während die anderen die Geräte beiseiteräumten. Eine Elektrode hatte sich gelöst. Ich klebte sie wieder fest, bevor mir bewusst wurde, dass es nichts mehr änderte.
„Lena.“
Daniel wartete darauf, dass ich Platz machte.
Ich trat zur Seite. Er sah auf die Uhr, sprach mit dem Assistenzarzt und nannte den Todeszeitpunkt. Seine Stimme hatte dieselbe Temperatur wie immer. Weder laut noch leise. Er sprach etwas langsamer als wir, als wäre unsere Eile ein Fehler.
Nicht einmal eine Stunde zuvor hatte Ricardo mich gefragt, ob seine Tochter ihn am Morgen besuchen dürfe. Ich hatte versprochen, die Besuchszeit für ihn zu klären.
Seine Frage war noch immer unbeantwortet.
„Das ging schnell“, sagte Daniel. Er stand bereits an der Tür.
„Er hat noch mit mir gesprochen.“
„Ich weiß.“
Ich wartete darauf, dass er mehr sagte. Daniel blickte auf den Flur.
„Ich muss mit den Angehörigen sprechen.“
Wir gingen in entgegengesetzte Richtungen.
Am Stationsstützpunkt dokumentierte ich, was ich miterlebt hatte: die Verschlechterung seines Zustands, die Alarmierung, die Wiederbelebungsmaßnahmen, die anwesenden Kollegen. Ich löschte ein Wort und ersetzte es durch ein genaueres. Das war das Mindeste, was ich noch für Ricardo tun konnte.
Neben mir klingelte das Telefon. In einem anderen Zimmer brauchte jemand eine Decke. Das Krankenhaus verlangte weiter nach kleinen Dingen. Nach Dingen, die noch möglich waren.
Bevor ich das Fenster schloss, las ich den vorherigen Verlaufseintrag noch einmal.
Patient stabil.
Zwei Wörter. Sie schienen den ganzen Bildschirm auszufüllen.
Drei Tote. Drei Patienten von Daniel. Drei Nächte.
Das bewies nichts. Ich war bei allen drei Notfällen dabei gewesen und wusste, dass keiner dieser Patienten gesund ins Krankenhaus gekommen war. Trotzdem musste ich verstehen, was zwischen dem dokumentierten stabilen Zustand und dem Notruf geschehen war.
Ich kaute auf der Kappe meines Kugelschreibers. Unter dem Eintrag fiel mir eine Zeitangabe auf.
Ich öffnete die Dokumentation erneut








